Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1876-01-01 · Nr. 1. (1.1.1876) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 1. (1.1.1876)
Date
1876-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/5367336-5990818-5990970--0533-5367575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 echaltene Maffora zum Ovkelos beigeschrieben. Bon dieser Maffora hatte man auch bisher Kunde, sogar Proben und größere Fragniente, namentlich das von Luzzatto benutzte und jüngst vom OR. Adler in London edirte Das glückliche Verdienst, dieselbe vollständig entdeckt zu haben und zwar in dem erwähnten Parmesex Bibelcodex, wurde Herrn vr. Berliner zu Theil. Diesen Fund veröffentlicht er nunmehr in klarer übersichtlicher Anordnung und mit einer Einleitung versehen, jn der vorliegenden Arbeit, und verpflichtet sich damit alle diejenigen, welche den aramäischen Bibel Versionen nähere Aufme-r.ksamkeit widmen, zu Danke. Zwar möchte es ans den ersten Blick scheinen, als ob eine Massora zum Pcntstcuchtargum nicht viel mehr als eine literarische Luriosität wäre, von irgend einem müßigen Buchstabenklaubcr zusammeugestcllt. In-- dessen eigt die Prüfung dieser Massora, daß wir in derselben ein auS dem geistigen Leben jener Zeit geflossenes Produkt vor! ns l aben, in welcher die babylonisch-aramäische Penta- IxNchübcrsetznng das höchste Ansehen erlaugt hatte, iu ivelcher diese Uebersetznng ays dem mehr oder minder flüssigen Zustände einer früheren Epoche sich endgiltig fixirt hatte, und wo Man darauf bedacht war, auch ,die letzten Spure» des ehenra- Ugen Schwankens möglichst zu beseitigen, sowie durch Feststesläng der noch vorhandenen Barioutcn die Entstehung neuer zy verhindern. Dies ivurde durch eine fortlaufende Reihe von Bemerk «««gen bewerkstelligt, welche ihrer Form nach mit der biblischen Massora übereinstimmen und nur insofern abweichrnde« Charakters find, als sie eben die Massora einer lieberfötzung bilden. Es darf für den, der eine derartige weitgekstnde Sorgfalt für eine bloße Uederfrtzung etwas sonderbar finden dürfte, nur daran erinnert werden, daß die bei den Christen Mm höchsten Anschen gelangte griechische Bibelübersetznng durch einen der geistvollsten Kirchenväter, OrtgineS, mit einer Art Massora ausgestattet wurde. Dürfen wir nun in der Onkelosmassora ein Erzeugniß, und zwar ein aus dem lebendigen Bedürfniß der Zeit erwachsenes Erzeugniß der gao- Mschen Periode begrüßen (der Herausgeber nimmt die Grenzscheide des 9. und 10. Jhdts. an), so ist schon dies Grund gtn»g, das in ihr Gebotene mit Vertrauen zum Verständnisse und zur Kritik des TargumS zu veriverthen. Freilich so reiche Resultate, wie sie Herr vr. Berliner aus derselben M ziehen hofft, dürfen wir nicht erwarten. Abgesehen von den Ergeb- Nissen, welche eingehendere Vergleichung für die Vacalisation und überhaupt Orthographie des Targuins aus den massoretischen Notizen entnehnien wird, scheint uns die wichtigste Thatfache das durch eine Menge von Beispielen constatirte Vorhandensein von UiNerschieden zwischen dem zu Sura und dem zu Nehardea gebräuchliche» Targum. Es ist dabei bemerkenswerth, daß die suranischen Lefearten überwiegend mit dem gewöhnlichen Texte den Targumim übercinftimmen, ohne Zweifel weil die Schule d«S ersten Meisters von Sura, die Schule Rad's dem sogenannten Targunl Onkelos seine nachher sanktionirte Gestalt gab. Gelbst dort, wo unsere Ausgaben die Leseart von Nahardea darbieten, stndet man in den Handschristen und älteren Ausgaben, z. B. der von Sabionetta die suranische; z. B. z. Exod. 16, 30, Gen. 45, 22. Selten haden die Lesearteil beider Schulen einer drittelt Version Platz gemacht, z. B N'2N Gen. 20, 9. Vor« exegetischer Erheblichkeit sind übrigens diese Schulvarianten in den wenigsten Fällen; meistens beziehe!« sie sich auf Wortsorin, Flerion und Aussprache, besonders Vocalisation, iliid in letzterer Hinsicht bieten sie uns wenigstens Handhabe dafür, wie in den Schulen das Aramäisch« ausgesprochen wurde. Für die wirkliche grammatische Erkenntmh des Aranaischen kann u«an sowohl diese Variante», als die übrigen Nor«nirungen unserer Massora «mr mit großer Behutsamkeit veriverthen*). Diese Behutsanckeit ging Herrn vr. B. ab, als er aus einer Bpmerku««g der Maffora etwas schließt, «voran im Targum nicht ge- *) Vgl. iva» darüber in einem ähnlichen Falle — für da« Propdetentargum — in meinem Rufsatze, Zeikfchrift des D. M. - Gefellfch. Bd. XXVIII 3. 35 gesagt ist.' dacht ist. Zu Nuul. 10, 2 wird nämjich darauf aufmerksam gemacht, daß למסע mit ׳לאטלא während למסע im Deut. 10, 12 mit למטול sibersetzt werden muß. Der Tars gumist soll nun — darauf «nacht nach vr. P. die Massora aufmerksam — im ersten למסע Eine» Infinitiv, i® zweiten ein Hauptwort erkannt haben, Wer aber naher zusieht, wirleicht erkermen, daß nicht dieser Unterschied dem Massocete» am Herzen lag, sondern er daraus hiuwies,däß dies eine Wort למסע im ersten Falle den Inftniti» des Histl (ausbrechen lassen, לאטלא) i»t -veiten den Ins. des Kal vertritt; **) 1י) למטול* Chirek nuter a) kann ganz gut der Jnsinitiv «eü>st selbst sein, obwohl er sonst 0 למטל'n״kck) lantet- ״ Außer den Sura- Nahardea-Variantcn bietet die Maffora des Parmefer Codex noch airdere unter der Ueberfchrist ״Irakisch", also auch babylonisch, vielleicht aus Punibediiha stammend. Andere Lesearten werden als ׳ותרגום זקן =) ת״ז oder als גופחא אחרינא) נ״א! angeführt. ***> — Es würde den Raum einer Anzeige überschreiten, wollten wir iu den Inhalt der eigentlichen Maffora eingehe» und ihre«! Werth für die Erkenntniß der targmmstischen Hermeueutrk beurhcilen. Iedeitfalls schlägt der Herausgeber den» selben zu hoch am Daß aber der Werth dieser seiner Pub li» kation für Kritik des Targum ein nicht zu unterschätzender ist, dürite auch aus dem Bisherigen erficksttich geworden sein. Wir hoffen auf diefelbe Mrückko.ninea zu können und niancheS dies» mal nicht Erörterte mchzuholen, wenn die zweite Abtheiümg m«d das Nachwort des Herausgebers das in MgeMoärtitztM Hefte Gebotene vervollständigen wird. Vr. W. B. Mach» A. Rabbiner. Studien zur Geschichte der Sammlung der alkhebräischen Literatur. (Schriften des neue« israel. Literaturvereins, Jahrgang k, 1875.) 160 S. 8. Hypothesen ohne Ende — das ist das abschreckend^ Kenn-׳ zeichen der historisch-exegetischen Bibelknnbe. Es ist dies gleicherweise ein noihwenviges, wie ein künstlich geschaffenes Uebel. Spärliche Ausbeute bieten die deutliche» alten Berichte — waS darül>er geht, ist weithin zerstreut durch dicke Folianten und dgbei gar oft dunkel und zweideutig. Mochten ja Iahrhunderte hindurch Judeuthnm, wie Chrijtenthlu» Nichts wissen von einem allinähligen Entstehen, von einem Werden ihrer heiligen Schriften. Six alle sind inspsrirt; da ist אי{ מוקרפ ומאותר von einem Früher und Später keine Rede. Die wiffenschaftliche Kritik machte das Uebel ärger, da sie, wie alle Kritik ihre Hauptstärke in der Negation zeigte. Und Kritik ist sie auch geblieben, sie hat es nur zu schwache» Anfängen der ״Wiffenschaft" gebracht. Nichlwiffcn und stolzes Ueberhebe» verschmähete eine gründliche Untersuchung, ja selbst eine DurHsuchxmg deS rabbinischen Schristthumes. Es ward tabula ras» geschaffen, ays ivelcher das 8״tat pro rations roluuta," ln bacchailtischem Taumel gebot. Eine Fülle von Scharfsinn, Witz, Combinalionskrast, ein Uebermatz gedanklicher Arbeit suchten aus dem 'Nichts Geschichte zu machen — Es entsiande« auch Geschichtsgebilde, so mannigfach und verschieden, wie die theologischen und «viffenschaftlkchen Parteien der Zeit, denn der Geist der Zeit, es ist der Herren eigner Geist! Daher stammt auch das, was wir an der Anlgage der vorl. Schrift hauptsächlich tadeln würden, wenn eS nicht ein nochwendiges Uebel wäre die allzugroße Breite, in welcher die Kritik und die Bekänlpsung der nrannigsachsten Hypothesen darin sich vollzieht. Denn in seinein Wesen, in dem, was es leistet, bezeichnet unser Buch vielmehr eine entschiedene Umkehr von dem aus Nichts zu Nichts fürhrenden Wege. Mt vieler Sachkünde und großem Scharfsinne macht Herr B. vielmehr auch **> lieber diese Abstraltbildung. welch« mit Jnstnitivbedeutung auftritt, ist zu vergleichen Ewald Lehrbuch § 2398. Zmn ersten מסע — Infinitiv Hifi! vgl להריע למ!-ע Daniel 11, 27. ***) Dieselben gehören schwerlich zur Maffora selbst, sondern sind wohl Zuthaten de» Abschreiber».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.