Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 13. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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angenehmes von Glaubensgenossen erfahren, so werden wir mit Unrecht freilich, aber dennoch leicht an unseren Vorstellungen über ihre Vortrefflichkeit irre und werden ungerecht gegen den eigenen Bruder. Darum ist es gut, wenn wir von Fremden das versichern hören, was längst unter uns beobachtet und ausgesprochen worden und von Unbefangenen, d. h nicht von vornherein von Liebe für uns Bestochenen und Geblendeten bestätigt seh n, was die Borfahren selbstständig gefunden, ivas uns aber als aus uns selber stanimend verdächtig war und zweifelhaft Es ist darum nicht der übelbeleumundete Fehler, dag wir nur frage», was wohl die Fremdeil sagen, die Veranlassung, baß wir uns freuen über günstige Stimmen und Urtheile aus nickt-jüdiichem Kreise und sorgfältig auf sie hören und achten, sondern vornehmlich die Erwägung, daß erst dann, wenn auch Fremde nnabhägig und unbefangen unser Lob verkünden, das unsere Ahnen uns bcreils zugeschrieben, dieses Lob als ein verdientes, zweifelfreies könne angesehen und in Anspruch genommen werden. Aber auch nach außen. Und bierin liegt ganz besonders der große Werth solcher Arußernngen und unsere Pflicht, sie zu beachten und zu sammeln. Gegenüber all den Entstell»»- gen und Verzerrungen, in denen auch heute noch jüdische Dinge in der Öffentlichkeit behandelt werden, thnt es gut, auf die Urtheile und ehrlichen Kundgebungen vorurtheilsfreier Zeugen sich zu berufen, die für nnS von Um so größerer Bcdeutuug sind, als auch der Gegner die Kraft ihrer Aussage durch keinerlei Anfechtung oder Verdächtigung abzuschwächen vermag. Jener Bileam, der ausging zu fluchen und ob des Anblicks von Allisrael segnen mußte, ist für die Urtheile vorbildlich geworden, die aus fremdem Lager über uns zu unseren Gunsten gefällt werden. Die sie fällten, sind nicht minder wie der heidnische Prophet zu fluchen ansgegangen, wenigstens können >vir sie nicht von vornherein einer Schwäche und liebevollen Befangenheit für uns und unsere Sache verdächtigen, aber auch ihnen hat die Wucht und Größe von Israels wahrer Bedeutung sich in solchem Grade entgegengedrängt, daß sie mit dem Vorurtheil brachen und der Wahrheit die Ehre zu geben sich geuölhigt sahen. Die Fremden, die uns preisen, haben sicherlich erst geprüst und lange beobachtet, ehe sie zuni öffentlichen Lobe sich anschickte» und darum fällt ihr Zcugniß so gewichtig in die Wagschale, darum haben wir ein Recht, allen Angriffen und Verlästerungen gegenüber immer anj's Neue mit Nachdruck auf sie hinzuweisen, weil sie gleichsam von der Ueberzeugungskrast der Wahrheit mählig abgenöthigt auf Prüfung und genauem, sorgfältigen Urtheil beruhen. In diesem Sinne inöchte wohl unter anderen in der jüngsten Zeit laut gewordene» das Judenthum verherrlichenden Acußerungen von nichtjüdischer Seite auch die Schrift des katholischen Priesters, Pater Georg Prutek zu Teschen im österreichischen Schlesien, aufzunehnlen sein ״Dem bochehrwürdigen Herrn, Simon Friedmann, Kreis-Rabbiner von Teschen aus Hochachtung gewidmet vom Verfaffer", lautet bezeichnend die Widmung des in der Ueberschrist genannteil Buches Pater Pruteks. Der hochsinnige Mann, der als ein Wohllhäler seiner Heimath geachtet und geliebt mit Recht als ״Pater Prutek" im Schiesicrland bekannt ist, hat den Ersahrungsschatz, den geistigen Niederschlag seines Lebens, die Grundsätze, von denen er sich leiten ließ zur eigenen Wohlfahrt und sogar Wohlhabenheit, wie zur Liebe und Verehrung unter den Mensche», in dem Büchlein niedergelegt, das er feinsinnig eiucin Rabbiner hat zugeeignet. Wie lein Leben eme fortgesetzte Wohlthat für die Gegend ist. in der er sich niedergelassen, ivie er in hochherzigen Thateu und milden Stiftungeu den Bedürftigen ahne Unterschied des Bekenntniffes seinen Erwerb, seine Habe austheilt, so ist er nnnmehr auch als ein geistiger Wohlthäter ausgetreten, um von dem Geiste der Liebe und Versöhnlichkeit, der in ihm ist, zu spenden denen, die belhört und besangen, Menschen um des Glaubens willen hassen. Wre sein Beispiel ancifernd und segensreich gewirkt hat und noch wirkt, so wird sein Wort und seine Mahnung jetzt hinaukzichen, die Gemüther zu sänftigen und zur Duldung und Milde zu erziehen. Worte, wie sein ״Bermächlniß an die Lehrer" sie enthält, sind eine segensreiche That.*) Prutek ist ein freisinniger Mann, der bereits für seine Ucberzeugnng Opfer gebracht hat, er ist ein gemaßregelter Priester, der den Schäden des Katholizismus erbarniungslos zu Leibe geht ,-nd unnachsichtig die Wunden der heutigen Kirche bloslegt. Aber das macht seine Zeugenschast für uns nicht schwächer, denn er ist ein glühender Christ, ein eifriger Priester, der mit den Vorurtheilen seines Standes kämpfen und ringen mußte, der seine Ueberzeugungen und Urtheile nicht leichtfertig geändert, sondern erarbeitet und errungen hat. Er will, wie er selber betheuert, keine ne!le Religion cinführen, er will blos in die katholische Kirche ״de» Geist der Milde, Liebe und Wahrheit zurückführen," er sieht im Christenthum die höchste, die allgemeine Religion, ja, ihm gehören ״alle guten Menschen, ungeachtet der Verschiedenheit ihrer Confessionen, in die Eine christliche Kirche," er betrachtet die Confessionen wie Die Armeezweige: Infanter c, Cavallerie, Artillerie u. s. w., die verschiedenen Waffen, Exercilien, d. i. Eeremonien haben, alle aber ״zu derselben Armee Christi" gehöre,» Für uns ist demnach Prutek als katholischer Priester ei» Zeuge, deffen Aussage nicht rechtlich angefochten werde» kann, einer mehr in der stolzen Reihe derjenigen, in welche» die Kraft der Wahrheit lebendig war und sie umgeschaffen hat zu ihren Zeugen auf Erden. Das Werk ves Einzelnen, selbst we,»n es gelingt, bleibt immer Stückwerk, mlr im Zusammenschluß der Kräfte liegt der Sieg, liegtder Erfolg. Ob Pruteks edles ״Vermächtniß" wirken wird? Sicherlich! Sicherlich! Als fruchtreiches Samenkorn wird es treiben auf dem Herzensgründe gar Vieler, die durch sein Wirken und Beispiel für sein Wort sind einpsänglich geworden. Aber selbst, wenn es wirkte, die höchste Kraft in seinem Kreise bethätigte, es wäre immer nur ein verschwindender Brnchtheil in der Lösung jener unermeßlichen Aufgabe, die Herrschaft der Duldsamkeit und Versöhnlichkeit auszurichten auf der Erde. Aber ein edles triebkräftiges Beispiel ist in diesem seinem niannesniuthigeu Vorgehen eingesenkt, das zur Nacheiferung reizen wird uiid reizen »löge. Auf Noiu's Gewissen lastet erdrückend schwere Blutschuld, seine Priester, die Liebe hätten verbreiten sollen, haben Glaubenshaß und Zwietracht ausgesäet unter den Mensche», die Saat ist in die Halme geschaffen und gedüngt wurde die Erde von jüdischem Blute, vom Blute der um des Glaubens willen Getretenen und Erschlagenen. Wenn die Seufzer und das Klagegcstöhn und das Todesröcheln der von Roms Schergen gedrückten Juden sich sammelte, es würde zu einem Sturme anwachje», der die Grundfesten des stolzen Baues würde schütter» und brechen machen und das Blut der Erschlagenen, wenn es zusammenflöffe, bräche herein mit einem Andrang, daß die Kirche davor zusammenknicken müßte. Es kommen die Tage der Ahndung, es kommen die Tage der Vergeltung Rom's Aufgäbe ist noch nicht erfüllt, es könnte sein Dasein länger fristen, wenn es sie wahrzunehmen verstünde. Wer aufgewiegelt hat, muß abwiegeln, nur wer die Geister zu entfeffeln vermochte, kann sie wieder bändigen. An Roni ist's, die Vorurtheile, die bliltigen, die giftigen, die es ausgesäet, wieder auszurcuten, den Haß, zu dem es die Gemüther angeschürt, zu dämpfen und zu ichwichtigcn und wie es einstmals seine Schergen ausgeschickt ha», die Menschen zu verhetzen und Unschuldige zu knechten und zu morden, nunmehr endlich Priester zu erziehen, die der Welt den von Nom geraubten Frieden wiedergeben, den von Nom gezeugten Glaubenshaß verschwinden machen. Noch ist cs mächtig, möchte es dahin seine Macht wenden, ehe das Rad der Zeit zermalmend über es dahinfährt. Prutek aber, Pater in Wahrheit, mag in dem Bewußtsein sich belohnt fühlen, die Aufgdbe mahrgenommen zu haben, die noch in unseren Tagen des römischen Priesters harrt. D—d K—nn. *) Wir haben den betr. Passus bereits in der ״Wochenschrift" sNr. 11 unter ״Magdeburg) gebracht und wollen ihn deshalb hier nicht nochmals wiederholen. Red.)