Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 11. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 bei ebensowohl die alte und ältere, wie die moderne Literatur im Auge hat, so ist sie auf iiebersetzungen hingewicsen Niemand w.rv außerdem bezweifeln, daß die U>!Zersetzung eines gediegenen Wertes oder Aufsatzes weit werthvoller ist, als ein schlechtes oder mittelmäßiges Original׳ Opus. Die Auswahl ist jedoch wiederum von englischen Gesichtspunkten geleitet Man weih, welche Rolle ,n England die Controversen mit den Missionären oder — um dem Belichter keine unverdiente eechre za erweise« — die Differenzpunkle zwischen jüdischer und christtlcher (orthodoxen) Bibeluuslegung spielen. Inder,i wir nun die pubtiririen Werte resp. Abhandlungen u. s. 10. anjühren, wird dem Leser von selbst klar werden, inwiefern diese Rücksicht bei der Auswahl inehrerer stücke maßgebend gewesen ist. Der erste Band ist betitelt Miscellaiiy of Hebr. Liter, und enthält nach einem ganz kurzen ii» Namen des leitenden Comite durch Sir David Lalomons erstatteten Bericht über die Entstehungsgeschichte der Gesellschaft, folgende Stücke: ח Der Minister R. Samuel v\bu Nagrela, von lürätz, aus dem Wiener Jahrb. .'>620. 2) Der ״Biur" u Genesis Cap. II. mit einer Centeil. über die Biuristen re. uns mit erläuternden Ancrtennungcn von Dr. Benisch 3) Mujari I, 4—12. Ara bischer Text und Uebers. von Neubauer. (Es ist die Explication über Chrislenlhum uns Islam durch die beiderseitigen Theologen, ivelchc den Bönig nicht befriedigt und lhn veranlaßl, nun doch einen Juden zu fragen.) 4) Chisdai S. Jsaaes, von D. Caffel, Berlin. Jahrb. 501«. 5—6) Der Brief Lhisdais an den Bönig der Ehosarcn und deffen Antwort, nebst Zedner's 'Roten in dessen ״Auswahl re." 7) Die zwei Briese R. Ob. Bertinoro's aus dem Jahrbuch des Instituts rc. 1867. (Üuchner's Jahrb. 1864, welches als Quelle angegeben ist, enthält nur einen 'Rachdruck 8) Zun;, Leiden der Juden im Mittelalter, aus dessen ״Lynag.- Poesie." Mit Einleitung über Zu»z' Schriften von A. Löwy. 9) Brief des Maimonides an Jeh. Jbn Ltbbon (aus Peer havdar) mit 'Roten von I>r. .>?. Adler. lieber die hier veröffentlichten Schriften selbst, welche jedem Literaturienner genügend bekannt sind, haben wir nicht weiter zu r-feriren und gehen zum zweiten Bande über: Commentar Jbn Esra's zu Jesaia, unter Vergleichung von Mserr. übersetzt, mit Einleitung (über I. E.'s Leben und Schriften ) und Anmerkungen von Dr. M. Aricdlünver. Bekanntlich finden sich vorzugsweise bei Jesaia diejenigen messianischeu Stellen, w-lche zwischen Christen und Juden controvers sind und von den Judenbckehrern verwendet werden. Um die silbischen Laien gegen die Angriffe und Argumente der le teren zu wassnen, ist ein guter Commentar zum Jesaias daher im hohen Grad« nützlich, ja nothwendig Aber waruni gibt man den Comment I. E.'S, der ja, bei aller Trefflichkeit, vielfach von den neueren Auslegern, d e auf den Schultern von hundert Vorgängern stehen, ilberhott ist '< Waruni nicht einen neuen, selbstständige Erklärung i Hier zeigt sich uns der Unterschi, d zivischen deutscher und englischer Anschauung. Der Deutsche greift nach dem neuesten Werke, beruft sich auf die neuesten Forschungen, Auslegungen u. j. w. Anders der Average Eiiglishman, (Durchschnitts-Engländer), Jude wie Christ; dieser will, m solchen Dingen zumal, nicht aus Neues sich derufen, sondern aus Autoritäten, je älter desto besser. Von diejeul Gesichtspunkte aas ist die Wahl des Couim. von I. E. die bestmögliche. Der von Raschi enthält zu viel Aga-äsches, Biincht ober gar ׳Abarbanel sind zu weitläufig, andere tönnen gar nicht in Betracht kommen. — lieber die Uebersetzung hab.n wir keine Bemerkung zu »lachen, die zahlreichen Noten Friedländers, welche von Gelehrsamkeit und eingehendstein Studiuni zeugen, macheii jedoch auch das Buch für denjenigen, der zu dem Commentar keine iie Versetzung nöthig hat, sehr werlyvoll, wenngleich ein großer Theil derselben aus Laien berechnet ist. Wir erhalten schon hier zahlreiche Eniendalionm zum Texte des Conlul, nach .׳?ansschr. und Conjeetur, ivelche auch in eineul Index zujaunnengestellt sind, Aber auch gar manche Bemerkung I. E.'s, die in seiner Weise mehr Näthsel als Erklärung bietet, findet in Jr.'s Anuierkung erwünschten Lupcr-Coaimentar. :Lir sühr,n nur ei» Beispiel an: Cap. 32, 5. Im Anfänge befinoet sich ein J»d,x von Stellen, in denen I. E., nach Fr, eine andere L.A. >m Texte des Jes. vor sich gehabt haben müsse. Ovglelch zu dieser Zusammenstellung auf den noch nicht erschienene» Th-ll der Einleitung verwiesen ist, tönnen wir doch n:cht uuihin, einige Beiuerkungen zu machen. Daß I. E. in einigen Stellen anders vocalisirt hat, als es in unsern Ausgaben steht, ist richtig, aber zieuilich irrelevant. Interessant sind jedoch folgende Stellen: 43, 14 hat I. e. offen b a r »,•!,»Ilarliti und 57 5 שדח2ןי ’) (st ש) gelesen — beides findet sich bekaniillich im Miorasch. Bann nicht I. E. von diesen Midraschim, die ihm ״im stopfe uniherglngen," irre geleitet worden sein, sei es, baß er nur einen unpunttirten Text ver sich Halle ooer - gar nicht genau in een Text geblickt lat ׳ B,i der Art, wie I. E. geschrle den hal, unstal, au> Reisen, sporadisch Noten aus'S Papier werfend, wäre das sehr erklärlich. So ha! er 66, 12 ». בבוד gelesen, v. h. erklärt: , ein Flüchtigkeitsfehler, ein laptuiv »ieusoriae, denn an eine Variante im gewöhnliche» Eiune ist gewiß nicht zu dent-n. 42, 23 ,teht im Loinm. יניר st. יא(ק, wahrscheinlich bezieht sich auch die Erklärung auf jenes Wort, u. es ist kein bloßer Copiste »fehler. Auch hier ist an keine Variante zu denken. 43, 1 ist zu 45, 4 angeführt und es steht da אקרא st. ׳קראתי■*) **) dies ,nag dem Copistcn zur Last fallen. 10, 1 . hat I.E.ואת 8רי2יו gelesen, vier ist eine Variante, die sich auch sonst noch findet. Wir können aber Ir. nicht b ipflichten, wenn er meint, daß auch Raschi s״ gelesen habe. Raschi erklärt nur in seiner nichts üb - rs eh enden Weise, daß ja Ver Stock auch sich selbst heben »Nüsse. Band III gibt im Anschluß an den ziveilen eine englische Uebers. des Jesaia nach I. Esra. Es ist die anglikanische Version, nach ,er auch die Juden citiren, an die sie sich überhaupt halten, soweit es angeht, zu Grunde gelegt und die Stellen (durch den Druck kennllich gemacht) verändert, an denen nach I. E. anders übersetzt werden muß. Eine dankcnsioerthc und bequeme Zugabe zum Coinmentar. Hostenüich findet die Gesellschaft Theilnahme und gibt bald einen zweiten Jahrgang heraus. 1. M i s c e U e n. (Schluß aus Nr. 10.) Privilegien der Erben des David Jano, Juden in Modena, für deren Seidenwebereien. 1. Ter ganze Geldwerth der Seide, die in den Händen der Arbeiter sich befindet, ist von jeder Art Steuer, bei ivelcher Gelegenheit auch iininer dieselbe aufgelegt werden mag, crimirt. (Wird bewilligt, tmb hat jo befolgt zu werden, wie bei Anderen, denen die gleiche Bewilligung zugestanden wurde.) 2. Sie und ihre Erben haben das Recht, wofern sie die üblichen Abgaben entrichten, solange die Scioenivebereien im Gange sind, alljährlich nach Modena 150 Pesi Oel zum Verbrauche in den erwähnten Leidenwevereien einzusühren. (Wirb beivilligt, doch nur wahrend des Vollbetriebes der Seiden- Weberei, aber nicht weiter.) 3. Tie Arbeiter und alle ihre Aamilienglieder und die Agenten sind von dem Tragen dcS gewöhnlichen Abzeichens befreit, und sogar die Baufieiite aus anderen Ländern, ivelche zufällig bc denselben i» Modena eintressen oder über nachtn sollten, dürfen, ohne besagtes Abzeichen zu tragen, in ver Stadt sich aushalten. 4. Jeder Arbeiter, der in ihren Seidenwebereien arbeitet, ist von allen Zahlungen uns BriegSdiensten befreit und darf auch nicht zur Zahlung irgend einer Bopssteuer angehalten werben. 3. Es ist ihnen gestattet, an ihrem Hause in Ghetto einen AuSgang anzubringen, der außerhalb des Ghettos mündet, doch unter Beobachtung der ,Formalitäten, welche die anderen Juden zu erhalten haben, denen eine solche Vergünstigung beivilligt ivorden ist. 6. Jeder An ehörige ihrer Familie darf außerhalb des Ghettos über die bestimmte Srunse hinaus herumgehe» uns frei die Nacht daselbst zubringen, um für das Interesse der besä,ten Seidemvebcreien thätig zu sein, und auch sonst, ohne Rücksicht auf irgend welches bestehende Verbot. 7. Sie nebst allen ihren Familiengliedern wie auch ihr« Erben dürfen alle Vorrechte, Erleichterungen und Bewilligungen genießen, welche den Biirgcrn von Moo.na, oen Sleuerpächtern und Genera.pächtern der Allerhöchst Herzoglichen Bauimer eingeräuuit sind. 8. Es ist ihnen huldvolljt gestattet, daü Wappen Lr. Durchlauchtigsten Hoheit über dein Eingänge besagter Seidenwebereien anzubringen. 9. Da wieverholenklich die Seiden,veber, ivelche irgend eine Schuld einzujordern haben, sich »ich. dadurch sicherstellen, daß sie in der Leiden- Weberei verbleiben, daher aus Mangean .Arbeitern manchmal nicht gearbeitet werden kann, so dürfen iveg.n Civil-Schulden keinerlei Exeeutionen in denselben Seidenwebereien vollzogen werden, ohne besonderen ׳Auftrag Sr. Durchlauchtigsten Hoheit. (Es ivird den Meistern und Arbeitern in besagter Seidenweberei ein Echudbries, und zwar ein real-r und p.rsonaler für »nt Ausländern contrahirte Schulden, u. lediglich ein personaler, Inländern gegenüber, beivilligt.) Borgo Samagata, 7. April 1737. Registr. C. 89 Gaetano Guidotti. Ein Jahr hierauf suchte» Ilr. Angela und Moise Fand, Nachkommen! des Davis Fano um die erneute Bestätigung dieser Privilegien an, die | ihnen mit Rescripl v. 5. F-ebr. 1738 bewilligt wurde. Wne abermalige : Bestätigung derselben erfolgte durch Herzog Ercole III. unter dem 21.; April 1780 auf Ansuchen der Witlwe Grazia und des Sohnes Leon, der Brüder Moise und Pellegrino und der Löhne des Anselmo Z-ano. Literarische Novitäten. Ei» hebr. Comuientar zur Chronik aus dem 10. Jahrhundert, zum ersten Male nach 3 Handschriften herausgegeben von Raphael Birchheim. (Als Manuskript gedruckt.) ieosuil oiatu, das älteste bekannte dramatische Gedicht in hebr. Sprache von Mose Saeut, zum ersten Male nach 3 oandschristen evirt uns mit einer Einleitung versehen von lir. A. Berliner. (Bei Julius Benzian, Berlin.) *) Anderintercssante Themata der Einleitung sollen später einer verbesserten Texlausgabe des Commentar» deigegeben werden. H Weil die cilirte äelegsielle nur Gen. 40, 11 sein kann._ Verantwortlicher Redactenr: Ilr. M. :11 atu»cs **) Die Stelle ist vielleicht gar nicht als ei tat, sondern als Erklärung zu »ehinen, vgl. I E. zu Jes 44, 5. יכנה 32ןן יקרא• (Ned.) D ruck u. Verlag von C. Schur nie in Barbp.