Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr.8.9 (15.4.1875)
- Date
- 1875-04-15
- Page
- Seite 39 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-5990816-5990950--0448-5367517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
39 Recht dazu? Warum aber wagten dann die Gelehrten nach ן Schluß des Talmuds ebenfalls so zu verfahren. Nur einige Beispiele wollen wir hier anführen: Peßachim 121 a, Gittin 13 a, 47 a, 87 b, Kethuboth 23 b, Kidduschin 28 a, 78 b. Baba Kama 108 b, 119 a, Beza 3 b, wo der Ra denn Tam sogar einen Satz, durch deir der דץ verändert wird, aus der Mifchna streicht. Bon noch späterer Zeit תו״יט Berachoth 9 b, כ״ח ib. 17 b, 44 a, Megila 23 b, 26 a. Der Meharscha, der nicht zur ״kritisch-historischen Schule" gehörte, machte auch eine Conjectur sogar in einer M i s ch n a, daß ein Satz aus der Gemarä in dieselbe hineingekommen sei, siehe Kidduschin 62 a. Solche Conjecturen wie die von רש״י תום' תו״יט ב" ח finden sich zur Mischna in großer Menge und die Thora ist noch dieselbe, wie sie uns von Moses überliefert, und noch nicht ״in ihr Gegentheil verkehrt." , Lehinanns Ängstgeschrei ״wie gefährlich eine solche Hypothese ist" braucht uns daher nicht bange zu machen und F. זצ״ל hatte ganz Recht, die fragliche Mischna im Jeruschalmi ,0 zu erklären, wie er es getya» hat, die Integrität der Mischna ist dadurch nicht angegriffen." רודף שלוט׳ Wir können nicht umhin, aus der bereits in vor. Nr. angesührtcn Widerlegung der L-'schen Jrrthümer (von Hrn. I—1t in R.) noch folgenden Passus hier zur Kenntniß unserer talmudgelehrten Leser zu bringen, in welchem derselbe in geisrreicher Weise darthut, daß die von L. gegen F. als Hauptbeweis angeführte Lesart des Syreleio: עד מתי הוא מברך ר׳ חיי׳ ב׳ שמואל כ״ז שהוא צמא מחמת אותה סעודה ור׳ יוחנן א עד שירעב unmöglich die richtige sein kann. Hr. I—n schreibt: Ganz abgesehen davoll, daß es nach dieser LA. ׳ כמה שיעור עיכול wie im Babli, heißen müßte, bietet sich noch eine andere Schwierigkeit dar. Während Babli und Jeruschalmi für die eine Ansicht 1עד שירעב eine und dieselbe Person. R. Jochanan, angeben, weichen sie bei der andern Ansicht in der Personenangabe ab; im Babli ist's Resch Lakisch, im Jeruschalmi (nach der alten von F. cominenlirten LA.) die ״Chachamim", (nach Syreleio N. Chija). Woher diese Namens- Veränderung? Nach ineiner Meinung hat sie in Folgendem ihre Begründung: _ Noch dem Jeruschalmi (LA. F.) beziehen sich die beiden Ansichten nicht auf ׳שיעור עיכול sondern bis zum eintrelenden neuen ״Hunger" oder solange der ״Durst" andauert, ist die Verbindungskette mit der ersten Mahlzeit, und somit die Berpflichtung zum Tischgebete — selbst wenn die übliche Ber dauungszeit vorüber — »och nicht unterbrochen. Für die Verdauungszeit an sich hat R. Lakisch nach dem abli (Berach. 53 b.) einen andern Maßstab angegeben, vgl. das. die Frage ומי אמר ר״ל הכי וכד♦ Die dort gegebene Antwort paßt nur, wenn, wie im Babli, beide Änsiebteu sich ans ען עכול beziehen; das ist ja aber iin Jeruschalmi nicht der Fall. Und um dieser unabwendbaren Widerspruchsfrage auf R. Lakisch zu entgehen, wird im Jeruschalmi (alte LA.) die Ansicht '"כ שיצמא den ״Chachamim" in den Mund gelegt. ׳Nach Syrel.'s LA. aber dispntiren die beiden Amoraim über ש' עיכול, da bleibt die Frage: Warum weicht der Jeruschalmi in Bezug aus R. Lakisch vom Babli ab? — Ohne Syreleio's Antoriiät irgendwie Abbruch zu thun, können wir diesmal seine LA. nicht als richtig anerkennen, und müssen somit zu unserem tiefen Bedauern die 1000 Fehler, von denen nach L.'s Aussage sein Manuskript befreit sein soll, auf 999 reduziren. (Diese sind inzwischen nach den neuesten Ankündigungen auf 2000 angewachsen. Nun, wir wissen'», auch sonst Hr. L. liebt die ״Reclamc", die Halbschwester der Luge.*) Red.) *), Die neuesten Angriffe L 's. durch welche derselbe noch mehr seine Oberflächlichkeit auf talmud. Gebiete documeutirt, — sie foUten wahrschcinlich nur zur Reclame für seine Jerusch^lmi-Editio» dienen, bewirken aber dgs Gegentheil —, das Verhältniß des R Acha בכל השאילתות zum Jeruschalmi betreffend, werden in nächster Ar. geoührend zurückgewiesen werden. (Sieb.) Literaturbericht. Necknsionen. Freudenthal, Dr. J., Hellenistische Studien, Heft II. Alexander Polyhistor und die von ihm erhaltenen Reste jüdischer und samaritanischer Geschichtswerke, Abhandlung, Anmerkungen nud griechischer Text. (Programnischrift des jüd.-theol. Seminars) Breslau, 1875, 131 8. gr. 4. Das erste Heft dieser Studien, das in Nr. 4 des vor. Jahrg. in diesem Blatte besprochen wurde, ließ uns mit Sehnsucht die Fortsetzung resp. den Schluß erwarten. Den gehegten Ermattungen entspricht die angezeigte Schrift im höchsten Maße. Denn in settener Vereinigung finden wir hier die schartzinnigsten Conjetturen und Correcturen über einzelne Lesarten, die geistreichsten Combinationen, eine musterhafte, klare Darstellung, und in genialer Schlußfolgerung die Summe der gewonnenen kleinen Einzelheiten zu einem festen, schöngegliederten Bau zusammengefügt. Der weitaus größere Theil auch dieses Heftes (S. 105—174) ist mit Einzelsorschung angefüllt. Von S. 105—130 wird überzeugend nachgewiesen, daß Eupolemos, der judäische Geschichtschreiber, der in der Mitte des zwetten Jahrhunderts in Palästina lebend seine Geschichte für Hellenen schrieb, identisch sei mit dem Eupolemos, den Juda der Maccabäer als Unterhändler nach Rom geschickt hat. Hierdurch wird das höchst wichtige Resultat gewonnen, wie die in frü- Hern Detailarbeiten höchstens als Bermuthung austretende Ansicht, daß eine national-hellenistische Partei im Kampfe auf Seiten der Maccabäer gestanden, eine richtige und quellenmäßig zu begründende sei. Referent glaubt dem hinzufügm zu können, daß diese Partei den extremen Hellenisten vorgearbeitet, von diesen überflügelt und zurückgedrängt worden sei. Als dann der völlige Abfall von der angestammten Religion proklamirt wurde, da stellten sich jene gemäßigten Elemente auf die Seite der Vorkämpfer der Nationalüät — gingen eine zeitlang mit den bornitten Nationalen zusammen und erwarben den Hauptpreis des Sieges, indem die Führer des Volkes zu Führern der neu gestärkten Nationalhellenen wurden, die späterhin den Patteinamen der Sabducaer erhielten. — Weniger schlagend sind die Beweise dafür, daß Ntalchos, von dem freilich nur ein Fragment erhalten ist, ein Samaritaner geweseil sei. Schon seine Uebereinstinimung mit dem Fragmente aus Juba (135) erschüttert in Etwas die Beweiskraft. — Aus dem Fragmente des Aristeas wird gezeigt, daß die Nachschrift zur griechischen Uebersetzung des Job-Buches aus ihin geschöpft sei. Am interessantesten und an Ergebnissen culturhistorischer Art ergiebigsten ist die Abhandlung über die Trugschrift des Attapanos (143—174). Die Mischung heidnischer und jüdischer Sagen und Erzählungen, die Jdentisicirung Mose's mit dem ägytischen Tütmosis und Musaios n. dergl. geben den Grund dafür, die Schrift als eine absichtliche Fälschung auszufassen, die voir einem Juden verfaßt, einem Heiden in den Mund gelegt worden ist, was in der Zeit der Pseudepigraphen nicht unglaublich erscheint. Höchst beachtenswerth ist die'vom Verfasser ausgesprochene Ansicht, daß das von Pseudo-Aristas angezeigte Werk ägyptischer Priester über die Juden mit dem Artapairos identisch und von eben diesein Aristeas verfaßt ivorden, der überhaupt als Urheber der meisten derartigen Trugschristen anzuseheu sei. Attapanos ist Quelle (direkte oder indirekte) des Josephus für die Ingcndgeschichte Mose's und vieler Midraschiin. Die wahrhaft vollendete Krönung des Baues bildet das Kapitel: ״Echtheit und Bedeutung der Fragmente" (S. 174 bis 198). Nach einer Abfertigung der Gelehrten, die eine willkürliche Fälschung des ganzen Excerptenwerkes des Alexander annehmen, schildert der Verfasser aus der Fülle seines Wissens in lichtvoller Klarheit Zeit und Local, in und auf welchem allein die Scheiirblume der hellenistischen Pseudepigra-