Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 16. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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die im Sohar angeführte Versammlung Jdra dadurch parodirte, daß er auf dessen Veranlassung einen Mann auf eine Anhöhe steigen läßt, der dreimal Jra ruft, daneben blasen zwei Jünglinge טבאל und תאנים in Hörner und Trompeten, so daß das Volk sich zusammenrottet und glaubt, Messias sei gekonimen. T'.otzdem aber Kalonymos seiner Laune den sreiesien Spielraum gewährt, so läßt er doch seinen' unverdorbenen Sinn für das Edle und Gute an vielen Stellen durchleuchte» und ist besonders der angesührte Pasius, wo er das Glück des Lebens in Zufriedenheit bestehen läßt, hinreichende Gewähr für das edle Herz, das ih>n eigen und nur in Ueberwallung des Frohsinnes sich io weit vergessen kann. Kalonymos zeigt sich in Masiecheth Purim als der an Gcmüth unverdorbene Mensch, dessen Aeußerungen jugendlichen Uebermuthes eben dadurch, weil cs menschliche Kundgebungen sind und nicht über das Ratürltche hinausgehen, die regste Theilnahme in Anspruch nehmen können. Das Werkchen kann daher, ebenso wie es zu jener Zeit seiner Bestimmung entsprachen hat, dem nüchternen Alltagssinne anr Purim die Schellenkappe auszusetzeu, *> auch heute noch des unbestrittensten Erfolges sicher sein, wo es gilt, der Heiterkeit und der Laune Bahlt zu brechen. Der Widerspruch, beit wir zwischen der trübseligen Stimmung im Eweit Bochan u:.d der frohen Leichtlebigkeit in Masiecheth Purim erblicken, ist durch die Eingangs erwähitteit traurigen Ereignisse und deren mächtige Wirkung auf das Eiemüth des Kalonyntos gelöst. Ein so fester und ehreitwerther Sinn, der selbst int Scherze den Anfordentngen des moralischen Gefühls und der Sittlichkcit Rechnung zu tragen weiß, kann unmöglich aus geringe Einflüsse hin den frohen Lebensmuts) mit dem härenen Büßergewande vertauscheit, solche Wandlungen können ttur stusenweise vor sich gehen. Und so bezeichnen wir denn die Masiecheth Purim als eine Kundgebung des unbeschränkteit jugendlichen Uebermuthes, der in der Manier des leichlsinnigen Geschwätzes, gleichsam unbewußt, seine Genossen auf ihre Fehler aufinerksam ntacht, während er im erstett Theile des Ewen Bochan diese Schonung außer Acht läßt und mit Absicht das Treiben der Welt als ein verkehrtes und zweckverfehltes darstellt, bis der zweite Theil über die Vergänglichkeit des Jrdischeu und über die Rothwendigkeit spricht, der Zukunft zu gedenken und mit allen Kräften die Ruhe und Sündenreinheit der Seele anzustreben. Ein Commentar zur Chronik aus dem 10. Jahrhundert. (Schluß.), Ich muß cs mir versagen, hier näher auf einzeltte Schwierigkeiten im Commentar cinzugeyen*־*) und dies um so eher, als der Hr. Redacteur d. Bl. ein näheres Eingehen und Vergleichen mit dem hierouymianischen Commentar zur Chronik zugesagt hat; doch sei es mir gestattet, hier nochmals aus dte Eingangs berührte Frage über die Aechtheit des Raschicoinmentars zur Chronik zurückzukommen. Es wird allgemein nach dem Vorgänge von Heilpern (Seder hadorolh) und Azulai, (Schein hagedolims aus das bestimmteste aitgeuommen, daß der in fast allen Bibelausgaben unter Raschi's Rainen der Chronik betgedruckte Commentar nicht von ihnt sei, und doch scheint mir trotz Zunz' Abhandlung darüber der Beweis darüber, noch nicht genügend geführt, da die vielen Sielleit, *)ולבי נודדג בחכמה - בשאר ימות השנה. ולאחוז (ibid. 8. f.) .בסכלות - בפורים **) Ich bm*Tte hier nur noch, daß die von dem Karäcr Sahal den Mazliach im Namen Saadja's citirie Erklärung zu 1. Chronik 12, 32 (cfr. Likute Kadmonioch S. 41) sich hier an der betr. Stelle nicht findet. R. welche bisher den Commentar als nicht von Raschi herrührend verdächtigt haben, spätere Interpolationen sein können. Besaß doch der große, sreitnüthige Kritiker Asarja de Rosst, wie bereits erwähnt, ein sehr schönes Raschi-Manujcript über die ganze Bibel, toelches Ansangs des l 3. Jahrhunderts, also nicht gar zu lange nach dein Tode Raschi's, geschrieben tvar, in dem z. B. die bekannte Stelle zur Chrottik 1, 5—36 fehlt, und er behauptet, daß diese von Später» eingeschoben sei; es koiitmt ihm — der sonst gar nicht ängstlich ist — jedoch nicht in den Sinn, zu sagen, daß der ganze Commentar nicht von Raschi sei. So können noch aitdre ähnliche Stellen eingeschoben sein. Dr. Berliner erwähnt in der Vorrede zu seiner Raschi-Ausgabe, daß er in der Münchener Bibliothek einen Raschi-Contmentar gesehen, der mit sehr vielen Erklärungen von späteren Gelehrten untermischt ist; warum kann das nicht auch bei dem Conimcutar zur Chronik der Fall gewesen sein? Es ist ja zunächst nicht zu bestreiten, daß Raschi über- Haupt einen Commentar zur Chronik versaßt hat. Sein Enkel Samuel bei! Meir, der doch gewiß hierin competent ist, sagt an mehreren Stellen, daß sein Großvater alle 24 Bücher commentirt habe. Zu Deuteron. 18, 8 erwähnt er de gen Commentar zur Chronik ausdrücklich וזקני פירשו בדברי .׳ הימים וכי• Wenn aber erwiesen ist, daß Raschi eilten Conun. zur Chrottik verfaßt hat, dann wird die Frage itngelöst bleiben wieso es kam, daß gerade dieser Theil weder im Druck noch iin Manuscript vorhattden sein soll. Man wird gestehen, daß bei der Hochschutzung, deren sich Raschi's Werke frühzeitig erfreuten, und der Sorgfalt, welche man zur Erhaltung derselben verwendete, ein Werk von ihm uninöglich verloren sein kann. Es liegt daher die Vermuthung nicht fern, daß der der Chronik beigedruckte Commentar, wenn auch durch spätere Zusätze vielfach entstellt, doch vielleicht von Raschi ist, da der Geist und die Diction in diesem Commentar dent zu den andertt bibl. Büchern nicht so sehr unähnlich ist. Magdeburg. Rathanson. Literaturbericht. Receufionen. *) Kerzverg's Jüdische Familienpapiere in's Holländische übersetzt von B. Hildesheim, Rotterdam, Haagen 1874.**) Gut Ding will Weile haben. Wohl saust mit blendendem Lichtglanz ein Meteor durch den Himmelsrauni, aber seine Wirkung ist eine augenblickliche, flüchtige, im Fluge ist die Spur seines Leuchten« dahingegangen, Fahre, lange Fahre, so lehrt die Wissenschaft, hat das Licht jener »!Uder scheinenden Himmelskörper, die uns die Nacht erhellen, dazu gebraucht, um auf uns herabzugelangen, dafür glänzen sie mit lieblichem Scheine in unwandelbarer Aras! von Geschlecht zu Geschlecht. Es geht de» guten Büchern fast ebenso. Blendend schießt so manches daher, Aller Augen sind darauf gerichtet, wohl zündet es auch noch gar im Niedergang, aber dann ist erloschen das Licht, die Aufmerksauikeit dahin, und mit dem Zünde» ist aus. Das sind die Bücher, die Aussehen erregen, eine Zeit lang den allgemeinen Gesprächsstoff liefern, in Aller Munde leben, un> eben so rasch vergessen und niemals wieder angesehen zu werden. Und wieder ein anderes braucht geraume Zeit, uin nur bemerkt zu werden, aber dann verharrt cS auch in seiner leuchtenden Sichtbarkeit und ivird nicht müde, die Blicke auf sich ru ziehen und bald gesellt es sich zu jener geringen, aber stolzen Bücherschaar, die wie sreundliche *) Zu der Neeension des ״Feßod Olam" von llr. Berliner in vor. Nr. S. 60 l) sind zwei Noten weggcbliebcn, die wir hier nachtragen: 1) Zu Moscnthal'S ״Debora": Das Stück ist auch schon lange vor dem von B. angegebenen Fahre >"58 über die Bretter gegangen. 2) Das eitirte ״Matriinonio misto“ (ual.) ist eine Abhandlung in Gesprächsorm, Derartiges haben wir von Mendelssohn und vielen Anderen; der ״Phäbon" wäre dann iveit eher ein Drama zu nennen, iveil doch auch etwas ״Handlung" darin ist — wem fällt das aber ein? Eugen Manuel bat ein sranz. jüd. Drama geschrieben des Titels erinnern ivir uns nicht. Und die jüd.-teutschen Esthcrspiele unv Purimpossen ivürdcn auch genannt iverden müffen, da bibliogr. Notizen ja nicht den Werth der Schriften zu betrachten haben. **) Naar de twede nitgave van M. Herzberg's Jüdische Familienpapiere uit het Hoogdnitscli verlaald door B. Hildesheim. Uit het Leven van den Cliristelyk Zeudeling ter BekeerUng der Jaden.