Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 4 (1875)
- Issue
- Nr. 1. (1.1.1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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8 Jochanan **) iagte: darum wurden die Israeliten nach Babylrnie» ins Exil geführt, weil daselbst die Heimathsstätte der Stammväter und Patriarchen war. R. Channina wiederum meinte, weil die babylonische Sprache mit der hebräischen sprachverwandt sei. Es zeigt sich daher auch in der Wahl von Babylonien als Land des Exils das weise Walten des Allgütigen, damit die Exulanten in der Fremde wegen der doppelte» Sprachuno Slainmvermandtschasl der neuen Heimath das herbe Loos ihres Missgeschickes nicht so schwer empsinde» sollen. :לא הגלה הק״בה את ישר־אללבנבל* ♦ ♦ ו-״חאמר־ מפני שקרב לשונם ללשון תורה.רבי יוחנן אמר׳ מפני ששגרן לבית אמן י משל לאדם שבעם על אשתו משנרה לבית אמה• Diese doppelte Sprach- und Stammverwandtschasl lägt sich aber heute noch nach so vielen lausenv Iahreu in zahlreichen Beispielen und Merkmalen merkwürdig genng noch immer Nachweisen. So haben die Israeliten zwei der wichtigsten Gegenstände, die ans das Leben des Volkes vom größten Einstusse sind, von Babylonien überkommen. Die Namen der E » g c l und d e r M o n a t c in den jünger» bibl. Büchern sind, nach der Behauptung des Talulnds, Jerus. Rosch hasch,»a I. 2, babylonischen Ursprungs, und haben sich in der Synagoge sorterballen. .שמ1ת חדשיק שמות מלאכים עלו בידם מבבל• Die neuesten wahrhaft Epoche machenden Forschnngen von Professor Dr. Schräder: ״Die Keilschrljien und das Alle Testament" haben die Behauptungen des Talmud in Betreff der Monatsnamen, worunter auch zum Theis die wichtigsten Bestandtheile des jüdischen Kalenders verstanden sein mögen, glänzend bestätigt. Die Namen: Nissan, Ijar u. s. w. sind rein babylonisch und finden sich aus den ältesten Thontafeln in assyrisch-babylonischer Keilschrisl. Ebenso lasten sich i,n Talmud manche bedeutsame Momente Nachweisen, in denen sich die Sitte», Lebensanjchauungen und llteligionsbegraffe der Babylonier ivicderspiegelu Je mehr überhaupt die affyrisch-bavyionijchen Alterihümer erschloffe» werden, je sicherer und zuverlässiger die Entzifferung der Keilschrift von statten gehen wird, desto mehr Ank.iüpsungspnnkle werden sich bei kritischer Behandlung des Talmuds von selbst durbielen. Es ist hierin durch die eifrigen Forschungen und Untersnchnngeu der Herren Layard, Nawlinson, Fox Talbot, George Smith, Oppert, Lenormain und Schräder in gar kurzer Zeit Erstannlichcs geleistet worden. Herr Profcffor Schräder hat nun in der augezeigten Schrist: ״Die Höllenfahrt der Jstar", eine der merkwürdigsten Parlieen der Keilschristen-Literatnr entziffert, die bereits die allgemeine Auimerksamkeil erregt hat. Wir haben hier ein Fragment eines der ältesten epischen Dichtungen, das zu den merkwürdigsten Poesien der Vorzeit gehört. — Bekanntlich hat man bisher den Semiten die Fähigkeit zur epischen Dichtung abgesprochen, welche unsere schemalisirenden Ethnologen blos als ein Kennzeichen der Arier gellen lassen ivoUlei,; die glückliche Entzifferung dieses altbadylonische» Epos hat die Frage, ob die Semiten ein Epos gehabt, nnd ob sie überhaupt fähig gewesen, ein solches zu schaffen, definitiv beantwortet. Um so mehr bemerkt Herr Schräder S. 59, haben wir uns Glück zu wünschen, daß uns in dieser alibabylonischen Erzählung ei» Stück semitischer Epik überliefert ist, welches wenigstens uoii der Fähigkeit der Semite«, unter günstigen Unsstäuden eine epische Poesie zu entivickeln, ein unwidersprechliches Zengniß giebt. Wir haben in Nr. 14 dieses Blattes eine kurze Skizze der Höllenfahrt der Jslar nebst einer Parall.le ans dent Talmud gebracht, auf die wir den Leser verweisen, und wollen blos noch zum Schluffe die sprachlichen Momente hervorheben. Auch hier hat der Talmud bas Nichtige erkannt. baß daS Allbabylonische dein Hebräischen so nahe verwandt sei, und **) Dieser Slubbi Jochana» ist Rabbi Jochanan b Sackai von dem die Thohislha, Baba Naiiana Ab. 7, unter 5 Sprüchen auch diesen ansührt:?מפני מה גלו ישראל לבבל יתר מכל הארצות ספני שבית אברהם אביהם היה נכי• Wir haben aijo m der Thoßistha die »rsprüngliche Relation dieses Spruche«! man braucht mir einen Blick auf das Gloffar zu werfen, um sich hiervon vollkommen zu überzeugen. Biele sprachliche Elemente haben sich im Talmud und in den Dialekten erhalten. So z B. der Stamm יגבה sprechen, findet sich im Talmud, wo das Verb 0 נוב• Arnch nnd Buxtorf Lexicon thalm. s. v. Col. 398) den fast gleichen Sinn hat. Ebenso heißt נוב im Samanlanischen ״antworten und erwiedern", z. B. 2. B. M. 4. I. ואניב משה; beide Stämme scheinen also eine Wurzel zu haben. Der Stamm ״ ינדהgeben, gestatten" hat sich ebenfalls im Samarilanischen erhalten, wo z. B. das Darbringen, Darreichen von Opsern im 3. B. M. übersetzt wird 4. 23. 32: וינדי ית קרבנה ♦ ואם אמארא ינדי. Das Verb. ״ ׳צבתergreifen, verbinden," findet sich endlich auch im Talmud, wozu inan die Belegstellen im Arnch und Buxiorf Lexicon s. v. Col. 1885 Nachsehen kann. Aehnliche Vergleiche lasten sich noch viele auffinden, die auch die biblische Lexicographie zu bereichern im Stande sind. Es ivürde uns zu weit führen, auf die Proben affyrischer Lyrik einzugehe», und darum schließen wir mit den trefflichen Worten des Herrn Schräder." Gleichzeitig aber beslätigt diese Thaljache, bestätigt weiter die ganze Haltungsform, die religiöse Innigkeit der mitgetheilten lyrischen Ergüsse, den schon anderweit, insbesondere durch die liuguistischeu Verhältniste, feststehenden Satz von der nahen und engen Verw u » s t j ch a f t des Heb r ä i s u! u s m i! Gei st und W esen der alten Asiyrer und Babylonier. Jminer neue Schlaglichter fallen so durch Aufhellung des Dunkels, weiches über den alten Culturländern am Euphrat nnd Tigris ruhte, auch aus das Volk der Bibel, seine Geistesarbeit, seine Geschichte, seine Justitntionen, seine Literatur, und ermahren auch für dieses selber den Satz: ex Oriente lax!" Ausstattung nnd Druck sind vortrefflich. Rabb. D. Oppenheim. Katzeustein, Dr. M, Gedichtjammlung zn Declamationsübungen für die reifere Jugend.• Hamburg, Otto Meißner, 1874 Nicht durch den jüdischen Inhalt, de» dieses Buch uns bietet, gehört eine Anzeige desselben in diese Blätter, denn solcher liegt ihm ganz fern, lediglich vielmehr darum, weil es nicht gerade u n jüdisch ist, was es uns bringt. Und es ist dies wirklich kein gleichgültiger, sondern ein beachtenswerther Umstand. Es pflegt in Büchern seiner Gattung!, die ja jetzt so häufig anftreien, wie Pilze nach lauer Gewiiternacht, in Blumenuno Blüthenlesen, in Gedankenharmonien. in Duftkörnern, goldenen Worten, und wie die Sammlungen alle heißen, ost und viel vorznkommen, daß ne Dinge enthalten, die den ivahrbast jüdischen Leser fremd, wenn nicht gar störend berühien müsten. Die jüdischen Schüler, die oft sogar in der Schule durch derartige Einstreuungen behelligt werde», wiffen von diesem Mangel der gewöhnlichen Gedichlsammlnngen etwas zu erzähle». Die vorliegende zeichnet dadurch sich ans, daß sie ״keinen confessionellen Charakter" trägt nnd in vorsichtiger nnd geschickter Auswahl nur das enthält, woran Kinder von allerlei Bekenntnisten sich erfreuen können. Die geschickte Hand des erfahrenen Schulmanns zeigt auch vortheilhaft in diesem Bnche sich darin, daß nicht Gedichte ernste» Inhalts allein, sondern auch launige nnd heilere von allerlei Gailnngen in dieselbe ausgenommen sind. Wo vom Besten, was Deutschland in der Dichtung hervorgedrachr hat, geboten wird, sollte Franz Grillparzer nicht fehlen. Sonst berührt auch die Ansivahl selbst die neueren Dichter. Nur hätten kurze biographische Angaben über die vorgeführle» Dichter die Brauchbarkeit des durchaus empsehlenswerthen Buches noä, erhöhen können. 1> K. Kandel, Schacher und Wucher der Juden im Kalender für Zeit und Ewigkeit von Alban Stolz. Ein Wort zur Verwahrung und zur Abwehr von Lehrer Wolf in Rippenheim. Karlsruhe 40 S. In dieser Broschüre wird einem kalholischeit ״Kalender-