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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 11. (1874) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 11. (1874)
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jmflhe Litmtmblfilt. Zur Beleuchtung aller Judentl)um u. Juden betreffende» literarischen Erscheinungen a!1f dem Gebiete der Philosophie,Keschichte,Ethnographie,Lheoiogie, Arientulia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. V___> Herausgegeben von Rabbiner Di׳. M. Rabmer in Magdeburg. Bücher der einschtägigen Literatur. weiche der Ned de» ״Jüd. Kteraturbtatt" in Magdeburg (oder der ״Jarael. Wochenfchr." in Stettin);«gesandt werden, finde» in diesem Ktatte »ingehende Besprechung. Nr li. Erscheint l—2mat monatlich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für die Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrist" gratis. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen;in Leipzig durch Robert Friese. 3. Jahrgang. Benennung und succefstve Entstehung der drei Theile des Kanon. Bon I. 3. Bloch, Prediger der israelitischen cheineinve zu Rendsburg l Fortsetzung.) ״Thora" kommt als Oiame für den Pentateuch schon im A. T. selbst vor. Das Wort bedeutet einfach ״Lehre, Belehrung." Die sonst iu liche Uebersetzung mit nomos ״Gesetz" ist nicht genau; Der Begrisfskreis jenes Wortes ist ein viel weiterer, uinsassenderer, und nicht aus das bloße Eeremonialgesetz beschränkt, wie schon aus Deut. 33, 4; Jes. 24, 4; 51, 4. 7; Jerem. 3, 8; 18, 18; Micha 13, 11; Esra 7, 26 hervorgehen dürste. Die jüd. Religionsphilosophen im Mittelalter hatten streng unterschieden zwischen ״Lehre," Thora, und ״Gesetz," mizwah, cliok, mischpat; während sie den letzteren nur eine zeitliche Bestimmung, eine rnonlentarre und nationale Berechtigung zuertannteu, hatte die Thora nach ihnen den Berus, die Grundlage der einstigen Weltrcligion zu bilden. Wenn in II. Kön. 17, 37; 22, II. 13: 23, 21. 24; Hagg. 7, 12 noch besiimmler I. Kö». 2, 3; II. ziöu. 14, 6; 23, 24. 25 die Bücher Mose's als Thora bezeichnet werden, so ist das weniger ihres cercmonialgesctzlichen Theiles, als vielmehr wegen der Belehrungen, ״Lehre", welche sie enthalten. Sonst müßten sie eher 6110k oder mizwah heißen (vgl. Exod. 15, 25; Deut. 4, 8; 5, 17. 28; 6, 1 u. s. w.). Gerade die Bezeichnung Mitzwah, ein in der neuhebr. Literatur, in dein Midrasch, der Mischna, dein Talmud vielbcnutztes Wort entspricht genau km Begriffe nomos. Durch das Zusammenstellen von ha-iliora we-liammizwali werde» diese Bezeichnungen mit Nichten als synonyme Begriffe charactcrisirt: gegen eine solche Annahme strei;ei schon das gleich darauf folgende luchoili liaelmn. Mitzwah unlsaßt das Gesetzliche, Ge- und Verbot, dagegen Thora bezeichnet mehr abstraete allgenleine Belehrungen Es iff daher nur richtig, wenn im '31. T. sowie in der talmud. Literatur Thora als Raule für das ganze A. T. erscheint, vgl. Evang. Joh. 1l», 14; 12, 34; 15, 25: I. (301;21 .14 .־ ״Lehren" enthalten alle prophetiichen Schriften, enthalten auch die Hagiographen. Im Talinudischeu ist Thora völlig 10110npi mit dem chaldäischen אוריייתא. Peßachim 87 wird von kn Babyloniern erzählt, ihre Sprache sei dem Hebräischen, der Bibelsprache sehr verwandt; das wird ausgedrückt קרוב לשונם לליבון תורה. Häufig wird von Thora selm-bichtlial» geredet, worunter das ganze altteü. Schriftthum verstanden wurde. Simon des Gerechten Wahlspruch lautete: ״Aus drei Dingen ruht die Welt, aus der Thora, dem Gollesdiensie^ und der Hebung menschenfreundlicher Werte." Dillmann'l glaubt zwar daraus entnehmen zu können, wie hoch die 'siikit das G esetz über alle andern heil. Schriften siellien, es fiel ihnl nicht bei. daß hier mit Thora keineswegs blos der Pentateuch, sondern eben auch ״alle übrigen heil. Schrifteil" gemeint seien. Wenn R. Akiba die Maffora für einen ״Zaun uni die Thora" erklärte, so hatte er nicht minder das ganze alttest. Schristthumim Auge, (Aboth 3, 13 vergl. die Comnientare.t Reil erklärt die Uebertragung (?) des Wortes Thora oder Seplier Iialliora aus die ganze Sammlung weil das Gesetz die Grundlage des ganzen Ä. I. bildete. * > Hätte man die Lammlung als solche in ihrer Ganzheit Thora genannt, so wäre jene Erklärung scheinbar richtig; allein auch jede einzelne Schrift der Propheten, wie Josua. Ezechiel u. A. oder der Hagiographen, wie Sprüche u. s. w., heißt Thora, selbst wo der Pentateuch nicht im Mindesten in Betracht kommt. *) Einem Gesetzeslehrer, der sich eines Ausdruckes aus den ״Sprüchen" bediente, (Aboda sara 58 b) wurde bemerkt, ^ל תורה להור23׳-'' m Dem eigentlichen Begrige des Wortes Thora nach wäre es auch durchaus nicht zu rechtfertigen warum dieser Name spccicll dem Pentateuch beigelcgt worden, da man n!it demselben Rechte auch die Propheten und Hagiographen bezeichnen kann nnd, wie wir gesehen haben, auch bezeichnet hat da ja diese Abtheilungen ebenfalls Lehren enthalten. Allein zur Zeit, da das Wort in die Volkssprache als Büchername eindrang, gab cs noch kein anderes Buch, welches ״Lehren" enthielt als die mosaischen Urkunden. Wenn man vom ״Buch der Lehre" sprach, so wußte Jeder, was darunter verstanden ward. So war ailuiälig die Bezeichnung Thora mit diesem .-״che (dem Pentateuch) verwachsen, so daß, als später die prophetischen Schristen gesammelt wurden, die auf diesen Namen Anspruch zu machen nicht minder berechtigt waren, für sie dennoch eine andere Bezeichnung gesucht werden mußte, weil das Volk bereits so sehr gewohnt war, unter ״Thora" nur den Pentateuch zu ׳.erstehen. Anfangs nannte inan die neu kanonisch geivordenen Zchriften einfach ״Bücher" ספרים vgl. Dan. 10, 2; II. Macc. 2, I; Matth. 22, 2»; A. G. 28, 24. Man konnte das auch;denn es waren keine anderen I-chriften da, jeder Jrrthum schien unmöglich. Als in einer späteren ,׳)eit doch noch Schritten hinzukamen, die man des Lesens würdig hielt, nannte man die kanonischen im Gegensätze zu den damals noch nicht tänonischen: Ne bi im, Propheten Nebiim ist übrigens eine nicht minder, chreirvoile Bezeichnung als Thora. Ob die Moiesbücher höher als alle anderen geschätzt waren oder nicht, das soll hier nicht untersucht werden, aber im Worte Tbora liegt nichts, das den Pentateuch höher als die 'Nebiim stelle: die höhere Stellung, welche der Pentateuch der höheren Amorilät des Moses verdankt, ist in dem Namen wenigstens nicht ausgedrüek. Mit Nebiinl konnte and durfte inan auch den Pentateuch bezeichnen. Moses war ebenfalls nur ״Nabi. P'.ophet", wenn auch der größte. cun Eira lEsra!>, >0 ff.י einige Vorschriften des Pentateuch mit kn Worten a.'.fnhrt: ״die Befehle welche du befohlen hast durch deine ttnechte, die Propheten." so ist das nicht, wie Dillmann jagt ״als hülle er lloch ein richtiges Be-

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