Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1875-12-15 · Nr. 24. (15.12.1875) · p. Seite 95

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 24. (15.12.1875)
Date
1875-12-15
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5367336-5990816-5990966--0523-5367569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

vergrub es unter die Schwelle des Schlosses zu Grimnitz, wo Joachim sich damals aushiell. Auf Grund eines solchen widersinnigen Geständnisses wurde der Jude Lippold am 20. Januar 1573, also zu einer Zeit, wo das Licht der Reformation bereits durch ganz Europa leuchtete, zum Tode oerurt heilt. Der Aermsie sollte auf den Schinderkarren geworfen, auf dem Neuen Markt zehnmal vom Henker mit eisernen glühenden Zangen und ebenso an den belebteste» Straßenecken gezwickt, dann zurückgesührt, alldort gerädert, hernach aber in vier Stücken zerhackt und schließlich ihm die Augen ausgerissen und seine Eingeweide öffentlich verbrannt werden. Die vier Körperstücke wurden aber an den vier Thoren Berlins ausgehängt. Als durch das Getöse, durch die Hitze des Feuers eine Maus auf dem Neuen Markt aus ihrem Loche getrieben wurde, da wußte sich das dumme, abergläubische Bolk vor Freude und Jubel nicht zu laßen, denn es hatte den Zauberteusel gesehen, der aus des Juden Schandleib geflohen. Selbst dieser entsetzliche Akt der Justiz, der heute den Gleichgiltigsten mit sittlicher Entrüstung erfüllen muß, genügte damals der Volksmuth nicht. Der Groll, der Haß gegen die Juden war durch dies unschuldige Schlachtopser noch nicht gesättigt. Die aufgeregte Menge stürzte nach der Hinrichtung nach dein Judenhof, raubte und plünderte, brannte die Häirser nieder, zerstörte die Synagoge, erschlug jeden Juden, der sich fliehend aus der Straße sehen ließ. Der Kurfürst Johann Georg, obwohl er die Juden wegen ihres Wuchers haßte, schritt gegen die Fanatiker ein, vermochte aber die Wuth derselben nicht zu hemmen. So nahin er denn zu dem alten Beruhigungsmiltel seine Zuflucht, er verbannte die Juden aus der Mark. So viel auch Dieser und Jener!roch an unfern bürgerlicheu und kirchlichen Zuständen, an unsere Rechtspflege geändert sehen möchte, einen Hymnus, einen Lobgesang müsien wir anstininien, wenn wir unsere Zeit mit der ״guten alten" vergleiche». Zur Erklärung der Mifchna Synhedrin 88». Von Ne.bbincr vr. Nathan Grün in Prag. iSchluß.) Für diese Auffassung der Worte R. Juda's spricht der Paffus in der Boraitha: למה מענין דינו של ׳21.1׳- d. h. warum soll, ohne einen zwingendeil Beweis aus der Thora, eine Aufschiebung des Jnsiizaktes einlreten? Es beantwortet sich auch nach dieser Auffaffung die Schwierigkeit: warum die Geinara nicht, da R. Akiba bea Eiuwaud R. Juda's unveantwartet läßt, die Frage auswirft: ׳שפיר קאמר ליה ר״י לר״ע wie es in ähnlichen Fälle» gewöhnlich geschieht? allein diese Frage wäre hier nicht am Platze, cs handelt sich blos darum, wie dem Schriftworte ישמעו וידאו am besten entsprochen wird, R. Akiba meint, nur durch die öffentliche Bollziehung des Justizaktes in der Festzeit handle man im Sinne der Schrift, es sei freilich nicht das ידאו in der Thora geboten, wohl aber das ישמעו, und das wird am besten erreicht, wenn ganz Israel in Jerusalem sich zufainmenfindet; 9t. Juda aber, sich!»ehr an den Wortlaut hallend, glaubt in dem ישמעו keinen Anhaltspunkt zur Aufschiebung des Justizaktes zu sinden. Es scheint übrigens, daß 9t. Juda nur gegen die Bestimmung ממתינין לודעוהדנל ist, der Ansicht R. Akika's aber, nach welcher die Vollziehung des Justizaktes in Jerusalem, dem Sitze des ב״ד הנדול, geschehen müsse, widerspreche er nicht, da eS nur ganz folgerichtig ist, daß der זקוממרא an dem Orte gerichtet werde, wo er durch seinen Widerspruch eben zum זקן ממרא geworden ist (vergl. Synh. 86, d. Mischna). Wenn also die Hinrichtung des זקן ממדא in Jerusalem voll zogen werden mußte, so lag eS R. Akiba näher, das ישמעו וידאו . derartig zu deuten, daß das Volk aus unmittelbarer Nähe l vn der vollzogenen Richtung höre. Es würde demnach die Annahme, R. Akiba fordere nur bei זקן ממדא die המתנה recht einleuchtend sein, in den übrigen drei Fällen aber stimme er init R. Juda überein, daß das ישמעו nicht aus unmittelbarer Nähe geschehen müsse, sondern es könne durch die öffentliche Promulgation zur Ausführung kommen. Nach dieser Auseinandersetzung schwinden alle Schwierigleiten, und Rajchi's Erklärungen sind vollkommen gerechtfertigt. Bei לקן ממדא folgt er R. Akiba, daher er die Schriftworte! וכל העמ ישמעו dahin erläutert: ׳ממתינן לו עד הרגל וכי die הכרזה aber gar nicht erwähnt, da hier die המתנה eben die הכרזה ist, und zwar sei dies eine verschärfte הכדיה! bei כן מודד aber genüge R. Akiba auch nur die einfache הכדזה, weshalb Raschi daselbst ganz kurz commentirt: מכאן ׳שצריך הכדזה und Ebenso auch bei עדים זוממין. Der von Misrachi gerügte Widerspruch in Raschi's Erklärungen gleicht sich also hierdurch ans. Prüft man genau die Worte des Maimon. (הל 'ממדים ם" ג הל׳ח׳) so ergiebt sich, daß er bei der Codisication dieser Halacha auch von dieser Ansicht geleitet wurde. Seine Worte lauten: ועד הרגל משמרין אותו וחונקץ אותו כדנל שנאמד ישמעו ויראו מכלל )ungenau anstatt וכל ישראל (וכל העם שצריך הכרזה. וארבעה צריכין הכרזה וכי. Der Schluß מכלל ש£ריןד הכרזה würde unverständlich bleiben, wenn nicht angenommen wird, bei זקן ממרא sei die המתנה die 9 •הכרזהt. Jos. Karo in כמת משנה bemertt daher ganz richtig: .והוי יולע ש*ןד^וות אלו הארבעה שוד Man vergleiche auch להם משנה zur Stelle, deffen Erläuterungen sehr gezwungen sind. Er wirst auch »die Frage auf, weshalb Raschi bei ממית, welches schon in ראה vorkommt, nichts von der הכרזה ermähnt, welche Frage der Supercommentar zu Raschi מנהת יהודה (Prag. ת״ל״ח) dahin erledigt, daß Raschi bei ממית die הכרזה als מילתא דפשימא unerwähnt gelassen, bei כן מורד hingegen derselben gedenken zu müsjen geglaubt habe, dainit nicht gefolgert werde, es sei auch die המתנה erforderlich. Diese Beantwortung ist aber noch immer ungenügend, da man auch bei ממית folgern könnte, es seien beide, die המתנה und die הכרוה, geboten. Nach unserer Darlegung wird auch diese Schwierigkeit gehoben; Raschi hat sich nicht früher veranlaßt gesehen, die Schriftworte ישמעז ויראו zu erklären, bevor er nicht durch seine Erklärung bei זקן ממרא auf eine ganz aparte .הכדור, nämlich die המתנה, welche bei diesem einzigen Falle geboten ist, Hinweisen mußte. Die übrigen Supercoimnentare zu Raschi, als: כיאור׳ »■ s. w. ר״י איסרליין ׳ גור אריה י דבק טוב ׳ לבוש האורה beschäftigen sich jeder in seiner Weise mit der Lösung dieser schwierigen Raschi, darin aber stimmen alle überein, daß 9t. Akiba nur bei זקן ממרא die המתנה folgere, und nicht in den andern drei Fällen, wie dies allerdings auch Raschi und Ram'oam, nach der ausdrücklichen Bemerkung des כפף משנה und ׳לחם משנה anzunehmen scheinen. Merkwürdig bleibt aber, daß die alten Quellen nicht dieser Ansicht sind; im ׳ספרי welchem auch ילקוט folgt, wird zu dem Verse וכל ישראל ישמעו וכי bei ממית hinzugefügt: ׳משמרין אותו עד הרנל וכ¬, m der תוטפתא (Synhed. Absch. 11) wird im Namen 9t. Akiba's sogar für זקן ממרא. עדים זוממין ׳ מטית ׳ מדיה כן סורר und נביא שקר die המתנה gefordert. De» Misrachi haben sicherlich diese alten Quellen zu seimn Fragen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.