Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 11. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5367336-5990814-5990931--0371-5367457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
43 Das Werk Api Rabrabc, welches S. Schotten aufgelegt und die gleichfalls obsignirten Werke Matte Ahron und Bigde Ahron wurden vom Dollmetscher Lotarius Fried außer Anklage gesetzt und den Verlegern ausgeliefert. Der Dollmetscher hat fein Attestat d. d. 20. April 1728 in hebräischer Schrift unterzeichnet. Hatte die Gemeinde als solche mit der Anklage nichts mehr zu schaffen, so stand sie doch den Verlegern hilfreich zur Seite und scheute weder Mühe noch Kosten, um nur vorläufig zu erwirken, daß ein günstiger Bericht nach Wien abgehe. Ueber das, was hierüber hinter den Coulissen verhandelt wurde, geben uns die Privalbriefe interessante Aufschlüsse. Am 15. Ab 1727 schrieb der Baumeister Leser Trum an Jacob und Koppel in Fürth, welche wünschten, daß er selbst dorthin reife» müffe: ״wir können nicht einseheu, was dies bezwecken soll, besonders da aus Eueren Briefen hervorgeht, daß nur mit dem kleinen Sochar (de Chaux) zu traktiren ei, was uns auch ganz recht ist; denn mit dem großen idem Reichsfiskal) laffen wir uns nicht gern ein. Mit dem Kleinen zu verhaudein, ist aber so viel embrage gar nicht nöthig, indem er schon von Euerer Waare gekauft hat und Euch der Weg gebahnt ist. Wir geben Euch daher Vollmacht mit dem kleinen Kaufmann zu traktiren, wenn die Waare auch 100 Ellen*) halten sollte, um die Stube ganz rein zu machen. Ihr werdet schon wiffen ab- und zuzugeben, aber alles nachdem Ihr gesichert seid, daß seine Kuntresim (Berichte) nach unserem Perlangen gerichtet fiild und solches werden wir durch seinen Eollegen in Wetzlar (den Reichsfiskal) in wenigen Tagen erfahren. Und weil» der kleine Kaufmann zu den Bambergern gesagt hat, es hänge alles von ihm alleine ab und er könnte allein seinen Bericht machen, so ist dies nicht wahr, er allein kann nicht berichten. — Nun erhaltet Ihr anbei 3 Memoiren, von drei Verlegern an die Bücher-Kommission gerichtet, die Ihr nach abgeschloffenem Handel dem Commiffarius übergeben sollt, wenn Ihr die Versicherung habet, daß er nach beifolgender Instruction berichten will, sollte aber solches nicht zu erlangen sein, so haltet die Niemoiren zurück. Und da die Bamberger Briefe lauten, daß der kleine Kaufmann uns an Händen gehen wolle, wie die Memoiren abgefaßt werden sollten, so könne es nicht nachthellig sein, wenn man sie zurückhalte. Die Instruktion lautet folgendermaßen: Vor Allem soll der bewußte Kaufmann sein Commiffariat nicht weiter extendiren als auf dasjenige, welches ihm spezialiier besohlen, nämlich: Talmud und die dicke Teftllah «von Epstein) aber nicht auf die Lelichoth und andere Bücher, viel weniger auf solche, die nicht hier gedruckt sind. Nun hat er dort eine Selicha mit vielen angemerkten graveminis (!) betont: mm, die an sich ganz ungegründct find, da solche größtentheils aus Eisenmengers Werk entnommen sind, und dies auch in der Uebersetzung bemerkt ist — welches Werk, laut Memorial von M. Epstein, längst conftszirt ist — so wäre das?estc, wenn er gar nichts davon erwähne und nicht darüber berichte, in diesem Falle wäre auch das Epsteinische Memorial gar nicht zu übergeben. Sollte es aber nicht zu erlangen sein, daß er von den Sclichoth abstehe, so solle er in seinem Berichte Hauptsächlich ■ bemerken, daß die hebräischen Ausdrücke vieldeutig seien und mithin auf die erwähnte Uebersetzung Eisenmengers gar nicht zu refiektiren sei. Was die Arlsgabe des Talniuds betrifft, so sind die gerechten Motive aus beifolgendem Memorial zu entnehmen, mithin zu berichten wäre, daß auf dem Titelblatt die Titel Sar und Nagid und ähnliche Glorificationen nur als Carmina anzufehen wäre. Die Spatii wären absichtlich, wie es von den Christen selbst geschehen, gelassen worden und im übrigen wäre diese Edition der Gottschalk'schen gleich, die doch durch Geistlichc censirt worden sei. Schließlich und hauptsächlich, wenn gegen Bermuthen in allen obsignirten Büchern etwa Zweideutiges gefunden werden sollte, so olle man die Arbeit der Eom- ) In allen Verhandlungen dieser Art ist unter ״Ellen" und ״Ellen Band" die Geldmün-e Carolin zu verstehen. Mission kurz abschneide» und uns nur aufgelegt werden, künftighin solche termiui nicht mehr zu gebrauchen; — von den vorräthigen Exemplaren aber, wie der Denunciant in Wien selbst zum Theil angetragen, die verdächtigten Blätter herauszunehmen und sie durch andere neu zu druckende zu ersetzen, womit der kaiserliche Wille erfüllt und die unschuldigen Interesienten nicht vollständig ruinirt werden. Nachdem die Füriher darauf bestanden, daß die Bauineister Einen dorthin deputiren mußten, so zeigte ihnen Leser Truin p. Estafette an, daß Moses Kann Montag in Geibach eintreffen werde, wo sich auch sicherer Nachricht zufolge der Churfürsl aufhalle. Sie sollten sofort hiervon M. Bamberg in Kenniniß setzen, um daß sie mit ihm dort zeitlich eintreffen. M. B. sollte sich aitch erkundigen, ob cke 6kaux in Geibach oder in Bamberg sei; wäre letzteres der Fall, so müßte derselbe ihn bewegen, nach Geibach zu kommen und feine Waare mitzubringen. Die Verhandlungen mit cke Okaux sind dort theilweise günstig zu Ende gebracht worden und der Berichterstatter glaubt, daß bei der nächsten Conferenz in der Meffe zwischen de CH. und dem Reichssiskal vieles zu erlaitgen sei, doch nur insoweit, daß die Confiscirung nicht auf alle Gebetbücher, Thillim und Chainaschim ausgedehnt werde (was auch nicht geschehen ist). Eine sofortige Aushebung der Confiskation könne aber nicht erreicht werden. ״Haltet nur fest aus die Selichoth" empfiehlt der Briefschreiber. Es wäre nützlich eine deutsche Erklärung zu der Selicha vom 2. Tag (?) hier zu haben, es würde ein der hebr. Sprache Kundiger uns hier günstig zur Seite stehen (Es scheint, daß cke 6>,aux von der Confiskation derselben abgestanden sei, da hierüber nichts vorliegt). Der Briefschreider spricht auch von einem boshaften Lied, das in Augsburg von einem Bänkelsänger gesungen wurde, wodurch die dortigen Juden viel erdulden mußten, bis endlich der Sänger arretirt und die Lieder ihm abgenommen wurden. — Derselbe ermahnt auch die Baumeister sehr dringlich die Colportirung der Kinoth aus Deutsch nicht zu gestatten, solche müßten vielmehr beseitigt werden (genisa), worüber Salmon Apotrot und Koppel Hecht das Weitere referiren weroen. Diese seien auch in allgemeinen Angelegenheiten zu gebrauchen, und er empfiehlt daher den Baunleistern dieselben zu salariren. Nachdem die Büchercommission ihren Bericht eingesandet hatte, war ihre Thätigkeit zu Ende und der günstige Ausgang lag nun in den Händen des Wiener Hosgerichts. Die dortigen Hoffaktoren Wertheim, Oppenheim, Jafa und A. tratcn nunmehr in den Kreis der Agenten, die jede spezielle Anklage gegen Juden und Judenthum wie eine allgemeine auch sie betreffende Sache betrachteten. Daß auch dort der Rechtssinn durch Geldesglanz erhellt werden mußte, kann keineswegs den Juden zum Vorwurf gemacht werden, die nicht uni das Recht zu beugen, sondern nur um Recht gegen fanatische Gehäßigkeit zu erhalten, Geld und Mühen nicht sparen durften (S. Rechtsdes. von Bacharach Nr. 136). Und noch jetzt hat die Frankfurter Gemeinde fast ein Capital von einer halben Million Gulden zu verzinsen, welche Summe einzig und allein, um Recht zu erhalten, die vielen Prozeßen in 2—3 Jahrhmlderten verschlungen haben. (Schluß folgt.) Literaturbericht. Receuslonell. Publications of tlie ,,Society of Hebrew Literature.“ Erster Jahrgang 1873 Lonoon, Trübiier. *) z,n prächtiger Ausstattung liegen drei Bände vor uns. Alle« ist an ihnen englisch: Druck, Papier, Einband, natürlich auch die Sprach«) aber auch — die Höhe des Jahresbeitrags für Abonnenten (1 < Hunte, und die Auswahl der Pudlicationen. Diese bestehen säinmtlich in Uebersetzungen, es iü in ihnen, abgesehen von einigen weiter w erwähnenden Einleitungen und Anmerkungen, nicht« Originales. Mir tadeln diedurchaus nicht. Da die iSesellschast den Plan verfolgt, .,dem englischen Publikum dir Schätze der jüd. Literatur zugänglich zu machen," und da- *) L>e 1iv.i vereitS vor säst einem Zahre avisirten Schriften sind un« nach langen Irrfahrten erst dieser Tage jugczangcn.