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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 10. (1874) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 10. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 stehung des Kanon höchst wichtige Andeutungen, die aber unerklärlicher Weise bis jetzt unbemerkt, wenigstens unbenutzt geblieben. Berthold hat einmal einen kleinen Versuch gemacht, allein alles so geschraubt und gekünstelt angefaßt, daß er mißlingen muyte. Er übersetzte nämlich den Namen des dritten Theiles mit: ״Die neuen in den Kanon eingetragenen" Bücher. Hieraus wollte er beweisen, daß es bereits einen Kanon gegeben halte, als man neue, nämlich di« Hagiograpben. in denselben einzutragen begonnen. Da aber diese Erklärung jedem, der es mit der Sprache genauer zu nehmen gewohnt ist, als unzulässtg sich erweisen mutzte, so mußte das Gebäude bald Umstürzen Fragen wir zuitächst, warum sich denn kein hebräischer Name für dir ganze dreilheilige Sammlung gebildet habe? Die Thalsache scheint sonderbar! Bei Erwähnung des heil Schriftthunis als eines Ganzeil mußte man cs langatbinig ׳״Thora, Nebiim, Kethubim“ nennen So im Sirachbuche, bei Philo und in! N T. und so immer bei den jüd. Schriftstellern. Eine Gesammtbezeichnung für alle drei Theile gab es nicht, lediglich die drei verschiedenen Namen wurden ansgezühlt, Gewiß wird Rieinand das Auffallende dieser Erscheinung leugnen; jedes einzelne Buch erhielt seine Bezeichnung, jede Abthcilung ihre Nanien. nur für die Sammlung als Ganzes halte sich kein paffendes Wort finden könneu. Und doch war es ein sehr fühlbarer Mangel; in ein׳״׳ späteren Zeit sah man sich genöthigt, um nicht bei jeder Gelegenheit die langathmige!! drei Worte wiederholen zu inüffen, dieselben in *ת׳נ׳ן zu abbreviircn; die gcsammte Bibel wurde vielfach mit dem Akrostichon ״Tenach" bezeichnet. Allein warum haben die, welche jedem Theile eine Bezeichnung gegeben, nicht auch für die ganze Sammlung eine solche bestimmt? An einem Worte hat es gewiß nicht gemangelt, und kürzere Bezeichnungen pflegen sonst, wenn keine besondern Hindernisse dem entgegen sind, leichter und schneller sich einzubürgern. Für Jeden, der sehen will, liegt es klar zu Tage, daß die alle Bibel deshalb keinen Gesammtnamen erhalten konnte, weil sie überhaupt nicht ei ne dreilheilige, sonder» dreiverschiedene Sammlungen bildet, welche in drei verschiedenen Epocheu entstanden sind. Wie die drei Sammlungen, so addirte sich das Volk die drei Name». Wäre dagegen die Sammlung des A. T. zu e i n e r Zeit von einer Behörde erfolgt, so hätte sie gewiß auch eine entsprechende Bezeichnung erhalten müssen. Diese Thalsache wird bis zur Evidenz erhoben, wenn die Bedeutung und die Entwickelungsgeschichle der betreffenden drei Einzelbezeichnnngeu näher in Betracht gezogen wird. Zwar will ich zugeben, daß man die hebr, Benennungen nie sozusagen als Titel oder als Inhaltsverzeichnisse an sehen d rf. Die nieisten Namen der einzelnen Schriften, so auch der 5 Bücher Mosc'S, rühren einfach von ihren Anfangsworten her, die deshalb einem Unkundigen ganz sinnlos scheinen. Es waren dies keine eigentlichen Namen, sondern mehr Stich- Worte, bei deren Erwähnung man sich dieses oder jenes Buches erinnerte, nicht weil es mit deren Begriff in Zusammen- Hang stand, sondern rein äußerlich, weil das Buch grade mit diesem Worte anfing Allein daß es mit den Namen der drei Theile des Kanon, die keine Anfangsworte sind, ein ganz anderes Bewandtniß Hai, ist klar. Vor allem müssen für diese Namen Gründe vorhanden gewesen sein, und man muß die Motive aufsuchen, warum grade dieser Theil und nicht der andere diese oder jene Bezeichnung erhielt (Forts, folgt.) *) Die Hypothese Storr's ״Ueb. die älteste Eintbeitung b. Bchr. d. A. in Paulus neuem Ztepertor. II p. 226 ff., wonach ursprünglich der Kanon anders gestaltet und ejngetheltt gewesen, ist bereits vielfach widerlegt worden. >) P, K.. E. VU p. 253 י) Hist. trit. Eint. 1. A. T Frankf. 1853 p. 547. *) More Rebuch« Ham,an 10, 53 ff. ') lieber Entstehung und di« verschiedenen Bedeutungen dieses LuSdrucke», vgl. Credner zur Gefch. d. Kanon Halle 1847 p. 6 ff. Um. d. alt. Abkanvlungen vgl. M. ff- F. Druck disg. de ratione hist, ranon. srribendac Düb 1778. Suicerus Thesaurus philol. 8. v. canon. — Morgenland. Ursprungs entfpr. d. Worl dein hebr. קנה und bedeutete »rspr. ״grader Stab, Maßstob, Zunge der Wage. Ziegel, Norm," vgl. Hom. Zl. 8, 193: 13, 407; 23. 76a. Plat. Philcb. c. 34. ferner Oehler in Tholuck litt. An; 1842 II. qeg Temmler, Abhandlungen v freien Unters, d. Kanon. I 11, der das Wor im Sinne von Verzeichnis nahm; ähnl. Lichh. Eint. I. 193. Berlh. Eint. I, 55. Jahn Eint. p. 118. *) RosenmUller <le vor. diatlieke in libris N. T. variis usu Erl. 1778. Tert. de pnd. c. 1 (Opp. ed Leop. Lips. 1839 II, 135.) adv. prax. c. 20 (Opp. IV, 273) adv. Marc. IV, 1. (Opp. III, 145) Aug. de civil, dei XX, 4. *) Im A. T. schließt «Bott mit dem isr. Bott einen ..Bund" Deut. 29, 12 vgl auch 26, 16; 27, 9 ff., «Ben. 17, 18; die schristl. Uri. dies. Ach. heißt 8 לחות הבריתuno*atafem Deut. 9,9; oder ספר הברית Bunvesduch, Erod. 24, 7; II. «ön. 23. 21. I. Macc. 1, 57; Sir. 24, 23. verleitet durch das in I,XX dafür gesetzte diatheke übersetzten es die d«S Hebr unluudigcn lat. Ueberfctzer der alt. Jtalo mit teatamentuni, instriiinentnin. Hieronymus, der in seiner Uebers. richrigcr des Ausdruckes foedus oder pactum sich bedient, bemerkt im Coinment. z. Maleachi IV: testaineiiluni non voluntatem defunctorem somit, sed pactum viventium. Älrehäoloqisches. Einer der gelehrtesten Egyptologen unserer Zeit, Henry Brugsch-Bey, Vicepräsident der allgenleine» Gratisschule» in Kairo, hat die Fragen über das ״Wie des Auszuges der Zsraelilen ans Egypten" und über die Behandlung, der sie daselbst auSgesetzt waren, eingehenden Forschungen unterzogeil und ist auf diesem Wege zu der Ueberzeugnng gelangt, daß die aus jener Zeit vorhandenen Papyrusrollen und monumentalen Jnschrlften mit den Angaben der Bibel übereinstimmen. So besagt eine iiu Museum von Lüttich aufgesnndene Papyrusrolle, ״daß ein Schreiber allmonatlich u>lter die Ebräer, die Steine zu den großen Festungswerken von Ramses schleppten, Getreide vertheilie." Andere Papyrnsrollen bestätigten, daß die Stadt von Ramses II gebaut wurde. Es hat sich sogar ein sehr emphatisches Lobgedichl auf die Stadt Ramses vorgefunden, das auf einer Seite seiner Blätter einen Answeis über die Maurerarbeiten enthält, aus dem hervorgeht, daß die Ebräer unter mililairisch-׳r Bewachung täglich eine bestimmte Anzahl Ziegeln ablicferu mußten Aehnliches erzählt bekanntlich auch die Bibel, Man hat lange Zeit hindurch über den Platz gestritten, auf dem Ramses ausgeführt war. In Folge der auf Anordnung des Khrdive angestelllen Nachgrabungen kann mau mit voller Sicherheit anuehme», daß die gigantischen Ruinen des alten Tunis, das Egyptisch Zan, Ebräisch Zoan hieß, die!!teste von Ramses seien, wohin der 68. Psalm den Schauplatz der Wunder verlegt. Ramses lag an dem damals sehr breit gewesenen lamitijchen Arm des Nil; Vieser Arm berührte die Festung Migdol, von der die Bibel erzählt. Von Ramses bis Migdol verfolgten die ISraelilen bei ihrem Auszug« genau denselben Weg, den, wie eine Papyrusrolle des Britischen Museums erzählt, ein Egyptischer Beamter behufs der Verfolgung flüchtig gewordener Sclaven einschlug, ivelche die Wüste zu erreichen suchten, indem sie von Ramses nach Suloth, Elham und Migdol eilten, sämmtlich Orte, welche die Bibel gleichfalls auszählt. Auch die biblischen Angaben über die Wüstenreise der Israeliten stimmen mit dem Inhalte der erwähnten und ähnlicher Documrnte. So durchziehen sie die Wüste Schur, die zwischen dem Mittelmeer und dem Golf von Suez liegt. In jenen Gegenden kamen, wie Strabo und Diodar erzählen, häufig verderbliche Hochflulhen vor, die einmal eine Armee des Königs Arlaxerxes vernichteten. Die ״bitteren Wässer" der Jsraclite» bei Mara sind die Biltersalzseen von Suez; der Ort Elim, wo sie lagerten, heißt gegenwärtig E'in Musa, und erst nach dem Umwege über die Landenge von Suez zogen sie zum Berge Sinai herab.

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