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Das jüdische Literaturblatt · 1875-04-15 · Nr.8.9 (15.4.1875) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr.8.9 (15.4.1875)
Date
1875-04-15
Page
Seite 38 (sequence 9)
Language
German
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Inhalts, sind allmälig verloren gegangen; was hätten sie auch in jener Zeit gesollt, da nian sie für's Leben doch nicht verwerthen konnte. In der freien, vorexilischen Epoche, da war Manches anders. Da hatte man auch solche Schriften gern gelesen und viele verfaßt. Ader die Zeiten änderten sich. Das alte Volk war längst unter den Trümmern des allen Tempels begraben, an desien Stelle war das schristgelehrte Iudenthum getreten. Der Geschichtskundige muß aber auch zugeben, daß einer solchen Energie und Thatkrast, wie sie das Iudenthum zur Zeit der Maccabäer entwickelte, jener wunderbare» Zähigkeit und Ausdauer, jener unbeugsamen Standhaftigkeit und Felsentreue, tnit welcher das in! chaldaischen Exil zuerst abgehärtete und gestählte Volk Jahrtausende allen schauerlichen Verfolgungen, allein Jammer und Elend, selbst den Verlockungen Trotz bieten konnte — die Althebräer wohl kaum fähig gewesen waren. Mit seinem Herzblute verlheidigt es die Bibel als sein höchstes, seür einziges Gut; mit einer weltlichen Literatur wollte sich das Iudenthum für seine lange dornen- und gefahrvolle Wanderung nicht belagen. Feuer und Waffer, eine physikalische Dunkelheit in der Mischnah. So oft ich aus die Mischnah (Beza I V, 7) אין מוציאין אח האור ־ ולא פן המים stieß, mußte ich stutzen. Ich mußte mich fragen, von welcher physikalischen Auffassung wohl die Mischnah ausgcgangen sein mochte, wenn sie den Satz aufstellte:אין מוציאין(ר״ל בי״וט משום מוליד) אח האור מן המים• ES will mir wichtig genug erscheinen, diese Schwierigkeit weuigstens öffentlich anzuregen, weil sie meines Wissens nach Keiner urgirt hat. Die Erklärer oder eigentlich der Erklärer (denn ר״ע מברטנורה •״ תפארת ישראל excerpiren mir Naschi) befriedigen nicht mit ihrer Erklärung. Raschi selbst scheint wenig Behagen an seiner Erklärung zu ftuden. Wenigstens meist er die Verantwortlichkeit für dieselbe zurück; denn Beza 33 a s. v. מן המים schreibt er ausdrücklich: נוחנים מים 722<׳ זכוכית לבנה ונותנו כחמה כשהשמש חם מאד והזכוכית מוציאה שלהבת ומביאין נעורת ומגיעין והיא בוערת כך שמעתי כפיוט יוצר שיסד אהד מחכמי לומבר״דיאה* Dieser Erklärungsversuch ist meines Erachtens ein sehr complicirter und weit hergeholter. Es muß von vornherein schon ausjallen, daß die Genrara uns diese durchaus nicht selbstverständliche-t Tinge ganz absolut verschweigt und nicht einmal mit einem Worte andeutel, wie man sich das Erzeugen des Feuers aus dem Waffer zu denken habe. Es muß ferner befremven, daß die Mischna sonst von einem durch Reiben erzeugten Feuer spricht, nur gerade im letzten Falle nicht. Am Ausfallendsten ist es aber, daß alsdann עיקר הסר מן הכפר* Es müßte bei aller Brachylogie doch wenigstens heißen: אין מוציאין את האור מכלי זכוכית שיש בהם מים* Bei der Erklärung Raschi's nach Analogie des lombarbischen Poelan ist man versucht, an die Wirkung des Brennglases zu denken und gerade das Schwierigste in dieser Stelle ׳מוציאין אור מן המים ist alsdann sehr mangelhaft erklärt. Sollte es nicht geralhener sein, in unserer Stelle unter ״Wasser" vielleicht destillirtes, etwa Alkohol halliges Wasser zu verstehen? Diese Erklärung, wenn slatlhast, empfiehlt sieh jeden׳ falls als viel einfacher und ungezwungener. Wir brauchen alsdann den ganzen künstlichen und nebenbei sehr problematischen Apparat von נעורת .« זכוכית לבנה. שמש חם מאוד nicht, lauter Dinge, wofür weder die Mischna und noch viel weniger die Physik *) irgend welche Handhabe bietet. Alsdann •) UnphiM!,tisch ist das von Raschi angeführte Verfahren gerade nicht, den» daß die durch den Focus einer mit Wasser gefüllten weiße» Glaskugel gehenden Sonnenstrahlen entzündend wirken, ist ein physikalische« Gesetz. (Red.) ist auch dieser Fall conform den ihm unmittelbar vorangehenden und, was schließlich die Hauptsache ist, redet die Mischna wirklich von מים und nicht von כלי זכוכית * Ich empfehle übrigens meinen Erklärungsversuch der Prüfung und Würdigung competenter Sachverständiger, indem ich auch diesen Versuch nicht von allen Schwierigkeiten frei weiß. Jedenfalls bietet er aber nach meinein Ermcffen eine viel einfachere, auch den modernen, physikalischen Anjchauungcn mehr entsprechende Erklärung dieser an sich sehr dunklen Mischnah. Sohrau O./S., im April 1875. vr. ,וmManuel Deutsch, Rabbiner. Frankel s Ieruschalmi-Commentar. So lange die Lüge und die Verleumdung ihr schamloses Haupt erhebt, so lange darf auch die Stimme der Wahrheit zu widerlegen und zu entlarven nicht erlahmen. Hr. Lehmann fährt fort in bileamitischer Weife (vgl. Pirke Aboth P. V. M. 22) in Frankel's Commenlar Jrrthümer zu suchen und nicht zu finden lind statt solcher absichtliche Wortverdrehungen und Schmähungen zu veröffentlichen. Wir bringen deshalb noch die nachfolgende Widerlegung, von einem ״dem Parteitreiben fernstehenden עומק בתורה כל ימיו im Jntereffe der Wahrhei!" uns zugesandt, hier zum Abdruck. ״Das bornirte Urtheil über Frankels Eommentar zum Jeruschalmi von 1)1•. Lehmann hat nicht allein bei den Verehrcrn F.'s זצ״ל große Entrüstung hervorgerusen, sondern auch bei den Freunde» L.'s tiefen Unwillen erregt. Er hat durch solches Vorgehen seiner Sache mehr geschadet als genützt, da viele Leser seines Blattes sich mit Widerwillen von demselben abivenden. Es ist wirklich unbegreiflich, wie L. sich hat hinreißen laffen, in einer solchen Recension einen Andern eines Vergehens zu zeihen, das, wenn es eilt solches wäre, er aus derselben Seite selbst begeht, wenn nicht שנאה וכוי di« Sr-- klärung hierfür gäbe. Wohl ist ihm schon sein Jrrthum von verschiedenen Seiten hinlänglich nachgewiesen und wir haben nicht nöthig, noch einmal darauf einzugehn. Wir wollen heule ilur hinzusügcn, daß die Behauptung F.'s ״die Mischna des Jeruschalmi sei ursprünglich anders gewesen als die des Babli" — es soll gewiß, nach F.'s Einleitung in den Jeruschalmi S. 19 a und Darke Ha-Mijch»a S. 221, heißen: ״hatte ursprüngiich viele andere Lesearten als die des Babli" — keine Hypothese, sondern eine begründete und nicht wegzuleugnende Thats ach e ist, wie F. selbst in seinem Darke ha- Mischna, Abschn. 3, an mehreren Hundert Beispielen allein im Seder Seraim nachgewiesen hat. Aber auch die Mischna im Babli hatte verschiedene Lesearien und ״die Thora ist durch die Eonjeeturen nicht in ihr Gcgentheil verkehrt." Wir hatten die Absicht, ein Verzeichniß d.r noch jetzt vorhandenen verschredenen Lesearten in der Mischna hier aufzustellen, aber wir fanden die Zahl zu groß und empfehlen daher den Gegnern der eben erwähnten Behauptung, eine Gemara zur Hand zu nehmen, eine Mischna nach der andern nachzusehen, und sie werden selbst sehr oft bald von Raschi bald von den Tosaphot verschiedene Lesearten and Eon,cclnrcn angesührt finden. Zu der Miichna haben sich keine Majsoreten gefunden, die Leseart derselben fenzustellen, wie es mit der Bibel geschehen, und vom Anfang an bis noch auf heutigen Tag findet man, daß Gelehrte, natürlich solche, die auch Lomdim sind, sich erlaubt hatten, in der Mischna Eonjeeturen zu machen. Sind denn etwa die .׳•emerkungen oec Amoraim wie חכורי מחכרא oder תני הכי und ähnliche Ausdrücke im letzten Grunde nicht auch Eonjeeturen?*) Oder hatten vielleicht nur die Amoraim das *) Frankens Schütcc wisfcn. wie oft der Selige beim Talmudvor» trage cs beiont hat, daß obige Formet nicht wörtlich zu nehmen und die Mischna darnach zu cocrigiren, sondern so zu verstehen sei, daß man in Gedanken ein Mittelglied oder den bctr. Fall <2!0שה> Su suppliren habe jvzt.דרכי המשנה S. 278 לא שחסר ממש וכי); auch di- אל תקרי bemühte er sich stets in ähnliche!» Sinne zu erklären. (Red.)

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