Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 2. (15.1.1875)
- Date
- 1875-01-15
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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In der Thal hat diese Hypothese selbst bei entschieden freisinnigen Gelehrte» auf Opposition gestoßen. Denn was war leichter nachzuweisen, als daß zu den Merkmalen der Kanoniciiüt auch ein gewisser Grad von Heiligkeit und religiöjer Schätzung gehörte, den die Schriften, sei es ihres Ursprungcs, sei es ihres Inhaltes halber im Lause der Zeit all׳ ntältg erlangten. Zwar wenn Dillmann meint, es lasse sich dies schon aus dem Begriff und Gebrauch der Sammlung Nachweisen, so ist er hierin entschieden zu weit gegangen. ' ״Zn eine Sammlung von heilig geschätzten Büchern, welche die Grundlage für das ganze fernere Leben der Religion sein soll, können selbstverständlich nur solche Schriften ausgenommen worden sein, welche durch ihren Ursprung und Inhalt einen Anspruch aus Heiligkeit bezeigen." (p. 422.) Diese Beweisführung steht mit der formalen Logik auf -merkwürdig gcspannteui Fuße. Tenn daß diese Saminlung eine solche ״von hetlig geschätzten Biichern" von Anfang an hätte werden sollen, das bestreiten eben die Gegner. Daß mau hier eine Grundlage für das ganze fernere Leben der Religion schäften wollte, das erhellt mit Nichten aus der Sammlung selbst. Seniler z. B.*> konnte es nicht begreifen, ״daß unsre und aller Menschen Ausbesserung viel oder etwas darail gelegen sei, es zu wissen und ernstlich zu bedenken, daß Rnth Aehren gelesen habe und dies die Gelegenheit — zu einer besondern Begebenheit für die Rltth geworden." freilich die nachexilischcn Männer waren nach dieser Seile andrer Ansicht. Das Schriflchen enthält eine Familiengeschichte der David'ichen Dynastie, hat somit eine eminent nationale Bedeutung. ׳Rational-Interesse und religiöses Interesse stielen aber damals in Zins zusammen. (Fortsetzung folgt.) Bibel-Erklärungen. Pc>n Joseph Löwy in di . Nainschn. Das Litcraturblatt Rr. 13 v. I. brachte ״Eine geistrgiche Erklärttng", bezüglich des durchgebohrteu Ohrläppchens bei einem sechs Dienftjahre zurückgelegt habenden südlichen Knechte. Diese Erklüritiig läßt aber noch die Frage ofteil: Warum die Bohrung gerade an der Thür vorgenommen wurde? Und doch lerdiencn beide Fragen gleiche Würdigung, da dem sich mit der ״Thür" befassenden R. Siinon gleiche Belobung wie seinem Vorredner, der blos das ״Ohr" zum Gegeilstande seiner Discufion wählte, zu Theil geworden. (Kidduschin 22 b.) .. ch erlaube mir daher folgende Ergänzung °,u jener Erklärung hinzu ufügen: Das Kennzeichnen der Rnechie überhaupt ist um so weniger problematisch, als auch die Griechen ihre verdächligen Selaven markirteu, um sic aus der Flucht wieder zu erkennen, und wurden die gezeichneten Selaven: attagä — Perlhühner — genannt. Auch das Durchstechen des Ohres als freien und sichtbare» Körpertheils, mag aus die Wiedererkennnng abgezielt gewesen sein, falls der Knecht sich nach den sechs Diensljabren eines Andern besonnen, und in flüchtiger Ablicht das Haus verlassen sollte. Run ist er zwar gezeichnet, aber er koiuite trotzdem seinen Herrn verleugnen, oder der Dieuslgeber konnte sich in ihm verkennen. — Da entscheidet die Thürbohrung, deren Höhenmaß mit der Bohrung im Obre genau eorrespondiren mußte. Die Erklärung einer andern, in demselben Wochenabschnitt vorkommenden bibl. Gesetzesbestimmung sei im Folgenden hier gegeben: In Athen zahlte der ertappte Dieb zweifach; war es *) Abhandlg. d. freier Unters, d. Kanon II. p. 34. unmöglich den Eigenthümer in den Besitz seines Gutes zu bringen — zehnfach. Das ftid. Gesetz war weit schonender. Der Dieb zahlte im ersten Falle wohl auch doppelt; i:״ zweilen Falle, wenn das Cm-pns delicti ein Ochs, fünffach, wenn ein Schaf, vierfach. Und da meint R. Iochanan, DB. Kaum 70 1>) cs wurde selbst bei Verbrechen auf Menschenwürde Rücksicht genommen, denn während der Ochs per peile« geht, muß das Schaf aus der Schulder getragen werden, deshalb wurde ihm der fünfte Theil rabattirk. Hier liegt die Frage nicht gar fern: Warum nicht dieselbe Rücksicht genommen wurde, wenn das Schar unverkauft oder lebend, so daß der Dieb blos l3/s zu ersetzen gehabt hätte, da er es doch ebenso auf der Schulter tragen mußte? Der ertappte Dieb würde wegwerfend eine Philanthropie verschrieen haben, welche ihm seine traurige Arbeit mit der Bagatelle von 3/5 absertiat. Unter Salon — ent,prechend den» Ende des ersten jüd. Staatslebcns — kostete ein Schaf 1 Drachme 25 kr. österr. Währ. — 5 Sgr. prenß., in Palästina vielleicht noch weniger, da würden ihm geringe 10 kr. oder 2 Gr. Trägerlohn rabatiirt morden sein. Wo aber die Strafe jünssach. unb also der Rabatt ein ganzes Schaf ist, da konnte er unmöglich lüstern, weil er i m g ü a st igste n Falle e b e n n i ch t m e h r a l s e i n S ch a f erobern konnte, welches er thatsächlich auf der S ch u l t e r f o r t t r u g Wir fügen hieran folgende briefliche Mittheilung des Hrn Rabbiner Dir Wallerstein in Danzig: Hier hat der bckaimte Prof. Dir Brehm cineil Cyelus on naturwissenschaftlichen Vorträgen jüngst gehalten und in seinem dritten: ״Gefiederte Afrika-Reisende «Zugvögel)" auch über die Wachteln gesprochen. Dabei berichtete er nun, daß dieselben nach ihrem Fluge über das Mittelländische Meer so erinüdet in der Wüste ankommen und sich daselbst niederlassen, daß sic durch keine Hantirnng zum Aufstiegen zu bewegen sind. Man inag Hunde aur die nach Taufenden und Abertausende» zählenden Schwärme Hetzen, mit Stöcken schlagen, mit Büchsen schießen — die Thiere fliegen nicht auf, wohl aber gebrauchen sic ihre Beine und suchen sich eilenden Laufes in den Sand und das Gras 4j11b Gesträuch der Steppe zu verstecken, zu ״verkrümeln." Damit scheint mir eine Frage zu lösen möglich, die auch bei der Erzählung dcS שלו ( Numeri 11, 31, 8e!-) beunruhigt hatte, itümlich: wie die Israeliten denn die Vögel sangen konnten, da sie ja doch unwahrscheinlich so schnell eine ausreichende Anzahl von Netzen zur Hand haben konnten, um der Vögel habhaft zu werden, und bei dein Nachjagen würden dieselben ja wcggeflogen sein. Bist Brehm's! cobachiung löst sich diese Schwierigkeit leicht, da die Vögel eben nicht wegfliegen. — In dem vierten Vortrage: ״Der Urwald Jnnerasrika's und seine Thierwelt", berichtete Brehm Folgendes: ״Eine unsern Mauerseglern ähnliche Schwalbenart leimt ihre Nestchen in die Reifen des Fächerblattcs einer Palmenart, ja sie leimt, wie Brehm selbst sich überzeugt hat, sogar die Eier und selbst die Jungen an, weil ihr Nestlei» so flach und klein ist, daß sie sonst bei jedem Windstoß heraussallen müßten." Diese Eigenthümlichkeit der ihre Jungen und Nester anlcimenden Vögel mag zu der Sage der Bernickel-Gans und der עופות הגדלים באילן ותלויין באילן בחרטומיתן(ש״ע יורה דעה ם׳ פ״ד ם״ק ט"ו) die erste Veranlassung gegeben haben. Ein Autoqraph Moses Mendelsohn's. Auf dem Einschlagblatte eines der hies. israel. Gemeindebibliothek angehörenden Buches שו״ת רי״בשו) befindet sich ein Autograph von Mendeliohn vom Jahre 1742, also seinenl 13. Lebensjahre. Tie Charaktere nach Art der polniich-jüd. Currentschrift zeigen von Fertigkeit im Schreiben. Das Autograph lalltet: