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Das jüdische Literaturblatt · 1875-09-01 · Nr. 17. (1.9.1875) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 17. (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 .אי אתה יודע איזוד• Nach meiner Ansicht ist die Stelle so zu verstehe«: Am ersten Sonntag der Ernte (die Ernte scheint stetam Sonntag begonnen zu haben) soll eine Garbe dargebracht werden. Innerhalb SO Lagen ist die Ernte allenthalden beendigt, und soll hernach das Schabuothfest gefeiert werdea, das, biblisch, nur ein Erntedankfest (wie die Sichelhrnke im Schwarzwald oder das Riederfallen in Franken) ist. Der Anfang der Ernte läßt sich kalendarisch nicht festsetzen, da sich dieselbe nach der Reife richtet, die von dem Wetter abhängig ist. Und ebendaher, weil sich das Schabuothfest kalendcrisch nicht festsetzen läßt, vielmehr als Erntefest ein bewegliches Fest ist, soll von Anfang der Ernte gezählt werden. Nach dieser Erklärung heben sich alle Schwierigkeiten von selbst.*) 15) Jbid. 23, 24. Der Neumond des siebenten Monats wird, weil die Siebenzahl als heilig angesehen wurde, festlich begangen. Der Ausdruck וכחן תרועה erklärt sich aus Rum. 10, 9—10. 16) 26, 43. ״ יען וביפןsintemal und alldieweil." 17) Die נקודה auf dem ה ist nur deshalb darauf, weil דרןד sonst mascul. generis ist. 18) Jb. 16, 9. Das ויקח ist ein altes crux interpretum. Ich glaube, daß dafür zu lesen ויקב- Der Verf. beginnt mst dem Singular, im V. 2 nimmt er das Verbum, das durch die Aufzählung der Rebellenhäuptlinge unterbrochen wurde, aus einem natürlichen Syntaxgefühl wieder auf, aber nun im Plural. 19) Jb. 15,17. Es liegt ein Dovpelgebot vor: 1) das Obergewand mit Quasten zu schmücken, 2) diese mit einem blauen Faden zu durchziehen. Der blaue Faden soll an den blauen Himmel **) und so an Gott und seine Gebote erinnern. Nur so erklärt sich das וראיתם אותו ווכרתם• Jb. c. 33. Die ויסעו werden beim Vorlesen mit einer heiteren Melodie gesungen: Reiselust, Wonne des Wanderlebens bei einem herrlichen, sicheren Ziel unter sicherer Führung. 20) Deut. 6, 8 u. 9 u. a. St. Die Pfeiler und Pfosten des Hauses pflegt der Orientale mit Sinnsprüchen zu beschreiben (wie dies auch im Occident hie und da gefunden wird). Mt Rücksicht auf diese Sitte sagt die Schrift: der Jsraelite solle anstatt mit profanen, vielmehr mit frommen Sprüchen, Versen aus dem mos. Gesetzbuch, gleichviel welchen, seine Pfosten beschreiben. Das וקשרתם bezieht sich ohne Zweifel auf eine ähnliche orientalische Sitte (s. Göthe's westöstl. Divan), Amulette mit Sentenzen von Dichtern zu tragen, und ist ähnlich zu interpretiren. (Aehnlich erklärt bekanntlich Raschbam. Red.) Noch eine Conjectur in ברכת נשואין• Beim Durchlesen des Aufsatzes des Hrn. Rabb. vr. Deutsch ״Eine glückliche Conjectur des Baal Ha-Jttur" im Literaturbl. Nr. 15 erinnerte sich der llnterzeichnele einer Conjectur, welche ihm der selige vr. Sachs aus Berlin über die schwierige, vielfach besprochene Bracha אשר יצר את האדם בצלמו בצלם דמות תבניתו והתקין לו ובר mitgetheilt hat. Die Tautologie von בצלמו und בצלם macht den Sinn schwierig. Saadja Gaon will vor בצלם ein ו setzen, allein auch diese Conjectur gibt noch keinen klaren Sinn. Der sel. vr. Sachs meinte, das ו von והתקין wäre ani Unrechten Platze; dies müßte vor בצלם stehen. Die Bracha würde hiernach wie folgt lauten: אשר יצר את האדם בצלמו י ובצלם דמות תבניתו התקין לו ובר- Mit dieser kleinen Veränderung wäre allerdings ein *) Herr Dr. Hoffmann kommt in der angef. Abhandlung 1>. 4V zu einem ähnlichen Resultate, nur dah er zugleich nachweist, daß der Ernteanfang kein anderer Tag als der 16. Niffan gewesen sein kann. R. **) So erklären schon die Midraschlehrer: תכלת דומה לים וים לרקיע וכי . (Red.) klarer Sinn hergestellt.*) Eine Schwierigkeit anderer Art ist jedoch noch nicht gehoben. Das Wort תבניתו ist mit de« göttlichen Wesen nicht gut in Verbindung zu bringen; von ״ בנהbauen" abstammend wird es nur auf durch Raum und Form begrenzte Körper angewandt, «kr. More näbuchim I. c. 3. Hier dürste תמונתו, bester paffen **) Hinsichtlich der Behauptung des Hrn. Rabb. vr. Deutsch, der Schluß der Bracha ע״יחופה וקידושין sei ״ein Fehler der auf die Autorität des נהלת שבעה hin die Runde durch alle Gebetbücher gemacht" glaubt der Unterzeichnete bemerteft zu dürfen, daß der Berfaster dem נ״ש doch zuviel Ehre, oder zuviel Verantwortlichkeit beigelegt hat. Die Herausgeber der Gebetbücher haben sich wohl eher nach P"V gerichtet, und dort haben ט״ז . der Lehrer des נ״ש und vor ihm schon der ׳ר׳מ׳א welche die Conjectur des Jttur und die muthmaßliche EntstehungSursache der irrthümlichen Leseart durch den Gleichklang von ב und ו kannten, die alte Formel aufrecht gehalten. Vermuthlich war hier der Sprachgebrauch «maßgebend. Man hat von vornherein für ״Heirathen, Trauen" das Wort הופה im Allgemeinen angewandt, wie z. B..בן שמנה עשרה להופד und deshalb dieses Wort auch dem Kidduschin voran gestellt. Magdeburg. Rathänson. Literaturbericht. Recrnfiouen. Kuh», vr. Michael. Pirke Aboth, sprachlich und sachlich erläutert nebst Angabe der variae lectiones nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Perek I. Berlin, JustuS Benzian. 1875. Wie die Pirke Aboth von jeher ihres hohen sittlichen Ge- Haltes wegen von den hervorragendsten Männern erklärt wurden, so haben in neuerer Zeit, seitdem daS Interesse an der jüdischen Geschichte erwachte, die ״Sprüche der Väter" der historischen Ausbeute wegen eingehende Erörterungen erstlhren. Besonders war es Frankel, der die ״Sprüche" nicht nür zur Eruirung schwieriger historischer Fragen benutzte, sondern geradezu die Hypothese aufstellte, der Redakteur R Jehuda ha- Nassi habe bei Herausgabe derselben in erster Reihe einen historischen Zweck verfolgt. So geistreich aber sowohl die Hypothese Frankels als auch seine Erklärung einzelner Mischna'S aus der betreffenden Zeit heraus ist, so gelang es ihm doch nicht, bei allen Mischna'S die historische Beziehung heräuSzufinden.') Das Bedürfniß einer erneuten speciellen Uutersüchung der Perakim nach allen Seilen zur Beantwortung der höhereü kritischen Fragen ist unabweisbar. Der Begaster vorliegenden Werkes hat auch den richttge» Weg eingeschlagcn, wenn er, ehe er an die Beantwortung der genannten Fragen herantritl, eine genaue Analyse der einzelne« Sätze sowohl sprachlich als sachlich unternimmt, um an der gewonnenen Kcnntniß des Einzelnen einen festen Anhaltspunkt für jene Erörterungen zu gewinnen. Das sprachliche Moment ist für das scharf beobachtende Auge ein sicherer Zeitmesttr für Geistesproducte aus ungewister Zeit. Diese Analyse hat der Berfaster an dem 1. Perek mit großem Fleiße und Kenntniß der einschlägigen Literatur durchgenommen. Es werden die einzelnen Wörter bis auf ihren Ursprung verfolgt, Parallelstellen aus den biblischen und nachbiblischen Schriften beigebracht, und dann die richttge Uebersetzung fest- Wir erinnern uns im ״Hamagid« vor einig« Jahren dies« und ähnliche Lonjecturen in obiger ברבה gelesen,u haben; eS wurde damal« darüber viel hin- und hergeschrieben. <R«d.) **) Bielleicht ist das Suffix in -,תבנית °uf אדם ,urückzubeziehen: Und in seinem Körperbau hat Er (Gott) ihm au» sich u. s. w. (Red.) ') So viel uns bekannt hat auch Dr. Adler in Lasset di« Hypothese F.'S angesochten; trotz mehrsachrr Bemühungen konnten wir seinen Lommentar zu Aboth in den Berliner Buchhandlungen nicht erlange».

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