Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 15. (1.8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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09 Verherrlichung, zum Heile der Kirche und der ganzen Mensch- ' heit. Das Gewi,sei, jener Heiden war allerdings noch nicht ganz so abgestumpft, ihr Bewußtsein sagte ihnen, daß sie ״ דם נקיunschuldiges Blut" vergießen, namentlich den rächenden Gott Jona's schienen sie zu türchten. Allein auch den vermeinten sie durch ein Extraopfer entschädigen, oder wenigstens besänftigen zu können. Nicht Neligiosität und Gutmüthigk«it, sondern Aberglaube, gepaart mit Grausamkeit und Feigheit, haben wir in diesem Benehmen gesunden. Und die Rache, die der Dichter Jona ilehmen läßt, ist nicht minder characteristisch. Erst erträgt er muihig die Todesnötheil und Gefahren, und dann geht er hin und gieiftdiesen Heiden — eineil Gott. ״Nicht die Sünder, sondern die Sunden sollen untergehen", sagt im Talmud ein jüd. Weib, und Jona rächt sich nicht an den Abergläubischen, sondern an dem Aberglauben durch Verkünden der wahren Goitesidee. Und wenn er in einem dunklen Augenblick an sich selber u. seine Mijsion irre wird, wen» es ihn kränkt, daß er, der Gottgesandte, verkannt wird, so genügt eine neue Anregung, und Jona steht wieder da, bereit zu leiden, zu dulden, zu lehren und zu predigen, denkt nicht an sich und seine trüben Erfahrungen, sonder» an seine Mission und die Menschheit. Eine glückliche Conjeetur des Kart! ha-Ittar. מנהג של ישראל תורד. היא ist zuweilen ein etwas gefährsicher Grundsatz. Diesem Eindrücke kanil man sich unnwglich entziehen, wenn man unbefangenen Siniles etwas näher auf die ברכת אירוסין eingeht. Es kann hier nicht unsere Aufgäbe sein, im Einzelnen wie im Allgemeinen die diese Beracha betreffenden namhaften Schwierigkeiten alle hervorzuheben. Es genügt, den Talmudkundigen auf den einschlägigen ר״ן und ר״אש im ersten Perek von Kethuboth zu verweisen. Dagegen möchten wir behufs Richtigstellung einer Piece in dieser Beracha hier unsere Ansicht mittheilen. Gegenwärtig bringen alle unsere Gebetbücher die Leseart על ידי הוכה וקדושין• Ist aber auch diese Leseart die richtige? Da unter הוכה bekanntlich יהוד zu verstehen ist und demgemäß die ״Kidduschin" im Sinne der Gemara der ״Chuppah" vorangehen müssen, sollte man die umgekehrte Leseart erwarten. Und in der Thal sindei sich in den Scheelthoth die Leseart ,על ידי קדושין וחופן־; doch ist diese eben nur vereinzelt. Was sollen nun die Worte על ידי הוכה וקדושין bedeuten? Rabbenu Ascher giebt die sehr gezwungene Erklärung על ידי הוכה שאחר ברכת הקדושין Das einzig Richtige scheint uns der כעל העמוד hier zu sagen. Er vermuthet nämllch an unserer Stelle die Leseart על ידי הוכה בקדושין nnt י statt mit ן. Nach de», elementaren, grammatischen Gesetze muß ב hier רכה bleiben. Die Worte lauten demnach על ידי הוכה בקדושין• Der Gleichklang hat hier einen scribulus verleitet, irrthümlich וקדושין mit Waw zu schreiben, ein Fehler, der auf die Autorität des נהלת שבעה hin die Runde durch alle unsere Gebetbücher macht, wiewohl wir im ש״ע אה״ע םיל״ד wie im ס׳חסת החתנים die richtige Leseart finden.*) S. Bär, der Herausgeber des Rödelheimer סדר עבודת ישו־אל• findet in den Worten (Aboth v, 19) אהבת אמנון ותמר ein Analogon zu unserer Stelle, weil Thamar Amnons Liebe nicht erwiedert habe; er enipfiehlt daher zu lesen אהבת אמנון בתמר- Wir können der Bär'- scheu Conjectur nicht beipflichten. Es ist allerdings richtig, daß Thamar Amnons Liebe nicht erwiedert hat, daß demnach *) Doch bemerkt schon Duro naimi,:וממילא עכשיו שהקדושין תחת החוסה א״צ לזה• (*<*•) die Worte ׳אהבת אמי ות׳ die nur einseisig von Amnon zu verstehen sind, nid# dieselbe Reciprocität in sich schließen, wie die Worte אהבת דוד ויהונתן• Allein abgesehen davon, daß hier jeder evidente Erklärungsgrund für das Einschleichen des Fehlers fortfällt, weil es heißen mußte אהבת אמי בתמר (das ב mit Dagesch lene versehen) ist es im Neuhebräischen nicht unerhört zu sagen אהבת אמי ותמר ln dem ganz allgemeinen Sinne etwa ״das Liebesverhältniß, welches zwischen Amnon und Thamar sich abspielte." Sohrau, DIB., den 14. Juli 1875. Dr. Immanuel Deutsch, Rabbiner. Randbemerkung zu Könige I. 12, 1«. Bei dem fast überall in den heiligen Schriften vorherrschenden Ernst sind ironisch gehaltene Worte oder Redensarten nur äußerst selten zu finden; und auch dann ist es zumeist keine lächelnde, schalkhafte Ironie, sondern beißender Spott, oder ein sarkastischer Giftpfeil. Ein solcher giebt auch dem Vers 16 im Könige I. 12 liefern Sinn und dem sonst gezwultgen erklärten Ausdruck?ראה ביר.ן (ibid.) Klarheit u. passenden Anschluß. ראה ist allerdings unhaltbar; die Uebersetzmm ״provide domini“ oder ^curas doumm tu«ui“ ist durch keine Analogie gestützt. Aber auch mit der richsigeren Leseart der LXX רעה klänge die Phrase immer noch fremd, — da dieser Stamm nicht mit בית verbunden gesunden wird — wenn nicht eine besondere Spitze und Schärfe darin zu suchen wäre. Wie ich glaube, liegt darin ein Sarkasmus, welchen die lange unterdrücke Eifersucht des die Herrschaft prätendirenden Stammes Ephraim gegen das aus der Niedrigkeit emporgewachsene, von David, durch seine Tapferkeit und die dadurch gewonnene Volksgunst, und von Salomo, durch seine Glanzensiasiung defestigte Haus Jsai's, eingegeben. Der erste Schwächling aus diesem Hause sollte es fühlen, daß David von der Heerde hinweg zur Königswürde gelangt sei. Das רעה ist eine sarkastische Anspielung, daß der Begründer der Dynastie vom Hause Jsai's die ״Weide" besorgte. Der Gegenprätendent Jerobeam aus dem Stamme Ephraim sorgte dafür, daß das erregte Volk jetzt nicht an Salomo's Glanz, nicht an Davids Muth, wohl aber an den Sohn Jsai's, an den Hirtenknaben, erinnert werde. Cöthen. 1h׳. M. Dessauer. Eine etymologische Notiz. Das Wort ״erbarmen" stammt vom Althochdeutschen: ״Barm" der Schooß — also ״erbarnien" im Schooße hegen. In gleicher Weise hat das hebr. Stammwort רחם (Ps. 18. 2 u. a. a. O.) seinen Ursprung vom Hauptwort רחם und קחם ״ =Mutterschooß" genommen. M. Sp. Literaturbericht. Rekensionen. Weill, Kmauuek, Rabbin ä Versailles. La femme juive; sa condition legale d’apr&s la Bible et le Talmud. Paris, Joseph Baer 1874 (Schluß.) S. 58 behauptet Vers., daß der Mann, welcher seine Frau als Sotah vor Gericht stellen will, sie vor Zeugen gewarnt haben müsse de cesser tcut 1-apport avec l'liomuie qu’il soupyonne d'ötre son coinplice. Nach Nt. Sotah 1, 2, und dem Talmud, sowie nach Eben Haeser c. 178, 2