Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 8. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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Biographien bedeutender Männer und Gelehrten, die die Träger ihres Zeitalters waren, dienen vorzüglich zu Erweiterung unserer Kenntniß der Geschichte. Wie man von eine,» hohen Berg.׳ eine ganze liegend am besten zu überschauen vermag, so kann man auch am leichtesten aus dem Leben wahrhast großer Männer ganze Perioden überblicken. Bei den durstigen Quellen der jüd scheu Geschichte müsse man aus gut« und treue Darstellungen der Lebensschicksale berühmter Männer verzichten. Erst in neuerer Zeit schentte man der Lebensbeschreibung der geffligen Herreu des Zudenthums die verdiente Aufunrksamkril Auch hier waren Rap- Port und Zunz die bridrn Begründer der Wissenschaft beS Zudenthums, die cigenllichen Vorläufer, indem ersterer durch seine Lebcnsbeschrcibungen (תולדות) der Gaonim und letzterer durchseine B.ographic Raschi's diesen Zweig der jüdischen Literatur anbautc». Es haven wohl diese meisterhaften Anfänge viele Nachahmungen gefunden; aber noch imm.r ist hier eine große Nachlese zu halte». D e Biographie» der größten und einflußreich,tm Männer, z. B. eines Maimum, sind erst von oer Zukunst zu hoffen. Hr. Dr. .s). Groß hat nun einem jün ,eren Zeitgenossen und Anragonisten des Maimuni , nämlich R. Abr. b. David, ׳ר׳אב״ך ein schönes Denkmal gesetzt, indem er deffen Leben und dessen geistige Thätrgleit in der angezeigten Schrift mit großem gleiße und vieler Grundlosigkeit darjlellte. Bei dem dürftigen Lebenslauf der meisten jüd. Gelehrten des MittelalterS mußte natürlich Hr. Dr. Groß der literarischen Thätigkeit sein.s Helden di« meiste und größte Aufmerksamkeit widmen, und man muh gestehen, daß Hr. G. sich seiner Aufgabe hierin vollkommen entledigt hat. freilich wäre es wünjchenswerth gewesen, wenn der Biograph auch aus die äthropomorphisl.schen Anschauungen und eschatologischen Begriffe des R. Abraham näher eingegangen wäre, da wir dadurch von der Zndividuatltät desselben und von dessen er nfluh aus seine Zeit ein schärferes Bild erhalten hält-n. Es scheint, da,, R. Mojes b. Ehavoai Taku sich in seiner Polemik gegen Saadia Gaon und Maimuni unjern R. A. b. Da. vid zum Bordild genommen habe. (2. Ozar Nechmad 111. 38 f. f. und Grätz Geschichte VII 181). Biel zu nachsichtig und glimpflich aber behandelt Hr. De. Groß die sonderbare Borstellung und Einbildung des Rabed, daß er vom Geiste Gottes inspiriil war-, wie er dies z. B. in seiner Kritik gegen Maimuni, Hibhoth Lulab VliI, 5. ausdrücklich hervorhebt: 1° -כבר הופיע רוח הקדש בבית מדרשנו wie auch im Eominentar zuu, Sisra 2. 80: השמים |D נלדמ| לי פיו Asulai im Schein Hagedolim Wilna, Art. R. Zawb Ehassid, 1 9V und 11 37 hat diesem Gegenstände eine ausführliche Abhandlung gewidmet, da die Berufung auf göttliche Inspiration in Beziehung auf Gesetz-Rechtsfragen gegen dir Lehre des Zudenthums: לא בשמים ך;יא arg verstößt. Asulai bemerkt richtig, daß R. Moses b. Nachinann die Meinung des Rabed widerlegt, trotz seiner B.rufung aus eine Inspiration. Zndeffen läßt sich nicht leugnen, daß R- A b. D. wie viele seine Zeitgenassen, >vas Asulai auch zugesteht an גלוי אליה und גלוי שבינה glaudle ein Glaube, der die Kabbala und Mystik, die eben in der Zauiilie des Rabed gehegt uno gepflegt wurden, zur Grund- und Unterläge diente. Daß der Eominentar zum Buche Zezira fälschlich Rabed zugeschrieben wird, hat Hr. .0. grünolich nachge.viejen. Asulai schreibt denselben einem deutschen Gelehrten zu und nicht R. Ascher d. David, dem Enkel des Rabed. (2. Schem Hagedolim, Art. Kabbala 11 133). Was 2. 00 be.üglich der MeinungSdigerenz zwischen Maimuni und Rabed (Zssurc Biah 17, 13), ob der Hohepriester zwei Frauen heirulhrn ourfle, so wie die Znterpretation des Bidelverses Chronik 34, 3 betrisst, verweisen wir aus unfern Artikel iin ״Hamagid"!»74 Nr. 15, ,vo wir nachgewiesen, daß Rabed im Unrechte 1!t unn daß alle alten Versionen die erwähnte Stelle auf König Zoajch beziehen und nicht auf den Hohenpriester Jojada. Unrichtig ist ferner die 2. 90 vorgeschlagene Emendation des Wortes פימתא in ׳פתתא ba ׳פמתא wie aus Bruch s. V. zu ersthen, ganz corrut ist! Möge Hr. Dr. Groß, der, ein Züngcr des Breslauer 2eminars, daS Rabbinat in Gr.-2trehlitz bekle.det, mit ähnlichen biographischen Arbeiten die jüd. Literatur noch öfters bereichern, da ihm ein längerer Aufenthalt in Paris Gelegenheit zu handschristlichen 2tudien geboten hat. Rabb. Dr. Oppenheim. Bücherschau. (Fortsetzung.) 11) Disserlalioii des R. Moses den Nachmai, über die Vorzüge der Mosaischen Lehre, gehaiien in oer Synagoge zu Barcelona. 2. Äusgabe, von Dr Äd. Zeilinek. Wien. Herzseid u. Bauer. 42 S 8. Herr Dr. Zellinek hat sich durch seine verschiedenen Ausgaben Handschriftlicher >mo seltener hedr. Wertanerkannte Berdienste um die hebr. Literatur erworben, und wir versanken ihm auch diese 2. nach einem im Besitze des Herr» Z. H. Scharr in Lemberg beflndlichen Manuskripte veranstaltete Ausgabe oer vor mehreren Jahren in Leipzig erschienenen Dissertation des Nachmanives. Es ist diese Ausgabe in jeder Hinsicht bei weitem vollständiger und korrekter als die Leipziger, da ganze Seiten bei letzterer sehlen. Besonoers ist di« Polemik de» RachmaniveS mit christlichen Gelehrten über die Eintheilung der zehn Gebot« (2. 12), dir in den älteren Editionen iehlt, interessant. Wir halten es für überflüssig, aus den Werth dieser Abhanoluitg näher einzugehen, die gleichsam die Quintessenz der Nachmanidischen Theologie enthält. Sind wohl deffen Anschauungen längst veraltet, und berührt sogar deffen Glaub« die Zauberei und Hexerei den Leser oft recht unangenehm, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß sein System eine bedeutende kulturhistorische Wichtigkeit hat, und von diesem Gesichtspunkte hat di« Schrift allgemein« Anspruch auf unser Interesse. Herr Dr. Zellinek vindicirt auch mit Recht dem Nachnianldcs den Eominentar zu Hiob, den man demselben ohne Grund abjprechen wollte 12) Die heilige Schrift der Israeliten, Prachtausgabe mit 154 großen Bilvern, iüustrirl vo» Gustav Dor6. (In deutscher Uebenraguug von Dr. L- Philippson.) Stuttgart, Editaro Hallberger. In Lieferungen ü 15 Sgr. ״Eine Pr acht bi bet im vollsten Sinne des Wortes ist es, die wir dem Publikum in der von Dore mit zahlreichen 1r..1sterhasten Bildern geschmückten heüigen Schrift bieten, welche im größten Folo aus dem schönsten Kupservruckpapier und in höchster typographischer Bollendüng gedruckt, als ein Meist, rwerk erster Größe dasteht." Diiser dem Prospectus der Berlagshandlung ,ntnommene Satz ist nicht eine rühmredi .e Anpreisung, sondern enthält volle Wahrheit. Zn solch' künstlerischcr und formvollendeter Ausstattung ist das Gottesbuch fett den Zahrtausenoen seiner Existenz noch nicht erschienen. Es sind in Wahrheit ״goldene Früchte in silbernen Schaalen," die hier dem Zsraeliten dargeboten werden. Als die BerlagShandlung vor einigen Zähren daran ging, die ׳Bibel in dieser Ausstattung mit Luthers Uebersetzung auf de« Buchhändlermarkt zu bringen, da beneideten wir das ״christliche HauS" um diesen Schatz, und wie ein stilles Weh zog es durch des Israeliten Herz, saß es ״seine Bibel" in dieser -vestalt nicht heimsühren konnte; eine Äusgabe ״für Zsraeliten" v-ranstaltet zu sehen, wagte man selbst als leisesten Wunsch nicht zu äußern, weil man im Voraus die Verwirklichung an der Kostspuligkeit scheitern sah. Run, die BerlagShandlung von Eduard Hallberger hat es zu unserer sreudigpen Ueberraschung dennoch unternommen, diese splendid« Prachtausgave auch den Zsraeliten zugänglich zu machen, die er hierdurch zu größte!» Danke verpflichtet hat, den dieselben — es bedarf wohl kaum erst unserer Erinnerung — durch Anschaffung des Werkes in geeignetster Weise abzutragen sich veranlaßt fühlen werden. Die Berlagshandlung hat die Anschaffung dadurch erleichtett, daß sie das Prachtwerk in 40 Lieferungen zu dem verhältnipmäßig billigen Preise von 15 Sgr. erscheinen läßt, und den Herren Lehrern oder sonsttgen Gemeindebeamten, 'welche ihr sechs Abonnenten überweisen, ein Freiexemplar bewilligt. Wir hätten es allerdings gern gesehen, wenn der hebräische Text nicht gefehlt hätte — spricht ja die Verlagshandlung in dem sehr gutgeschriebenen Prospectus auch den richtigen Gedanken aus, daß das isr. Volk ganz besonders berufen war und ist, ״das Verständniß dieses heil. Kleinods durch die lebendige Bewahrung seiner Sprach« für die übrigen Völker zu vernütteln und es in seiner überkommene» Remheit und Vollständigkeit zu erhalten" — allein wir begreifen es auch vollkouunen, was die Berlagshandlung davon Abstand zu nehmen nöt.,igte. Wir wollen auch mit ihr nicht rechten, warum sie gerade diese und nicht eine andere (etwa bie Zunz-SachS-Arnheim'sche) Uebersetzung gewählt hat, wir würden hier nur noch de» Wunsch aussprechen, daß Ls die BrrlagShaudluiig nun einmal den hebr. Text nicht mitaufgenommen, die Bilder auch nicht immer an der Seite des sie erläuternden Textes sich«, dieselbe auch «ine besondere Ausgabe von den meisterhaften Dorö'schenBildern allein (ohne jegliche Ueversetzu n g) veranstalten niöge, um auch allen denen, die jene oder eine beffer« Uebersetzung bereits besitzen, gegen einen etwa» billigeren Preis zum Besitz des Kunstwerkes zu verhelfen. Wir zweifeln nicht, daß wir hiermit den Wunsch recht vieler Glaubensgenossen getroffen haben, und würden unS freu«, wenn die Verlagshandlung sich durch dies« Anregung veranlaßt fühlte, demselben Rechnung zu tragen. Es liegen uns bereits die drei ersten Lieferungen vor, die wir besonders mit Rücksicht auf die Uebersetzung fortgesetzt eingehend besprechen werden. (Fortsetzung folgt.) Antikritik. Nachdeni Sie, geehrter Herr Red., in Nr. 3 Ihres gesch. Blattes ein abspreche »des Referat gegen meine Schrift: Das Dasein Gottes und der MaterialisinuS ) ausgenommen haben, rechne ich auf Zhre Loyalität und Unparteilichkeit, daß Sie auch einer kurzen ״Entgegnung" gesälligst Raum geben werden.**) Zch werde mich der Kürze halber aus das beschränken, was meine Schrift uninitteldar betrifft, und daher das, waS Res. in Bezug aus Philosephie und Materialismus demselben voranschickt, wiewohl ich so Manches dagegen zu erinnern hätte, unberührt lassen. ) Wien Hölder 1873. * * *) Selbstverständlich; ebenso wie die Einsendung der ״Entgegnung an unser« gesch. Recensenten zur Selbstvertheidigung." (Red.)