Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 14. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JiihW MrMrbliitt. Zur ßklk.ichtunq allcr Iudrntl!um u Iudrn dktrrffcndrn litmuifdirn Srsckrinunqkn ituf brm (Rtbittt btrPhilotopbit,(^- schichte.Eli>n<>Nrapt>ie,L hrotogik, Öritntalia, (frtfltff, tjamilttik, Citurgik, Pädagogik Herausgegeben von Rabbiner Dt. M. )lahmer in Magdeburg. üüchkr drr rinschiägigrn eiltratur, wrichk dkr Nkd drs ״Jüd. ttitcraturdtott" in Magdeburg sodrr der ״Aoraei. Mocheuschr.'' in Stettin) lugesandt werden, tiiide» in diesem Blatte eingehende Besprechung. Nr. 14. Erscheint l—2,»al monatlich. Preis pro Jahrgang I Tftlr. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrist" gratis. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 3. Jahrgang. Die Höllenfahrt der Jstar in der talinudifche» Saqe Eine vergleichende Studie Bon Atabbinee T. Oppenheim. Vor Kurzem entzifferte und veröffentlichte Pros. V1-. E. Schräder aus der sogenannten ״Bibliothek Sardanapals" ein inlereijanies Bruchstück: ״Die Höllenfahrt der Istar," ein babylonisches Epos wodurch merkwürdigerweise eine talinudische, höchst kraus und kurios ericheinlnde Sage beleuchtet und erklärt wird. Diese Sage, welche den Commentatorc» so viel Kopfzerbrechen verursachle, ist, wie die gelehrten Forschungen Schräders klar darthun, aus assyrisch-babylonischem Boden entstanden und wurde natürlich im Geiste des jüdischen Volkes modifizin und unigcstaltet. — Wir wollen darum, um gleich in inedias res zu kommen, den Inhalt des erwähnten babylonischen Epos: die Höllensahrt der Ißar. nach einem vom Pros. S. Spiegel im ״Ausland" Ar. 27 mitgetheillen Auszuge geben, um dann die!alm. Sage bamit besser vergleichen zu können. Das Epos, heiß es daselbst, behandelt nämlich den Besuch der Göttin Ißar, Venus, der Tochter des Sin, Mond, in der Unterwell, ״dem Lande ohne Heiiukehr", wie dieselbe passend genanill wird. Es in wohl nicht eiuzusehen, was die Göttin bewegt, in die Unterwelt cinzudriiigen, säst scheint cs, als ob mir in dem Unternehnien einen sträflichen Uebernluth sehen sollen. Als die Göttin an dem Thore der Unterwelt ankommt, wendet sle sich an die Wächter der Psorle: ״Oeffne deine Psorle, 10 I.errsch! sie ihm zu, denn traun! einlretcn will ich! Wenn du nicht öffnen die Psorle, und ich nicht kann einlreien, so zertrümmere ich die Psorle, zerbreche die Riegel, zertrümmere die Schwelle, zerichlage die Thore, will ausregen die Todien, die verzehren die Lebendigen, mehr der Lebenden soll werden der Todten." Der Wächter der Unterwelt wagt aus eigene Veranstaltung die (Göttin weder einzulaisen noch adzurusen, er bittet sie, zu warten, bis er bei seiner Gebieterin, der Fürstin der Unterwelt, Verhaltungsbesehle cingeholt Hai. Die Fürstin ergriinmr über das Benehmen der Ißar und de fiehlt, sic einzulassen, dann ai er mit ihr zu verfahren, wie mit den Frauen, welche ihre Galten verlasse», und mit andern Sündern. Als nun Ißar das erste Thor der Unterwelt besrilt, da nimm! ihr der Wächter die Krone vom Haupte denn so hielt es die Fürstin der Unterwelt mit allen ihren Beiucher»; beiin zweiten Thore verlor sie die Ohrringe, beim dritten das Halsgeichmcide und so fort, bis sie bei dein siebenten und leg s tcn Thore volltomincn nackt daßand und nun die ihr von der > Göttin der Unterwelt zugemessene Strafe wie die andern Seha! J tcn verbüßen mußte. Als nun Ißar längere Z,eil hindurch > in der Unterwelt verweilte, da wurde sie und ihre Tliätigleil s im Himmel vermißt, denn die Angelegenheiten der Well gingen ' nicht in gewohnter Ordnung vor sich: ״Die Kuh befruchtete nicht der Stier, die Eselin besprang nicht der Esel, mit der Sclaviu in Liebe vereinigte sich nicht der Herr," mit andern Worten: es mar Gefahr vorhanden, daß die lebenden Wesen aussterbe» würden. Man werde, beschloß man im Himmel, sie zurückfordern. Ein eigener Bote wurde zu diesem Zwecke geschaffen, welcher der Fürslin der Unterwelt den ׳Beschluß der Götter mitzutheilen hatte. Ißar wurde also mit Waffer des Lebens besprengt und erhielt an jedem Thore die Kleidungsstücke wieder, welche ihr früher abgenominen worden waren und darauf kehrte sie in den Himmel zurück In einer talni. Sache tritt uns zum Tlieil dasselbe Thema entgegen, indem dieselbe erzählt, daß einst der Versuch gemacht wurde, um das Laster zu bekämpfen, die Göttin der Liebe oder eigentlich, da die heidnische» Götter für Dämonen hielten, den Dänion der Liebe gefangen zu nehmen. Kaum aber wurde der Dämon der Liebe gefangen, so stellten sich bald die Folgen ein; den nach drei Tagen silchte nian in! ganzen Lande ergebenS nach einem frisch gelegten Ei. ES hörte mit einem Male die Fortpflanzung der Wesen und Ereatnren aus und inan mußte den Dämon der Liebe wieder in Freiheit setzen. Schon aus diesem kurzen Inhalte läßt sich die Aehnlichkeit beider Anschauungen Nachweisen; aber um so schlagender läßt sich dies bcurttzeilen, wenn man damit den Bericht des Talmuds vergleich'. Als die Männer der großen Synagoge, heißt es Ioma litt, l>; Synhedrin (><), a, nach Wiederherstellung des zweiten Tempels dem jungen Reiche neues Leben cinzuhauchen sich bemühetcn, war es ihre erste Sorge den fast unwiederstehlicheit Trieb zum Götzendienste, welcher bisher das Volk beherrscht, wo möglich ganz auszurotleu. Da man alle Triebe personisizirlc und dieselben als böse Geißer und Dämonen betrachtete: 10 suchte inan eben diese bösen Geister und Dämonen zu bannen, damit sie unschädlich werden. Sie beteten und schrieen zum Ewigen mit lauter Stimme: Mel,ein.!״ 1 4 ,יWehe! wehe! noch immer herrscht der böse Geiß und Hang zuin Heidenthnm, der den Tempel zerßört, das Land verwüstet und alles llnheil angerich er, in unserer Mitte. Du haß o, Gott! den Trieb und Hang zur Sünde dein Menschen gegeben, damit er ihn bezwinge und beherrsche und dauir reichen Lolin einernte. Wir wollen iveder den geiährlichen Hang und Trieb zur Sünde noch den verheißenen Lohn für die Besiegung desselben." Da sahen plötzlich die srominen Beier die Gestalt eines feurigen Löwen aus dem Allerheiligßen entialiren und ein Prophet rief demselben zu: Vas iß die Bosheit! o. h. der Dämon der Süilde des Götzendienstes, llnd er wars ne zilrück in das Epha, und warf den Bleißcin aus dessen Mündung. (Zachar.'׳, H.) Erinniliigl durch diese Erscheinung und dilrch den glücklichen Erfolg, den Dämon des Gövkndien,ies iür immer gebannt zu haben, lagicn nun die Männer der großen Synagoge: Lasset