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Das jüdische Literaturblatt · 1875-09-01 · Nr. 17. (1.9.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 17. (1.9.1875)
Date
1875-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das JMW Litmtmblatt -»r Drlkuchtu», ,»er -,denthmn ». Juden betreffenden Uter« rische« Srschrinungen «uf de« Gebiete »erPhit«s»Ptzie,Geschichte,Sthnographte.rheoingie, Drinttati», Sxraesk, HamUetik, Liturgik, Ptdagigtk. ׳<_ > Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahme». Magdeburg, I. September 1878. Bücher der einschtügigen Literatur, weiche der »eL. de, ״IS». JiternturbiaN" tu Mtgdedur, (»der »er ^d-raei. «»cheuschr." in Stettin);«gesemdt «erde«, finden in diesem Matte ei«- gehende Besprechung. HI». 4 לי Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für di« Abonnenten der ״Israelitischen Wochen- *11. J. « . schrist" (die jährl. 9 Mark kostet) grati«. Zu beziehen durch all« Buchhandlungen: in Leipzig durch Robert Fries«. 4. Jahrgang. Eine Judenhatz. In jetziger Zeit, wo das energische Auftreten - unserer Regierung gegen die Uebergriff« der Pfaffen von Seilen der Ultramontanen vielfach als hart und grausam bezeichnet wird, dürfte es nicht unintereffant sein, unseren Lesern ein Bild aus der Blüthezeit pfäffischer Anmaßung und Barbarei vor Augen zu stellen. Als der Franziskaner-Mönch Capistran us, der Apostel der Liebe, wie ihn seine Zeitgenoffen nannten, im Jahre 1453 auf seiner Wallfahrt durch einen Theil Europa'- auch nach Breslau gekommen war und dort unter ungeheurem Zulauf des fanatisirten Volkes gepredigt hatte, waren für die Juden Tage schrecklicher Verfolgungen und himmelschreiender > Martern heraufbeschworen worden. * ״Sollten dermaleinst", sagt ein alter schlesischer Chronist, ״die Schicksale der Nation auf der Wage der ewigen Gerechtigkeit gewogen, und diese Wage in's Gleichgewicht gebracht werden, so müßten die Juden unendlich« Ansprüche auf Entschädigung aller entsetzlichen Ungerechtigkeiten haben, welche ihnen von den Priestern der Christen angethan wurden." Capistranus klagte die Israeliten folgender Gräuel an: Ein Bauer aus Langenwiese bei Breslau hätte ihnen neun Hostien verkauft, welche die Juden auf ein leinenes Tuch gelegt, mit Ruthen gepeitscht und höhnisch und lachend dabei ausgerusen: ״Dies ist der Gott der Christen!" und daß er's wirklich wäre, hätte sich dadurch offenbart, daß aus den gepeitschten Hostien eine Menge Blut stoß und die Leinwand färbte. Auf dieses Gerücht hin ließ Capistranus die ״Uebelthäter greifen" und auf die Folter legen. Was war nun natürlicher, als daß die Gemarterten alles Gewünschte bejahten, deffen man sie nur beschuldigte. Der fromme Capistran war selbst bei der Folternng gegenwärtig und ״zeigte den Henkern, wie sie den Juden recht empfindlich auf die Haut greifen sollten!" Nun kam noch mehr an's Licht. Eine getaufte Jüdin zeigte an: sie erinnere sich, daß sie als junges Mädchen viele Juden um ein großes Feuer angetroffen habe, welche eine gestohlene Hostie in's Feuer geworfen hätten. Aber die Hostie wäre dreimal unbeschädigt von selbst wieder herausgesprungen. Als dies eine alte Jüdin gesehen hätte, wäre sie niedergekniet, hätte die Hostie angebetet und ausgerufen: ״ich glaube, daß Du mein Gott, mein Erlöser unb der Messias bist, den wir erwarten; ich bete Dich an als meinen Herrn Jesum Christum!" — Das hätten nun die Juden, berichtet die Getaufte weiter, der Alten so übel genommen, daß sie dieselbe auf der Stelle erschlugen und im verborgenen Winkel eine- Hauses verscharrten. Weiter zeigte die Proselytin an: die Juden hätten einen Christenknaben mit den besten Speisen gemästet und dann in ein Faß mit spitzigen Nägeln gesteckt, in welchem sie ihn so lange herumgewälzt, bis er den Geist ausgegeben hätte. Dann habe man auch diesen Körper heimlich begraben, das Blut zum Opfer gebraucht und einen Theil davon an benachbarte Synagogen geschickt. Auf diese Aussagen hin ließ Capistranus eine ״Untersuchung" anstellen, in Folge welcher man dem Volke die Mähr verkündete: ״daß die angezeigten verscharrten beiden Körper wirklich gefunden worden seien!" Capistranus vertheilt einzelne Stücke der Leichen als Reliquien unter das Volk, und berichtete den Vorfall an den schwachen König Ladislav, deffen Sentenz dahin ausfiel: ״Daß der Bauer zu Langenwiese, welcher den Juden die geweihten Hostien verkauft hatte, nebst Einundvierzig Juden lebendig verbrannt, alle Judenkinder, welche über sieben Jahre wären, ihren Eltern entriffen und von Christen erzogen, alle übrigen Juden aber zum Lande hinaus gejagt werden sollten!" Dieses königliche Urtheil wurde mit der gewiffenhaftesten Grausamkeit ausgeführt. Die EinundvierzigJuden sammt dem Bauer wurden verbrannt, und die Güter der Gemordeten wie der Vertriebenen zum Besten des Fiskus eingezogen. — Aus Verzweiflung über derartige Gräuel — berichtet unser Gewährsmann weiter — erhing sich der Rabbiner zu BreSlau selbst und forderte seine Glaubensgenoffen auf, ein Gleiches zu thun, und viele folgten seinem Beispiel nach. Selten erhob sich inmitten jener an Verrücktheit grenzenden Ausbrüche des Fanatismus und der christlichen Blutgier eine Stimnie für die beklagenswerthen Opfer. Die Geschichte hat uns den Namen eines danmligen Rathmannes in Breslau als den eines Ehrenmannes aufbewahrt, der für die Unglücklichen in die Schranken trat; er hieß Eschenloe r. Seine Worte aber blieben ungehört, denn der fromme Capistranus hatte in einer gelehrten Abhandlung, welche er dem König überschickte, mit vielen Beweise» dargethan, daß dieses Verfahren gegen die Juden, trotz aller Einwendung recht und wohlgcthan sei. — ״Der Name dieses frommen blut-

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