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Das jüdische Literaturblatt · 1875-01-01 · Nr. 1. (1.1.1875) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
4 (1875)
Issue
Nr. 1. (1.1.1875)
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jmslhe LitcmtiiMtt Jur Brleuchtung aller Juden-!hum u Juden betreffenden l>- trrarisehen Erscheinungen auf dem Gedictk der Philosophie,Geschichte,Ethnographie,Theologie, Brientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegebcn von Rabbiner 1)1׳. Moritz Rahmer Magdeburg, d. I. Januar t8?S. Bücher der einschlägige» fit'- ratur, welche der Red de« ״Jüd. Titeraturblatt" in Magdeburg (oder der ״Israel, wochenschr." i» Stettin);»gesandt werden, ffnden in diesem Platte eingehende Besprechung. Nr. I Erscheint zweimal monatlich. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrist" (die jiihrl. 9 Mark kostet) y r a t i s. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese 4. Jahrgang. Veranlassung und Zweck der Aanon fammlung. Von I. S. Bloch, Rabbiner der israel. Gemeinde z» Rendsburg. (£v uiU||1u b0|OUbi'lC II '1 s.1 vl] C u i)0il)uitblll sein, wurm» »um De» Kanon sür ge schlosse» erklärte, äußert sich BertholdI'). ״Für eine» Kanonabjchluß mutz ebenso ein Grund, wie eine Behörde vorhanden sein; von heiler Haut sauctionirl man nicht gewisse Schriften", wiederholt erweiternd Gratz') mit vollem Rechte. War aber eine solche Ursache vorhanden, — und in der Well der mit Bewußtsein Thäligen gibt es keine Zufälle — jo mutz vor Allein derselben nachgeforscht werden, wen» anders wir endlich einmal klare, der Wirklchkeit entsprechende Begriffe über die Geschichie der Sammlung crhalte» sollen. Hie und da stößt man aus die Behauptung, daß die in der niachexilischen Zeit erfolgte aufrichtige Zuivendung des Geistes zu den Lehren der alten Geschichte u den Weiffaguilgeil der früheren ״Gollrsinünner" auch eine Saminlung ihrer Schriften veranlaßt hat. Bauer'), welcher den Kanon-Abschlutz in die M >cc ibäerzeit versetzt, erklärt ebenfalls, daß die Urfache des Kanonadschlusses in dem damals erwachten religiosen Eifer eines Bolkstheiles einerseils, und in der sichtbar gewordenen Lauigkeit und Treulosigkeit eines andereil Theiles andrerseits gewesen war. Diese Annahmen aber leiden an iiliierer Unklarheit. Der neu erwachte religiöse Geist mochte wohl eine höhere Schätzung der betreffenden Bücher herbeifü,ren, der Grundsleu, werden ihrer Heilighaltung; daß aber darum die V e r e i n i g u n g dieser Schriften zu einem Corpus nüthig geworden wäre, ist durchaus nicht einzusehen. Man tan» auch nicht behaupten, daß diese neue Eiilrichtung das Studium dieser Schriften besonders begünstigt hätte. Wozu sollte also diese Einrichtung, welchen Zweck wollte man durch sie erreichen? Lange Zeit hat man versucht, mit der Idee einer Tein« pelbibliothek über diese Fragen hinwegzukommen'). Man verwies in dieser Beziehung auf die Eghpter, Babylonier, Phö׳ nizier, Araber, bei welchen solche Tempelarchive sich vorge- ') Eint. I, p. 34. נ) Kohelet, der Prediger Salomo, p. 156. •) Eint. p. 37. *) Bgl. Wolf, bibliot. hebr I. p. 7. snnden haben sollten. Als man nun gar zu bemerken glaubte, daß manche Stellen ini hebräischen Schriftthuin auf eine solche Tempelbibliothek sich deuten ließeit, da schien die Hypothese gegen jeden boshaften Angriff gefeit. Orthodoxe Gelehrte der protestantischen Kirche Hallen ans leicht erklärlichen Gründe» »och in neuester Zeit an dieser Hypothese fest, denn der Wunsch wird leicht zum natürlichen Vater des Gedankens. Skeptiker von Berits dagegen ließen sich jedoch schon im vorigen Jahrhundert nicht abhalten, ihre Zweifel au der Nichtigkeit dieser Hypothese zu äußern. ״I» historischen Sachen können die Christen nichts anderes nrtheilcn, als die Inden. Slc glauben nichts ohne Beweise" — sagte bereits ein inerkwürdiger Crilikils des vorigen Jahrhunderts im Göttinger Anzeiger. Von einer Teinpelbibliothek wollte Corrodi nichts gesnnden haben. ״Sogar die Nabbinen," rust der gute Mau» ans, ״die jo viele Dinge, die sie wiffen und nicht wiffen, erzählen, melden, so viel ich weiß, nichts, auch nicht im Tractat Middalh, wo jo viele Kleinigkeiteil vom Tempel stehen, daß die heiligen Bücher im Tempel verwahrt wurden')." Allein er wnßie auch nichts von den Tempelbibliotheken der Aegypter.Babylonier u. s. w.; das inag wohl derGruuo eines hartnäckigen Skepticismns gewesen sein, wie ein späterer Berufsgenosfe in einen, ebenso gelehrten als langweiligen Buche nachiveist. Auch Hävernick') zäh le zu den Anhängern dieser Hypothese und in einer Arbeit, die 1874 in Kobak'S ״Jejchurun" zur Beöffentlichung gelangte, bildet sie ebenfalls die Grundlage der angcstelllen Untersuchungen. Allein man sollte meinen, und namentlich von Seiten der Forscher vom Schlage Hävernicks, welche sich der Idee einer Te>npelbibliothek um so geneigter zeigten, weil dadurch ihre mit den orthodoxen Ansichten der protestantischen Kirche von Inspiration und Prophetie innig verknüpfte Hypothese, wonach der Kanon bereits in der vorexilischei» Zeit gesammelt und mit der Abfaffung des letzten kanonischen Buches geschlossen wurde, allerdings eine nicht zu verachtende Stütze erhielt, — ich sage, von diesen Männern würde man erwarten, da» sie a priori Bedenken tragen würden, die Hebräer, wenigstens was religiöse Institutionen anlangt, mit anderen, den sogenannten heidnischen Völkern, zu vergleiche», nicht ohne ') A. a. D. I, p. 34. -) Eiul. I, 1. p. 17 ff: Vgl. Josephus Arch. V, 1. 17; de bello lud. VII, 5. 5.

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