Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 5. (1.3.1875)
- Date
- 1875-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 Zur famarttanifchen L-xieoqraphie. Von D. Oppenheim. (Schluß.) 4) אגדיו־ Die Stelle 2, 27: ״Er blies in seine Nase einen Odem des Lebens", wird mit einem eigenthümlichen Worte übersetzt: ויעף באחריו נסמת חיץ•' Das Hptw. אגרץ für ״Nase" findet sich in keinem semitischen Dialekte. Allein es ist nicht schwer auch hier auf den semitischen Ursprung des Hauptwortes zu kommen. Im Aramäischen heißt ״ אגרAnhöhe, Dach." Auch der Talmud kennt dieses Wort. (S. Aruch und Buxtorf 8. v.) Der Samaritaner nannte darum die Nase als den hervorragenden Theil des Gesichtes ׳אגר gleichsam das Dach des Gesichtes. Es erinnert dies an den sonderbaren Vorschlag eines deutschen Puristen des vorigen Jahr- Hunderts, der für Schornstein ״Dachnase" eingeführt haben wollte. 5) ארע כופין Die Namen der 4 Ströme des Paradises sind in dem samarit. Targum wahre Räthsel. Das Land, jtusch 2, 13, wird daselbst ארע כופץ genannt. Dieses Land ׳כופין womit das Land Kusch bezeichnet wird, ist wohl nichts anders als das Negereigentlich Affen land. Fürst (Wörterbuch) will כוש von dem ungebrauchten Ztw. ״ כבשbrennen, schwärzen", das sich in ״ כבשוOfen" erhalten, ableiien. Auch Jvnaihüii zählt unter den Söhnen des Kusch (10, 7) זנגאי d. h. Zangi, Zingaro, die Schwarzen, Mohren, wovon unser ״Zigeuner" abstammt — und im Samaritanischen werden die Neger, wegen der schwarzen Farbe, zu ״Affen" (sp-Ä gestempelt Hr.Karl Vogt kann sich nicht einmal mit seiner Affentheorie das Verdienst der Erfindung zuschreiben, da er im samarit. Targum einen Vorläufer gefunden hat. 6) פילוקה Die Stelle 2, 21 wird übersetzt: וגפל ח' אלה פילוקה על האדם• Welche Verwandtschaft פילוקה mit הרהבה ״Schlaf", hat, ist nicht leicht einznsehen, da man in den Dialecken hierüber vergeblich nach Aufschluß sucht. Merkwürdigerweise aber gibt uns hier der Samarit. eine Erklärung, die uns ein anderes hebr. Wort aufhellt. Das, 2. Ham. 3, 29, vorkommende סחזיק בפלך wird von den alten Versionen verschieden gedeutet. Die meisten übersetzen: Stab, Stütze. Aquila aber übersetzt פלך mit typhlon, blind, daß heißt einen Blinden führenden. Dieses Hptw. פלך Blinder, findet sich auch im Samaritanischen, nämlich פילוקה Blindheit, resp. tiefer Schlaf. Die Etymologie des Wortes ist wohl dunkel; aber auch die Bedeutung ״Stab" ist nur errathen! 7» שיוך ״Bein von meinem Bein", Genes. 2, 23, übersetzt das genannte Targum: שיר* «שיופי- Hr. Dr .llohn, (Beiträge zur samarit. Uebersetzung, Frankel's Monatsschrift 1866 u. 67.) zäl>lt dieses auch zu den kuthäischen Worten. Allein *שיה ist mit dem Aramäischen ״ שיבאSpan, Sparren", verwandt. Jonathan übersetzt Habakuk 2,11: ושיפא בגו ברישא- (S. Aruch und Buxtorf 8. v.) Der Samarit. übersetzt hier עצם בעצבי nicht wörtlich, sondern umschreibend: ein Sparren, ein Splitter, von meinem Sparren, gleichsam Holz von meinem Holze. 8) גבב Die Stelle: ״Sie sprachen einer zum Andern" (11, 3) wird vom Samarit. wiedergegeben: ואברו גבב להברה- Hr. Brüll emendirte für das unverständliche ׳ גבב entsprechend dem איש im Hebräischen,גבר- Allein die LeSart ״ גבבJedermann", läßt sich rechtsertigen, da sie im Babylonischen ihre Analogie hat. Hr. Dr. Schräder, Höllenfahrt der Jstar, führt im Gloffar das Wort גבב für Jeder, Jedermann, an und leitet es aus dem Äthiopischen, wo es dieselbe Bedeutung hat, ab. Es ist dieses Wort wieder ein Beweis für die nahe Verwandtschuft des Samaritanischen und Babylonischen, wovon wix in Nr. 1 dieses Literatürblattes und im ״Hämm'ägid" einigt Proben gegeben. Literaturbericht. Rrceufiouen. Arull, |>t. Adolph. Das samaritanische Targum zum Pentatertch. 1. Anhang: Kritische Studien über Oxforder Manuscript-Fragmente. Frankfurt a. M. Erras 1875. 18 und 39 Seiten 8°. Im vorigen Jahre veröffentlichte ein englischer Gelehrter, D. W. Nutt, samaritanische Targum-Fragmente aus einer Oxforder Handschrift. Diese Bruchstücke, welche sich auf die letzten Kapitel von Leviticus und fast ganz Numeri erstrecken, und sehr zahlreiche Abweichung von der gewöhnlichen sam. Pentateuchversion bieten, geben Hrn. Dr Brüll die Veranlaffung, seine nun schon bis zum vierten Hefte gediehene Ausgäbe des Polyglottentextes jener Version mit einem ersten Anhänge zu ergänzen. Das vorliegende Hestchen, fast ausschließlich mit jenen Fragmenten sich beschäftigend, liefert den erfreulichen Beweis, daß dem Verfaffer seine samaritanischen Studien, welchen wir zunächst ein rein praktisches Unternehmen, die Ausgabe der Version in hebräischen Quadratlettern verdanken, auch zu wissenschaftlichen Resultaten geführt haben, welche in mehr als einer Beziehung der Aufmerksamkeit werth sind. Es ist zu hoffen, daß der rührige Verfasser auch die aus Rußland in Aussicht stehende Bereicherung des samaritanischen Forschungsmateriales bald zu gedeihlicher Fortsetzung seiner ״Kritischen Studien" benutzen wird. Was nun die gegenwärtige Studie betrifft, so gibt sie zunächst auf 18 Seiten die Zusammenstellung der aus der Pergleichung mit dem Prolyglottentexte sich ergebenden Varianten der Oxforder Handschrift. Die durch dieselben angeregten Bemerkungen und sprachlichen Untersuchungen bilden den Inhalt des zweiten Capitels (S. 17—39), während das erste Cäpitel die ganz eigenthümlichen, meist räthsel hasten Gloffen bel)«ndelt, welche am Rande jener Handschrift, fall durchgehends zu Anfang der Abschnitte zu lesen sind. In einer Anzahl dieser Gloffen hat Hr. Brüll mit glücklichem Scharfsinne Gebetean sänge entdeckt, welche wahrscheinlich in der Liturgie an der betreffenden Lectionsstelle eingeschoben wurden. Nur eine ganz geringe Zahl der Glo en besteht in Varianten, während die überwiegeiide Mehrheit vollständig unerklärlich lautet. Der Rückschluß des Verfassers von den Gebetanfängen aus das hohe Alter des Mairuscriptes, weil dieses aus einer Zeit stammen müsse, in ivelcher die samarit. Gemeinde die Targumspräche noch verstanden hat und zu liturgischen Zwecken verwendete, ist kein zwingender. Auch zeigt er bei seiner Entdeckung eine gewisse Ueberschwenglichkeit, die den guten Eindruck etwas abschwächt. Was soll es heißen, wenn über die zwei Worte: ברי ״ קשטאHerr der Wahrheit" gcurtheilt wird: ״Ein Gebetsstück, das so wie die andern auch, ganz den frischen Schmelz der Ursprünglichkeit an sich trägt" (S. 10)! Oder wie paßt die Bezeichn»»,; ״weihevoller Satz" aus die zwei dunkeln Worte נפשה יהליwelche Glosse übersetzt wird: ״er erhebe die Seele"; besonders da für diesen ״weihevollen Satz" (S. 14 Anne 34) die trockene Bedeutung ״er hole Athem" für maglich erklärt wird, was eine Lrseregel sein soll. Solch eine Lesercgcl findet sich auch zu ושבע Nutn. 23, 18 שבה בפם יםג was vielleicht bedeutet, daß das ב mit ״großer Mundöffnnng", d. i. laugein ä (Karne?) zu lesen ist. Was die Behandlung der Targunifragmente selbst betrifft, so bemühte sich der Verf. aus verschiedenen Momenten deren hohes Alter, sowie ihre Abhängigkeit von dem jüdischen