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Das jüdische Literaturblatt · 1875-04-01 · Nr. 7. (1.4.1875) · p. Seite 26

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 7. (1.4.1875)
Date
1875-04-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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entsprochen werde,Aas Alles konnten dem Volke nur jene 'Männer sagen, die die göttlichenZSchriften kannten und richtig auszulegen verstanden. EincArt Schristerklärung oder Bibelgelehrsamkeit hatte sich eigentlich in der vorexilischen Zeit zu regen begonnen,*) doch war sie ihrer Natur nach ganz anders, als die nun in Flor konimende. In die Behandlung der Schrift drängte sich ein gewisser einseiliger Positivismus ein; die Forschung strebte ausschließlich nach praktischen Zwecken. Für das Gesetz als das Wort Gottes einen Grund aufzusuchen, lag außerhalb des Kreises des Verlangens wie der Berechtigung; nur wie das Leben sich nach ihnl norniire, wie das Gesetz bewahr! und ausgesührt werde, war der eigeiuliche Strebepuukt der Lehrer wie der Lernenden.**) In solcher Art wollte man gleichsam die feindlichen Schranken zwischen Materie und Geist zerbrechen nnb Himmlisches und Irdisches durch die Handlung und in der Handlung vereinen. So wollte man die Welt, das Leben idealisiren, heiligen, vergöttlichen, schon glaubte man das große von den Propheten verkündete Zeitaller, das Gottesreich, Hereinbrechen zu sehen, aber freilich die Wirklichkeit hält selten, hält nie, was die Phantasie der Zukunft vorancilend den» gläubigen, hoffnungsvollen Menschen- Herzen vorgaukelt. Während kurzer Zeit haben sich eine große Anzahl von ceremoniellen und religiousgcsetzlichcn Vorschriften ausgebildet, die als Axiomata alles öffentlichen und privaten Thuns und Lassens angesehen wurden, aus deren pünktliche Ausführung man bedacht sein mußte.') ״Das Gottesgesetz ist das Leben",') das ganze Leben mußte sich dem Gesetze gemäß gestalten; staatlich und gesellschaftlich in Gesetzgebung, I".stiz, Administration und Gemeindelebeir, in Allem mußte der heil. Gesetzesidee zu entsprechen gesucht werden. Als Glied der heil. Gemeinschaft sollte der Jude in seinem ganzen Leben nichts .hun oder lassen, außer was das Gesetz bestiunnt; alle religiöse» Bedürfnisse, Forderungen der neuen Gesellschaft, die unmittelbar dringendsten Ausgaben, so zahlreich, mannigfaltig sie auch waren, nur das Wort der Schrift allein konnte ihnen Genüge leisten. Alan war aber auch überzeugt, daß kein Fall eiutrcten könnte, , den» in der Thora nicht vorgesehen wäre,') keine Gelegenheit, wo das Gesetz nicht Rath wüßte. Die neue Zeit hatte neue Verhältnisse geschaffen, neue Lebens- und Rechtszustände erzeugt, die nöthige Regelung konnte nur durch eine allerdings etwas erweiterte Anweildung der Schrift gesunde» werden. Alles, was man als vernunstgemäß *) Vgl. Ewald Gesch. Ivr. Illp. 75k sf "I Frankel, der Einfluß der pal. Exeg. auf die alex. Hermeneut. Leipz. 1851. § 1 1) Lie alle zu ermitteln ist unmöglich, da die alte Halacha uns verloren gegangen; aus der jüngeren läßt sich aber mit Sicherheit aus die Natur der älteren schließe» Auch fehlt es »ich! an einzelnen Zöllen, die hierüber belehren könnten Das Verbot, Zamilien-Verbindungcn mit fremden Völkern einzngehcn, findet sich zwar bereits im Pentateuch, dort wird jedoch nicht erwähnt, daß -linder, die eine Nicbljüd»! zur Mutter haben, aus der Gemeinschaft auszuschließeu wären. Der Grund» saß'- הולד כמ*תה!Kidusch. 66, 5.) konnte nur durch eine geschickte rabbinijche Znterpretalion Begründung erhalten Da» Verbot im Pentateuch bezog sich auch nur auf die 7 kauaanischcn Völker; seine Ausdch, nung ans alle anderen Völker ist eine rabbinijche Verschärfung (Kidusch. 68, b. Jad ha-chas. Jschoth k2, 1). Nun sehen wir, daß schon Esra diese doppelte Verschärfung kennt. 2j Levir. 18, 5. Deut. 8t), 15—2t). ליכא מילתא דלא רמיזה באורייתא - (3 und gesetzlich erkannte, suchte man durch das göttliche Gesetz zu begründen. Diese Andeutung oder Begründuilg aufzusuchen, mar die Aufgabe der Schriftgelehrten-Schule, jener lebendigen Werkslätte der Religion, die von Esra und der ecclesia magna gegründet worden.') * (Forts, folgt.) Talmudifch-lexicalische Studien. (Proben aus meiner bcabffchtigte» Aruchedition) von Oberrabbiner Dr. Ä. Äofjut. בת קול (Die Offenbarungsstimme, eigentlich: das Offenbaren. Kundgeben der Stinunc). בפ״ק הברכות ירושלמי קודש שיצאת בת קול הרוצה לכימות כב״ה בקוליהן וכחומריהן עושר. כב״ש עושה׳ לאחר בת קול העובר על דברי ב״ה חייב מיתה היכן יצאת ב" ק ר׳ ביבי בשם ר־ יוחנן אמר ביבנה ♦ (j. Bcr. zu 1, 4 Ende; vgl. bab. Erub. tili E.; Toss. das.) R. Nathan gibt im Aruch gar keine Worterklärung. Ehe w i r sie zu geben versuchen, müssen wir die encyclopädische Zilsammenstellung jener Stellen, in denen unser Schlagwort vorkommt, schon deshalb hier folgen lassen, weil deren sorgfältige Prüfnng unsere Ableitung im höchsten Grob wahrscheinlich macht. Diese Slellcn sind Targ. jer. l u. II Gen. 38, 26; Tg. jer. I >!. n Rum. 21, ti; Tg. ,er. I Deut. 28, 15; 34, 15; Tg. H. Lied 2, 14; 4, 1; Tg.' Echa 3, 38; Tg. MH. 5, 14. Sifri Deut. 34. 5 $ 357. Mischna Jeb. 16, ti; Ab. ti, 2. Talin. jer. Ber. l. c., zu Pea 1, 5; zu Kelaj. 9, 3 (Keth. 12, 3); zu Schabb. ti, 9; Chag. 2, 1; M. Kat. 3, 1; Jeb. I, ti; Kid. 1, 1; Sota 3, 3; 7, 5; 9, 13 (Tossifta Sot. C. 13); 9, 17; Ab. sara 3 1; Synh. 10, 2; Horaj. End.;bab. Talm. Ber. 3a, 17 8,'52 a, tilb; Schabb. 14b, 33b, 56 b, 88 a, 149 b E.; Erub. l. c; 7 a, 13 b, 21b, 54 b; Petz. 114a;!)Hag. 13 a, 14 b, 15 a; M. Kat. 9 a, 16 b, 18 b; stt. Hasch. 21b; Jom. 9 b, 21b; Taan. 21b ,in Raschi Schlgw. 24 (שלמא b, 29 a; Me!3 .׳ a, 12 a, 29 a, 32 a; Jeb. 14a, 122a; Keth. 77b, 103b," 104a; Gilt. 56b, 57b• Sol. 2 a, 10 b, 13 b, 21 a, 33 a, 45 b; B- Mez. 59 b, 85 a, b, 86a; B. Bath. 3b, 58a, 73b; Ab. sara 10b, 17a, 18a; Synh. 11 a, 22 a, 39 b, 94 a, 96 b, 99 b, 102 a, 104 b; Makk. 23 b; .vor. 12 a; Ehull. 44 a, 86 a, 87 a; Kerith. 5 b. Wir begegnen folgenden Erklärungsversuchen: I. Die älteste von Raschi gegebene Ansicht stimmt merkwürdigerweise mit der jüngeren cabbalistischen überein. Zu Sol. 33 a sagt nämlich Raschi: בת קול: אותה מדה הממונה על כך יודעת בשבעים לשונות מפני שעשויה להשמיע והיא משתלחת לכל הלשונות פעמים לזה ופעמים לזה Hiernach ist Bath-Kol ein mit iutellectueller Fähigkeit ausgerüstetes gottliches A t t r i b u t. So sagt auch R. Elia Levita (Tischbi 8. b. v.) nach vorausgeschickter Bemerkung: ואומרים שיא נו קול ממש אלא בת של קול — noch wie folg!:♦ובעלי הקבלה אומרים שהוא מול של מד ה אחת הנקראת קול.-.. Ebenso auch R. Lipman im Sefcr Hanizachon: ופי' של בת קול מדתו של בת קול II. Die Tossaphot vermuthen (zu Synh. 11a Schlgw. בת קול) darunter ein Echo (מתוך אותה קול יוצא קול אחר) HI. Maimonides!Moreh 11, 42 g. Ende) meint, es sei eine exaltirte Einbildungskraft. Seine Worte sind im arab. Urtext: בת קור אלתי ידכרונהא אלחכמים דאימא והי האלה מא תצחב אלשכץ אלניר מתהיי d. h. das Bath Kol, von welchem die Weisen fortwährend sprechen, ist eine gewisse Situation, in die der Mensch gänzlich unvorbereitet hineingeräth: weiche Worte (im hebr. lauten sie übersetzt also: (ב״ק שזכרוה חכמים תמיד והוא ענין אחד ילוה לאיש שאינו 4) Vgl. Ew. Gesch. 3. b. p. 199.

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