Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 16. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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62 digste hinstellt, kurz vorher noch dieselben Gegenstände zum Ausüangkplliikt seiner Laune gemach: hat, als er zur Zeit sein»' vlnjenthaltes in Rom tüif Anjßorderung mchrtter fahren sich herbeiließ, den Talmud in" scherzhaster Weise nachzj^aWeu Und diese an Witz uiib Huckor unübertreffliche Pa rodke^zuni Vortrage an Purim eniMichtim. Es würde zu weit sühren, dieses Werk dem ganzen Inhalte nach mit utheilen, da es kein in systematischer Änfeinauderfolge der Theile geordneles C)anze ist, und datier zur Charakteristik desselben einige Momente hinreichen. ״Massechcth Purim" soll, wie schon ihr Raine andcutet, als talmudische Arbeit ausgenomincn werden und bestreb: sich daher, äußerlich de» Schein und das Ansehen zu bewahren, indem sie dieselbe Eintheilung befolgt, die den! Originale zu Grunde liegt, und in einer Mischna Stoff uiederlcgt, der dann als Gemara in der witzigsten Weise verarbeitet wird. Das Werk besteht aus sieben*) Abschnitten, die die verschiedensten Perhältniffe des Gebens mit dein Purimseste in Verbindung bringen und für die würdige Feier des Festes zahlreiche Vorschristen enthalten. Als erste und wichtigste Angelegenheit gilt natürlich das Trinken des Weines, dessen Herrschaft mau so weit ausdehneir wollte, das Wasser selbst zum .־ ochen und Waschen am Purim für unzttlä,sig zu erklären, was jedoch mit der Beweisführung abgelehnt wird, daß doch in der Schrift immer nur vom Trinken des Raffers die Rede ist, dieses folglich auch nur als Getränk verboten sein kann. Das Ansehen des Weines aber wird durch seine trefflichen Eigenschäften begründet, die unerreicht ewig ihren Ruf bewahren werden, während das Wasser sehr hänstg schädliche Wirkung hat, wofür Lchriststcllen angeführt werden. Ter Wein dagegen Hab« stets die wohlthätigsten Folgeit und heißt demnach mit Recht eine ״Leuchte der Äugen," da er die Gegenstände stets zweifach erscheinen läßt.*) Rur wenn er durch Mengen entweiht und geschwächt wird, verliert er seine Wirkung und zieht Ärmuth nach sich, so wie die Schriststelle (Ies. l) beweist: ״Dein Silber ist zu Schlacken geworden, dein Wein genlengt mit Waffer." Das Eine sei die Folge des Ander». Wenn nun der Wein solches Ansehen genießt, solcher Herrschüft sich erfreut, so ist es selbstverständlich, daß auch die viamen derjenigen Wohlthäter den Rachkommen nicht vorenthalten bleiben, welche diese Wohlthat uns zugänglich gemacht haben, und deshalb ist cs begreiflich, wenn der ganze Traktat damit eingeleitet wird, daß die Traditionskette der Weinüberlieferer ,nitgclheilt wird. כרמי ist der Erste, über den sichere Nachrichten vorliegen und von dem erzählt wird, er habe Wunder gewirk׳, indem er aus einem Dinge je zwei machte, was seit der Schöpfung von Himmel und Erde nicht seines Gleichen hat. Sein Iüuger ist ׳הבקבוק der als würdiger Nachfolger seines Meisters im Siande sei, eine ״andere Welt" schaffen zu können. Ein späterer Schüler ist Noah, dessen Andenken die dankbare Nachwelt heute noch in der Megilla ehrt.**) Die Identität eines Später», des רביבי wird aus seinem Viainen bewiesen, der im Griechischen (Lateinschen) *) I» der Willheimer'schcn Ausgabe (iKbnuft bei G. Schmelles in Prag) bilden die 3 ersten Abschnitte ein besonderes Merkchen unter dein Namen ׳מגלת סתרים das. wie e» scheint, nicht Kalonymos zu»! Vers. hat. Im ersten Abschnitt heißt es: מאי מגלת סתרים הבי תרגימו מגלת פורים׳ ולמה היו קורץ מ״ם מפני שהחסידים היו מוסרין אותה בצנעה לתלמידים וכוי Es io,,!״!-!! vari» andere Perssnen vor als in מסכת פורים! fä >st auch ein anderes Genre des Witzes darin, das an׳s Obscöne streikt. Zum Schluß heißt «s ausdrücklich: סליקא מד סת׳ מדרש הנביא הלב״יא הלוי («eb.) .ממשפחת המדקדקים .• י הצעיר מבני שושנים מאיר את העירם מנא לן סברא היא מחזי לאינש (* על חד תרץ■ אמר רב ביבי זכור אותו האיש לטוב שאלמלא הוא (** כביכול השחיתו מי המבול את כרמי ולא נשארו משונאיו שריד ופליט אמר לוי הלכך מדכריגן ליה בפורים שני ונת בט״ו בו■ ״Triihke" bedeutet (bibe). Aber nicht nur diese unmittelbaren Iüngifr des' Kann! haben sich ausgezeichnet, sonderst der Boi!- nehmste der Patriarchen, 'Äoraham, wird als Verehrer des Wernes angeführt (Ief. LI, 8): זרע אסיהס!»הבי איל ׳r ו^סרי <$ב״א$ אוהב In ähnlicher Weise wie inl Trinken, müsse stauch inr Speisen das Rüglichste geleistet werden, und deshalb besteht ein Verbot, denrgeinäß die Frauen in dieser Zeit, nach Einigen sogar vom Beginne des Monais an, das Hans nicht verlassen dürfen, sondern am Heerde ihrer Pflicht warten müssen. Und damit diese cdlerr Beschästiguirgen nicht gestört werden, sollen die Kaufläden geschlossen, in den Lehrhäusern und Gerichts- Höfen Ferien sein, da die Purimsreuve der Gesetzessreude vorangeht. Wol erhebt sich dagegen die Ansicht des R. Kamzaii, der deil Begriff des Reichen auch nach seiner Weise zu erklären versucht, daß der Rcichthnm sich durch Sparen häufe: doch dringt die Meinung der Mehrheit durch, daß mau durch Arbeit Gü:cr erwerben könne, und R. Kamzau muß ohnedies eine Anspieluilg ans seineil Rainen verschlucken, da mau erzählt, ein Geiziger habe so lange gesammelt, bis der Tod an ihn hcrailtrat u>ld er seine Schätze den lachenden Erben zurücklassen mußte, weswegen denn allgemein angenommen ward, die Genügsamkeit und Zufriedenheit begründe de» eigentlichen Reichthnm: באותו שעד. אמרו איזהו עשיר השמה בחלקו Demnach ist es unumgänglich nöthig, des diesseitigen Lebens zu genießeit, um ins Jenseits gelangen zu können. Um nun die Bedeutung des so wichtigen Festes gehörig hervorznheben, werden nach Art des Midrasch und daran theilweise auknüpsend allerlei Gejchichtchen erzählt, wobei Haman natürlich am schlimmsten fortkommt Er wird als ehemaliger Sklave Mordechai's, als Gauner und Dieb eingesührt, und auch der Raine des Festes damit in Zusammenhang gebracht.J) Es finden sich zahlreiche Andeutungen in die,cm Werkchcn vor, daß es in Italien entstanden sei;') es werden Persönlichkeiten vorgeführt und Thatsachcn angegeben, die darüber keinen Zweifel lassen, daß es aus der Feder des Kalonymos') floß, als er sich in Rom befand. Er führt seinen Viamen selbst an viele» Stellen an und!ritt somit selbstthätig in das Treiben der frohen Gesellschaft, deren Milglieder er mit den witzigneu Viamen belegt, die zugleich die Gesinnung oder hervorragende vieigung des Betreffenden bezeichnen (־;. B.: ,רבאכלן. רבשקה, רב רעבתן׳ רב שחקן רב עצלן, רב זמרן, רב חמסן, רב לקחן, רבחמדן, ר' פרנך׳ רב שקרן רב שכרן ר׳ בהמן), und über diese selbst schwingt er unerbittlich die Geißel seiner Laune unq deckt ihre Fehler auf, die in der Darstellung ihrer Folgeit die lebhafteste . eiterkeit zu erregen nicht verfehlen können. Bon N. Benjamin b. .Iizchak, einer Person, die dainals wirklich gelebt yat, erzählt er, seine Belustigung am Purim habe darin bestanden, daß er einen Blödsinnigen berauschte, damit er allerlei tolles Zeug schwatze. Ebenderselbe Benjamin dient aber zugleich als Träger feiner Ironie gegen die Kabbalisten, indem er על כן קרא לימים האלה פורים על שם הפור - מאי(3 על שם הפור על שם הגנב שכן במדינת אנקונה קורץ לגנב פורו• 4) A. d. Ned. Er erklärt Fremdwörter durch italienische, z.B. Abjchn. 2: .מא־ יינומלין קלדרא בלעו וברומי קורץ אותה פואישון tb. והלועזין שבמדינת רומי קורץ לאסתר קלאראטילא Ferner in! 3. Abschnitt: אני ראיתי מקום אחד במדינת רומי שהיו שוחקין שם בפורים והיו קורץ אותה סקקירי: I4!״. Abschnitt: מאי פרוטה אהד מארבעה מפשוט רומי וכי׳ הנקרא בלעז פרובינסו Daselbst «!>0-:דוו יתבי בנטלא דאנקונא 5) Er nennt sich zum Schluß ausdrücklich als den Aersaiser mit den Worten: כי דברי ואת המסכתא בריתי אני קלונימום מלבי המשנה והגמרא ואעידה לי עדים נאמנים את ר׳ שקרן (Red.) ואת ר׳ כזבן אחיו וכו׳