Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 8. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5367336-5990814-5990928--0357-5367446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mit wetcher Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit derselb« verfährt,') kann man schon daraus ersehen, daß er mir di« Absicht zuschreibt, vir kantischen Ideen oder wie ich mich ausdrücken soll, die religiösen Wahrheiten theoretisch zu beweisen. — Wann wu wo habe ich diese beiden Ansichten, die sich eher cntgcgenflehen, miteinander idrntifizirt?') Bielmchr habe ich ersrere in der achten Erläuterung S. 88 —90 auSsrück lich dekäinpft. letztere aber dur-, cuc Gründe zu veriechtcn unternommen- Eine äynleche Uedtreilung, u,n den mildesten Ausdruck zu gebrauchen, folgt gleich daraus. Mit besonderem Tactc h-bl Res. hervor, der Eausalbegriff hatte mir etwas') angethan (sic) und behauptet nun, ich hätte mich in meiner Erklärung der Kausalität von den beiden extremen Ansichten, der von Dume: sie sei von d»r Erfahrung abgeleitet, und der von ftant: sie sei eine bloße Berstandesform, gleichweit cntfernt — währmd vielmehr diese beiden Auslegungen zieml ch aus Eins hinauslaufen.') insofern sie der herrschenden Ansicht entgegentret-n. daß die Causalität eine angeborene Idee, ein Begriff a priori sei und ich eine neue Erkläruni gab, die von diesen iv rklich extremen Ansichten abwcicht, und meines Erachtens eine befriedigende Lösung der fraglichen Problems liefert. Diese Erklärung, die darin besteht, baß die Eausalität nieder ein Begriff a priori — ein eingeborenes Denkgesetz, noch ein Begriff a posteriori — aus der Erfahrung geschöp t ist, sondern nur aus oem obersten Denkg-setz der Identität und des Widerspruch» als nothwenvige Eonsequenz folge, will Nef. nicht gelten lassen. Aber ivie bekämpft er meine Beweisführung? Indem er sie einfach verstümmelt und das Hauptargument verschweigt. — Den Eingang skizzirt er Peinlich richtig ״Ich ״wie jedes Ding in der Welt bin entweder entstanden oder nicht. Ein ״drittes gibt cS nicht. -Sonst mühte es ein Etwas sein, das ived.r ent- ״standen noch nicht entstanden sei, was gegen den Latz ocr Identität und ״des Widerspruch» wäre. — Was aber entstanden, muh auch eine Ursache ״feiner Entstehung haben. -Sonst würde eS ebenfalls gegen dieses Denl- ״gese; sein, indem das, was einen Augenblick zuvor ichts war, auf ״einmal ein Etwas geworden wäre. — Hier vricht Nef. ad und bemerkt, dah es kein Widerspruch s.i, wenn Et>vaS-A sei, was vorhin nicht-A gewes.n. Aller. ingS') — Er übergeht aber nachstehende Begründung: ״Auch «in Nichtsein und Sei» nach einander ist nicht denkbar, wenn ״kein« Ursache dazwischen tritt, diesen Uebergang zu bewirken. — Denn ״wäre es denkbar, daß durch die blohe Einwirkung der Zeit, ohne daß ״inzwischen etivas erfolgt sei, was als Ursache des Entstehens angenoiu- ״men iveroen könnt, ein Ding aus Nichts entspringen sollte, so ivürsen ״vergleichen Schöpfungen gar keine ihren,en finden, uns die Zeit allein ״wäre dann im Stande, die Welt aus Nichts zu erschaff n, — — — ״ganz abgesehen davon, dah, wenn nichts geschehen, die Zeit ohnehin nur ״ein leerer Namen ist." Es ist hier nicht der Ort. die weitere Ausführung und die Folgeungen, die sich aus dieser Erklärung sowohl für das Dasein einer ersten Ursache der Welt als für die moralische Freiheit ergeben, zu vervollstänbigcn. Ist es aber erlaubt und pflichtgetreu, eine ernst« Lache Fo leichtfertig zu behandeln? Denn ich kann Allem nach, und aus anderweitiger Erfahrung belehrt, den Nef. nicht der absichl ichen Verdreh»» z der Wahrheit und der Böswilligkeit zeihen und bin geneigt, anzunehmen, daß er sich nur nicht die Zeit genomuien, genau r auf ,fragen einzugehen, über die er längst mit sich im Keinen zu sein glaubt. Uebcrhaupt hat derjenige einen harten Stand, der die herrschenden Ansichten zu bekämpfen unterni mmt Die Meisten sehen es als Anuraßung, wo nicht als Beleidigung an, sie auf andere Ideen bringen zu wollen, Geschieht dieses noch im Interesse oer religiösen Ioeen, die der Moral zur Stütze dienen, d. i. der ewigen Wahrheit n der Bernunftreligion, so ist die Schwierigkeit durchzugreisen noch größer. Die M.tt-ria-ifle» sin» von vornherein gegen das Beginnen eingenomm n. Diejenigen hingegen, die mit dem Vers, in der Hauptsache übereinstimmen, haben jeder ein eigenes System, das sie so fest erachten, dah cs gar keiner weitern Unterstützung bedarf. Wer nun soll dafür eintreten? Was Nef. noch über analytische und synthetische Urtheile vorbringt, gibt er selbst als »retaphysische Grille an, uno enthebt mich der Mühe, daraus weiter einzugehen. Zur Widerlegung deffen, ivas er zu Gunsten Kants anführt, veriveise ich ihn auf die obenerwähnte acht« Erläuterung, wo seinem Einwurf im voraus begegnet wird.') Pest, Mai 1874. L. N. Landau. ') Gegen diese Beschuldigung muh ich aus's entschiedenste Verwahrung einlegen. In meinem Nef-rate über das hier in Red« stehende Buch habe ich die dem Bcrfaffer gebührend« Anerkennung ungeschmälert ausgesprochen, wenn er trotzdem mein Neserar ein absprechendes nennt, so bedaure ich dies um so mehr, als er mich durch den Borwurf der Flüchtigkeit jedem einzelnen seiner Einwürfe sofort zu begegnen zioingt. —rz. ') Gleich auf der ersten Seit« werden «holt, Freiheit und Unsterblichkeit als religiöse Ideen angeführt. Oder sind die religiösen Ideen für Herr L. keine religiösen Wahrheiten? Diese Ideen theoretisch beweisen, heißt ja Kant widerlegen wollen. Herr L. meint, er habe vielmehr die itant'schen Ideen ausdrücklich bekämpft, glaubte und glaube noch immer, er habe blos die Antinomien, nicht aber die K. Ideen zu kekämpsen gesucht. — Ich hätte also weniger präcis sein müffen, um nicht für flüchtig zu gelten. — rr. ') Etwas? Nein! Nachdem darauf hingewiesen wurde, dah die bedeutendsten Philosophen zuweilen durch einen einzigen Begriff irregeleitet wurden, heiht es: ״Unserem Autor hat's der Eausalbegriss angethan, denn dieser ist's, der seinem klaren, selbstständigen Denken eine schiefe Richtung gegeben." — n. *) Der Herr Berf. wolle sreundlichst p. 63 nochmals lesen, und er wird die Ueberzcugung gewinnen, dah er selbst apriorische und aposleriorische Begriffe als extreme bezeichnet. —rr. Literarische Misceüeu. D-lö soeben auSgegebrne Heft der Zeitschrisl der Deutscheu Morgeilländischcil Gesellschaft (Bo XXVIII Hest I.) bringt als erste Abhandlung (S. l—73): ״Kritische Untersuchuiigen zum Propheteutargilm ,lebst einem Anhänge über das gegenseitige Berhältniß der pentaleuchischen Targumim von Dr. Wilhelm Bacher." In Ancona ist eine poetische Uebersetznng des hebr. Gedichtes 1זעדן והת1םת von Immanuel den Salomo, einss Nachahmung der dante'!ch-n divina commedia erschienen. Dem Uebersetzer S. Seppilli steht außerordentliche Sprachgeivandiheit, Foruwollenvnug und ein feines poetisches Gefühl zu Gebote; seine Arbeit wird von alle» Fachblätteril als meiilerhaft gelungen dezeichnel. >) Mit diesem ״Allerdings" gibt der Brrs. meht zu, als ich erwartet habe. Wenn der Satz des Widerspruchs mit der Zeit nichts zu thun ha», so kann er auch aus das Nacheinander des Nichtseins und dcS Seins kerne Anwendung finden. Ich habe diesen einen Punk« deshalb hervorgehoben, weil er die Grundlage der ganzen Beweisführung bildet Wozu erst die Steine einzeln abreihen, wenn die Basis keine feste ist? Ich wollte nur zeigen, dah man Lehrsätze der cogik nicht nach Willkür erweitet» darf, so die Metaphysik n-cht anmaßend w.rden soll. — Ich war überzeugt, daß Herr Landau auf meinen Einivurs hin seine Ansicht über den Eausalbegriff nicht aufgebcn wird, habe aber nicht erwartet, dah ein ernster Zenker ein Referat fiüchtig, oberflächlich und leichtfertig nenn-n werde, weü es, anstatt die Eonelusionen zu zerstören, die Prae misse widerlegte. —rr. Briefkasten der Siedaetio». Hrn. Dr. F. N. in B. Ihre ״Erklärung" kann unter den angegebenen Bedingungen kein« Ausnahme finden. Sie berichtigt übrigens gar nicht». Hr». Nabb. I. in bl. In nächster Nr. ') Pardon! \!-mn losmologischen Argument ist dort auch nicht einmal die Rede. In einem philoioph. Briefe zwischen den Zeilen lesen ist nicht Sache eines ernsten A-cenjenten. —rr. 373J Im B-rlage des Unterzeichneten erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen׳ ' Da- Buch der Sage» llud Wilden jüdischer Borzeil. 106) Verlag von Oskar Leiner j in Leipzig. Soeben erschien complel der erste Btnd |des bedeutenden historischen Wer־| kes Nach den Quellen bearb. nebst An»»erlung. u. Erläuterungen von Abraham M. Tendlau. Drille vermehrte Auflage. Preis eirg. biochirl l rylr. ü Sgr. A. Kanfftnan« m Frant 1 » rt a/M. Berantworrlicher Redakteur: Dr. M. Nahm er. Druck u. Berlag von E. Scharnke in Barby. Grätz, Hellte der Jaden 63 Bogen (Ir 8°. Preis 2'PI,Ir. j Alle Buchhandlungen: nehmen Bestellungen darauf an. i 405] In meinem Verlage ist soeben erschienen: Dichterklänge aus Spaui-us besseren Auge». Auswahl aus den Meisterwerken jüd.-spanischer Dichter, metrisch Übersetz!, und mit Noten versehen von Dr. A. Sulzbach. Preis eieg. geheftet 20 Sgr. Frankfurt a. Main. Wilhelm Erraa.