Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 18. (15.9.1875)
- Date
- 1875-09-15
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-5990816-5990959--0493-5367549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gehört mehr, als eine offene Hand, mehr, als ein wenig Geschmack und Zinn siir das schöne. W i s se n u»d Verstehen, diese minder leicht dem Reichthum gepaarren — weil nur in ernster Arbeit zu erringenden — Fähigkeiten sind bei einem Maecene der j ü d. Literatur die ersten Vorbedingungen. Um so dankenswerther erscheint es, wenn hie uitb da neben den Mannern vom Fach einzelne, ihrem Beruse nach andere Bestrebungen Zugewandte ihre Mußezeit, ihr Vermögen in geistigem und materiellem Sinne, der jüd. Literatur widmen, obschon keine Orden und keine populäre Berühmtheit damit zu erwerben sind. Einer dieser wenige» ist der Herausgeber des vorliedenden Bändchens, Herr HalberstaIN IN aus Bielitz. Ungern versagt sich Reserent eine nähere Eharakteristick der erfolgreichen literarischen Thätigkeit dieses würdigen Mannes; jedoch ^rr sürchtet H.s bescheidenem Zinne zuwider zu handeln. So möge dies Wenige dem Leser genügen, der ja mehr von dem Werke, als von deffen Herausgeber zu höre» verlangt. Dennoch hielten wir einen Hinweis aus diesen geboten, da die Edition das Criterium echter Wissenschaftlichkeit an sich trägt, die bekanntlich über der Gabe den Geber vergessen läßt. Gleichzeitig sei die Sorgsalt des Herrn Rabbiner l)r Kodak in der Textkrilik rühmend hervorgehoben. Einzelne kleine Ausstellungen sind zu unbedeutend, als daß sie besondere Hervorhebung verdienten. Eine für die Entwicklung des jüd. Geistes und Wesens höchst wichtige Zeit gewinnt in den hier veröffentlichten Briesen vor den Augen des Lesers Leben; jeder Pulsschlag derselben wird uns bemerklich; die ganze Denkweise enthüllt sich Ms in die kleinsten Einzelheiten Die geistige Athnrosphäre, in welcher die hervorragendsten Männer, aber mit ihnen die Gesammtheit lebte, umgiebt uns selbst, so daß es uns verstündlich wird, wie jeder von beiden Theilen, sowohl die Gegner, als die Vertheidiger der maimunischen Schriften, ihre Ansicht »nt» ihr Verfahren, als das allein berechtigte ansehen nwchte. Hierdurch ist der Werth dieser Publikation — die historisch wichtigsten Stellen waren schon früher bekannt — hauptsächlich ein cultnrhistorijcher. Rach einem sehr belehrende» Schreiben Steinschneiders über Schicksal der Mskr. dieser Briese (auch ein Nachwort desselben ist dem Büchlein beigegeben) solgen 2 Briese der Gegner Maimuni's (lt S. 5—31 und VII 50—53), 3 der An- . Hänger (HI S. 32—40, VIII, 54—55, XI V 77—197), 3 Briese in Betreff Kimchi's (I V, V, VI 2.41—50, die fast nichts Neues bieten) und 5 Briese des Rachmanides (IX—XII 56—76). Liese werfen ein neues Sreiflicht aus den unmittelbaren Anlaß, der N. auch äußecli h sofort aus die Seile der Gegner der Maim. Schristen trieb. Der Rabbiner von Beziers (er schmäht ihn ״der Dorn, den sie zu ihrem Haupte gemacht) mit noch 8 andern Gelehrten hatte eine alte Getchichte aufgewärmt, aus welcker hervorzugehen schien, daß die Familie des R. eigentlich nicht zu den makellosen gehöre, mit welchen sich jeder ohne Bedenken verschwägert, da 130 Jahre vorher ein Vorfahr eine Frau geehelicht habe, bevor sie den Scheidedries von ihrem ersten 'Mann erlangt hatte. Die Gegner Maim. treten sehr zahm aus. In II bekla gt sich Joses den Todros, daß die Anhänger Maim. Gesetz »nd Lehren zu Symbolen verflüchtigen. >Z. 7) Dadurch verlieren sie de» Anspruch, Anhänger M's. zu sein, des Mannes, der so sorgsam die Gesetze codiftcirt, der in המדע 'D die Wissenschast aus den Boden der Gotteslehre verpflanzt und int מ1דה die geheimnilsvollen Aussprüche der Propheten dem Ver- Nänduisse näher bringen will. Solches ist überhaupt keine gesunde Kost für das Volk, denn Gesunde füttere man nicht mit Arzeneien. M. hat es selbst gefühlt, daß er nur für Wenige geschrieben. Da aber alle sich ׳,»drängen — viele ohne genügende Vorkenntnisse —, so schöpfen sie religiöse Gesinnung daraus. Daher gebühre den Rabbinen Nordsrankreichs Dank dafür, daß sie den Zugang zu diesem ׳(laradiese verschloffen, wie einst Hiskija dafür, daß er das ם' ר פואות verborgen. Nicht blos der Talmud, sondern auch die arabischen Füriien haben die Beschäftigung mit griechischer Wissenschaft verböte», denn aus ihr könne man nur Ketzerisches lernen. Des Glaubens Grundlage aber sind Wunder Maim. hat nicht gesehlt, und doch wird sein Buch aus einem ״Führer der Verirrten" ein ״Irrlicht der Führer." Dazu treten die Mängel der Uebersetzungen. Samuel ibe Tibbon hat sclaoisch auf- Wort übertrage», Jehuda Alfcharisi hat weder hebräisch, noch Philosophie verstanden und deshalb den Sinn des Urtexteoft verfehlt. Außerdem hat Maim selbst den dritten Theil — טעמי מצות — wieder zurückziehen wo len, weil er seine Maßlosigkeit erkannt, da er Berge an ein Haar gehängt, aber es war nicht mehr möglich und nun •כל גם ערב רב והאספסוף כל אחד בעיניו פילוסוף Diese denken und sprechen geringschätzig über Heiliges und meinen sich frei von der Verpflichtung zu beten und Tephilin anzulegen. Dem zu wehren trat Salomo ben Abraham auf, aber er wurde angegriffen, al» ob er gesprochen gegen Gott und seine» Diener Moses. Er wurde gleich einem ,זקן ממדד behandelt und die Ehre der Lehre in ihm verletzt. Besonders David Kimchi sei so gegen ihn in Spanien ausgetreten (er nennt ihn mit den öfters vorkommenden Namen חטי um anzubringen אשד חטא ואעיד החטיא); doch das Herbeirufen der Christen gefällt auch ihm nicht. Er entschuldigt jedoch das Zuweitgehen mit der ׳Rothläge der Zeit. Für Maim. seien nur die Heuchler, die im Geheimen freveln und die Reichen, die ihrer Lust mit solchen Ansichten beffer sröhnen können. In derselben Weise entschuldigen Salomo b. Abraham selbst und sein Schüler David bar Schaul ihr Vorgehen in einem an Sammuel b. Jsak gerichteten Schreiben. (VII) Dieselben Vorwürfe wegen Symbolisirung, gegen die ilnzuverläffigkeit der Uebersetzer. Fälschlich sei ihnen unterschoben, daß er gegen Maim. anfg,׳treten. Erst als die Gelehrten von Beziers den wissenschaftliche» streit in einen persönlichen untgewandelt, habe er die Unterstützung der Nordfranz. Rabbinen nachgesucht, und diesen erschien der Mose als eine Entweihung. Die Antwort (VIII) ist sehr vor sichtig gehalten, freut sich, daß Salamo nichts gegen Maim. selbst und fordert ihn auf, Friede zu halten. Der Brief der Söhne Chasdai's (III) ist längst bekannt. Besondere Hervorhebung verdient nur, daß die ״ מלאכי החצרdie Hofdeamten", die Antimaimuuisten vor die Strafrichter gebracht, und daß die Söhne Chasdais beschlossen hatten, in ihrer Gemeinde allsabbatlich 1—2 Kapitel aus den Schist. Maim. im Gotteshause vorzulesen. Die ineisten Ergebniffe giebt das Sendschreiben Samuel b. Abraham's lSasporta's) an die Rabbinen Nordfrankr eich's. (XI V.) Der Unkenntniß des Talmud, die in Nordafrika שכני מערב Magreb und Palästina unv Spanien überhano genommen, haben Maim. Schriften gesteuert (82) ׳Nunmehr geht er eine Reihe von Vorwürfen, die eben die Nordsrauzosen gegen Maim. erhoben, durch: Es sind gegen 1 :מדע) daß alles Körperliche und jede Form der Gottheit abgesprochen wird, 2) daß die Prophetie stufenweise vertheilt sei. und daß alle Erscheinungen der Propheten nicht Wirklichkeit, sondent Traumgesichte seien, 3> daß Zaubrer und Wahrsager nichts nützen und nichts schaden könnten, 4.) daß Lohn und Strafe geistig gefaßt und der Liwjathan und .dergl. nicht erwähnt werde. Gegen den M o r e, den die Nordsranzosen nicht verstehen, während Babylonier und Spanier stets mit solche» Wiffenschasten sich bcfchästigt haben, 5.) daß Griechische Wissenschaft. 6.) daß Gründe der Gebote und besonders der Opfer 7.) daß ריח (חוח als Wohlgefallen wiedergegeben, und die Erklärung von אבר תחת אבד gegen die Halacha erklärt werde, 8) daß Jakobs Ringen mit dem Engel eine Traumscheinung sei, wie auch die Akeda und פי האתון (Letzteres beides stellt Samuel b. Abr. als nicht von M. behauptet dar). 9. daß er Daemonen leugne (davon spricht der More nicht) 10.) daß die Erneuerung der Welt nicht den Untergang der Bestehenden voraussetze, — 11) die Ansicht über die 2 großen Lichter, 12.) daß er nicht annimnt, in messianischer Zeit werde die Erde süßes Brod (,גלוסקמ) und Seide heroorbringen. In der Erwiderung beruft er sich ans R. Hai Gaon