Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 3. (1.2.1876)
- Date
- 1876-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wische Litemtiirblitt. Zur Beleuchtung alter Judenthum u. Juden betreffenden Uterarischen Erscheinungen aus dem Gebiete der Philosophiereschichte,Ethnographie,Theologie, Brientoii-, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Nahmer. Magdeburg, 1. Februar 1876. Bücher der einschlägigen Literatur, welch» der Ned. de» ״Jid. Kiteraturdlatt" in Magdeburg (»der der ^Jarael. Wochrnschr." in Stettin);«gesandt werde», finden in dtesem Platte eingehende Besprechung. V___ג Hr li Erscheint am 1. u 18. deS Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mart. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochen- Pi schrift" (die jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Friese. ״• Die Lag de-Omsr-Feier im Orient. Die 21״. Z, d. I." 1875 Nr. 44 läßt sich aus Bona (Algerien) von eilter großen Feierlichkeit berichten, welche daselbst an! 22. Mai zu Ehren eines R. Simon, Schüler R- Akiba's, stattfand. Eine redactionelle Anmerkung fügt hinzu: ״Sollte heißen: 23. Mai, an welchem diesmal Lag be-Omer fiel, und könnte der Gefeierte R. Simon, einer der 10 Märtyrer mit R. Jsmael, sein (1• רש״בג), über welche 9t Akiba die Trauerrede hielt, wenn nicht dessen Todestag auf den 25. Sivan festgestellt wäre." Zunächst haben wir zu bemerken, daß diese Feier ja nicht gerade dem Sterbetage gelten mußte; sie konnte ebensogut die ״Geburt, Vermählung oder irgend ein anderes Ereigniß im Lebe,! des Märtyrers zur Veranlafluug genommen haben. Anders referirt Munk (in seinem ״Palästina" übers, von vr. Levy I. Band S. 132) über diese in Palästina übliche Feier. Er schreibt: ״Am 23. Tag nach Ostern, dem vermeintlichen Todestag Simon's des Gerechten, des ״Letzten der großen Synagoge", findet ein großes Volksfest an desien Grabe statt, woran sich auch die Frauen in Gruppen unter dem Schatten der Oelbäume mit Tambourin und Händeklatschen betheiligen." vr. Levy corrigirt in einer Ailmerkung: ״Offenbar ist hier der 33. Tag in der Sefira gemeint." Danach wäre der Gefeierte gar שמעון הצדיק! R. Menachem Mendel, Rabbiner in Krotoschin im ״Atereth Sekenim“ zu Orach Chajim Nr. 493 berührt deil feierlichem Besuch am Grabe R. Simon b. Jochai's am 33. Sesiratage in Palästina. Auch mein verewigter Lehrer R. Moses Sofer s. A im ״Cbatham Sofer" I. D. Nr. 233 vindicirt die alljährlich zu ״Zephath" (Safed) wiederkehrende Feierlichkeit und Illumination der Grabstätte R. Simon b. Johai's; ein Gleiches erzählt der Reisende R. Israel b. Josef .Benjamin aus der Moldau in seinem Buche ״ückassocrtb Israel." Um der Wahrheit näher zu rücken, habe ich mich dieserhalb an die vsterr.-ungarische Jsraelitengemeinde in Jerusalem gewendet, und von ihr unter Andrem folgende Auskunft erhalten: ״Jerusalem 25. Marcheschwan 5636.Betreffs des Freudentages am 33. Sesiratage zu Ehren des bei Zafet in Miron ruhenden Tana, R. Simon b. Jochai s. A., so treffen an diesem Tage alle Bewo hner von Zafet und Liberias sowohl, als auch die ackerbautreibende Bevölkerung aus deren Umgedungen an der Grabesstätte des רש״בי ein, um ihren Herzensergüffen in ihrer arabischen Muttersprache freien Lauf zu kaffen. Auch die reichen Herreil von Damaskus und Aleftpo (ארם צומח) und vom Küstenlande bleiben nicht zurück, dem Tana רש״בי die Ehre zn geben. — Wir, die Bewohner Jerusalem's, die wir uns, theils aus materieller, theils aus physischer Kraftlosigkeit der Reiterei (נושאי מני אדם) nicht bedienen können, beleuchten am Vorabende unsre Synagogen und unsre Dacherker, und stimmen Dem Lieder an, deffen Wahl Jerusalem traf, und deffen Ruhm das große Wort verkündet: Israel, welches Volk auf Erden gleicht Dir! Mögen in Juda's Gauen recht bald Freudentöile erklingen! Am Tage ג מעומר"*? aber beten wir, wie auch unsre Frauen, an dem Stunde von hier entfernten Gewölbe Simon'S des Gerechten — um nicht beide Simon zu verwechseln, so gerecht beide waren — zum himmlischen Vater, daß er bald den längsterhofften Erlöser sende! Dahin führen wir auch unsere dreijährigen Knaben,, deren Kopfhaar, mit Belastung der beiden Schläfzipfel (פאות) wir dort scheeren'), und ohne Unterschied der ׳Nationalität, Sefardim wie Aschkenasim, beten wird dort für Euch, die Ihr schlaffe Hände kräftiget und schwankende Knieen stützet. . . ." Soweit die Auskunft aus dem h. Lande, nach welcher die Feier in Bona, wahrscheinlich eine Nachahmung jener zu Jerusalem, am Vorabende des ל״ג מעומר, daher ganz richtig am 22. Mai und zwar zu Ehren R. Simon b. Jochai's, Schülers R. Akiba's (Jabamoth 62 b), begangen wurde; keinesfalls aber, wie die Redaction der ״A. Z. d. I." glaubt, zu Ehren R. Simon b. Gamaliels, des Märtyrers, welcher Nachweisbar gar nicht Schüler R. Akiba's sein konnte, denn bekanntlich erreichte R. Akiba 120 Lebensjahre, 80 Jahre alt begann er zu lehren, und wurde 52 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems gerichtet. Er fing also erst 12 Jahre nach der Zerstör>lng zu lehren an, während R. Simon b. Gamaliel der Märtyrer schon 18 Jahre v o r der Zerstörung Jerusalems das Patriarchat antrat.*) Gr. Kanizsa. Lewy. «} Es ist dies die Pöoth. Weihe der Knaben. חלקות genannt, bei welcher Pathenstellen vergeben werden. (Anmerk d. Eins.) ») Der geehrte Hr. Einsender verwechselt den iiltern R. S. b. G. mit dem jüngern; der ältere, der vor der Zerstörung Jerusalemmit dem Patriarchat bekleidet, vor Jerusalems Mauern gefallen war, kann natürlich Akiba's Schüler nicht gewesen sein, war auch kein Märtyrer.