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Das jüdische Literaturblatt · 1875-01-01 · Nr. 1. (1.1.1875) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 1. (1.1.1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Milche Einrichtungen, die bei polytheistische» Völker» begegneu, auch bei de»! Volke, welches de» Monotheismus aus seine Fahne schrieb, voransznsetzen. Tie ägyptische Tenipelbibliolhek z B. hängt »nt de» Anschauungen u»d Gewohnheiten dieses Volkes innig zusammen, Jhte religiösen Mysterien waren Eigeuthnm »nd Geheimniß der Priester, der Behüter und Herren des Teurpels. Die religiöse» Schriften brauchte» nur die Priester zu kenne»; das Volk bekümmerte sich wenig nm dieselben. Der MosaismnS dagegen charakterisirte sich von Ansang an als V o l ks religio» iw eigentlichen Sinn: eine ״Lehre des Lebens" wollte er sein. Im Lebe» sollte die Neligion bctbäiigt werde», das ״Gesetz" im Leben Anssührnng finden. Dies wurde vom ganzen Volke, wie von jedem Einzelnen gefordert, alle Institutionen liefen daraus hinaus, das Volk lcr Religion nahe zn bringen, es nnl dem Inhalte der religiösen Schriften bekannt zn machen, ״Tag »nd Nacht in der Thora z» forschen", sie ״den Kindern einzuprägen mal׳- rend des Sitzens zn Hause, des NeisenS ans dem Wege, beim Niederlegen, beim Ans -ehe»", verlangte sie von Jedermann im Volke. Und die heiligen Cchrislen sollten im Tempel versteckt bleiben? Die Propheten waren Kinder des Volkes, Vertreter der volksthümlichen Ideen n!1d Interessen gegen Ne Uebergrisf-e der königlichen und Priesterwell; sie Hallen keine Literatur geschaffen, nm eine Tempelbibliolhek zn bereichern (Forts, folgt.) ׳Hebräische Traditionel» im Bibrlcommentar des Hieronymus. Vom He raus ge der. Tic Werke des fruchtbaren Kirchenschriftstellers Hieronymus, des lateinischen Bibeliibersetzers und Eomnientators der heiligen Schrift, sind frühzeitig als reiche Fundgrube für die bibl. Historiographie, Archäologie Bibelexegeje und Lerieographie erkannt worden. Dock, in damit ihr Werth für die jüd׳- sche Wifsenschast bei Weilen! nicht erschöpft. Denn faßt man einerseits die Ni enge hebräischer Traditionen inS Auge, die sich zerstreut in den Werken des Hieronymns vorfinden, ruid die er eingestandenermaßen von seinen hebräischen Lehrern in Palästina erfahren, ilnd erwägt inan andrerseits, das; seine schriftstellerische Thüligkeit in die zweite Hälfte des vierten Jahrhunderts, d. h. in die Zeit vor Abschluß des Talmuds fällt, in welcher zwar nicht der halachische, wohl aber der ganze agadischc Lehrstoff sich noch in flüssigem Zustande befand, so leuchtet von selbst ein, daß die zahlreichen, von Hieronymns in seinen Werken als hebräische Traditionen ausgenommenen Erklärungen «meist agadischen Inhalts > nicht nur für die Fixirimg des Alters vieler Agada's von hoher Bedeutung sind, sondern zrlgleich einen Einblick in die flüssige Masse des Agadastoffes vor dessen Kryslallisation gewähren, und so über die Entwickelungsgeschichtc der Agada überbanvt manchen Ausschluß geden. Zeigt ja eine eingehende Vergleichung, daß sich für manche von Hieronumus im Namen seiner jüdischen Lehrer tradirte Agada in dem aus uns gekommenen hebräischen Schristthnm die Quelle gar nicht mehr auffinden läßt, andere weichen tit wesentlichen Punkte» von den uns erhaltenen ab, man weiß nicht, ob diese Abweichung auf Rechnung des hebräischen Lebrers, oder ans die des vielleicht nngenau wiedergebenden Schülers zu setzen ist. In jeden! Falle ist eine genaile Verglcichung nach vielen Seiten hin von Wichtigkeit. Am reichlichsten ist das agadische Element in den ״Qnaestiones“ vertreten, die Hieronymus zu den historischen Büchern des Alten Testaments geschrieben; zn den prophetischen und poetischen Büchern hat er weitläufige ״Commentarii“ versaßt. Während in de» letzteren die dogmatische Hermeneutik, die typische Ausfassung in den Vordergrund tritt, prävalirt in den ersteren die agadischc Exegese. Von den Quaestiones, die Hieronymus ursprünglich, wie er in der Einleitung sagt, zu allen Büchern der Eiligen Schrift schreiben wollte, die aber unter der Feder bei den prophetischen und poetischeil Büchern zn Comnientarlen angeschwöllen sein mochten, »yd nur die zur Genesis, Yen beiden - üchern Samuel, einem Tbeile des ersteil Bnches der׳ KoMe ilnd zn den beiden Büchern der Chronik auf uns gekommen, von denen aber sämmtliche — außer denen zur Genesis') — als nicht-hieronymianisch verdächtigt sind. Wie uns scheint mit Unrecht. Doch wollen wir der Untersuchung nicht vorgreisen, und diese dadurch einleiten, daß wir zunächst einige charakteristische Stellen aus diesen verdächtigten Quaestiones hier durch Vergleichung mit den hebräischen Quellen näher belenchten Wir wählen dieselben sür's Erste aus dem Bruchstück znm I.*) B. der Könige, das nur die ersten 7 Kapitel umfaßt. i) Die Worte קללה :טרצה Cap 2, V 8 übersetzt die Vulgata mit!naledirtione pessinia ״mit dem schlimmsten Fluche." Hierzu wird in den Huaeslienes bemerkt: ״pessimu,“ Ilebraice ״nimrezelli“ dicitur, qnod quinquo litteris onnnciatur idost n 1111, mein, res, ־/.ade, tliau. In nun ״noepii“ i. c. adulter, mein ״moabita“, res ״rasa“ i. e. iinpius, ׳/,ade ״/,arua“ i. e. leprosus, tliau ״tlioaba“ i. e. abominatus. — Diese Jnterpretalionswcise, die einzelnen Buchstaben eines Wortes akroslichonartig zn erklären, ist unter dem technischen Namen נוטריקון als alttalmndische, ja mischnische bekannt, siehe Sabb. Perek 12 Mischna 5 »nd vgl. Frenkel's Harke liainisclina, p 167, Anm Nun ist es aber nach Tracl. Sabb. 105 a gerade das Wort נטרצת. ans welchen! N. Aeha b, Jakob die biblische Begründung dieser Inierprelaiioussorm Herleilek, so daß die Deutung dieses Wortes als Typus für andere frühzeitig :radirl wurde, wonach es also kein Wunder nimmt, wenn sie den! v o r Abschluß des Talmuds lebenden Hieronymns dekauul war. Interessant sind jedoch die Abweichungen in der Buchstabeudeulnng, die eine Vergleichung mii der hebr. Quelle ergibt. Im Talmud (Sabb.!1. a, O) lautet nämlich die betreffende Stelle wie folgt: .נמרצת נוטריקון נואף הוא טואבי הוא׳ רוצח הוא, צורר הוא׳ תועבה הוא• Für nin hat H רשע, für צורר gar צרוע; ob eine derartige midraschische oder talmndische Lesearl vorhanden, ist uns nicht bekannt, wir wollen liier auch nicht untersuchen, welche Lesearl die entsprechendere ist, soviel scheint uns jedoch aus dieser Abweichung hervorzugeben, daß der lat. Commenlalor diese Erklärung zu einer Zeit geschrieben haben muß, wo eben derartige hagadische Deutungen sich noch im flüssigen Zustande m ündli ch e r Uebertieserung befanden; in späterer Zeit hülle man sich solche Abänderungen nicht erlaubt. «Forts, folgt.) Literaturbericht. Schräder, Dr. Kverhard, Prof, der Tbeol, in Jena rc, rc. Die Höllenfahrt der Jstar. Ein altbabylonisches Epos, Nebst Proben assyrischer Lyrik. Text Uebersetzung, Commentar und Gloffar. Gießen, I. Nicker'sche Bnchhandl. 1874 153 S. Die wundervollen Leitungen und Führungen des Höchsten, die uns in allen wichtigen Erscheinungen der Geschichte des Judenlhnms so unverkennbar entgegentreten, gaben den Alten die Veranlaffnng, die Frage zn erörtern, warn»! die Vorsehung die Israeliten gerade nach Babylonien ins Exil führen ließ? Der Talmud, der Peßachim 87 b, diesen Gegenstand behandelt, gibt daraus die richtige Antwort: Rabbi 1) Ltgt ״die hebr. Traditionen in den Werke» des Hieronymus. Tb. I. Quaestiones in Geuesin." Breslau, Schletter'schc Buchhandlung tH- Skutsch), 1861. *) Aach Hieronymus das dritte Buch der Könige, denn er dezeichnet nach dem Borgange der Septuaginta die beiden Bücher Samuel als das 1, und 2. Buch der König e.

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