Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 4. (15.2.1875)
- Date
- 1875-02-15
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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Aar samarrtanischen Lexicographie. Bon D. Oppenherm. Die ersten ilapitet der Genesis des samaritanischcn TargumS enthalte» sehr viele hochit fremdartige Sprachelemente, die mit keinem einzigen Dialekte der semitischen Sprachfamilie irgend eine Verwandtschaft haben. Man nannte dieselben mit Unrecht kuthaische Worte, da wahrscheinlich die kuthaijche Sprache, wie die babylonische, zum semitischen Stamme gehörte. Hochstens könnte nlan diese Worte als Ueberreste der sogen, akkadifchen Sprache betrachten, woinit man in neuerer Zeit die angebliche luranische Ursprache der Babylonier, bevor dieselbe von dem Senlitismus verdrängt wurde, bezeichnen wollte. Allein diese jedenfalls gewagte Hypothese der Assyrologen hat so großen Widerspruch gesunden, daß man Anstand nehmeit muß eine Bezeichnung damit zu rechtfertigen. - Jedoch steht andrerseits so viel seit, daß so manche dieser obsoleten Formen bei sorgfältiger Prüfung sich auch aus dem Semitischen erklären lagen. Die folgenden Beispiele wollen einen kleinen Beitrag dazu liefern: 1) קפאיה Die Stelle Genes. 1, 6: ״Es werbe eine Ausdehnung in der Mitte des Wassers", übersetzt der Samaritaner: היה קפאיה . und ebenso den folgenden Vers: ועבד ית קפאיה ■ Wir verglichen bisher dieses Wort mit dem talmndischen Hauptwort ביפה, Wölbung. Weltenraum, z. B. Megilla 11, a: ג' מלכים מלכו בכיפה• Allein bei genauerer Untersuchung ergab sich uilS, daß der Sanlaritaner unter ״ קפאיהBene, Firmament" verstanden, und daß das Wort von der hebr. Wurzel קפא gerinnen, erstarren, wovon das Substantiv קפאון «Zach. 14, 6) Erstarrung,. Verdichtung zu Eis, gebildet wurde, abzuleiten sei. Die Alten dachten sich den Himmel als eure eherne, krystallene Vege,als einen gegossenen Metallspiegel — Chalkeon, Sidereon bei Homer — und dieser Anschauung entspricht die Uebersetzung קפאיה. was auch die LXX. u. Aqnila mit 8tereouia wiedergeben. קפאיה ist demnach tirmamentum zu übersetzen und ist dem hebr. קפאו׳. das Jonathan -!לי) übersetzt, vollkommen gleich. בעלפוש (2 Jbid. 1, 25 übersetzt der Samaritaner deil Ausdruck ״alles Gewürm des Feldes" mit;כל בעלפוש אדמתך• Wir haben hier ein zusammengesetztes Hauptwort בעל und פוש• Onkelos und auch der Sanlaritaner übersetzen ״seid fruchtbar und mehret euch": פושו וסכו Das Hauptwort פוש heißt also Berniehrung in außerordentlicher Menge, wie dies bei den Gewürmeril der Fall ist. Solche Zusammensetzungen mit בעל stnd im Aranläischen uud Syrischen häufig. Selbst das krause Wort קלשפות (ibid 9, 22) für ערות אביהם ist ein solches Coinposiruni von קל und שפות. was freilich duirkel ist; aber keineswegs ist dabei an Corpus, wie Nöldeke in Geiger's Zeitschrift vermuthet, zu denken. 3) עמר Die Stelle 1, 27: ״Füllet die Erde und bezwinget sie" übersetzt der Samaritaner: ומלו ית ארעו ועמדו . Das Verb. עמר entspricht den: hebr. Zeilw. כבש und findet sich in diesem Sinne auch in לא תתעמר בה und והתעמר בו (Dt. 21,14; 24, 7), wo ebenfalls übersetzt werden Nluß: ״Du sollst sie nicht bezwingen, d. h. sclavisch behandeln, >vie der Talmud diese Stelle richtig auffaßt. Im Samarit. findet sich ein Hauptwort, daraus gebildet: עמירה, Unterdrückung. Exod. 21, 10 übersetzt derselbe eigenthümlich: ואם אחרת יםב לעמירה, תכסיתה וצרכניה לא יבצך, d. h. wenn er sich eine Andere ninlmt jur Unterdrückung und Mißhandlung (scilicet der ersten Frau), so soll er ihre Kleider und Be- Anmcrt. Wir citiren das samarit. Targum nach der Ausgabe des Hrn. Ilr. A. Briilt. (Wir bringen über dieselbe nächstens eine Recension. Red.) dürfnisse nicht vermindern. Welche verdorbene Lesart der Samontaner vor sich gehabt oder welche Deutung er den» Wort שאלה. das er ״ .שארהzu der übrigen", gelesen haben mag, lassen wir vorläufig dahingestellt. (Er hat jedenfalls auch da- 1ל damit verbunden. 91) (Forschung folgt.) Literaturbericht. Rerenfiouen. Kiempf, Pt, S. A. Phönizische Epigraph;!. Die Grabschrift Eschmunazars, Königs der Sidonier. Urtext und Uebersetzung nebst sprachlicher und sachlicher Erklärung Prag, 1874. Verlag von H. Dominicus. 8°. und 84 S. nebst einer Beilage, das Epitaph in der phön. Originalschrift enthaltend. Das hochbegabte Handelsvolk des Alterthums, dem die meisten Cullurvolker die äußerliche Hauptbedingung einer Literatur, die Buchstabenschrift, verdanken, das Bolk der Phönicier, ist ohne literarische Hinterlassenschaft vom Schauplatze der Geschichte abgetreten. Nur eine Anzahl von S-einen und Grabntonumenten, welche im Mutterlande oder in einigen Mittelmeer-Colouieu aus dein schützenden Boden zu Tage gefördert wurden, gaben Kunde über die Ahnin der meisten Alphabete, sowie über die Sprache, in welcher die reichen Kauf- Herrn von Sidon, Tyrus und Karthago mit einander verkehrten. Ist diese erhaltene Belehrung auch keine sehr umfassende, so half sie doch gelehrtem Fleiße und energischem Scharfsinne, einerseits eine Geschichte der ältesten Buchstabenschrift zu coustruiren, andrerseits den wesentlichen Charakter des phönicischen Idioms festzustellen. Man weiß nun, daß es ein vom Hebräischen nur in Einzelheiten abweichendes, im Ganzen und Großen mit ihm identisches ist, was schon Jesaias beweist, der die heilige Sprache שפת כנען nennt (19,18). Vielleicht am meisten hat zu dieser Erkenntniß, sowie zur Bekräftigung der srühern Entzifferung die Grabschrift des Sidonierkönigs Eschmunazar beigetragen, welche im Jahre 1855 in der Nähe des alten Stdon ausgegraben wurde und bald, nur wenig verstümmelt, unter den Schätzen des Louvre in Paris eine Stelle fand. Die ungewöhnliche, äußerst willkommene Ausdehnung dieser Inschrift (22 Zeilen), sowie ihr sprachlich uud historisch interesianter Inhalt erweckten die Entzifferungslust der bedeutendsten Gelehrten, welche dieselbe meist in umfaffenden Monographien behandelten. Auch jüdische Forscher widnieten ihr gebührende Aufmerksainkeit, so außer dem Epigraphiker Levy, die Pariser Munk, Dernbourg ailch Direktor Irankel. Diesen reiht sich nun würdig der verdienstvolle Prager Rabbiner und Universitätsprofessor Dr Kämpf mit einer besonderen Schrift an, nachdem er schon 1870 durch sein Werk über die Zuschrift auf dem Denkmale des Moabiterkönigs Mescha seine Berufenheit zur Entzifferung und Erklärung altsemitischer Jnjchristen bekundet hatte. Mit Recht hob er in der Vorrede zu vorliegender Schrift hervor, daß ״das Phönicische, wie es jetzt vorliegt, sich vorherrschend als Vulgärdialekt bekundet; es kam: demnach allch nur durch Comparation mit verwandten Vulgäridiomen gründlich erklärt werden. . . . So ivird es für den Forscher zur conditio 8inc qua non, sein Augenmerk auch auf die uachbiblischen hebräischen, chald. und chaldäo-hebräische Literalnr zu richten" (S. 5> Und diese Literatur hat denn auch Hr. Kämpf mit der bei ihm selbstverständlichen Belesenheit, mit Scharfsinn und glücklichem Griffe gehaildhabt. So, um Einiges zu erwähnen, wirst die Erörterung über das Wort קונם (S. 32 ff.) sowohl über seine Bedeutung in der Grabschrift, als über die im Talmud selbst, erwünschtes Licht. Freilich ist es kauin haltbar, den betreffenden Buchstabencomplex aufzulösen in ״ קנם יאתein Edikt ergeht" (יאחזד״י׳יאת), weil beide Wörter dadurch einen gezwun-