Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 16. (15.8.1875)
- Date
- 1875-08-15
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 größten TheileS des in chm enthaltenen Blutes und verliert dadurch etwas an seinem Nahrungswerth, während es dagegen ein besseres, reineres Ansehen gewinnt und der Fäulniß am längsten widersteht." Literaturbericht. Recrufionen. Mach, I. S. Die Juden in Spanien. Eine historische Skizze. Leipzig, Oskar Seiner, 1875. Zu drir bedeutungsvollsten und interessantesten Partien der Gejchickte der Juden seit der Diaspora gehört unstreitig die einen Zeitraum von einem halben Jahrtau,end ausfüllende spanisch-arabische Epoche. Aus der pyrenaischen Halbinsel feierte das Judenthum seine geistige und in geivissem Sinne auch nationale Wiedergeburt; hier brachte es in verjüngter Schöpfungskraft eine Fülle großartiger Erzeugnisse hervor, durch die es aus die culturelle Eniwickelung der Menschheit von mächtigem Einflüsse wurde, dessen Spuren noch heule erkennbar sind. Doch ist es nicht die geistige Regsamkeit allein, die uniern Blick an die Geschichte der Juden in Spanien sessell, sondern auch die günstige politische Stellung, das menschenwürdige Dasein, deren stch die Juden, allerdings mit manchen Unterbrechungen dortselbst erfreuen durften, und die ihnen stolzes Seldstbewußtsein und gehobene Tha.kraft gaben, was uns so gern bei ihnen verweilen läßt. Es ist doch etwas Herzerquickendes, wenn m m bei den Juden im Mittelalter nicht immer dlos an eine von Jammer und Elend gebeugte Menfchenklage, sondern auch an eine Gesamm.heil, die frei und mutbig ihr Haupt erheben durste, denken dar,. Tie Juden i» Spanien sind es auch, die namenstich im Gegensatz zu den deunchen Juden vom kl. bis zum 15. Jahrhundert eine Geschichte >m strengen Sinne des L.ortts haben. Heren Gejammsteben von mächtigen Strömungen durchzogen in, die sie vor träger Stagnalion, in deren Zustande es weder Bornoch Rückschritt gibt, bewahrte. Es war daher ganz natürlich, daß mit dem Beginne der modernen jüdischen Geschichtsforschung auf die Gegchichte der Juden in Spanien das Hauptaugenmerk gerichie: wurde. Die Mühe des For,chers konnte aus die,ein Gebiete reichlichen Loh» stnden, die Ausbeute für die Geschich e und Liuralur der Juden mußte eine ganz bedeutende werden. Und in der Thal sind ganz vortreffliche Lei,lung n zu Wege gebracht worden. Trotzdem darf nicht überfeheil weiden daß der zukünftig n For,chu1lg noch Vieles Vorbehalten b eibt. Denn .Heils harren noch viele mitunter allerdings schwer zugängli.tie Geschichtsquellen der En.deckung und Benutzung, thstls sind die bereits gekaimten Quellen noch immer nicht erschöpfend ausgebeulet worden. Biele dunkle, räthselhaste Facta sind noch auszuhellen, viele ,chwankende Daten genauer zu . e stimmen. Weite Litern, turgebiete, wie z. B. die exegetische, religionsphilozophische, my,tische und Re,ponjenliterntur sind noch lange nicht genügend und zusamnienhängend behandelt, hervorragende Persönlichkeiteu — ich will nur erwähnen: Jbn-Esra, Nachmandcs, Aich.r den Jechiel — müssen nocö ihre Biographen finden. Was uns nolh thut, dos sind gründliche, möglichsterschöpfende Monographien. Das große Princip tur Theilung der Arbeit, muß, sowie es bereits in allen anderen Wissenschaften der Fall ist, auch auf die jüdische Geschich sforschung ausgedehnt werden. E>st wenn das geschehen, wird sich die jüoi,che Historiographie mn and. reu Wi,sen,chaften messen können. Was die oben angezeigte kleine Schrijt betrisst, so hat sie sich allerdings nicht das bescheidene Ziel gesteckt, ei» eng abgegreuzus Feld genau und gründlich zn bearbeiten, sie will im Gegentheil das große Geschichtsbild der spanischen Juden in einen engen Rahmen fassen. Ob der Verfasser sich mit ersterem mehr Verdienst um die Wissenschaft erworben hätte, dies müssen wir hier ganz außer Betracht laßen, wir haben blos zu fragen, was er geleistet hat, nicht was er hätte leisten können oder sollen. Und da können wir nicht umhin, obzwar wir, ehrlich gestan - den, mit einem gewißen Mißtrauen an das Leser, der Schrift gegangen, ihm unsere Anerkennung zu zollen. Herr •-> loch hat ,eine sich gestellte Aufgabe, die Geschichte der Juden in Spanien skizzenhaft darzustellen, m ganz befriedigender Weise gelöst. Der Verfaßer hat zwar die Geschichte mit keinen neuen aus den Quellen geschöpf en Thatsachen bereichern wollen, dagegen hat er es verstand n, das bereits Bekannte in gänzlich selbstständiger Bearbeitung zu geben. Daß der Vers, sich nicht sklavisch an die bisherigen Bearbeitungen dieser Geschichtsepoche hält. bewei!t s von der Umstand, daß er mit unverdroßenem Fleiße die Quellen einer nochmoligen Revision unterzog und es ihm wirklich gelungen ist, in kleinen Einzelheiten bericht!- gend aufzutreten. Die Beurkheilung der geschichtlichen Persönlichkei en. nameistlich der früheren Epoche, ist dem Verfaßer zunieist vortrefflich gelungen, mit wenigen Federstrichen weiß er die Gestalten eines Gabirol, Jehuda-ha-Lewi und Jbn-Esra zu zeichnen, dagegen hat er es nicht versucht, ganze Zeiträume mit wenigen, aber kräftigen Strichen zu charakterisiren, waS seiner Schrift als Mangel anzurechnen ist. Die Darstellung ist durchgehends eme woblgelungene, weil recht anziehende. ES mag als große Empfebl'ung für die Schrift gelten, daß sie, niit Geist und Wärme gesckrieben, nie langweilt. Doch will der Vers, nur zu häufig piquant sein und fällt dann nnwillkürlich aus dem des Gegenstandes würdigen Ton. Doch ist es immer i» möglich daß die Stellen, die meinem scharfen Recensentenauge nickt entgangen sind, Anderen ganz harmlos erscheinen w rde». Ein wetterer Fehler, der mit dem Geistesreichthum des V׳rf. zn׳am»1enhängt, ist, daß derselbe — um nicht ein'öi.ig und trocken zu werden — häufig von seinem Gegenstände abgchweif, eitlen ״Einfall" nicht laßen kann, wodurch die Schrift hie ilnd da einen feuilletonistischen Charakter erhält. Tie Beurilieilung reip. Verurtheilung eines modernen Drama'S, der ״Jüdin von Toledo" von Grillparzer, niinmt mehr als eine Leite ein was in einer Schrift von 135 Leiteu, die ei» so groß s Tst'ma sich gestellt, viel zu sagen hat. Diese Kleinigkeiten die l los darum, erwähnt wurden, um dem fleißigen und begabten Vers, einige ehrlich gemeinte Winke für zulüns'.ige schriitstell ri!!׳e Arbeiten, mit denen er uns gewiß noch hänsig erfreuen wird z» geben, schmälern jedoch nur wenig das ehsticke Lob. welches ihm von jedem gerechten Benrtheiler eriheilr werden muß. H. Jaulus Oouath, Dr. -L. Ge,chichte der Juden in Mecklenb rg von den ältesten Zei.en bis auf du Gegenwart; auch ein Beitrag zur Eulmrgeschich e Mecklenburgs. Leipzig, Oskar Lei- »er, 1875. Das vorstehende Buck des Oe D. ist nicht ohne Fleiß und eingehende Kenn.nißna me der bekannten Quellen gejchrieden, auck hat der Vers, die Mühe nicht gescheut, an Ort und Stelle seine Unler>uchun>ten aiiuutelieii; ttotzdem wird es dem Leier nicht!eicht, dnrck die>es oer»ültniß,näßig dicke Buck — es umfaß: 21 Druckbogen -!ich dnrchznarbeiten. Die llcjache wird zunähst wohl im L:0t>e selbst liege»; die Geschichte der Juden in Mecklenburg ::a! üeerhaupk nichts Anziehendes, weil sie eben nich s be!o>tderes bie e; w׳s »ich reizend t!t, das reizt auch nicht. Üon >nd. Geinesheroen, von epoche machenden Erscheinungen iveiß und k >nn d r Vers,!einen Lesern wenig erzählen. Wae iinere nren den g,1vö!>11lichen Leier — denn nach der Beschastenbeit des ganzen Werkes wendet sich der Vers, vorzüglich nur an >olcke — abge >gerle Notizen, wie: daß vor 3 oder 4 Jahrhunderten hier ein jud. Vichhäud ler, dort ein anderer Jude ähnlichen Berufes gelebt und gestorben? Er dürste sich fragen, ob das Leben und die Lebensschickiale solcher Personen in die Geichih e gehören; denn zur Geschichte gehören doch wohl nur historiiche Erscheinungen die in die Verl'ältniße unserer Glaubensgemeinschaft mehr oder weniger thälig eingegriffen, oder andernsa.ls hervorragende mächtige Individualitäten, denen ein mehr oder weniger hervorragender Platz in der Geschichte ihres 2 ammes eingeräumi werden muß. Den wenigen Ereignißen, die zu berichten sind, hat