Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 14. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 uns nun, da jetzt eine Stunde der Gnade ist, beten, daß uns auch der böse Geist, derHang zur sündigen Geschtechlsliebe, der Dämon der Wollust, überliefert werde. Warnend erhob zwar ein Prophet seine Stimme und sagte: Wenn euch dies gelänge, so wurde ein Stillstand in der Natur eintretc», der alle lebenden Wesen endlich vernichten möchte. Doch die srommen Eiferer ließen sich da on nicht abhallen, und der Samo» der Liebe wurde ihnen in die Hände gegeben. Drei Tage hielten sic ihn gebunden uird geianacn; aber nach diesen drei Tagen war im ganzen Lande kein frisch gelegtes Ei mehr zu sinden. Da sic nun den Dämon der Liebe entlassen mußten, so blendeten sie dessen Augen, und zwar ans dem Grunde, damit der Dämon der Wollust und Gcschlechksliebe wenigstens ans die nächsten BerwandtschaslSgrade keinen schablichen Einfluß ausübe. Der Kürze wegen geben wir blos die schla endste Stelle aus dem Ialknt zu Nehemias fc. 107 t im Original: אמרי ניבעי רחמי על יצרא דעבירא• בעו החמי •ואתמשד כיריחו'א״ל נביא חזו אי קטילתו ליה קטילתו כולי עלמא הבעזוה תלת יומי בעו ביעתא כת יומא בארעא ולא אעותבח• כחלינהו לעיניה ושבקוה* אהני כי חיכי דלא ליגרי אינש בקרוכתיה♦ Ter Sinn der Sage ist wohl, daß der von der Natur dem Menschen cingcpflanzte Trieb an sich nicht sündhaft und daß dessen gänzliche Unterdrückung und Ertödtung sogar strafbar sei. Blos der Mißbrauch der na türlichen Triebe erzeug׳ erst die Sünde; aber gegen den Mißbrauch kann und soll der Mensa) sich schützen. Es gibt also demnach keine angeborene Sünde und noä׳ weniger eine Erbsünde! Hingegen lassen sich die Sünden des Geistes, d. h. der falschen Irrlehren, die mein aiicrzogen sind, oder der Dämon des Götzendienstes, gänzlich ansrollen und vertilgen, da die Wahrheit endlich doch den Lieg davon tragen pmß und einst ihre Herrschast über die ganze Erde ausdehnen wird. — Daß der Schluß der Erzählung, wo gesagt wird, daß dem Dämon der Liebe die Augen geblend. 1 wurden, an den blinden Amor der griechischen und römischen Mythe erinnert, wollen wir blos, weil dies weniger hierher gehört, nebenbei bemerken. Wohl ist nun das babylonische Epos viel poetischer, aber die jüdische Lage i,t moralischer. Das Volk nahm den fremden Stoff auf, um daraus eine moralische Erzählung zu bilden, und kümmerte sich weniger um die poetische Schönheit desselben. Was nun den Aamen Islar für Be uns betrifft, so erinnert derselbe au den biblischen Name» אכתר• Die Bedentnug dieses Eigennamens Hai der Talm., Megilla 18. a u. Iallnt zu Esther 8- >058, bereits richtig erkannt, indem er Esther mit Beuus wiedergibt. ולמה נקראה אכתר ■ שהיו אומות העולם קורין אותה על שוט אסתהר Im Ialkui ist noch der Zusatz: על שוט כוככ הנונה אטתהר . Hier haben wir also den Namen Iuar für Bcnus nild den Morgenstern deutlich angegeben. Bnrton Lericon lhalm Eol. 178, Aruch 8. V. טהר, identiftzirt nach dem Targum scheni das Wort אטתהר mit dem Griechischen :»8161 — Ster». Allein dies Wor> ist babylonische» Ursprungs und ist mit Islar vollkommen gleich. Auch in einem jünger» Midrasch, augesührl Ialkut 1 0. U tz. 44. wird die Islar als Beuus, in die sich einer der ge allenen Engel verliebte, und die dann in den Himmel versetz! wurde, erwähn!: מיד ראה שמחזאי ריכה אחת ושמה אט טהר נתן עיניו כה• א״ל למת־ שט המפורש שאתה עולהבו לי־קיע• למדה אותה עלתה לרקיע ולא קלקלה• אמר הק״כה ה־איל ־פרשה עצמה מן העכירה לכו וקבעוה כין ז׳ כוככים. Auch diese Sage zeigt ans die babylouische Heimath bin, und dieselbe verdient daher eine gründliche Untersuchung. Leyikograpbifche und etvmologifche Bemerkungen. 1. Das Wort שלח hat bekanntlich drei Bedeutungen, welche sich eine aus der andern ergeben, nämlich a) schicken, b) Schößlige, שלוחותיה o) Geschosse מעמד בשלח, fgauz so wie im Deutschen die beiden letzteren Begriffe von ״schießen", das ja identisch ist nut ״in die Ferne schicken", abgeleitet sind. GrnZ Mir scheint, daß dieses Wort in dem Psalmvers 40, 8 אתה דך גויש הורשת ותטעם, תרע לאזמים ותשלחם in der 8»i> b) angestthrteu Bedeutung zu nehmen sei, wodltrch der Parallelismus zwischen den Vorder- ,lnd;)lachjatze hergestellt wird, und das יתשלחט dem ותטעם entspricht. Ich übersetze demnach ״Du hast mit Deinen Händen Völker vertrieben und sie (die Israeliten) daittr eingepflanz', Rationeil vernichtet uitd sie tdie Israeliten) Schößliitge treiben lassen. 2- בני ענק׳ ענקים לנרנרותיך und העניק haben alle dieselbe Grundbedeutung. עיק heißt ursprünglich ״Schmuck, Zierde," daher a > Mette des Halses; dann übertragen aus das durch seine Größe als Zierde Hervorragende, zum Schmuck Gereichende, daher b) ״Niesen"; endlich ist העניק schnlkcken, in העניק תעניק- Merkwürdig ist, daß Riesen auch רפאים d. h. Schwache >tnd ״ נפיליםGefallene" genannt werden. Ich glaube, daß man wegen ihres Furcht und Schrecken einflößenden Weieus sic grade mit Begriffen benannt hat. die das Gegentfeil ausdrücken, wie das ja im Hebräischen häufig, so heißt ״Der Blinde" נהור MD der Lichtrciche. 8) Bon gleicher Grundbedeutung fiub »auch die Worte שור schauen, שוררים Feinde, שור Mauer, תור ausspähen (und שיר Lied. Grn.) שור heißt a) grade hinansiehen, davon b) abgeleitet תור (mit Verwechselung des ת "< ש wie oft) ״sich genau e was anseheu", ausspähen, c) שוררים die Feinde, die genau alles beobachten, scharf darauf ihre Blicke richten, nut es zu tadeln, ck) שור die ־Mauer, von der man ausschaut nach dem Feinde, eigentlich ״Ausschauort" wie ״ מצפהdie Warte" von צפה-, [e] שיר das.Lied, der Gesang wurde als Produkt einer göttlichen Begeisterung (רוח הקרש», des göttlichen Schavens l Vision) betrachtet, wie ja Gesang und Musik einer- und Prophetie andererseits im innigsten Zusammenhange standen. Wie daher die Prophezeihung חזון heißt ״göttliches Gesicht" von חזח sehen, so ist auch שיר von שור abgeleitet.*) fGronZ 4) תלונה Murren kommt her von לון in der Nacht, in nächtlicher Stille bleiben, sich auslialten, also still und flüsterild reden. Das Targum überietzt ואתרעמו von רעם Sturm, wobei freilich der Begriff des Geräuschvollen hervortritt, (grollen!) Georgendurg (Rußland.) S. Breslau. Literaturbericht. Necensionen. Däik, Dr. S. Die Erzätilnngen und Rrligionssätze der heiligen Schrift für die unieru Klaffen höherer Lehrerstellen bearbeite!. Liffa (P0)en) 1875. Th. Scheibel. Wenn irgend wer, so ersäbrt der Lehrer an jüstische.1 Aeligionsschulen bei Auswahl oer Lehrbücher die Wahrheit des Sprüchworts: Wer die Wahl hat. hat die Quai, ')tut wenige wodt, die sich mit dem jüdischen Unterricht längere Zeit b.jchäs.igt Hader, haben aer Versuchung widerstanden, ein :»teligionsbuch zu schreiben, eine biblische - cschichte zu edircn. Wer es nicht thut, dem fehlte »leistend weniger die eigene Lust, als die des Verleger». Und ivir befinden un» in der wunderlichen Lage, weder die vorhandenen Leitfäden noch die Neigung, neue zu ediren, vesonders tadeln zu tonnen. Senn wohl lein» der bisher erschienenen Bücher dieses - ׳eure ist absolut schlecht; wie wäre oas auch möglich! cs geht hier ähnlich, wie bei den dlunienlescn der Literatur; wer i» einem üppigen Garten Viumen pflückt, was er da zusammen bringt, wird unser Äuge ersreuen, sei er noch so ungeschickt i» der Auswahl, liehe er noch so viel Schönes und Anziehendes unbeachtet, die »lütüensammlung, einem reichen *) '•)lad) Fürst'» Le^ic. bedeutet das Llammwort שור< von dem שיה abgeleitet wird, ״schwirren, tönen". Aed.