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Das jüdische Literaturblatt · 1875-12-01 · Nr. 23. (1.12.1875) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 23. (1.12.1875)
Date
1875-12-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 der Kirche zu Knoblauch bei Nauen eine messingene Monstranz, in bc2 m# zwei geweihete Hostie» tagen, in Dem guM'Glauden geftohttn, daß er Gold gsnommtst. Bon dieser Seide j lag alfo ein strafbares Verbrechen, eiib׳Diebstahl, ei» wirkstj cher K^rchenraub vor! Da »üst abi^ für Paul Fromm die! Monstranz, weil von Messing, ohne Werth, so warf er sie! weg, aß im blinden Aberglauben die eine Hostie, um sich! Vergebung für den Kirchenraub zu verschaffe», und verkaufte > die zweite für neun Groschen a» den Juden Salomo» in j Spandau. Dieser soll dieselbe in drei Theile getheilt und ן davon Mi Theile an die Jüdeil Jacob in Brandenburg und! Jtzig in Stendal veräußert yaben. den dritten Thcil aber backte! er in einen Kuchen, der sofort blutroth (?) wurde und den er j im religiösen Wähn. i׳.u recht jüdischen Fanatismus, behufs Schädigung und Schändung des Christenthums, in kleine, Stücke, an Judengenoffen verschachert haben soll. Die Armen sollen nun, unterstützt durch das Blut der neugeborenen Chri >enlinder, einen solchen Unfug mit den Praktikeln der Hostie getrieben haben, was sie Alles natürlich i» Verfolg der grüßliehen Qualen auf der Folter freiwillig eingestanden, ״daß Satans List und Macht und die ganze Bosheit j derHölle sammt ihrer Schuld osfen bar geworden." Die Juden nun, nachdem sie das Urtel vernommen und der Stab über ihnen gebrochen, rüsteten sich auf Ermahnung ihres Rabbi durch lauten Gesang und brünstiges Gebet, natürlich in der Sprache ihrer Väter, zun! grauenvollen Tode. Das dumme Volk aber sah hierin eine neue Verspottung, eine Lästerung des christlichen Gottesdienstes und wäre gern bereit gewesen, hätte es nicht die vielen Henker, Wächter ung Stadtknechte gefürchtet, wie bereits öfter, der eigentlichen Justiz vorzstgreisen. Hinter dem Rabenstein aber hatte der Berliner Scharfrichter mit seinen liebe» Gästen und Helfershelfern ״einen wunderlichen Bau zu ihrer Straf" aufgerichtet, ״dreier Mann hoch, aus hölzernen Rösten bestehend, die mit Stroh und Pech belegt waren". Auf diesen Rösten befestigte der Nachrichter mit seinen Knechte» an Pfählen in Halseisen die zitternden und fluchenden Gefangenen, die ohnmächtig in entsetzlicher Wuth unter der Versicherung ihrer Unschuld, unter Lästerung des EhristeilthumS nach ihren Peinigern ansfpien Paul Fromm aber, der böse Christ, hatte seinen eigenen Pfahl abseits von den gottlosen acht and dreißig Juden. Das gelauste, schuldige Christenkind sollte selbst im Tode nicht durch die Gemeinschaft mit den unschuldigen Juden entweiht werden. »Nunmehr befriedigte endlich der Scharsrichter das Harren der tobenden Menge. Er zündete unter dem Hnrrah des Volkes die hölzerne Grabstätte an. Prasselnd schlugen die Hellen Flammen gen Himmel, »nd zur Genugthuung von Tausenden, zur Genugthuung insbesondere der Geistlichkeit, endeten unter den furchtbaren Qualen, unten dem entsetzlichsten Zetergeschrei die Unglücklichen ihr elendes gehetztes Leben. Dem schlaue» Jttden Jacob aber war nach seiner Aussage die Mutter Maria im Gesängniß erschienen und hatte ihm besohlen, sich lausen zu lassen. Jacob hatte die Taufe erbeten und erhalten, auch geglaubt, daß er nunmehr nicht des Todes sterben würde. Er aber wurde nur, eine entsetzliche Täuschung! vom Feueriode dispensirt und am andern Tage auf dem neuen Markt umer neuer Betheiligung des Volkes eMhauptet. Allbr hiermit war de« Elend und der Gerechtigkeit noch!ridtf volles Genüge getham Joachim I., der Mann ddr Wifsenschast, der Stifter der ILstversität Frankfurt a. d. O.. der die Juden nur gegen Zahttng׳ eines hohen SchktzgMs ab» RetchsangSHrige duldete, riat' so׳ in den ükfjff Kr Zeit/ ist den Haß gegen die Juden verstrickt, daß er meinte, auch die Glaubensgenossen der Armen, die auf GMstd unsinniger Geständnisse hingerichtet worden, bestrafen zu muffen. So verbannte er alle Juden aus der Riark und ließ sie Uhrsehde schwören, ״nie und nimmer dahin zurückzukehren" Trauerd schlichen die Geächteten, verhöhnt, verspottet, beschimpft, unter Verlust von Hab und Gut, mit gei ochenem Herzen aus Berlin. Cin düsteres, aber wahres Bild aus der alten Zeit, wo ein tiefgewurzelter Religionshaß solche Scenen der entsetzlichsten Grmrsmntei. herbriführen konnte. fremdsprachliches im Talurud. Bon Stabdiner D. Oppenheim. Die sprachlichen Elemente im Talmud bieten noch imnler, trotz der vortrefflich«» Arbeiten der neuern Zeit, große Schwierigkeilen. Es gehört oft eine besondere Divinationsgabe dazu, um aus dem Gestrippe von zahllose» Coriuptelen das Richtige herauszufinden und gleichsam zn errathen. Wir wollen dies hier an einigen Beispielen zeigen: I. Pinakothek. Das auch im Targum Ps. 68, 30 vorkommende פנקט (s. Aruch u. Buxrors s. v.) hat zu allen möglichen Eonjecturen Anlaß gegeben, obschon gerade hier die rechte Bedeutung so nahe und offen liegt. Im erwähnten Targum wird die Stelle: ״Dir bringen die Könige Gaben", übersetzt: ־־'מפניקטיהון לך ייתון מלכייא קרבנא. Im Midrasch Wajikra rabba Abschn. 1 u. zum Hohenlied 2, 3, heißt es über den Stützen, den das Heiligthum auch den Völkern gewährte: עד שלא הוקם דמשק היו א״וה״ע שומעין קול הדמו־ ונתרזין מתוך פנקטיהון♦ Wir übergehen hier stillschweigend die verschiedenen, recht krausen Erklärungen, die dieses Wort erfahren. Weder l)r. I. Lewy noch Schönhat haben hier einen irgend nur plausiblen Sinn herausgebracht, wie dies Hr. Rabb. Dr. N. Brüll (Jahr׳ bücher für jüd. Geschichte S. 186) bemerkt, dessen Versuch aber nicht minder unglücklich ist. Allein an beiden angeführten Stellen bedeutet פנקטיהון nichts andres als das bekannte griechische, auch im Lateinischen gebrauchte, Wort Pinakothek, ein am Eingänge des Atrium mit Kunstgegenständen geschmückter Ort, also ein ״Bildersaal, Bildergallerie." Targum und Midrasch nahmen das Wort Pinakothek im Allgemeinen als Prunks aal, in dem die Könige ihre Kostbarkeiten und Kunstgegenstände ausgestellt haben. Darum übersetzt das Targum P>. 68, 30: ״Aus ihren Prunkgemächer», Pinakotheken מפניקטיהון, bringen Dir die Könige Geschenke und Opfer." Ebenso bemerkt der Midrasch a. a. O.: ״Bevor das StistSzelt errrichtet wurde, vernahmen die Völker die Stiinme Gottes und sie (d. h. die Könige der Völker) .erbebten in ihre» Palästen, Pinakotheken, und Prachtgemächern." Das heißt: die Stimnie Gottes gab sich vordem nur in großen, welterschütternden Ereignissen kund, während sie jetzt belehrend und milde aus dem Heiligthum Gottes sich kund gibt. Bekanntlich Hai der kunstsinnige König Ludwig von Bayern die prachtvolle Pinakothek in München erbaut, die ebenfalls die Bestimmung hat, die Kunstschätze aller Zeiten, vorzüglich die der Malerei, aufzunehmen. — Die richtige Erklärung dieses Wortes gibt uns Ausschluß über eine dunkle und bisher miß-

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