Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 14. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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und 'herrlichen Gefilde entblößen, wird schön sein — ihrem Sammler zum Trotz; darum ist eine Anthologie deutscher Dichtung z. B. stets ein nützliches und lesbares Buch, uns sei auch die Zusammenstellung nach den geschmacklosesten Principicn erfolgt. Das liegt an der deutschen Dichtung, und der Sammler kann sich noch so abmühen, bas Buch schlecht zu machen, es gelingt ihm nicht, Auch wer die Geschichten der Bibel nacherzählt, noch wer die Religion Israels darstellt, kann selbst bei einer reich bemessenen Dosis von Ungeschick und Geschinacklosigkeit nichts absolut Unbrauchbares zu Stand« bringen. Diese Erzählungen find so innig uns rührend, so gesättigt von Poesie, daß sie gar nicht entstellt iveroen könneu. Wie Aschenbrödel gesallen sie in der niedrigsten Wahl. Darum ist cs auch subalternen Naturen über di.׳ Maßen leichl, aus oicseui Gebiete zu arbeiten. Die Bebel wird zur Hand geuomencn, irgend ein Auszug daraus sabricirt, uns verführe der Autor noch so leichtsinnig, es läßt sich auch mit seiner Arbeit allenfalls unterrichten. 'Aber wenn auch Ser Natur der Sache nach das absolut Schlechte auf diesem Gebiete ausgeschlossen ist, jo ist doch das hervorragend Gute und Brauchbare leider eben so wenig zu finden. Die Freibeut.r, die sich auf Gest׳»! Felde tummeltcn, habe» die honetten Leute zurückgeschreckt. Und gerade sur die Schule sollten eigentlich nur die besten Männer arbeiten, denn nicht oft übernimmt unter den Autoren einer eine größere Verantwortlichkeit, als der Berfasscr eines Schulbuches. Da war es uns eine rechte Freude, als uns bas an der Spitze bezcichnete Werk in die vände kam. Gin Mann mit vielseitigem Wissen, einer der geachtetjten jüdischen Theologen in Deutschland, v.rjchmüht cs nicht, die knappe Muße, welche ihm fein Wirken i» einer großen Geineindr läßt, aus die Ausarbeitung einer biblisch.» . «schichte für .ic unt.rn Klassen zu verwenden, lind die Arbeit scheint die bisherigen Leistungen, soweit sie mir bekannt sind, weit zu überragen, Zuvörderst verbindet sie in ganz vortrefflicher Weise ׳Religion und Geschichte. Nichts ist dem Schüler langweiliger, als systematische Neligionslehre. Es ist ihm ein todter trocken r Memorirstsg, und der verständige Lehrer muß ihn beleben durch Beispiel, durch.beschichte. Aber warum sollte!ür den Schüler n.cht dieselbe Methode zu empsehl.n sein, welche der Predigte fast regelmäßig auf der Kanzel anwcndet? Unsere Gemeinden würden den Geschmack an der Predigt verlieren, wenn auf der Kanzel eine korrekt in Para rap.cir gebrachte Religion ihnen gelehrt würde. Um die Erwachsenen zu f.sseln, wird an irgend eine Grzäglung der heiligen Schrift eine Moral, eine allgemeine Wahrheit angeknüpft, Herr l),׳. Bäck hat denselben Weg für den Unterricht der Fugen» erwählt und mit rühmensw.rthem Takt Geschichte uno N.tigion in seinem Buche verbunden. Auch die Erzählung selbst ojsenbart säst aus jeder Zeile den zartsiimigen geschmackvollen Mann. Die (׳),schichten werben nicht ,»örtlich wiederzegeben, wie sic in der Zchr.st erzählt sind. So bequem macht sich der Autor die Sache nicht, Zn Zusammen,;»Hungen, in kleinen Umbiegungen des ursprüngliche» Ausdruckes offenbart sich der geübte Schulmann; oft ist diese sclavische Wörtlichkeit eine Klippe, an der Schüler und Lehrer Anstoß n.hinen, Unter der Leitung dieses geschickten Führers vermeiden wir sie fast überall. Wir hoffen sonach, daß dieses neue Buch recht viel alte überflüssig ninch.n wird, 2. Pie hebräischen Ileversetznngen von ״Nathan der Weise" und ״Olhelto," Unter den Aphorismen Lichtenberg'ü, des geistvollen Gelehrten und Schriftstellers aus dem 18. Zahrh., findet sich der Wunsch, seine Schriften mögen in die Sprache des Allen Testaments, in die hebräische, übertragen werden. Zn dieser Aeußerung liegt ein bezeichnender Ausdruck für den Nerz, welchen ein inodernes Literatnrerzeugnid in hebräischer Hülle zu üben vermag. Selbst Lichteuberg, der Loch jene gewünschte Üebertragung nicht einmat Hütte resen können, fühlte sich von der Borstellung angenehm berührt und gehoben, baß seine Gedanken durch das biblische Lprachgewanv verklärt »no gewissermaßen geheiligt würden. Wie groß muß dieser Reiz erst für Solche sei», denen die hebr. Sprache nicht zu de» todte» gehört, die ohne Mühe ihr Denken und Empfinde» in die Ausvrucksjorincn der Propheten uno Psatmisten zurückversetzen können. Die Zahl dieser wir» freilich mit jedem Tage kleiner. Aber auch die westliche Hälfte Europas zählt noch eine beträchtliche Anzahl von Ken- > nern und Verehrern des Hcbrüismus, und im Osten lebe» Tausende von stredsame» Staiiunesgenoffen. Venen durch hebräische Uebersehungen uwdernee Llleraturwerk« Handhaben zur geistigen Erhebung uno Läuterung des Geschmackes geboten werde». Für diese zahlreichen Biioungsbedürstigen, denen Hebräisch dre Muttersprache des Geistes ist, ist solch eine Uebersetzrcng ernes würdigen Originals «ine Äohlthat in> edelsten Sinne de» Wortes, währen» der Kenner, weliyei» oas Original auch ohne Tot- «—sch zugänglich ist, in der Sprachgeivandtheii des liebersetzees, in der überraschenden Wiedergabe eine» weilen, fremden Gedanlenstoffes dnrch j öw'm Grunde jo eng begrenzte Ansoruüsweise der Bibel eine eigenarirge Quelle anregenden geistigen Genusses findet. Bon beiden Serien betrachtet, muß daher ein so schwieriges Unternehmen, wie die hebr. Uedersetzung eines Shakespeare'schen Drama'» ist, willkommen geheißen und, wenn gelungen, freudig begrüßt werden. Und geluitge» darf man dle un» jüngst gebotene hebr. Ueberf. des Othello') 1111 große» Ganzen n>ol)l nennen. Wir begegnen in ihr derselben geübten Kraft, welche vor einigen Jahren Mcllon's ״verlorenes Paradies" in hebräischen Blankver>en veröffentlicht haz. Störte aber in oiesein der Widerspruch zwischen dem hebräischen Äcwaiide und oe», oft rein christlich-dogmatischen Zn- ') איתיאל übers, von I. E. S. mit Einleitung von P. SinolenSly, Wim 1874. XXVI u. 200 S- 8°. halte, so kann man im kebr. Othello ohne Unbehagen di« meisterhafte Berdolinetschiing der rein inenschlichen Einpfindungen und Leidmschaftm beivundern, welche der britische Dichter seinen Personm in den Mund legt. Die Ueberf. ist stets bemüht, den Gedankeninhalt des Originals vollständig wiederzugeben, und zwar mit den einfachsten Mitteln, ohne mehr als nölhig die Phraseologie des Musivstyls anzuwmden. Doch erkennt ma» überall, daß der Ucbcrj. das gejammte Sprachgebiet beherrscht und auch den später» Hcbräismus mit Maß zu benutzen versteht. Z B. S. 97 ״> מגלה טפח ומכסה טפחיםsieht »>,!> weiß weit mehr, als er enthüllt"). Weniger zu billigen ist. wenn Othello sterbend von sich jagt:.-,,?׳שלחתי יד בנפשי והגג׳ מה כגיס׳ weil dies zwar witzig und genau bas ״Mich setber tövrcnd sterb' ich so am Kuß" wiedeegiebt, »der doch eine störende Rcbenvorstellung von dem ״Tod durch Kuß" erweckt. Gut ist S. 111 das Wortspiel lies—lies (deutsch liegt— lügt) durch מגור und מגור nachgeahmt. Unnatürlich ist die Anwendung des Ausdr. ״ שלחו ערוךn äinn von ״Codex״ (s. 84): ושלחנו כש״ע מלא מוסר ותוכחה Inhaltslose Spielerei ״Hellespont״ mit אילת פונט z״ übersetzen (2. l09). כפתור steht S 2 für ChpruS, während es Lreta beoentel. Cypern heißt i» der Bibel אי) כתים)• — Chmakterwibrig ist (2. 2) den! bösen Zag» ocr fromme Ausruf in den Mund gelegt:׳הבט משמים כי לישועתך קרתי offenbar nur als Berssüller statt des kurzen Kernworts ״Gott bessces" (Go<l bless themaik) V —Sonderbar läßt der Ueberf. in Akt 3, Scene 4 sZ. 118) den Cafs'io den Vorsatz ansspreche», Münch zu werden שחורים ואלבש אצא ואבקש אחת הכהנות במקום אשר אמצא während er bei Shakesp. nur ״ans einer neuen Lebensbahn des Glücks Almosen suchen" will. — S, 94 fehlt die Sentenz: Nein, Einmal zweifeln macht mit Eins entschloffen; ebenso S. 106 die Uebcrs. des Satzes: Ihr Name, einst so hell wie Dirnens Antlitz, ist nun wüst uild schwarz wie mein Gesicht. Während sonst in der Regel der peäcijen und schlagenden Ausdrucksart des Originals auch im Hebr Rechnung getragen wirb, wird znweilen durch Eriveiterung die Präcision und auch der eigentliche Sinn gestört. Doch >st dies nur selten der Fall, und macht diese Uebersetznng un Allgemeuien sowohl bei der Leklüre als bei der Bergleichung dm Eindruck der Befriedigung. (Schluß folgt.) Bücherjchau. 1. Koff, Dr. H , Rabbiner und Reiigivnsiehrer in Prohnitz. Bibiische Geschichte für die Oberclasjen der isr. Volksschulen. Zweiter Theil. Wien, Alfred Holder, 1875. Preis 50 Kr. (1 Mark). ES ist gerade ein Zahl, daß wir den ersten für die Mittelklaffen bestimmten Theil dieser recht tresstich für die Volksschulen bearbeiteten bidl. Geschichte eingehend besprochen (siehe Ltbl. Nr. l4 v. Z.), und wir freuen uns, im zweiten Theil Len Abschluß derselben vor uns liegen zu Hasen. Derselbe beginnt mit ber Einführung des Königthucns und reicht bis zur Zerstörung des zweiten Tempels durch TituS und die Zerstreuung der Zsraetiten über die ganze Erve. Wenn im ersten Theil ein mehr dem kindlich.n Gemüthe zusagender Ton angeschlagen war, so ist im ziveiten Theile die dem behandelnden Geschichtsstoff sowohl, wie der höheren Geistesreise der Schüler der Oberklasjen entsprechende Erzühlungsweis« vom Vers, gut getroffen worden. Der Sto! ist in nicht zu langm Kapiteln klar und übrrsichtlich geordnet, nichts Wesentliches übergangen: die Königszcit (nach der Theilung des Neiches), die in den meisten Schulbüchern durch Aufzählung zu vieler Einzelheiten oft verivirrend auf das Geoachlniß des Schülers ivirkt, ist hier ebenfalls unter Hervorhebung deS Wesinttichiten ent- und ansprechend behandelt. Daß der Vers, nicht bei dtil Erzählungen der Bibel stehen geblieben ist, sondern i» zivei Schlußkapiteln die Mackabäerzeit (bis Simon) und die darauf folgenden Haupt- Momente der jüv. Geschichte bis zur hereinbr chenven Katastrophe unter Titus in prägnanter Weise erzählt, ist für Lehrer und Schüler eine willkommene Zugabe, Bei einer zweiten Auflage, die wir dem nicht nur für Bolksfchiilen, sondern wegen der darin beobachteten decenten Erzählungswcife ganz besonder» auch lür Töchterschulen «mpsehlmswerthm Buche rcchtbald wünschen, würden wir den! Veri. empfehlen, vor Abschluß der biblischen Zeit in einein besondern Kapitel di. Propheten in Zsrael zusammenfaffend zu dehandel», dann läme auch sie Erzählung im Büchlein Zona zur »eitung: ebenso verdient ״Hiob" ein besonderes Kapitel. Tie Zahtenangabe s nach der übl. Zeitrechnung ivird der Vers, wa rschcintich in der in Aussicht gestellten Beigabe (״Handbuch mit bistorisch-geographischen und religiüs -moralischen Andeutungen u. s. w.") berücksichtigen. — Die Ausstartung läßt nichts zu ivünschen. 2. Pavid, Dr. Aulius. Aeligionsdispulalionen im IKittelalter. Populär-wisseitichasllicher Vortrag. Wieil 1874, Brüder Wiilter. Obwohl Las vom Verfasser behandelte Thema kein neues ist, — so hat Frankel im 4. Zahrg. seiner Monatsschrift niehrere Artikel ״zur Geschichte der jüd, Neligioiisgespräche" geschrieben, die mittelalterlichen Neligionsdisputationen hat Grätz in seiner ״Geschichte der Judm" ringeheild behandelt, auch in dies. Bl. (Zahrg. 1873, Nr. 1, 2, 4) ist Man- I ches darüber gebracht worden - - und sonach das reluta rvWru (im ״Vor-