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Das jüdische Literaturblatt · 1875-03-01 · Nr. 5. (1.3.1875) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 5. (1.3.1875)
Date
1875-03-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 keiner unter, den Hähern Religionen jedoch ist dieser CharMerM der Ein^utznahme^ auf die^neichchliche Handlung^- weife,io Har^ H-geprägt« atl tn d« l^raeHischen, KvaEf auch mit Acht die Religion der, T ha t genannt wird^, Daß Jädc^ur^' den reinen Monotheis1>E Mrend, hat gewiß seine hohe weltgeschichtliche Bedeutung zumeist durch seinen Lehrt,1׳ halt, dem erhabenen Vorstellungskreis, den es gegenüber den heidnischen Begriffen über Gott, den menschlichen Berns eröffnet, bekundet, in Wahrheit aber ist der Kern seines Wesens weniger in seiner Lehre als in seinem Gesetze zu finde». Von der Lchre der Einheit und Reingeistigkeit Gottes ausgehend, sie gleichsam voraussetzend, gipfelt es in dem Berufe, seine Anhänger zu einem von sittlichen, gottdurchdrungenen, Thaten ersüllten Leben zu erziehen. So bezeichnend es auch für den unvergänglichen Ruhm der geoffenbarten Religion des Jpdenthums ist, daß sie dem freien Fluge der Bernunst keine lähmenden Feffeln anlegt, so strenge wacht es über die treue Ausübung seiner das sittliche Gedeihen fördernden Borschriften. Lehre und Leben, Theorie und Praxis, sie werden im Judenthum, und mit Recht, weit auseinander gehalten, sie gelten als zwei wenn auch nicht entgegengesetzte so doch ihrer Natur nach getrennte Factoren. Wer daher im Geiste des Judenthums handeln wiü, der mag getrost auf den svnn'veglünzien Höhen dxr Vernunft einherschreiten — denn das Jndenthum braucht das Licht nicht zu scheuen — sobald er durch die That sich nicht in Widerspruch mit ihn, sctz^. Das große, Freiheit athmende Prinzip der neuern Staats- und Rechtswiffenschaft, daß nur die That nicht aber der Gedanke zur Rechenschaft zu ziehen sei, es ist bereits vom Judenthun, vorweggenommen. (Schluß folgt.) Veranlassung und Zweck der Kanonfannnlung Von I. S. Bloch, Rabbiner der iSrae!. Gemeinde zu Rendsburg. (Fortsetzung.) Dillmann sagt, die Bildung des Kanons setzt eine Scheidüng zwischen heiligen und nicktheiligen Schriften voraus; ich meine, daß diese Scheidung eben der Zweck der Kanonbildung war, der Zweck, nicht die Ursache, nicht die Veranlassung. Hierin lag die Bedeutung, wenn auch nicht der eigenlliche Grund. Nicht das heilige Schristthum ״kanonisiren" wollte man, sondern verhindern, daß neue literarische Produkte, die im Laufe der Zeit ebenfalls Ansehen und Popularität erlangen konnte!), mit den wirklich ״heiligen" vereinigt werden. Beiin Abschluß des Hagiographen-Kanons wurde diese Absicht offen dargelegt. In diese Zeit fällt die letzte Redaction des Prediger-Buches. dessen Epilog, der, ob er nun vom letzten Redacteur der Schrift, *) ob er von den Äanonsammlern **) herrührt, jedenfalls die in jener Zeit herrschenden Anschauungen wiedergibt, das Lesen sowohl wie das Verfassen neuer Bücher geradezu untersagt. Fm Midrasch zur Stelle u. z. Numeri §. 14 p. 555, b. wird an diesen Epilog angeknüpst und dem Verbote eine noch schärfere Fassung gegeben. Vgl. S.ynhed. jer 28 a. Man bezeichnet es als heillose ״Verwirrung" (׳(מהומה Schriften, die ״von nun und später" geschrieben werden, auch nur in's Haus zu nehmen, geschweige zu lesen. Die Absicht, das prophetische Schristthum zu öffentlichen VorLsuv Motiv 5 ir zjl benutzen, I geb« für den N »Dk^HMthcA vcrlA ensi nian,.bedenkt, däß e!1M$ eiiw Ursache häb & haftarifch b nte.jeheüfalls kein cntscheL-WeK hlutz des Kam« . , stoch mehr «m Wäh^cheumKkeit, mmtmig deE; Hagivabäphrn j, mb zckar ■niiaitM e u e,. - OTT .י-Mn wohnlich geneigt, von Mchen Wirkungen a«f gleiche ArsaMn zu schließen. Der an Gestalt und Umfang ganz anders geartete vtaiion der alexandrinischcn Juden — wenigstens nimmt Grätz einen solchen an — kann ebenfalls als Beweis gegen diese Hypothese geltend gemacht werden. Aber als völlig haltlos erweist es sich, wenn inan bedenkt, daß Ruth und K.-L. ursprünglich im Propheten - Kanon ihre Stellung hatten,*) während man sie zu öffentlichen Vorlesungen nie benutzte. Daß die Haftaroth den Zweck hatten, Jerusalem u verherrlichen, dafür ist auch!iicht die leiseste Nachricht vorhanden. Die Wahrscheinlichkeit aber ist dagegen; sonst wirrde!nan gewiffe Abschnitte entsprechenden Inhalts hinzubestiimut und nicht dem Belieben des Einzelnen überlassen haben, sich eine Haftara zu wählen. Unsere Haftaroth die im Großen und Ganzen ein bedeutendes Alter hinter sich haben, zeige» keine, Spur einer solchen Tendenz. Die Eulogie, welche, wie Grätz selbst zngesteht, schon sehr frühe die Vorlesungen aus den Propheten zu begleiten pflegte, hebt auch nur die Bedeutung der Th o ra, des Gesetzgebers More sowie der frommen und wahren Propheten hervor; Jerusalems, der Gottesstadt, auch mir mit ri».׳r Knti><> r» ermähnen man nieder i>"1r nolhwendig, noch passend. So zerbrechen mir nach allen Seiten, nach denen ich sie prüfend untersucht habe, all die verschiedenartigsten Hypothesen betreffend die Kanonsammlung, so viel Geist und Gelehrsamkeit ans sie auch verwandt worden. Nach wie vor scheint der Act der Kanonsammlung in einen dunkeln Schleier gehüllt, nicht blos hinsichtlich der Zeit, in der sie erfolgten, der Autorität, von der sie ausging, sondern noch mehr hinsichtlich der ä u ß e r n U m st ä n d e, die ihr vorhergingen, und einen solchen Act der Schristensammlung zur Nothwendigfeit machten, jener Vorgänge, deren Kenntniß allein nur den Zweck und das wahre Wesen des Kanons zu erschließen im Stande wäre. Daß man wahrhaft nur das kenne, was man,x wenn auch nur im Geiste, werden sah, ist längst eine triviale Wahrheit. Gleichviel, ob es um einen Organismus, ein Staatswesen, eine Sprache, ein literarisches Product oder eine wiffenschaftliche Lehre sich handelt, die Entstehungsgeschichte**) erschließt am genauesten Bedeutung und Zusammenhang der Dinge. Es ist aber auch mehr als ein bloßer Zufall, daß die Ursache des Kanon-Abschlusses sich so schwer finden läßt. Die ganze Geschichte jener Zeit erscheint uns ja unbegreiflich. Wir, die wir überall in der Natur wie im menschlichen Leben ein gleichmäßiges, stetiges Vorwärtsschreiten or uns erblicken, wir können uns nur verwundern über die plötzliche Unuvandlung, welche mit dem hebr. Volke während des kurzen ZeitramneS seines Weilcns in Chaldäa vor sich gegangen. Wie ganz anders, wie so durchaus verschieden waren doch die Männer, die mit Esra ans dem Exile zogen, von ihren Vätern, ivelche für des patriotischen Jeremias' Ermahnungen und Drohungen kein Ohr hatten. Verschieden, total anders bis aus das innerste Wesen, verschieden in ihrem Dichten und Denken, verschieden in ihrem Streben und Hoffen, verschieden selbst in ihrer Sprache, in ihren Schristzcichen. Die schweren Schicksalsschläge hatten alles, was während einer tausendjährigen Geschichte Erhabenes und Ruhmvolles von diesem Volke geschaffen und gebildet, der Zertrümmerung preisgegeben, da׳ für aber dem letzten Reste der Getreuen einen Geist der Gemeinsamkcit, einen Gemeinsinn verliehen, eine Stählung und Festigkeit, daß er nun klaren, furchtlosen Auges allen Gefahren entgegen sehen konnte. (Fortsetzung folgt.) *) Vgl. meine Schrift: Ursprung u. f. w. p. 125. s. *) Kroclimal, More Neb.haz. XI, 8 p. 43.104 b. Grätz a. a. O. p. 47. *) DieS soll noch nachgewiesen werden. **) Vgl. Da Bois-Reymond, Ueber Gesch. der Wissenschaft p. 40. Berlin 1874.

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