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Das jüdische Literaturblatt · 1875-12-15 · Nr. 24. (15.12.1875) · p. Seite 96

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 24. (15.12.1875)
Date
1875-12-15
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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auf Raschi veranlaßt; daß die anderen Commentatoren ihrer nicht erwähnen, ist höchst auffallend. Nachbemerkung der Redaction. ES sind uns noch zwei Aufsätze zur Erklärung der beregte» Raschistellen zugegangen. Die eine (von Hrn. Nabb. Lengs selber in Reichenau) kommt aus das im Vorstehenden Gesagte hinaus; die andere (von Hrn. Rabb. Bloch in Kobylin) verweist auf den Supercommentar zu Raschi, באר יצחק• von Jsak Horowitz, Rabb. in Jaroslaw (erschienen bei A. N. Süß. Lemberg 1873). Dieser hebt sehr richtig hervor, daß sich der Fall :זקן פפרד von den übrigen ihm verwandten und zugesellten drei Fällen darin unterscheidet, daß es sich bei ihm um einen Angriff auf das nationale Synhedrion, eine Rebellion gegen die oberste ReligionS- und RechtSbehörde der Gesammt- Nation handelt. Dem entsprechend sollte hier der Sühneakt unter den Augen des ״ganzen Volkes" vor sich gehen. Bei den anderen drei Fällen genügt die Oeffentlichkeit des Sühnevollzuges und Bekanntmachung desselben an dem Orte, wo eben das Verbrechen begangen und der Sühneakt stattzufinden hatte. Das Gesetz verlangt, daß Alle davon Akt nehmen und ״sich fürchten", das läßt sich nicht anders als durch öffentliche Bekanntmachung herbeisühren. R. Akiba und R. Juda seien nur in Bezug aus die Frage, wie man in dem Falle von!זקן מפרד allen Religionsangehörigen von dem Sühneakt Kenntniß gebe, verschiedener Ansicht. Nach R. Juda läßt man den Fall durch ״Boten" in allen Ortschaften des Gesammtstaates bekannt machen (cfr. ibid ); R. Akiba dagegen glaubt, daß hierdurch die vom Gesetzgeber beabsichtigte Wirkung nicht im vollsten Maße erzielt würde, und fordert deshalb die Execution zur Festzeit; wobei er gegen die Boraitha ,121 ארבעה צריכץ keineswegs adversirt, sondern sie lediglich ergänzt. Raschi folgt in all' diesen Fällen dem R. Akiba. Literaturbericht. Receostooeu. Kisker, Dr. Moritz. Vorlesungen über die jüdischen Philosophen des Mittelalters (1. Abtheilung), enthaltend eine Darstellung der Systeme Saadia's, Bachja'S, Jbn Gebirol's, Jehuda Halevi's und Jb>« Esra's. Wien 1876. Brüder Winter, Praterstraße 8. Da gerade unsere Zeit durch den Einfluß, welchen die allgemeinen Wissenschaften auch auf das innere geistige Leben des Judenthums ausüben, und daß sie zur philosophischen Erforschung der traditionellen Glaubens- und Pflichtenlehren auffordert, viel Aehnlichkeit mit den Geschichtsphasen des Judenthunis hat, als es mit den Wiffenschaften durch Vermittelung der Araber in Berührung kam, so ist es besonders lehrreich, dem Geiste unserer Zeit die Kenntniß jener Zeit zu erleichtern. Die durch die Metaphysik sowie die Nalnrwissenschüft erneuten Fragen nach dem Ursprung der Welt, nach dem Wesen des Geistes, der Seele, nach der Entwickelung der Welt, nach dem Wesen Gottes und seiner Beziehung zur sinnlichen und geistige» Welt, die Untersuchung über die Möglichkeit und Nothwendigkeit einer Offenbarung, der Prophetie und der Wunder u. s. w. sind in jener Zeit mit vielem Scharfsinn, mit vieler Gründlichkeit, Freimül higkeit und Innigkeit, mit vielein Wiffen und Forschen erörtert und augestellt worden und haben nianche Resultate gefördert, die auch heute noch ihren vhilosophijchen Werth haben. Es iit zwar durch dir Naturwissenschaft einerseits, durch den Aufschwung aller Wissenschäften, besonders aber durch die philosophischen Untersuchungen der Neuzeit andrerseits Vieles, was in jener Zeit als unbestritten galt oder doch noch heslig discutirt wurde, als veraltet wohl für alle Zukunst in seiner Unwissenichastlichkeit erkannt worden; dennoch aber hat auch jene Zeit bleibenden Gewinn sowohl negativ als auch positiv hervorgebracht Darum ist das erneute Studium jener philosophischen Untersuchungen Verantwortlicher Kcdacteur: vr. M. Rahmer recht lehrreich, abgesehen von dem historischen Werth«, den es besitzt und denr Einblick, den es in den wunderbaren Zusammenhang zwischen allgemeiner Wisseitschaft und jüdischem Denken, dem Anziehen und Abstößen beiderseits gewährt. Zu solchen! Studium sind uns zwar die bedeutendste» Werke geblieben, die neueren Forschungen haben auch die Originale in Vergleich gezogen. Trotzdein ist die Lecture solcher Werke nur einem kleinen Kreise möglich. Es sind darum zur weiteren Verbreitung Uebersetzungen und eingehende Commentare der Originalwerke veranstaltet worden, aber auch diese erleichtern nur um Weniges die Arbeit, abgesehen von der Unzuverlässigkeit, der sie hin und wieder nicht entgehen konnten. Eine zusammenhängende Darstellung der ganzen philosophische» Zeit fehlt uns aber noch ganz. Es ist daher mit Freude das Werk des Herr» l)r. Eisler zu begrüßen. Die Aufgabe, ein Gesammtbild der jüdischen mittelalterlichen Philosophie zu entwerten, erfordert eingehcndes Verständniß der Originalquellen, die Aufsuchung des tieferen Zusammenhangs in den Ideen jedes einzelnen Philosophen, dabei aber den Kernpunkt derselben zu finden und die einzelnen Gedankenfaden in Gedankenknoten zu concentrrren, die Unterschiede der einzelnen Systeine genau zu saffen und zu markiren, der Entwickelung und Folge des Systems ilachzuspüren. Bei einzelnen bedarf dies einer ganz besonderen Arbeit, da sie ihre Gedanken gar nicht systematisch ausgesprochen, sondern als zerstreute Aphorisnten hingeworfen oder doch nicht in streng logischer Ordnung gruppirt haben. Dem Hrn. Vers, ist es ganz vortrefflich gelungen, klare und scharfe Bilder zu zeichnen, die frische und lebensvolle Farben tragen und die feineil Fäden offenbaren, an denen die Systeine mit der allgeineinen Philosophie und unter einander zusammenhängen. Das Buch ist in so einfachen!, klarem Styl geschrieben, daß man es beim Unterricht in der Prima eines Gymnasiums mit vielem Nutzen wird gebrauchen können. Hat auch die Wiffenschaft nicht viel Neues durch dasselbe gewomlen, so ist doch die klare Zeichnung der Systeme, sowie die lichtvolle Vergleichung und stellenweise Anknüpfung an moderne Theorien ein Fortschritt. Loewh, Joseph, Ein Hochzeitssträußchen rc. Groß-KanizSa 1875. 12 S. 12°. Wer unter diesem Hochzeitssträußchen, das wir mit einer dem Umfange des Schriftchens verhältnißinäßigen Kürze anzeige» wollen, sich etwa einen duftigen Strauß poetischer HochzeitSlieder vorstellen wollte, würde sich arg täuschen. Herr I. Löwy ist, soviel wir wiffen, kein Dichter. Vielmehr kennt ihn die ungarische Judenheit -- soweit sie sich um die Kenntniß jüdischer Lileraturprodukte kümmert — als einen von jenen immer weniger werdende» wohlhabenden Kaufleuten, welche auch über einen tüchtigen Fonds von Gelehrsamkeit verfügen und bei oorkommender Gelegenheit dieselbe auch zu literarischen Hervorbringungen verwerthen können. Herr Löwy - den übrigens die Leser der Zeitschrift ״Kocbbe-Ztzchack" auch als hebräischen Autor kennen — benutzt in der Regel die freudige Gelegenheit, welche ihm die Vermählung eines seiner Kinder bietet, zur Bearbeitung irgend eines Thema's aus dem Gebiete der jüdischen Literatur. Auch vorliegendes Hochzeitssträußchen ist ein solches Gelegenheitswerkchen. Es behandelt in formloser, aber nicht unanzichender Weise das Verhältniß des Judcnthums zu den verschiedenen Formen des Aberglaudens. mit Seitenblicken aus das Ehristenlhum. Nen ist dabei höchstens die sonderbare K'mea (Amulet >, welche der Veriaffer von seinem Lehrer R. Moses Soser (s. A.) in Preßburg als Mittel gegen Wechselsieber erhielt. Daß diese»! talmudischen Koryphäus manche kabalistische Velleitäten eigen waren, ist übrigens bekannt. Dr. XV B. ©rtfffaftcn der Red. Für Hrn. Jacob Reismann sind ferner! eingegangen: Vom Oberrabb. Prof. vr. Wolfs in Kopenhagen 12! Mark. — Hr. K. in W. Die Besprechung Ihrer, soivie anderer jüd. Schulbücher — auch vioecsee Programmarbeiten — in den nächsten Nr». . Druck u. Verlag von C. Scharnke in Barby.

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