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Das jüdische Literaturblatt · 1875-04-15 · Nr.8.9 (15.4.1875) · p. Seite 33

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr.8.9 (15.4.1875)
Date
1875-04-15
Page
Seite 33 (sequence 5)
Language
German
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Ich schliche mit dem Wunsche, daß durch lohnendes Entgegenkommen der Verfasser ermuthigt werden möge, durch ähnliche Werke die jüd. Literatur zu bereichern. Magdeburg, Januar 1875. Nathansvn. Offenes Sendschreiben au Se. Ehrwürdku Herrn vr. Lehmann, Rrdarteur des ״Israelit" iu Mainz.*) In der ersten Beilage zu Nr. 8 Ihres Blattes zeigte» Sie an, daß Sie den von Frankel זצ״ל herausgegebene u Commentar auf Berachoth und Peah von Jeruschalmi ausführ lich besprechen werden. Ich war sehr gespannt daraus, und erwartete Ihre Recension mit der größten Neugierde. Werden Sie das Werk loben, fragte ich mich, da Sie selbst ja den Verfasser als einen bedeutenden Gelehrten anerkennen, oder nicht. In der Beilage zu Nr. 10 erschien dann wirklich eine Besprechung auä Ihrer Feder, und ich inuß gestehen, daß dieselbe mich sehr überrascht hat. Sie hatten uns eine ausführliche Besprechung in Aussicht gestellt, so daß man glauben sollte. Sie würden im ungünstigen Falle dem großen Gelehrten viele Jrrlhümer nachiveisen, und schließlich führen Sie nur zwei Stellen an, in denen er geirrt haben soll, und die bei näherer Betrachtung nicht so verwerflich sind, wie aus Ihrer Erörterung selbst zu entllehinen ist. Sie werden mir zugestehen, lieber Herr Doctor, daß bei Ihrer Recension der Spruch unserer Weisen ״) שנאה מקלקלת השורהHaß oer-־ dirbl die Grobheit des Urtheils") sich bewährt hat, dein. Sie selbst lassen hierbei einen Widerspruch hervortrete», der kaum zu lösen ist. Das große Unrecht, welches Frankel Ihrer Ansicht nach begangen haben soll, besteht darin, daß er, un> eine Schmierigkeit in, Jeraschalmi (Berachoth VII!, 8) zu lösen, es gewagt hat, eine Conjectur zu machen, während der פני משה שדה יהושע ׳ר׳ שלמה סיריליו׳ צל״ח sich viel Mühe gegeden, diese schwierige Stelle nach der jetzigen Lesearl zu erklären. Sie gestehen aber zu, daß a l l e E r k l ä r u n g e n » i ch t befriedigen, und in der Thal ist es nach dem kn« L10sek« schwierig, warum es nicht אפילו קדשים דלים heißt. Die Lösung des שרי יהושע haben Sie selbst als unhaltbar nachgewiesen, die des Rabb. Syreleio Hallen Sie wohl für geistreich, aber auch für wenig befriedigend, aus demselben Grunde verhält sich es mit der des צלה ebenso. Alle diese Coninientaioren konnten deshalb die Schwierigkeilen nicht beseitigen, weil sie —- wie man überhaupt in alten Zeilen mit wenigen Ausnahmen es nicht gewagt hat — es nicht über sich gewinnen konnten, eine Conjectur zu machen, und sie sich daher bemühten, solche Stellen durch Pilpul zu rechtfertigen. Aber seit den» uns der berühmte Gaon Cliah aus Wilna den Weg gezeigt hat, wie man durch eine הנהה (textritische Note) eine unverständliche Stelle lösen kann, so steht dies jedem Taluiudgelehrte,׳. frei, so lange er nicht vom דץ im Schulchan Aruch abweicht, und im Jeruschalmi kann man dieses mit noch größerem Rechte thun. Lesen Sie gefälligst die zweite Vorrede des הר׳הג׳ רשכב״ה מרהר יוסף שאול יצ״ל zum Jeruschalmi (Ausgabe Sitoinir). Er schreibt: כי באמת הירושלמי כלו כסי פניו קמשונים והרולים und nach solcher Behauptung eines s o l ch e n Mannes sollte man *i Hegen die vom obengenailnten Reoacleur in bekannter verketzernder Manier in seinem Bl. an des scl. Frankel Ieruschalmicominentar geübte Nritik sind uns mehrere, diese lat «indische Materie behandelnde ״Widerlegungen" souch eine ״Abwehr" deS ganzen unwissenschaftlichen Hebahrens des ürn. V.. zugegangen; allein wir bringen ans leicht erkennbarer Absicht nur die beiden obigen zum Abdruck, weil sie nicht von ״Schülern Franke,'«" ausgehen; — das ״Sendschreiben" hat sogar einen ״persönlichen Freund" des Hrn. L. zum Bersasser und hatte im Manuskript die Ueberschrift: תשובה מאהבה• (Aed-I nicht wagen dürfen, in Jeruschalmi eine Textes-Conjectur zu machen! und doch machen Sie Fr. aus einem ähnlichen Berfahren einen Vorwurf? Sie selbst, geehrter Herr Doctor, ediren einen Jeruschalmi, in dem nach Ihrer Aussage 1000 abweichende Lesearten von den bisher gedruckten Ausgaben sich finden, nnd wenn früher, ehe Sie Ihr altes Exemplar gesehen haben, Jemand es gewagt hätte, in dem längst gedruckten Jeruschalmi eine Conjeclur zu machen, die Sie jetzt in Ihrem Manuskript finden, würden Sie sich gewiß dagegen ausgesprochen haben. Nun erlaube ich mir die Frage an Sie zu richten, wodurch ist bewiesen, daß die in Ihrem Manuskripte vorkommende Leseart die richtigere sei? Jedenfalls müssen Sie zugeben, daß man beim Jeruschalmi auf texlkritische Noten angewiesen ist, und so verfahren Sie ja selbst; bei der Stelle עד מתי הוא מברך streichen Sie aus denc alten Jeruschalmi eine ganze Reihe. Worin besteht nun der Unterschied zwischen den beiden Conjecturen? Sie streichen in der Gemara, werden Sie mir erwidern, und Fr. in der Mischna; aber auch in diesem Falle können wir uns auf הג' אב״ד מלעמבערנ berufen, der zum Perek VII Halacha 3 (Berach. jerusch.) bemerkt: ואין זה תימא דקדרך הירושלמי להפך הסוגיות וכר ואפילו המשניות Demnach kann man keinem Gelehrten einen Vorwurf daraus machen, wenn er sogar in der Mischna eine Conjectur anwendet, irehmen Sie daher gefälligst Ihren Protest zurück. Aus vielen Stellen im Talmud babli könnte ich Ihnen beweisen, daß die Amoraim כבירור in manchen Mischnajoth eine andere Leseart halten, als wir sie vor uns haben. Es ist leicht erklärlich, weil die Amoraim keine geschriebenen Mischnajolh hatten, sondern auswendig lernten, daher hatten sie manche Frage aufgeworfen, die nach der jetzt vorhandenen Mischna gar keine Frage ist. Als Beispiel will ich Ihnen folgende Stelle aus Joma 79a ansühren, woselbst ריפפא frügt: ככותבת שאמרו בגרעינתה או בלא גרעינתה. Wie schwierig diese Stelle ist, zeigen Raschi und Toßaphoth z. St. und nach allen Deutungen bleibt noch immer die Frage offen: warum drückt sich ריפפא aus:׳ככותבת שאמרו ,voraus deullich hervorgeht, daß in seiner Mlschna nur ככותבת allein gestanden hat, denn nach der uns vorliegenden Lesart in der Mischna müßte er sagen ככותבת וכנרעינתה שאמרו♦ Nun läßt sich aber ״dieser Knoten mit einem krilisch-historischen Schwerte zerhauen". ר׳פפא hatte entweder gar keine geschriebene Mischna, oder in seiner Mischna hat das כמוה וכנרעינתה gar nicht gestanden; daher ist seine Frage sehr berechtigt. Nachdem aber in der Gemara entschieden worden .בנרעינתר, ist es in die Mischna hineinzesetzl worbe», oder hat schon in einem andern Manuscriple so gestanden. Ein Beweis dafür ist, daß in der פיסקא der Gemara nur האוכל ככותבת הנסה ohne וכוי angeführt wird. Ebenso verhält es sich mit der in Rede stehenden Mischna (Berach. VIII 8). Die Correctur, die Sie, geehrter Herr Doctor, ansührcn, ist auch noch nicht geeignet, alle Zweifel zu lösen. Denn die Erklärungen, die Rabbi Chija und Rabbi Jochanan geben, paffen nur aus die Frage כמה שיעיר עכול< wie es im Babli heißt, aber nicht auf יעד מתי הוא מכרך Ferner wenn, nach Ihrem Manuscript, in der Mischna schon der ganze Satz עד מתי הוא מברך עד שיתעכל המזון שבמעיו gestanden Hatte, wozu heißt es dann noch einmal in der Gemara עד מתי הוא מברך? Ihre Correctur nach Syreleio ist also auch längst nicht ausreichend, und die Hypothese von Fr. erscheint darum viel besser. Der פירוש מבעל ם'הרדים macht anch eine Conjectur hierzu, indem er bemerkt, die פיסקא müßte lauten: עד שיתעכל וכוי. Was »,einen Sie dazu, Herr Doctor, wenn wir auch eine Conjectur in Vorschlag brächten und nur die Worte versetzten? Es sollte also heißen: פיסקא עד מתי הוי מבר׳ עד שיתעכל המד שבמעיו♦ ר׳חייא בשם שמואל וחכמים אומרים כל זמן שהוא צמא וכוי רייוחנן וכי und dann stimmt diese Stelle ganz vollkommen mit den! Babli überein.

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