Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 9. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 Privil. fccr C'vim'nibi.' abjuforbent. Zweiielsrei wird Clmux solches produeirt habe», ob er aber die Beilage von! Fiskal auch vorgezeigt bat, möchte wisse». Ru» kommt viel auf dessen Bericht an und hat mir tm größte» Vertrauen gemelt, w er i» Wien diese nachdenkliche Gefährlichkeit urgirt Hai." Die große Vorsicht, welche derartige Correspondenten selbst in beb. Schrift erforderte, erlanbte nicht die Mittheilung von dessen Nanten; mündlich wurde genannt: ein gelauster Jude Paul Cristian. Sofort wurde über denselbe» allseitige Crknndigung eingezogen, die also lautete: Paul C wurde in Berlin wegen seines mißlichen Verhaltens als Catuchemcn nicht zur Taufe zugelaffen; er begab sich hierauf nach Cüstrin, wo er die Taufe erhielt. Darauf klagte er die Judenschast in Fricdberg in der Urmark wegen gotteslästert. Bücher an, so daß ihre heb. Bücher nach Cüstrin gebracht und dort geprüft wurden, die Folge hiervon ist nicht bekannt. Darauf ging er nach Halle, wo er zum Lector der heb. Sprache angestelll wurde da aber der Jugend seine Methode zum dociren fremd vorgekonnnen und die Universität wenig Dienst von ihm gehabt hat, so har sich sein zanksüchtiger Sinn zuerst gegen die Juden gewendet und machte ihnen unnöthige Händel wegen ihre Bücher, schloß sich sodann 1714 den sogenannten Jnspirirten an und brachte es dahin, daß er mit Verachtung aller;־raduum admonitionis et suspensio- Dis es so grob gemacht, daß man ihn vom Dienste absetzte. Er ging zuletzt nach Wien, wo er den röni. kath. Glauben annahm. Ein solches Leumundszeugniß wurde 8. July 1727 vom pr. Cons. Rath Scharben in Halle und von Di׳. JablonSky in Berlin ausgestellt. Am 17. Elul Halle der Baum und Rabbiner Moses Kann eine Audienz bei dem Cdnrfürsten von Mainz, dem er die Attestate über den Denuncianten vorlegte. Rachden! der Chursürst sie gelesen, sagte er: Das ist mir ein betrügerischer Schelm, sogleich schickt diese Attestate nach Wir« Hierauf cntgegnetc Kann, ״wie der Churfürst sehen könne, daß Gott noch ein barmherziges Auge auf uns Juden habe, daß alles an Tag komme. Wie erbarniungswürdig sind wir armen Leute, daß wir von solchen Betrügern in Bang und Leid gesetzt werden. Churs. Gnaden möchten daher auch um der gerechten Sache willen dero genädigste Hand mitanzulegcn beliebcu." Der Churfürft erwiedertc: Gar gern will ich es thun, weil in speeie der Credit mit Gefahr darunter verliert (sie). Ihr sollt nur einige Tage in Mainz bleiben. Alle!״ Ihr Leute solltet nur künftighin mit der Druckerei vorsichtig sein." Kann entgegnete, daß das delietuni an sich falsch sei und er boffendlich Attestate hierüber beibringen werde. ״Ihr sollt dies ja nicht versäumen, erwiederte der Churnirst, uni den Talmud in speeie, der ohnedies groß Aug hat, in Sicherheit zu setzen" (Brief 2). Von der Hauptantlage ..rer die Talniudansgabe scheint man schon Kenntniß gehabt zu haben; denn in diesem Briefe erniahnt Kann seine College» die Stelle in dein Con>. von Maimonidcs zu Ab. Sara Mischnah 1 vor den Anschwärzungen zu schützen. Der Lburfürst hat Wort gehalten und den Reichssiskal tu Wetzler, Mitglied der Bücher Com., zu Gunsten der jüdischeu Sache beeinflußt. Solches ist durch sein Schreiben an den Chursürst d. d. Wetzler 25. Oct. documentirt. Aus der uns vorliegenden Copie fehlt zwar die Unterschrift, aus dem Inhalt ist aber der Schreiber mit Sicherheit zu erkennen. Er sagt in demselben, daß er mit de Chaux den in Abschrift hierbei verwahrten Berich! in nächsiverwichner Herbstmesse an Kats. Maj. abgestattet. Der darin angezogene Bericht von 15. August sei in seiner Abwesenheit von de Chaux einseitig erstattet worden. Einer Kaiserlichen Resolution sei er noch gewärtig So viel an ihm liege und er dieses verdrießliche Jnquisitionsgeschäst und den Supplikanten sambt übrigen Interesienten in allen billigen Dingen zu gewähren wünsche und verlange, so sei es ihni doch bedenklich vor Einlangung der weitern Kais. Verwendung etwas vorzunehmen. Er werde gleichwol zur Bezeugung seiner Devotion und gehorsamste Dienstbegierde mit de Chaux (welcher des Denuncianten P. C. mir von aus zugekomene Beilage oder extraetus der verdächtigten Passage bei sich und in seiner Ver- Wahrung hat) zu conferiren und zu überlegen, ob und wie den Supplikanten willfahrt werden kann. Durch diesen Kanal erhielt die Judenschift Kenntniß von den dennncirten Stellen und von dem Bericht an den Kaiser, der uns in einer sehr unleserlichen hebr. Abschrift vorliegt mit der Bezeichnung Copie von dem Bericht des de Chaux, so er von Bamberg aus nach Wien geschickt, io im größten Geheimnis; 1133 erhallen haben. Dieser Bericht ist aber nur der erste vom 15. Aug. Im Eingang wird recapitnlirt die Ausgabe der Büchercom. in Frankfurt nach de» Kaiserlichen Instrnktionen und sodann die Hindernisse geschildert, die ihm die Gemeinde iit den Weg gelegt hätten, durch die verweigerte Abtragung der »öthigen Kosten für zwei Dollmetscher, für Taggelder des Aktuars und Bedienten, für Gemölbmiethc, Führer 2c.; daß wie der Talmud die meisten angetroffenen Bücher, besonders die sogenannten Selichoth auch täglich« Gesang- und Gebetbücher, viele laut Beilage E. und C. ärgerlichen und dero in der vor Em. kaiserl. M. dero Reskript beigelegenen Denunciationen gleichlautend und gleich gedinte ärgerlichen Spatien enthalten. Die Bücher Com. erwarte nun den kais. Befehl, ob die sämmtlicke Judenschast oder die angeblichen possessores der arretirten Bücher zur Erlegung der »öthigen und ausgelegten Com. Gelder anzuhalten; ob alle mit Beschlag gelegten Bücher oder von jedem nur Ein Stück nach Wien versendet werden soll; wie mit den gesperrten Druckereien, so zwei dasiger Bürger zugehörig und der Nahrung zum Theil entzieht, za verhalten sei; wie mit dem in Friedberg laut Mag. Protoc. allda i» Hast gezogenen Verlegers eines heb. Traktats Jadcolbo weiter zu verfahren sei. Schließlich kommt er nochmals auf die Geldfrage zurück und sagt, daß er obwohl schon 10 Jahre kais. Bücher-Com. sei, doch noch mit keiner Bestallung angesehen worden und K. M könne nicht begehren auf seine Kosten und Spesen dir benölhige Leute anzustellen, wie auch Kutsche und Pferde wegen der weit entlegnen Gewölbe und Häuser, die durchsucht werden müßten, halten solle rc rc Der, ivie in vorstehendem Bericht erwähnte, in Friedbertz zu Haft gebrachte Verf. des Colbo, David Lida wurde ״da es dem dasigen Magistrat wegen unterschiedlichen Beschwerden in seinem Arrest zu behalten zu schwer fallen will, die kais. Com. aber nicht vermag, ihn anderswo in sichere Hast zu bringen," 19. Lepl. 1727 seiner Hast entlasie», gegen Bezahlung von fl 100 Com. Spesen, fl. 65 Aktuarkosten a» Feuerbach und eine Caution von fl. 200, für die I. Speier und M. Schwarzschild sich verbürgten. Auf einem Zettelchen in heb. Schrift ist bemerkt, daß aus viele lamentabelen Bitten die Com. Kosten aus fl 50 und die Aktuarspefen auf fl. 40 ermäßigt, dagegen die Caution auf fl. 250 erhöht ivurde. Einige sprachliche Gewinne aus den Keilinsckriften für das Hebräische. 1) עשת׳- Was hat die Erklärung dieses Zahlwortes den Lexikographen und Grammatikern nicht für Kopfzerbrechen verursachl! Bald soll es ans על־שתי oder עד ־שתי eiuftau־ den (Jbn Ganach), bald von עשת (wovon auch (עשתונותיו ״Gedanken" abzuleiteu sein (Jbn Esra und Kimchi), so daß "״ עשתי עשרdas zu Zehn Hinzugedachtc" bedeuten sollte: nach Fürst ״das an Zehn sich Anschließende." Durch die Entzifferung der Keilinschriften erfahren mir, daß ״istiu" die gewöhnliche Bezeichnung für ״eins" im Assyrisch-Babylonischeu sei. 2) תהום wird in den hebr. Wörterbüchern von תתו abgeleitet: während im Assyrisch-Babylonischen ״tihanitu" die übliche Bezeichnung für ״Meer" und ״See" ist (Dieses Wort bietet auch den Schlüssel zum Verständnih des von Berosue der Beherrscherin der chaotischen Meerungehener beige-