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Das jüdische Literaturblatt · 1875-09-01 · Nr. 17. (1.9.1875) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 17. (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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gierigen Schurken," fügt der Chronist hinzu, ״war den armen Inden so fürchterlich, daß sie am ganzen Leibe zitterten, wenn 'sie ihn hörten. König LadiSlav aber setzte fH über diesen Justizmord um so leichter hinweg, weil er an seinem Pater Albert ein noch entsetzlicheres Vorbild hatte, welcher um ähnlicher Beschuldigungen willen in Oesterreich Zweitausend Juden in ein großes Behältniß sperren und darinnen lebendig verbrennen ließ." In gleicher Weise waren die Juden in Schweidnitz angeklagt: Hostien geschändet und Brunnen vergiftet zu haben. Deshalb wurden — nach der Aufzeichnung des Chroniken Schickfuß — am 13. August 1453 in Schweidnitz zehn männliche Juden und sieben Frauen öffentlich unter dem allgemeineu Jubel des christlichen Volkes und im Beisein der gesammten Geistlichkeit verbrannt. Als daraus im Jahre 1455 König Ladislav die Huldigung in Breslau angenommen hatte, so nmrde ihm in christlicher Demuth eine Schrift üverreicht, in der eS unter Anderem heißt: ״daß die ungetreuen Juden und Jüdinnen wider das heilige Sakrament unseres Herrn Jesu Christi der in Stadt Breslau gehandelt, dem heiligen christlicher Glaube zur Schmach, darum sie auch gelitten nach ihrem Verdienen. Des« wegen kommen die Rathsmänner und die ganze Gemeinde vor den König Ladislav und bitten demüthiglich, daß er sie und die Stadt darin versorgen und ins Künftige keinen Juden in Breslau ihre Wohnung zu nehmen nicht gestatten wolle!" Der König sah solche ihre redliche Bitte an Md verordnete ״dem allmächtigen Gott zu Lobe und dem christlichen Glauben zu Ehre, daß nunmehr kein Jude oder Jüdin in Breslau ihre Wohnung oder Wesen zu ewigen Zeiten nicht haben sollten in keiner Weise!" Darauf gebot König Ladislav den Rathmannen und Bürgern allda: ״Daß sie der obgenannten Jüdischheit ihre Wohnung in der Stadt nimmermehr nicht gönnen, noch gestatten sollten zu ewigen Zeiten! Breslau vor U. L. Fr. Tag Lichtweih 1455." Die Judenkinde: uitter 7 Jahren wurden gewaltsam getauft. Die Lebendigen verbrannte oder verjagte man — heißt es weiter in der Chronik — und den Todten raubte mau ihre Mauer, womit ihr Begräbnißort eingefaßt war. Der König schelckte die Steine davon der Stadt zur Erleichterung ihrer Baue- Gleichermaßen bewilligte Ladislav einige Jahre darauf, 1457, aus die demüthigen Bitten der Geistlichkeit und der Gemeinde der Stadt Schweidnitz, daß zu ewigen Zeiten kein Jude in dieser Stadt sich ansässig machen dürfe. Man nahm den Juden ihre Synagoge auf der Kupferschmiedestraße und niachte eine christliche Kirche daraus, die zu Ehren des heiligen Frohnleichnams eingeweiht wurde. Ihr Kirchhof nebst allen Häusern, deren aus der Kupferschmiede- und Stockgasie viele waren, wilrden von der Freigebigkeit LadiSlav's, wie in BreSlau, der Stadt geschenkt. Uebrigens bestand die Verordnung, ״daß kein Jude in Schweidnitz ansässig sein dürfe", welche später auf das ganze Fürstenthum ausgedehnt wurde, noch zu Anfang unseres Jahr- Hunderts. Ll. Randglosse«» zur heiligen Schrift. Von Rabbiner I. Stern. (Fortsetzung von Nr. 14.) Mtt jener Kalenderrechnung, welche das Jahr mit dem Sternbild der Stier» begann, mag der Stierdienst in Beziehung gestanden sein, der bekanntlich in Egypten seine» vultn» hatte, und in welchem J-r«l rückfällig wurde beim ןן5ל. Zum Peßachopser wurde daher da» שה, entsprechend dem Sternbild des Widders, bestimm Und nachdrücklich herrwrgeMen und zwar in Derselben Stelle-, die bestimmt: Mehr -Monat fei 'euch der «erste." Damit mitz »uch' die JnMutwn des Herobeam, im achten Monat das Hauptfest zu feiern, zusammenhängen. Denn da dieser den Stierdienst wieder einführt, so begann auch das Jahr mit dem Jjar, und so fällt das Fest des 7. Monats einen Monat später. Ob auch das 'w Nvv damit in Zusammenhang gebracht werden kann? — II) Exod. 30, 21. Es stand ursprünglich wohl הזכיר und mag dieses Stück aus einer Zeit stammen, wo der Höhendienst, wie zur AbsassungSzeit des B> Samuel, noch nicht verpönt war. Den Späteren war dies.jedoch anstößig, da man jedes Opfer außerhalb des CentralheiligthumS perhorreLcirte; daher wurde הזכיר in אזכיר umgeändert.') Da» מזבח אדמה weist schon auf einen improvisirten Opferdienst. 13) Jb. 22, 27. ״ אלץ־יס לא תקללGötzen." Was Andern hellig ist, sollst du nicht lästern und herabwürdigen. (So schon Philo und Josephus. Red.) 13) Leviticus 16, 8. לעזאזל. Dieser Wüstendämon scheint auS der altsemittschen Mythologie zu stammen und einen ziegenfüßigen Gott, ähnlich dem griechischen Faun, Pan, Satyr zu bedeuteu (cft. שעירים Jb. 13, 7 und Deut. 32 17). Das Wort ist contrahirt von ען und ״ אלZiegengott", halb Bock und halb Gott. Das Wortmonstrum ist bezeichnend für das Gottmonstrum. 14) Jbid. 23, 9 ff. vgl. mit Deut. 16, 9. Die phartsäische Auffassung nimmt bekanntlich das ממחרת השכה als zweitm Peßachtag; die sadduzäische all» den ersten Sonntag nach Peßach. Nach beiden Auffassungen ist auffallend: 1) Ist es denkbar, daß die mos. Gesetzgebung, die stets den ökonomischen Verhältniffen Rechnung trägt, ein siebentägige» Wallfahrtsfest anordnet, wenn die Frucht schon zur Ernte reff ist.') Ist wohl da eine Feststimmung möglich? 3) Die Gerste ist am Peßach selbst noch nicht zum Schneiden reist sondern gewöhnlich erst nach dem Feste. 3) Der Abschnitt steht ganz selbstständig da und verräth durchaus keinen Zusammenhang mit dem vorangehendeu, der vom Peßachfest Handelt. 4) Was ist der Grund des Omerzählens? (homilettsche Deutungen können nicht genügen.) Hierzu kommt, wa» die pharisäische Auffaffng betrifft. 5) Wo bebeutet שכת je ״Festtag" ’) und 6) das תמימות spricht entschieden dafür, daß mtt dem ממחרת השכת der Sonntag genannt ist.') Freilich wenden die Pharisäer ein: שאם אתה אומר שכת כראשית י) So auch Geiger und Merx; allein Grätz (m dem jüngst durch den neuen ״israelitische» Literaturverein" derausgegebenen 2. Bd. Gesch, b. Jud. S. 194 Anmerk. 1) weist nach, daß die massorethische Leseart die richtige sei. und '2V אזכיר את so viel wie אשים את ש«י (oder 'שכן ש) bedeut«. — Wir bemerken übrigens b«> dieser Gelegen» heit, daß aus der Aufnahme obiger ״Randglossen" keineswegs auf unser« Zustiinmung zu allen darin ausgestellten Hypothesen rc. zu schließen sei. Nicht« weniger als das Wir haben diese, ben ausgenommen im Interesse der freien Forschung, der wissenschafllichrn Bestrebungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, in deren Dienst sich unser Blatt gestellt hat. (Red.) י) Ja aber gerade beim Pcßachseste gestattet di« Schrift ausdrücklich, ״am andern Morgen" Jerusalem schon zu verlaßen; cfr. Deut. 18.7 ופנית ככקר והלכת לאהליף• <Ked.) *) Wir empfehlen dein Verfasser den trefflichen Aussatz des Prof. Kämpf in Frankel's Monatsschrift Jahrg. 11 S. 144: ״lieber di« Bedeutung de» Wortes שכת "" Pentateuch", in welchem schlagend nachgewiesen ist, daß diese« Wort alleinstehend im Petateuch Ute den ״Wochen-Sabbath" bezelchnet. Danach müßte Vers, oben umgekehrt fragen. (Red.) ף Man darf sich durch des VersafferS ״entschieden" nicht täuschen laffen- Herr Dr D. Hofsmann hat in seiner schönen und fast erschöpfenden Ab- Handlung (im vorjährigen Jahresbericht des Berliner Rabbiner-Seminars): ״Di« Zeit der Omer-Schwingung u. s w." p 29—30 die verschiedenen Ansichten jüd. und christl. Lxegeien hierüber zusammengestellt, und er hat mit dem, was ec x. 30 über תמימות W» ,,entschieden" Recht. (Red.)

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