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Das jüdische Literaturblatt · 1875-09-15 · Nr. 18. (15.9.1875) · p. Seite 70

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 18. (15.9.1875)
Date
1875-09-15
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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70 fert uns die alle ״Jöddengasse" im Rainen der ״Jeüengajse" und bezeichnet damit die Jakobsgasse, deren nördlicher Äusläufer, welcher früher beengt mar, ivirklich die alte Judengasse bildete. Erst durch magistratlichcn Ankauf des Hügel'jchen Ge- Hösts an! Ende der ״Jakobsslraße" und dessen Abbruch im Jahre 1858 erhielt dieselbe ihre jetzige Erweiterung. Eines der die ״Jöddengassc" einichließende Thore läßt sich im Muhmenthurme, der am nördlichen Ausgange derselben stand und 1858 abgetragen wurde, nachwei,en. Das Andere, welches die Jakobsgasse trennte, inag schon vor alten Zeilen abgetragen sein. Auch bezeichnet ein-Gedicht, das ״Sangerhäuser Straßenlob", eine Straße in der Rahe der ״Jakobs- und Göppengasse" ausdrücklich als ״Judengasse" Randglossen;nr heiligen Schrift. Von Rabbiner I. Stern. (Fortsetzung.) 21) Deut. 7, 19. המפות zu übersetzen: ״die Begebenheilen" (nicht, wie üblich, ״Bersuchungen", ivas keinen Sinn giebt); denn נפה heißt ebenso wie das deutsche ״versuchen": einen Menschen ״erproben", ob er sich bewährt und eine Thal ״probiren", ob sie ausführbar sei- 22) Jb. 29, 21—27. Das vorliegende Eapitel richtet sich gegen den Kryptogötzendienst (der nicht, wie der öffeittliche, von dem schon oben die Rede war, criniinalistisch bestraft werden kan»), wie das אשר לבבו L. 17 und והתברך בלבבו B 18 deutlich zeigt. Es kann Leute geben, die zwar, aus Furcht vor der Justiz, keinen öffentlichen Götzendienst treibeil, aber im Herzen beten sie die fremden Götzen an, diese spotten des Verbots und denken 'שלופ יהיה ל' ובו. Ihnen droht der Abschnitt mit der götil. Strafe. 'Rur so hat B. 28, der zwischeu נגלות «״» נפתרות unterscheidet, einen guten Sinn. 23) Richter 11, 34. ff. Erinnert stark an die Jphigcniesage. Merkwürdigerweise spielt auch die vorliegende Erzählung säst in demselben Jahr (nach der üblichen Chronologie), wie der Auszug der griech. Flotte in Amis. Daß die Jephtasage den Rainen der Tochter verschweigt, ist ausfallend. 24) Jesajas, 7, 14. Vielleicht ezislirte danmls am Hose ein schwärmerisches, weissagendes Mädchen, aus dem königl. Geschlechte, eine jüdische Kaffandra. Sie wäre ״die Prophetin" 8, 3 und ״die עלמה tat׳ exochen hier. Den Rainen 1מהר שלל חש ב giebt der Prophet als symbolischen Namen, zum Umgangsnamen märe er zu monströs, höchstens dem Geschmack engliscber Puritaner entsprechend. Daher giebt ihm seine Mutter den passenderen Rainen: Emanuel. «Solche ״plaslische Metaphern", wie besonders und noch greifbarer bei Hosea, Ezechiel und Sachariah, vertraten die Stelle der bildenden Künste, die der Hebräismus perhorrescine.i Jesajah weissagte hier woh Rettung und Gericht, aber nicht beides für Ahas und Juda, wie Biele annehmen, sondern Rettung für Juda, Gericht für Israel. V. 15 sagt: Wenn der Knabe so alt ist, daß er Geschmack von Geschmack unterscheiden kann, unterbricht sich aber und fährt V. 16 fort ׳' — כיel (wie 1. Eh. 29, 11) ja noch vorher, werden die Aliirten abgezogen sein. B. 17 führt das aus und ist in gutem Sinn für Juda zu saffen. Assyrien wird Ephraim, dem Feinde Juda's, eine geivaltige Schlappe beibringen. Das למיופ פור heißt: von dem Tage, da das politische Schisma zwilchen Ephraim und Juda eingetreten ist (was Jes. stets ärgert, da er und die Propheten überhaupt für die Einheit Israels sind. cir. z. B. 11, 13 und a. St.). 25) Id. 10, 34. באדיר heißt nach meinem Dasürhalten ״trotz" ״bei all" seiner Herrlichkeit, wie das ברב כשפיך 47, 9 die Erklärung ״durch" ist schon darum nicht zulässig, 1 weil zwar 2׳ wie der lat. Abi. instrumenti auch von einer .Person stehen kann, wenn dieselbe als willenloses Werkzeug gedacht rolrb (cfr. Ew. §. 217), aber nie wenn dieselbe aktiv gedacht ivird. 36) Jb 11, 2. הבמה ist positives Wiffcn, בינה עצה die Anlage der Weisheit, die Intelligenz, die Fähigkeit, das Wahre vom Falschen, das Wesen vom Schein zu trennen; aber בינה ist der thoret. Vernand, עצה der praktische; jener erkennt was wahr und falsch, dieser, was zu thun und zu unterlassen. רוח נמרה ist Muth und Energie des Wollens. Diese geistigen Fähigkeitcil stehen bei dem idealen Zukunftssürsten i>» Dienste der Religion, das "ה bezieht sich auch aus דעת: Geilt und Gefühl sind vom Göttlichen durchdrungen. 27) 19, 18. Keine der mir bekailnten sechserlei Erklä׳ rungen halte ich für richtig. Daß Heliopolis gemeint ist, unterliegt keinem Zweifel. Die Commentare gehen jedoch von der falschen Boranssetziing aus, daß der Inhalt des neuen Namens sich auf das geweisjagte Schicksal der Stadt bezieht. Aber die Form des ׳Namens ist vielmehr betont: ״Man wird in Egypten hebräisch sprechen, sogar der 'Name der Städte wird hebräisch umgetanfl werden: z. B. statt ״Heliopolis" wird die Stadt hebräi,ch עיר החרפ genannt werden." 28) 52, 13 ff. Der עבד von dem schon oben die Rede ist ist das personisicirte GesainmtiScael. Die prophetischen «eben haben bisher, der faktische» Ordnung gemäß, zuerst die Erlösuug aus Babel verkündet und auf dieselbe vorbereitet, sodann mit dramatischer Lebendigkeit sie geschildert. Der Deuterojesajah ist eben der Sänger der 2. Erlösung. Mit B. 12 hat sich nun die Befreiung gänzlich vollzogen. Nun läßt der Dichterprophet die Völker austreten, die Zuschauer dieses Ereignisses auf dem politischen elttheater, dessen Held Israel, der Knecht Gottes. Das in der Thal merkwürdige Ereigniß, daß ein bereits todtes Bolk wieder auferneht (Ez. 37), soll sich im Geiste der Völker reflektiren, sein Eindruck auf dieselben soll geschildert werden. Die Völker reden in Eap. 53 ganz nach Art des Chor« in der griechischen Tragödie. Sie drücken ihr Staunen aus über J>raels Schicksal, über ״Israel, wie es war und ist" llnd können es in Beziehung auf seineu Gott gar nicht zusammenreiinen. Gedankengang: die Völker, die Israel so erniedrigt gesehen haben und es jetzt plötzlich so erhöht sehen, sehen sich iil einem Dilemma verwickelt: entweder liebt ehovah dieses Volk, oder er liebt es nicht. Liebt er es, warum hat er es früher so erniedrigt? liebt er es nicht, warum hat er es jetzt 0׳ erhöht. Freilich man kann sagen, er liebt es, aber er hat es für seine Sünden gezüchtigt — aber, wir, die andern Völker, waren doch noch ärgere Sünder und Götzendiener, und doch traf uns kein Gericht Jehovahs? Die Löjung giebt V. 4: Israel war der Sündenbock für uns Alle. (Forts, folgt.) Literaturbericht. Recensioneu. Kawer-a«, S. A. קבוצת מכתבים בעניני המחלוקת ע״ד ם׳ המורה והמדע יוצאים ידאור ראשונה מתוך כ״י♦ (Separatabdruck aus Kobak's ״Ieschurun" und ״Ginse Nistaroth") Bamberg 1875, 8—112 S. Ironisch rühmt die deutsche Literatur Friedrich, den Großen. als ihren Maecen, denn er hat Gleim einen alten Schimmel und der Karschin 5 Thaler geschenkt. Welch' Fortschritte in gutein Sinne seitdem die Theilnahme von Hoch und Niedrig am deutschen Schriftthunre gemacht, ist vor aller Augen. Die jüd. Literatur dagegen sieht mit neidischen Blicken in's Mittelalter zurück. Ihr ist die Buchdruckerkuust um einige Jahrhunderte zu spät erfunden worden. Ihre Maecene haben gelebt. Denn ein Förderer der jüd. Wiffenschaft zu sein, dazu

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