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Das jüdische Literaturblatt · 1875-11-21 · Nr. 21. (1.11.1875) · p. Seite 82

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 21. (1.11.1875)
Date
1875-11-21
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 geistes, des römischen, hat dem Shylock Gerechtigkeit widerfahren lasse», ja zum Urbild des unvcrkünstelten natürlichen Rechtssinnes ihn hingestellt, sonder» auch ein Vertreter der ״Religion der Liebe" hat im Name» des Christenthums den Juden Shakespeare's von dem S^mutze der Anklagen, mit denen man ihn zu beschimpscn sich gewöhnt hat, reinigen zu dürfen und zu müssen geglaubt. Mit anerkennenswrrther Offenheit und mit einer in seinem Munde um so bedeutenderen Unumwundenheit hat F. Häufig*) eingestanden, daß das Bild des Christen im ״Kaufmanu von Venedig" ein nicht weniger abstoßendes und abscheuliches in als das des Juden. ״Bei Shylock niiiit uns der Dichter die Saat nach, aus welcher diese Frucht erwuchs. Wie ist man mit dem Juden nmgegange», wie hat man ihn verachtet und verhöhnt, bis sein Menschenherz sich aufbäumte! Christen haben die Gemeinhcit verübt, sich als Tyrannen gegen ihn zu eriveise», den sie für ohnmächtig, für nniähig zur stäche hielten. Und ihm, dem Gelretcilen und Bejpcielen, geben sie dann eine so furchtbare Waffe, wie diesen Schein in die Hände! Wahrlich, was er nun in seinem Herzen kocheit fühlt, das ist nichts Jüdisches, sondern echt Menschliches. Cs ist hier kein Unterschied zwischen einem jüdische» und christlichen Herzen, wie sie von Natur sind. Der sündige, leidenschaftliche Mensch spricht: Rache ist süß. ״Ja, was die Christen so oft den Juden vorgeworfen haben, daß sie sich abschließen, daß sie eine Mauer zwischen sich und den Anderen ziehen, das wird ihnen selbst hier aus jüdischem Munde vorgehalten. Sie haben den Kastengeisi walten lassen, . . dem Juden sein Recht als Mitmensch verweigert. Wie die Saat, so die Crnte." Was durch jahrhundertelange Leiden im jüdischen Volks- Herzen an Bitterkeit t»nd Rachedurst sich leicht zu gefährlichem Gifte Hütte anhäuseu können, das hat in einer Stunde der Erleuchtung der Dichter aus seiner Feuerseelc in eine Gestalt hineingelegt, die narr und körnig wie der Marmor die Gluth des Zornes und des Hasses mehr hindurchglühen und - strahlen als Hervorbrechen läßt; Menschenliebe und Vorurtheilslosigkeit, nicht Judenhaß und Verblendung, wie nur die Thorheit glauden möchte, haben den Meißel an dem Kunstwerk geführt, das der staunenden Welt als Shylock sich offenbart. Der Freund der Menschlichkeit und der Gesittung muß die Zeit herbeiwünschen, wo Shakespeare's Stück weniger verständlich, weuigcr naturwahr an die Herzen schlagen wird. Wir verstehen es leider noch allzugut! Dr. D. 1£. Di« Inden in Indien und China. Durch die Nachbarschaft der Phönicier, der größten und angesehensten Handelsnation des Alterthums, angeregt und von denselben dazu angeleitel, begannen die Juden schon uutev den Richtern, sich dem Seehandel zuzuivenden und zur Förderung sowohl dieses als auch des Landhandels Colonien anzulegen. Die erste jüdische Colonie ward im Innern Arabiens angelegt, und zwar — wie arabische Historiker und Chronisten es besonders hervorheben — im Gebiete der Stadt Melka selbst, die schoir damals als die erste unb wichtigste Stadt der arabischeu Halbinsel betrachtet wurde. Jüdische Karawanen zogen dann über den Jordan nach den fruchtbaren Gefilven Arabiens ) Christ und Jude, Bortrag von F. Häufig. Druck der Schreiverhau Diesdorser Kettungz-Anftatten. und brachten die edelsten Kunst- und Bodenerzeugniffe derselben mit sich nach Hause. Später drangen diese Karawanen sogar bis Aden vor fdas bei den Juden ״Eden" hieß) am indischen Ocean, in dessen Nähe damals auch das Königreich Saba (שבא) existirte, ynb gründeten daselbst eine Niederlassung, um von hier aw* Handelsverbindungen auch mit Südafrika unb Indien anknüpsen zu können. Diese Niederlassung hat sich noch bis aus unsere Tage herab erhallen, und die israelitische Cultusgemeinde zu Aden ist joinii die älteste noch existirende außerpalästinensische jüdische Ansiedelung. (Die Behauptung der Inden in Aden, oaß ihre Stadt das biblische ״Czion Gaber" sei, und das; iliiweit von hier die Juden dilrch das Rothe Mrer gegangen wären, weshalb sie noch immer in ihren Ehcscheidnngsbriescn ״Czion Gaber" statt ״Aden" schreiben, ist nur eine Legende, da Geschichte und Geographie dagegen sind, llebrigens siehe Ezechiel, Capitel 27, Vers 23, wo ״Aden" ausdrücklich ״Eden" genannt wird.» Der prunk- und Pracht liebende Zalomon, der zum Bau des Tempels und seiner Palaste viel edles Metall beuöthigte, warf gleich nach seiner Thronbesteigung seinen Blick sogar auf das ferne, aber an Gold, Silber und edlei» Steinen io reiche Indien, das bei den Jsraeliten ״Hodn" (altpersisch ״Hendu" und arabisch ״Hind") hieß, und er rüstete ganze Flotten aus, die ihm aus deit dortigen Bergen edles Metall und Gestein und aus dessen Ur- Wäldern Elfenbein (Schenhab), Affen «Kopiim) und Pfauen (Tokiim) holeil mußten. Derselbe König soll dann, wie die Juden in Cocin (Indien) erzählen, an der Küste von Malabar mehrere jüdische Niederlassungen gegründet haben, um so einen steten Verkehr zwischen seinem Lande und Jndren zu ermöglichen und auch für die Zukunft zu sichern. Historische Nachrichten sind darüber jedoch nicht vorhanden. Um das Jahr 722 mite machte Tiglat Pilesser, König voil Assyrien dem Reiche Israel ein Ende und verbannte dcffen Bewohner nach Chabur (Kabul). Helah (Valkh), Hara (Herat) und au die Ufer des Stromes Gojan (Amn). Viele dieser verbannten jüdischen Familien verließen bald nachher ihre Wohnsitze in Eentral-Asien, »׳änderten nach dem reichen und schon damals hochcultivirten Indien aus und gründeten an den Usern des Ganges und an der malabarischen Küste jüdische Gemeinden oder'Niederlassungen. Möglich, daß sie sich hier mit ihren »och ans den Zeiten Salomo's daselbst angesiedelten Brüdern zu einem Gemeinwesen vereinigt haben. Von diesen jüdischen Gemeinden eristiren noch heule eiilige Ucberreste, zuineisl an der Küste von Malabar, die mit Ausnahme ihrer Gesichtsfarbe, die heute schon gänzlich der der übrigen Bewohner Indiens gleicht, noch ganz die Lebensweise und Gewohnheiten ihrer Urväter in Palästina beibehalten haben. Eine größere Gemeinde von ihnen existirt in bem schon erwähnten Cocin, deren Mitglieder aber von den andereil dort wohnenden Israeliten, die meistens spanischer oder arabischer Abstammung sind, auf's strengste geinieden werden. Letztere behaupten nämlich, daß Erstere nur zum Judeuihume bekehrte Indianer wären, während diese hingegen versichern, daß der Patriarch Jacob auch ihr Stainmvater sei, und sich hiebei auch auf ihre noch von den alten Königen Indiens herstammenden Privilegien berufen, in denen sie ausdrücklich ״Eingewauderte aus Fuda und Jerusalem" genannt werden. Leider stehen sie heute aus einer sehr niedrigen Culturstuze, und ihren Erwerb finden sie meistens darin, daß sie die niedrigsten und gemeinsten Sklavendienste verrichten. Daher das große Elend, das unter ihnen herrscht, und da sie auch für die Reinlichkeit des Körpers und der Behausung nur wenig sorgen, so ist es eben kein Wunder, wenn sie von ihren spanischen oder arabischen Glaubensgenossen, die in Indien zu den angesehensten Classen der Gesellschaft gehören, nicht gesucht werden. Von den heiligen Schrislen desitzen sie nur die fünf Bücher Rioje's und das Buch Josua, dagegen haben sie wieder viele heilige Schriften, die den anderen Israeliten gänzlich unbekannt sind. Beschneidung, Passah- Fest und Versöhnungstag halten sie noch heute sehr strenge, nicht so die Speisegesetze und den Sabbath. Als Vasco de Gama gegerr das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts rrach

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