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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 11. (1874) · p. Seite 42

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 11. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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wußtsein von bem Zustanbekoinineu des Peilt, im proph. Zeitalter" (vgl. Zach. 7, 12), sondern weil auch Mose nichts anberes war als Prophet und aus keinen andern Rang und Titel Anspruch erhob. Daraus geht aber evident hervor, daß die Ursache, warum der Pem. speciell Thora und der Prophcten-Kanon 'Jiebiim heißt, eine rein historische war. Wäre die 3a111»1l.:1nj des ersten Kanons mit dem zweiten za einer Zeit erfolgt, so würde man den ersten nicht schlechthin als Thora bezeichnet haben, da dieser Rame b.irchaus nicht geeignet war, ihn von dem zweiten zu unterscheiden oder umgekehrt. Betrachtet man das Verhältniß des zweiten zuin dritten Kanon, so tritt dieselbe Erscheinung entgegen. Aus die?frage, waruul nur der zweite und nicht auch der dritte Rebiim heißt, wird man allerdings von gewisser Leite antworten, das; die Hagiegraphen nicht als prophetisch injpirirt, demnach als keine Propheten im eigentlichen Liane gegolten haben. Merkwürbig ist auch der besonnene Dillmann dieser Ansicht, nur meint er, daß die verschiedene Heiligschätzung nicht Ursache, sondern Folge der Drcitheilung sei. Man hat zwar nicht eigens einen Hagiographen-Kanon für weniger geschätzte Bücher angelegt, wohl aber sträubt er sich nicht anzuerkennen, daß die Hagiographen weniger geschätzt waren als die Propheten. ״Wie Mose über allen Propheten sie. t, so steht die Thora im engeren Sinne über den prophetischen Büchern; aber diese stehen Hinwiedrum über denen des dritten Thciles." s) Cr stützt sich bei dieser Annahine gerade auf die Berschiedenheil der Bezeichnungen. Lchon ältere protestantische Theologe» haben diese Unterscheidung der Grade in der Heiligvcrehrung der einzelnen Büeher aus dem Grunde nicht gelten lassen wollen, weil im )!. T. kein derartiger Gradunterschied zwischen einzelnen Theilen des Kanons gelehrt werde. *) Dillmann meint, daß diese Ausstellung wenig zur Sache gehöre, denn da anerkanntermaßen der alttenainentl. Kanon von der jüdische n Gcineinde sestgcstellt ist, nicht von der christlichen, so kann es für die Beantwortung der?frage nach dem Eintheilungsgrunb nicht auf die Lehren des Christenthnms über dieses Slück ankominen, sondern nur darauf, ivclchei» Sinn die jüs. Gemeinde mit dieser Eintheilung verbunden habe. 7'/ Mir will es scheinen, und ich glaube, der vorunheilsfreie Forscher ivird es zugeben, daß die neutestamenllichen Schriflsteller in diesen wie in vielen ähnlichen Fragen sich einfach an den damals herrschende» Anschannngen in der jüd. Gemeinde gehallen haben Von der eizenllichen Messiaslehre abgesehen, nnlerschied sich das Judenchristenlhniil oder richliger das Chiistenjnbenlhnm um nichts von der Müllergemelnde. Die ivirklich neuen Lehren gehören erst einer späteren Periode an. Daß in Bezug auf das Ansehen der einzelnen Theile des A T die nentestamentlichen Schriftsteller mit den Talniudisten vollständig übereiustimmen, werden wir noch zeige». Allein davon abgesehen, kann man a priori diese Uebereiiistimniung voraussetzen undaus dem Umstande, daß in den Schriften der ersten Apostel solche Unterscheidungen nicht anzutresjen sind, kann inan schließen, daß solche Anschanungen auch in den übrigen Volkskreisen nicht verirrte» waren. Wenn die ״Propheten" beini Gotlesdienst der Gemeinde vorgelesen wurden und nichl die Kelhubim, so geschah das keineswegs, wie Dillman»') angibl, weil die Propheten wichtiger galten, denn die Keilnlbii», sonder» weil zur Zeil, da die Hastora-Vorlesungen cingesührl wurden, die Hagiographeu übeihaupl noch nicht kanonisch gewesen. An einer ailen »eligiösen Sille aber Aendernngen vorzunehmen, entsprach am wenigsten den bamaligen Anschauungen. Daß die Kelhubiin erst spaler ihr Targum erhielien, steht allerdings damit ii» Zusainnienhang, aber nichl jo. wie DiUmann ihn dachle. Weil man die Propheten zu öffentlichen Vorlesungen benntzle, so mußle sich das Bcdurfniß nach einem Propheten- Targum rasch gellend machen. Uebrigens kann man auch nichl so geradehin behaupten, daß die proph. Schrislen früher Ueberjetzer fanden. Zur Zeit Gamaliels des Aelteren, eines Zeitgenossen des Jonathan, war bereits ein ältere? Targum zu Hiob in Circnlation, Sabb. 151 a. Die Thatsache. daß der Penralench'znern in's Griechische übersetzt worden, beweist ebensoviel oder ebensowenig. Auch sonst pflegen Versasicr wie Ueberietzer init dem ersten, iiichk mit dein letzten Bilche anzufange»; zwar begegnet man hie und da auch solchen, die eine andere Praxis für die richtige Hallen, aber die Ausnähme bestäligt nur die Regel. Warum di-׳ Bezeichnung Rebiinl dem zweite» nichl dem dritten Kanon zukoinnil, ist aus diese Weise nicht z» ergründen. Warum sollle das Buch Daniel s) nicht zu den Pro- Pheten zählend Daniel ist kein Proph.t, sondern Apokachpliker. sage» manche Theologen. Allein ivas dieser Unterschied für eine principielle Bedeiunng aus sich hat, ist mir nichl klar geworden. Interessant, wenn auch nichl mehr neu ist die znletzl von Hengstenbergund Delitsch") geltend gemachte Anschauung, wonach Daniel das Propheleuhandwerk nur als Rebenbeschüfliguug gleichsam zum Priv itvergnügen betrieb; ein osficieller Prophet, dem Ainl lind Liande nach, war er nicht. Cr besaß wohl die Fähigkeit, die Gabe (rionmn), aber nicht den Berus (munus). Woher die frommen Theologen es wisse», daß Daniel ״nicht den Auftrag öffemlicher, mündlieber und schriftlicher Verkündigung des Wortes Gottes gehabt habe" begreif! sceilich kein Ketzergehirn. (Schluß folgt) 1) Iahrb. für deutsche Theol. III, p. 43». — 2) (Jini. p. 550. 3) Vgl. Jet. 7 b. Moed fatan 5. Pcß. 92 a. Aboca sara 17 a Synh, 91 b. üaba bathra 147 a. 4) Vgl. Rosch hasch 5 a; 15 a. der losaf Men. 65 a. Nan. im Commcnt.;u Vlphaß. Bada M. <-. 5. I. Chragis im Teschil'dt Choch. I, 19. >j. Karo, Iuuin Schemua z 511. Mail». Lepher Ham. I. Tie Polcmit des Nachmanides und die Erwiderung des Jlira zur Stelle. 5) In welche»« Sinne ist nun d.r Ausruf Dillmann'S: ״Aber ein Gesetz ohne Propheten ist ein Körper ohne Seele" zu nehmen? Was steht nun höher, der Körper ober die Seele? Mose oder die Propheten? 6) Carpzovii cril. sacra P. I. C. 4 Nr. 4. 7) Dill»«., Iahrb. für deutsche Ttzeol. 185K p. 427. 8) Dillin. a. a. O. p. 430. 9) Die Behauptung, ivelche Storr a. a. O. p. 235 Derefer, die Proph. Cz. und Dan. p. 235 ss. Jahn Einl. in d. Ä. L. 11 632 .vaneb. Eint. p. 282 u. a. venheioigen, das! Dan!.ls ursprüngliche Stellung iin Propheten Kan. gewesen, ist ivasenscha U. nicht ansrecht zu halt,». Wenn Theodoret. darüber Nagt, da» die Juden aus öa» gegen die Christen Daniel aus der Neihe der Propheten herausgerissen hätten, jo hat er eben von der ursprünglichen Ordnung nicht viel geivußt, vielleicht die Reih.»folge der LXX für dieselbe gehalten. 10) B.itr.;. Cinl. I, p. 28. — 11) PNC. 111. p. 272. Die Büehereonfiseation in Frankfurt a/M. im Jahre 1727. Nach den Akten und Correspondenzen in dem Gemeindearchiv niilgeiheilt von N. K. (Fortsetzung von Rr. 9.) Am 7. Cheschwan 488 schreibt David Dcliba von Marbürg aus. baß er sich von christlichen Professoren Attestate für ben unschäblichen Betrieb seines Buches verschaffen unb bamit nach Wien begeben werbe. Cr hoffe auch vom Könige von Polen Cmpfehlungen zu erhalten. Die Atteste, bie er zusainmenbrachte unb bie auch aus bie anbern obsignirten Bücher Bezug nahmen, liegen uns alle gebrückt vor; es sinb solche von L. H. Ginnz, Pros in Paberborn, b. b. 17. Jan. 1728, hebr. unb beulsch unb vom bärtigen Bischoff bie Erlaubniß zum Verkauf beö -lacl t.-0I>)0; von 24 verschiebenen Prof, unb Dokioren; von Prof. Schraber in Riarburg; von ber Fakultät zu Rinteln b. b. 81. Dec. 1727 mit ausführlicher Inhallsam.abe bes .lack ooll,u; ebenbaher b. b. 15. März 1728, auf hebr. beulsch unb lateinisch, baß unter bem Worte goi in ber Talmubausgabe von Arie Löw nur bie Heiben unb nicht bie Christen zu verstehen seien unb ebenbaher b. b. 6. Jan. 1728 über bie Bebeutung von accum unb Gojim im Talmub, Riachsor rc. 1c.

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