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Das jüdische Literaturblatt · 1875-02-01 · Nr. 3. (1.2.1875) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 3. (1.2.1875)
Date
1875-02-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 denke Dir, Max hat den ״Respect" aufgegessen!״ Ich bekam dafür eine Ohrfeige, vor der ich mein ganzes Leben Respect behalten habe." Den Abscheu vor der Misere der damaligen deutschen Kleinstaaterei hatte sie ebenfalls ihre» Kindern frühzeitig eingeflößt. ״Versprecht mir", wiederholte sie ihnen oft, ״nie in einenl kleinen Staate Eure Heimath zu suchen, wählt große Städte in grohen Staaten, aber behaltet ein deutsches Herz für das deutsche Volk!" Die Söhne befolgten ihren Rath, der älteste wählte Paris, der zweite Wien, der dritte PeterSbürg zum Aufenthaltsorte, die größten Städte dreier Kaiserreiche. Literaturbericht. Kaufmann, Aavid, Die Theologie des Bachja ibn Pakuda. — Wien 1874. C. Gerold. Es ist nur eine Aeußerlichkeit, aber eine Aeußerlichkeit, die uns von Gewicht erscheint, die wir vor der näheren Besprechung dieser Monographie hervorheben wollen — die Thalfache näinlich, daß dieselbe unter die ״Sitzungsberichte der kk. Akademie der Wissenschaften" in Wien ausgenommen wurde und als ein Theil derselben im Aprilheste 1874 erschien. Nicht als ob uits dieser Umstand allein schon wie das anticipirte Placet aller kritischen Beurtheilung erschien, oder daß uns daran läge, die Auszeichnung zu betonen, die dem Vers, hiedurch widerfahren — war ja die Abhandlung schon vorher mit einem Preise des creslauers Seminars bedacht morden! — nur der Freude über die Anerkennung wollen wir daiuit Ausdruck geben, die der nationalen jüdischen Philosophie von so ailgesehener Seite hiermit zu Theil wird, daß inan ihr und ihren Vertretern einen würdigen Platz an der Seite der Geistes- Erzeugnisse uild Denker-Heroen aller Völker llnd Zeiten bereitwillig einräumt, was von Seiten der Wiener Akademie seit kurzem nun scholl zum zweiten Male*) — gewiß nur zu ihrer Ehre — geschehen ist. Eigenthümlich, daß es gerade eine allgemeine Akademie der Wissenschaften sein iiluß, die den Vers, des חובות הלבבות aus dem Vergessen zu erlösen berufen ist, in das er selber über der Beliebtheit und Verbreitung seines eigensten Lebenswerkes gerathen war. Denn es ist thatsächlich so, daß Bachja hierin das unverdiente Schicksal so vieler verdiente! Autoren theilt, dereil Name der Vergessenheit anheimsiel, weil man ihre Bücher mit ihrer Persönlichkeit so sehr idelltiftcirte, daß mall deit Verfasser beim Namen seines Werkes nannte: wer kennt nicht den Choboth ha-lebaboih und wer weiß etwas über Bachja ibn Pakuda? Aber gerade darin liegt ein redendes Selbstzeugniß für die hohe» geistigen Aulagen oder für die Gemüthstiese solcher Autoren, denn was sie geschrieben, das haben sie eiltweder aus dein Kostbarsten entnoinmeli, ivas der Ideenschatz ihres Zeitalters gezeitigt, oder sie haben allgemein menschliche Wahrheiten, die zum Gemüthe sprechen, verkündigt und daher in der Seele des Volkes, in der Brust aller Guten und Edlen lauten Widerhall gefunden. So kann denn auch mit Recht behauptet werde», daß das System der Ethik und praktischen Philosophie, das Bachja in seinem ״Leitfaden zu den Herzeilspflichten" entwickelte, das gelungenste Erzeugiliß der so reichhaltigen Literatur der jüd. Moraltheologie bilde, denn kein anderes Mussar-Buch hat wie dieses die Fährten entdeckt, die zum innersten Heiligthum der Religiosität führen, keilles war so wie dieses der Wegweiser für ganze Generationen zu einem Leben der sittlich-religiösen Selbstheiligung, und deshalb war auch kein anderes so viel und so gerne gelesen wie dieses — ein Seitenstück zu T110mas a Kempis Buche, ein liber de imitatione — Dei! Wenn es nun auch unzweifelhaft ist, daß der Verfasser des *) 1873 erschien unter den Akademie-Schriften P. Frankl'S Mutazititischer KalLm (Josef al-Basir.) חה״ל eine ebenso tiefe als warme Glaubensinnigkeit besessen, daß er eine lautere Gottesverehrung gepredigt, die gleichzeitig eine sittliche Selbstläuterung bis zilr Stufe des von ihm gezeichneten gottähnlichen Tugend-Ideales in sich schloß, so daß nian die Kenntniß bewundern muß, die er von der Natur des Menschen, ihren Licht- und Schattenseiten besaß und das psychologische Verständniß für die erziehliche Bedeutung der echten Religiosität; so hat man Bachja jedoch von Seiten seiner rein philosophischen Stellung bisher nur geringen Beachtes gewürdigt — eine Lücke die, wie sich jetzt durch Hrn. K.'s eingehende Untersuchung herausstellt, schon früher fühlbarer geworden wäre, hätten wir überhaupt eine zusammenhängende Darstellung der geschichtlichen Entwickelung der jüd. Religionsphilosophie. Bachja habe, so glaubte inan, mit seinem einleitenden Kapitel über den Jtchud (״Einheit" Gottes, im weiteren Sinne, wie K. bemerkt, ״die Lehre von Gott" schlechthin) nur der literarischen Mode seiner Zeit eine Concession gemacht, indem er sein eigentlich populär geschriebenes Buch mit einem in der philos. Kunstsprache geschriebenen Abschnitte auf hohem speculativen Kothurn einsühren zu müssen glaubte, wollte er anders demselben zur Geltung verhelfen: daß er aber gerade unigekehrt als einen Fundamentabsatz seines Systems die These ausstellt: Die reine Erkenntniß Gottes im Denken, durch Brrnunftschlüffe gewonnen, sei die conditio sine qua non jeder äußeren wie innere r Gottesverehrung, daß er also die metaphysischen Erkenntnisse als den Mntterbodcn der ethischen Borschristen uild sein religionsphilos. System als das Fundament ansah, auf welchem seine religiöse Pflichtenlehre so aufgebaut sei, daß sie mit jenem stehe und falle, das hat Hr. K. mit Recht aus B.'S eigenen Worten heraus erwiesen und nachdrücklich betont. Eine Aussassung von der Abhängigkeit der Ethik von metaphysischen Voraussetzungen, die erst jüngst in einer den positiven Religionen freilich abträglichen Weise von E. v. Hartmann glänzend verfochten wurde. ' Hr. K. bemüht sich in seiner Abhandlung, zunächst die biographischen Daten über unseren Moraltheologen zusammenzustellen und ist dal ei nur auf innere Merkmale in dem Werke selber angewiesen, woselbst aus der Citation anderer Autoren und aus der Benutzung oder Entlehnung der Lehr- Meinungen von Vorgängern ein Schluß auf das Lebensalter — Mitte des 11. Jahrhunderts — und das Vaterland desselben — Spanien — gestattet ist. Es reiht sich daran von selber die Untersuchung des Werkes auf seine Quellen und wird nachgewiesen, welche Philosophen B. bekannt, von ihm namentlich oder stillschweigend benutzt wurden, woraus sich die Charakteristik der Methode seiner Arbeit von selber ergiebt, die als ein vernünftiger, selbstbewußter Eklekticismus zu bezeichnen ist, der überall von der Tendenz des ganzen Werkes, der Verbreitung einer rationalistischen Gläubigkeit und religiösen Innerlichkeit, beherrscht wird. Die ausgebreitete Kenntniß der gesammten einschlägigen jüd. und arab. Fach-Literatur, die Hrn. K. zu Gebote steht, machte es ihm möglich, fast bei jeder These oder Deduclion B.'s den Nachweis zu führen, ob dieselbe ihm eigenthümlich oder entlehnt, in wie weit dieselbe modisicirt und umgestaltet sei, wo er überhaupt auf eigenen Füßen stehe, und wo er sich mit seinen Vorgängern berühre. Diese Untersuchlingen begleiten fortlaufend den Kern der ganzen Abhandlung, der in einer analytischen Reproduction der Bachja'schen Lehre von Gort besteht, die mir sowohl in Bezug auf die sinngetreue Erfasiung des Autors als auf die Klarheit und Eleganz der Darstellung als ein Muster logischer Ent- Wickelung bezeichnen müssen. Es ist ja kein Kleines, die dialektischen Verschlingungen der Beweisführung der Philosophen dieser Schule so auseinanderzulegen, daß auch der Ungeübte sich darin zurecht sinde, zumal, wo, mit Strauß zu reden, das ״schwere Geschütz" der sogen, ״strengen Gottesbeweise" in Reih' und Glied auszusühren oder die haarscharsen Distinctionen zu erklären sind, die z. B. bei der Wesens- und Begriffsbestimmung der ״Einheit" von B. getroffen. Dazu gehört große Vertrautheit mit dem Gedankengange und der Entwickelung-- weise dieser Denker einerseits und ein gut Theil ebenso knap-

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