Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 1. (1.1.1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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die zahlreichen im Talmud und den alten Midraschim zerstreulen Andeutungen nutzbar für die Schriftforschung. Dadurch gelangt er zu einer glänzenden und überzeugenden Darstellung, wie die Festsetzung der einzelnen Kanontheile eine Folge des halachischen Studiums sei, wie das Bestimmen der heil. Bücher zur Sicherung und Begrenzung des Lehrinhaltes der Halacha und, was freilich nur angedeutet wird, auch der Agada nothwendig geworden (S. 47 ff.). Ein dreifacher Kanonschluß, eine dreimalige Sammlung heiliger Bücher, von der Ecclesia magna veranstaltet (ESra-Thora, die ersten Geschlechter Nebiim, 150 Jahre später die letzten Geschlechter-Ketubim) schuf die drei Thsilr der heil. Schrift. Dies ist die Hauptthatigkett dieses ״Volksparlamentes" gewesen, dessen Leiter von Anfang an die 80ferin1 waren, die mit der Zeit alleinige Mitglieder dssselden wurden. Damit haben sie ״einen Zaun um die Thora gen, acht" So lautet das Hauptergebniß der Schrift, welche es in 5 Abschnitten begründet. In Abschnitt I (Benennung und successtve Entstehung, Zahl, ättefte Eintheilung und Ordnung der althebr. Schriften (S. 1—36)) wird darauf hingewiesen, wie es keinen hebr. Namen für die ganze dreitheilige Sammlung gebe, daß jede Sammlung ihren Sondermann habe. ״Wie die drei Sammlungen, so addirte sich das Bolk die drei Namen" (S. 9.) Gelegentlich — überhaupt findet sich der intereffanten Episoden enie große Zahl — wird dabei in lichtvoller Weise klargelegt, wie mtt תורה in seiner Bedeutung ״Lehre, Belehrung" speciell der Pentateuch benannt wurde, während es mit demselben Rechte auch Propheten und Hagiographen bezeichnen kann und hie und da bezeichnet. Nur ist der Pent. das erste Buch, welches ein ״Buch der Lehre" war. Alsdann die prophettsche Schriften gesammelt waren, war die Bezeichnung תורה schon zu sehr mtt dem Pent. verwachsen, als daß ihnen derselbe Namen hätte beigelegt werden können -ספרים nannte man daher die neuen Schriften. Als dann die dritte Sammlung hinzutrat, hatte sich für die zweite der Namen Nebiim schon festgestellt — ein Namen, der gleicherweise dem Pent. zukam. Nur MS Nebiim wurden die Haftarot genommen — die eigentlich Borlesung der Propheten (also eigentlich aller?) waren — weil zur Zeit ihrer Einführung die - Hagiographen noch nicht gesammett waren (S. 18) und da sie zu öffentlichen Borträgen gebrMcht wurden, erhielten sie früher ein Targum. Doch Hiob hatte ein solches schon zur Zeit de- Jonathan. Auch die Hagiographen wurden als prophettsche Bücher betrachtet, so daß Nebiim sie ebenfalls öfters bezeichnet (eine Fülle von Beweisen dafür S. 12 ff.) Ketubim ist nur ein Name, ähnlich dem ספרים, den die Nebiim früher getragen. Diese 3 Sammlungen wurden erst spät zu einem Ganzen vereint, und daher konnte die Controverse entstehen, ob sie in einem Buche vereint werden dürfen, oder ob Propheten (was Ketubim mit umfaßt) auf Thora gelegt werden dürfe. Eben dieser Streit gilt unserm Verfasser mtt Recht mit als Beweis für drei verschiedene Sammlungen. Ruth habe ftüher dem Buche der Richter, die Klagelieder Jeremias angehört. In Bezug auf die Tendenz von Ruth stimmt Herr B. mit Güdemann (Aufsatz in der Frankel Grätz'schen Monatsschrist 1869.) überein, ohne diesen gekannt zu haben. Treffend ist auch der Nachweis, daß die Stellung und Verbindung der fünf Rollen im Mtttelalter erfolgt ist. Im 2. Abschnitte (S. 37—61) werden die Hypothesen der Tempclbibliothek und der Sammlung der Nationalliteratur eingehend ividerlegt. Eine Auswahl aus den Vorhändenen Schriften ward sowohl beim zweiten als beim drttten Kanonschluffe getroffen. Denn ein Gedicht, wie das Hohelied, ein Gedicht, so formvollendet, gelingt unmöglich beim ersten Anlause, und ein großer Erfolg erweckt Nacheiferung iS. 43). Schriften weltliche» Inhalts nahm man in den Kanon nicht auf, und da später verboten ward, nichtkanonische Bücher zu lesen, verschwanden sie. Nur der Name Salomo rettete uns das H. L. Treffend ist dafür der Hinweis auf Aboth di R. Nathan I, 1.__ ilK'ramn>ortlict)n iHeöacteur: Ur. M. ’Jtaijmet Auch unter den prophetischen Schriften ward mtt Strenge gewählt und gesichtet. (Megrlla 14 a נבואה שה וצרכה לדורות וכתבה) Das Borlesen der Thora und der Nebiim hatte den Zweck, das Volk mit dem Gesetze bekannt zu machen, ״daher der didaktische Charakter, der dem jüd. Gottesdienste von nun an immer erhallen blieb". (S. 57). Allzuwetten Raum nimmt die Widerlegung der aus 2. Macc. 2, 13 resultirendrn Angabe von dem ״angeblichen Kanon des Nehemia" (Abschnitt III S. 62—98) ein. Der Verfaffer hat augenscheinlich seine Freude daran, die Todten noch todter zu schlagen. Wunder nimmt uns, daß, da Maleachi ״nicht in die erste Periode Esra's und Nehemia's" gesetzt werden soll, nicht der dagegen sprechenden Notiz Megilm 15 a gedacht wird, daß R. Josua b. Korcha unter Beistimmung des R. Nachman b. Jizchak Esra mit Maleachi identisicirt, weil er gegen die Ehen mit ftemden Frauen eifert, gegen welches Argument der Verf. ja nur hervorheben kann, daß ein öfters Bekämpfen nöthig gewesen. Setzt Herr B. Kohelet hier, wie in einer früheren diesem Buche gewidmeten Schrift, sehr ftüh — er betrachtet es als salomonisch, in späterer Bearbettung — so will er Jona dagegen die Krone des Alters rauben, und es als ein Product nachexilischer Zett darthun. Geistvoll ist seine Hypothese! Jona ist Israel (auch die Namendeutung: ״Taube, Sohn des Wahrhaften", ist paffend), das seinem Prophetenberufe zur Zeit des 1. Tempels untreu ward, vor Gott fliehet, von dem ׳תנין הגדול Babylonien oder Nebukadnezar, verschlungen wird und dann gerettet, seiner Aufgabe sich wieder zuwendet. Nur Schade, daß der Schluß des Buches — besonders die Kikajon-Geschichte — trotzdem ein Räthsel bleibt. Durch diesen Einwurs wird freilich die Schlußfolgerung nicht erschüttert, daß Jona wie Maleachie nachnehemianisch wäre», da sie den nachexilischen Geist athmen —, daß die Sammlung des Propheten Kanons also nach Nehemia erfolgt sei. Geradezu epochemachend erschetttt Abschnitt IV (die Ecolpsia magna, ihr Entstehen, ihre DMer und Wirksamkeit, mtt> die Kanonbillnmg (S. 99—143). Nun ist es keiuRWH» sel mehr, wie das Exil den Sinn Israels umgemmdell hat. Mag eS auch streitig bleiben, ob Simon I oder II ״der Gerechte" war, mag das Synhedrion wann immer der Rachfolger der großen Synode geworden sein — sie, diese Männer der großen Versammlung, habe» die Krone zur allen Schöne geführt, sie haben die heiligen Bücher gesammelt, sie exklärt und sie in Abschriften verbreitet (damit ist der alte Stteit um das אנ׳כ׳ה׳ בתבו in einfachster Weise beigelegt). So wurden von ihnen zuerst die Nebiim gesammett, in denen, gleich der Thora, Gesetze enthalten und aus denen sie entwickelt werden konnten und sollten, sodann die für den Gottesdienst nöthigen Psalmen und die anderen hl. Schriften. Die Thätigkeit der Synode zeichnet unsere Schrift ins Einzelne hinein und faßt sie zusammen (S. 129): ״Außer ihrer legislatorischen und administrativen Wirksamkeit wiffen wir von ihrer literarischen Thätigkett, daß sie neben den Grundlagen der traditionellen Schristauslegung, die für die Geistesbildung und religiöse Richtung der Hebräer auf Jahrtausende so einflußreich und maßgebend wurde, auch inehrere Eulogien und kleine Gebete eingeführt, Psalineu für den Gottesdienst im Tempel und in den einzelneir Synagogen ausgewählt und bestimmt, Exemplare der heil. Bücher im Volke verbreitet und Abschriften von Ezechiel, den zwölf kleinen Propheten, Daniel und Esther zum ersteninale veröffentlicht hat." (Schluß folg!.) Das ״Jüd. Literaturblatt" Nr. 1 des ab gelaufen(» Jahres 1875 wird von der Re»! da kl io n zu kaufe» geiu.ül. Dieselbe bitte» um b.zügl. 1 Miltd! nnng ver Postkarle.