Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 16. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Sternlein in niminerermattendein Glanze strahlt und leuchtet morgen wie heute für und iür. Man fühlt sich versucht, mit solchen Gedanken sich zu tröste», wenn man die :׳'«schichte manches Buchebetrachtet. Diesmal sind cs Herzbergs jüdische Familienpapicrc, die uns dazu bewegen. Wohl mochte der versiändnißvolle .Nenner dieses Buches sich in Ungeduld kauin zu fassen vermögen, wenn er cs nicht iin Sturme hinausdringcn sah in alle Kreis- und gefangen nehmen alle Herzen, wenn er so viel Mittelmäßigkeit stolz sich aufblähen, so viel Werthlosigkeit den Markt überschwemmen^ das Gediegene und Kcrnhaste aber unbemerkt im Dinkel liegen sehen mußte. Warum, so mußte er denken, zieht dieses Buch nicht hinaus über die Lande und lehrt alle Verstockten und Ungläubigen, ivie sic blöden Auges den Schah in der eigenen Mitte nicht sehen, um den Thorheiten und Eitelkeiten der Fremde nachzujagen? Und wenn man sich es schon erklären konnte, daß cS nicht Lärm schlug aus .en Gasten, nicht von sich reden machte im fremden Lager, weil man ja dort gewiß ängstlich Bedacht nahm, die Gemeinde der Gläubigen von dem gewaltigen Verheere! nichts merken zu lassen, der in den Weinberg eingebrochen ist, so niußte doch die TheilnahmSlosigkc.t im jüdischen Lager sehr besrcuidlich erscheinen. Stumpfheit »nd Gleichgültigkeit, die man unserer ,-seit und unseren Zuden allzujchncll vorzuwersen bereit ist, sind eine zu bedenkliche Ausflucht, um den Nichtersvlg e>»»es Buches zu erklären und leicht kommt man dabe> aus die Bermuthung, daß ivohl auch dieses selbst nicht ganz frei von Schuld dabei sein inag. Aber der Eifer mag sich beruhigen, gut Ding will Weile haben. Was bleibenden Werth über das Jahr hinaus, in dem es das Licht erblickte, behalten soll, muß malig sich verbreiten; cs sind die schl chtesten Bilanzen nicht, die erst in späteren Jahren Früchte tragen. Es ist auch für Herzberg's ׳Buch die Zeit der Beachtung, der Beibreitung, ja des Einfiusses weit hinaus über den Sprachkreis, uir den es geschrieben ist, bereits gekommen. Die Uebcrsehnng eines Buches, wie des unseren, ist die beste Gewähr für s ine Bedeut'.uig. ES muh mit aller Mach» ei» Mnsch-nherz mit der Ueberzcuguna ergrisien haben, daß cs einen Schatz enthalte, der ailch Fremd.» offenbar gemacht zu werden reichlich verdient, denn keinerlei äußere Verlockung kann dazu angelrieden haben, dein jüdischen Schriststellcr winkt kein greifbarer Lohn. Und so ehrt derjenige, der die .Eingebung besitzt, die Mühe einer Ueberseyung auf sich zu laden, das Buch und sich selber. Es ist ein schönes Zeichen des lebhaften Gefühls für Juden und Judenthum, bas in dem alten Schutzland« unserer Freiheit, in Holland, sich erhalten hat, daß gerade von dort aus die erste Uebersetzung der jüdischen Familienpapiere ausgeht. Von der Erkenntniß durchdrungen, daß dieses Buch vor allen, wie es in dem würdigen Vorworte zur Ueber setzung heißt, uns,rer Zeit ״ein gottesdienstliches Hausbuch'' zu werden verdient, hat Hr. B. Hilvesheim in Rotterdam die Uebersetzung desselben ins Holländische übernommen. Ob er daran sonderlich zur gethan, den Titel zu verändern? Aus dem Titelblatt der erste» »eutschen Ausgabe befand sich die verhänanißvolle Benennung: ״Jüdische Famili.npapiere, Briese eines Missionärs", verhänqnißvoll darum, weil sie ohne Zweifel der Verbreitung.des Buches durch ihren ergen Theil bei den ,ichtjuscn, durch ihren ziveitxn bei den Juden geschadet hat. Wenn es der Uebersetzer für ut g.sunven, die in der zweite» deutschen Ausgabe weggelassen- Bezeichnung: ״Briese eines Missionärs" zum Grunde eines neuen Titels: ״Aus dem Leben eines christlichen Missionärs zur Bekehrung der Juden" zu nehmen, so muß er wahrscheinlich das Bedenken n.cht lheilen, das in Deutschland von der Wahl dieses Titels hat abstehen last.n. Sonst hat er mit liebevoller Treue dem Original die Uebersetzung angeschmiegt und nur noch dadurch in hoben» Grade die Nutzbarkeit des Buches erhöht, daß er dem oft nicht allgeinein verständlichen Ausdruck des Urheber» mit einer erläuternden Anmerkung sachlicher Matur z» Hülse grkounnen ist. Möge die verdienstvolle Thal des .ycrrn HildeSheim bei seinen Landsleuten die rechte ׳Anerkennung und Verbreitung finden, »vir aber wolle» sie als das erste Zeichen dafür nehuie»», daß auch die 'Augen des Auslandes aus unser Buch gefallen sind, als frohe» Vorbote» folgender Uebersetzlli» .11», künstiger Triumphe. D. K. Schmidt, Aerdinaud, Moses MeilOclssohu, ein Lebensbill». Berlin bei Hugo Äaftaer. 1874 Ernst Renan ist es in seinem legten Buche eingefallen, die Juden und das Judrnthun» als leblose Gespenster zu bezeichnen, »»nd »veil dies denn begründet »verden sollte, auch zu behaupt, n, cs sei niemals von einem Juden ein brauchbarer Gedanke, eine lesbare Seile niedergeschrieden worden. Er hat einer läppischen Uebertreibung sich schuldig gemacht, unser alter Gespcnstrrseycr, aber er hat dabei nicht geahnt, welch furchtbare Anklage er mit den» Börnchen Wahrheit, das bei ihm zu einer hohlen Lüge augesqwollen, aus die große christlathvlijche Vergangenheit geladen hat. Es ist wahr, viel zu wenig hat der jüdische Stamm, b,r btsähigtest-e der Stämme, an »uchlbare» Erzeugnisse» für die Welt geleistet, aber »»lcht an »1)111 liegt die Schuld, sondern an denen, die ihn geivaltsam abg,sperrt habe» oon Licht und Lust, von der großen geistigen Bewegung der Völl,r und der Zeiten. Wo der Jude frei sich regen dur te, ivo kein Geheg>׳ ihn abgrcnzte gegen die Anderen, wetteiferte er mit ihnen an Gei!! u»v »rast und Tiichtigleit. In Alexandria beginnt jüdisches mit grlechljcheiu Geistesleben sich zu verbinde», bald ringt Philo der Jude mit dem göttliche» Plato um die Palme griechischer Sprach gcwaltigkeit. Arabien schließt seine ,iU0.11 von seiner Eulrur nicht a»lS Verantivorllicher Rebaeteur: Ui. M. :!lahmer. und Muss Maimuni, der spanisch« Jude, überstrahlt an Klarheit und Grübe seine G>lehrten und Phllosophen. Berlin gewährt dem Juden- 'nab n aus Destau Einlaß in seine Thore und der denkgewaltige Meister von Königsberg, Jinmanuel Kant, neidet Moses Mendelssohn seinen deutschen Styl. Es ist in den letzten Jahren viel dafür geschehen, dein deutschen Volle zu sagen, was es an Moses Mendelssohn gehabt hat, und bezeichnend hat ein großer deutscher ,Forscher vorgeschlagen, am Muhmesdenkmal Friedrich des Großen auch dem Manne eine Stelle zu gewähren, der als Jude es sich herausgenomuien, dem großen König seine undeutschen Verse vorzuwersen. Man ist von der voruehinen Behandlung abgekoinnren, di« noch Gervinus z. B. dein Juden angedcihen lassen zu »lüsten ineinte, und die freilich von den, allverherrlichten Meister Lessing selber auf das Eindringlichste zurückgcwicsen worden iväre. Aber ein Lebensbild, das in alle Kreise dringen und zur Jugend hcrabsteigen ivill, uin ihr von einein großen deutschen Juden zu erzählen, der deutsch war vor Allen, wie er vor Allen Jude >var, das ist noch nicht geliefert worden, und es bleibt ein verdienstvoller Versuch Ferdinand Schmidt's, dies zuerst gethan zu haben. Wir empfangen von ih״» ein richtig gezeichnetes Bild der Zustände, in den n Mendelssohn auftrat, einen unverhüllten, >n»t ivackerer Redlichkrit gegebenen Bericht von der Niedrigkeit und Engherzigkeit, mit der Deutschland und Preußen und selbst sein großer und erleuchteter König die Juden behandelte, und der deutsche Leser »nag ivohl mit Ekel von dem Verhalten sich abivenden, das oainals in deutschen Landen gegen Juden üblich ivar. Auch ist die llnbesangenheit anzuerkennen, mit der das Judenthum und Mendelssohns treues Festhalten an demselben beurtheilt ivird. Die »varnie und innige ׳Verehrung vor den» jüdischen Weisei», der liebevolle, aus Duldung und Versöhnlichkeit abzielende Ton diese» Lchristchens wird nicht verfehlen, in empfänglichen und besonders in jugendlichen Geinüthern tiefen und wohlthucnde» Eindruck zu machen. Es ist Zeit, daß Deutschlands Schriftsteller und besonders die Juaendschriftstell.r anfangen, die Sünden der Vergangenheit an den Juden gutzumachen, der jüdische Stamm hat immer noch reichlich die Liebe vergölten, die n,a» an ihm geübt hat, ivie eine echte Lichlnatur tausendfällig die Wärme und Erleuchtung zurückgcstrahlr, die :»an an ihr geivendet hat und ivird es ivohl lange noch beweisen daß lebendiges Blut in seinen Adern rollt, Geist von» Geist der Anderen in seinen» Haupte schasst nnd daß es, zu bleiche» Gespenstern «»» helllichten Tage herabznstnken, gern seinen Gegnern überlassen mag. l>. K. Stotiz. Bei den zehn Plagen Aegyptens erlaubt sich der Psalniist einige nicht unbedeutend« ׳Abweichungen von dem mosaischen Bericht. Ebenso frei verfahren die Hellenisten, die Sapienz (Ui, IG f.) u. Philo» im ״Leden Moses". Unerhört aber ist, ivas Artapan aus der ersten Plage gemacht hat. Bei Eusebius lesen wir pr. ev. IX c. 27 : Moses habe mit seinem Stabe de» Nil geschlagen, und der Fluß sei »nächtig gewachsen und habe ganz Aegypten überjchivenunt. . . das gesammelte Wasser aber hattv, zu sieden angesangen (so übersetzt Herzselo Gesch. 3,!87), so daß alle Flußthiere starben und die Menschen verdursteten. Später habe Moses durch einen Schlag mit dem Stabe de» Fluß »vieder verkleinert. Hier »st fast kein Zug, der zur Bibel stiinmt, doch nicht durch Schuld Artapan's. Derselbe halte von der Verivandlung in Blut gesprochen; denn von den Priestern »viro unmittelbar daraus berichtet, daß auch sie dem Flusse eine andere Farbe geg.ben hätten. Er hat serner nicht geschrieben, der Fluh habe zu sieden angesangen; den» apozesai kann nur heißen zu sieden aufhören: sondern folgt genau der LXX, die des ויבאש (Exod 7, 21.) durch epözese» übersetzen. Auch bei Artapan bietet die beste Handschrift dasselbe epuzesai. Artapan hatte also die Verivandlung in Blut und das Stinkendwerde» des Wassers erzählt; das erste ist durch Schuld des Epitvurators, das andere durch die der Abschreiber »»»kenntlich geioordl». Die lleberschweiunung entnah»»» der Hellenist aus Exod. 7. li>. I F. Berichtigung. Ter Herr Rabbinatsveriveser I. Stern in Buttenhauscn (Würtrb.) dessen ״Gotteüslamme, religiöse Reden, Üv. 2." ivir in Nr. G d. Bl. recensirt und hauptsächlich wegen der vielen lateinischen und mythologischen Eilate, soivie geivagtcr Hypothesen abfällig beurtheilen mußten, macht uns in einen» Schreiben vom 20. Roo. daraus aus merksau», daß er im Vorwort ziu» eesieu Bande der uns nicht inehr vorlag) ausdrücklich bemerkt habe, ״daß die meisten dieser Vorträge nicht in der Synagoge, sondern in einem von mir gegründeten Labbath-Verein (8< I»oel»er tod) gehalten ivorden." Er habe sic deshalb auch nicht ״Predigten" sondern ״religiöse Reden" betitelt Wir stehen nach dieser Erklärung selbstverständlich keinen Augenblick an, unsere diesbezügliche Verurtheilung einiger Reden in der gen. Recension z u »׳ ü ck z u n e h in e n, ebenso auch die etivas harte Schlußwendung daselbst, da es in einigen Reden nicht an Stellen fehlt, in denen sich eine warme ׳Begeisterung für die Religion Israels ausspricht. — Wir wiederholen hier den Wunscy, de» wir dein rhetorisch begabten Red- »»׳«׳ brieflich bereits ausgedeückt, daß die ״Flamme" zum ״»lilden Lichte" werde — ׳ — לא באש י״י und daß durch ein ungestümes Vorwärtsschreiten im Lturmschritte die Gebreche» des heutigen Judenthums anl allerwenigsten geheilt werden י® לא ברעש■ In Nr. 1■'». S. Go b. Z. 1. v, o. muß es st. ״Herzen" heißen ,/ranzen." Das, S. SB ist zu lesen: Oe. G. Salomo» (in .Hamburg). Druck »1. Verlag von E. Scharnke in Barby.