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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 7. (1874) · p. Seite 26

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 7. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 a *ym י י Aufenthalt daselbst als höchstens bis zu Beginn dieses Jahres nicht gut annehmbar zu sein, obwohl Grätz behauptet, K. sei in jenem Jahre noch gar nicht in Rom gewesen. Allerdings ist richtig, daß er der Gesandte der römischen Gemeinde durchaus nicht gewesen ist, da er bei Aufzählung der Verfolgungen in den Jahren 1820—21 der Eksahr derselben mit keinem Worte erwähnt, was doch sonst gewiß geschehen wäre, aber daraus folgt nicht, daß er er erst später daselbst geweilt haden muß. Vielmehr glaube ich schließen zu dürfen, daß מס׳פורים früher verfaßt worden ist, als Ewen Bochan, dessen düstere Färbung aus lange Jahre hinaus ihre Schatten geworfen haben muß, und dessen tiefer Ernst mit einem leichtsinnigen Leben und Kundgebungen desselben, ähnlich jenem ander» Werke, durchaus nicht vereinbar erscheint. Aber ohnehin läßt sich beiveisen, daß er nach 1321 nicht in Rom gewesen ist, da doch Ewen Bochan im Teveth 5083 vollendet wurde, also vermuthlich noch zu Ende 1322, und der Verfasser die Schlußwidmung schon in Catalonien hinzugefügt hat; er hielt sich demgemäß in seiner Heimath nur kurze Frist auf und begab sich dann zufolge Aufforderung mehrerer angesehenen Männer nach Catalonien, wo er möglicherweise als Arzt, sich niederließ und bis an sein, um 1337 erfolgtes, Ende blieb. (Forts, folgt.) Die letzten zwei Auto-de-f6*) in Böhmen. In der königlichen Leibgcdingstadt Neubydzow in Böhmen wurde am 18. Decemb. 1748 an einem Schneider Namens Pita ein Aute-de־f6 vollzogen; er wurde, weil er seiner Meinung nach sich zur jüdischen Religion bekannt hatte, als Ketzer der Excommunicatio nmjor unterworfen, verurtheilt in eine Kuhhaut eingehüllt, aus der Stadt bis auf den Nichtplatz geschleift und da lebendig verbrannt zu werden. Der Richtplatz, auf welchem der Scheiterhaufen stand, liegt im Osten der Stadt aus der Anhöhe vor dem Dorfe Metlican, an einem Kreuzwege. Das Memorabilienbuch Nr. III., das sich im Archive der königl. Kreis- und Leibgedingstadt Neubydzow befindet, erzählt den Vorgang pa>r. 45 in ln lateinischer Sprache nach dem Originaltexte. Der Verfasser vorliegenden Aufsatzes hat vor mehr als 30 Jahren selbst Gelegenheit gehabt, die Proceß-Acten, welche über Pita Handeln, und die wohl noch im Decanate-Archive zu Neubydzow ausdewahrt werden, zu lesen und genau durchzusehen. Ich theile hiemit den Text in der Uebersetzung, sowie einige Bemerkungen, die ich bei Uebersetzung des Actenstiickes zu machen Gelegenheit hatte, den Lesern mit. Das Aktenstück lautet: Anno Domini 1748. ״Der Räoelführcr (Oor/rhaeus) Johann Pita, ein Schneider aus dem Dorse Chudonitz, Unterthan der königl. Leibgedingstadt Neubydzow. von seinen Eltern in der katholischen Religion erzogen, erhielt den ersten Unterricht in der israelitischen Religion von einem Hebräer, Namens Mendl, Rabbiner in der Synagoge zu Neubydzow') so lange, bis er selbst mit mehreren seiner Anhänger, die aus demselben oder den nahen Dörfern waren, Gemeinschaft mit den Juden hielt, ihre Synagoge besuchte und endlich der israelitischen Religion gänzlich anhing. Nachdem über ihn und seine Anhänger an das Revereud. et ainpliss. Consistoriuin zu Königgrätz Bericht erstattet worden mar, langte die Ercommunication folgenden Inhalts an:׳ ״Im Namen des Herrn. Amen! ״Jvl Religionsproeesfe gegen Johann Pita aus der Diö- ״ces Königgrätz und Pfarrei Neubydzow, welcher durch eine *} Man schreibt und Hort gewöhnlich Auio-da-ft — dies ist por« tugiesisch, — der Spanier sagt auto-de-fe. ') Diese Angabe, daß Mendt Rabbiner gewesen, ist nicht richtig; er war lediglich ein gewöhnlicher jüdischer Handelsmann. — Ich habe vor ungesähr;ehn Jahren selbst noch mit den Urenkeln des Bruders des hingerichle:en Mendl gesprochen. Eine Urenkelin hieß Rachel Hain, erreichte ein Alter von beinahe 100 Jahren und erinnerte sich der Geschichte uno des Procesies ihres Urgroßonkels, die ihr, als sie noch Kind war, von Zeugen des Auto-de-11; erzählt wurde. ״gewisse Secte, allgemein die jüdische genaunt, in schlechten ״Ruf gekommen war, wurde pro foro ecclesiastico vor- ״gegangen und untersucht: Wir des ehrwürdigsten, erleuch- ״leisten und hochgeboruen Herrn Johann Joseph von Got- ״tes und Apostolischen Gnaden Bischof zu Königgrätz, des ״heiligen römisch. Reichs Grafen Wratislaw von Mitrowitz ״(tik) General- und Ofsicial-Vicar in geistlichen Sachen, ״Joseph Sax, Achidiaconus und das ganze Königgrätzer ״Consistorium. ״Nachdem Johann Pita von unserem Vicar Joseph ״Escherich, Dechant in Neubydzow, den wir statt, unserer ״in diesem Gegenstände stellvertretend deligirt haben,' verhört ״worden war, ergab sich aus den Antworten auf die an ״ihn gerichteten Fragen, daß in verschiedene Jrr hümer, ״welche nach dem Unglauben des Judenthums riechen, in ״Blasphemie gegen Jesum Christum, den wahren Messias ״und den Sohn Gottes, welche den Glauben vom Grunde ״aus Umstürzen, verfallen fei, und er auch diese unter An׳ ״deren, wie namentlich in Gegenwart von Lucas Wolny ״und Anna Zimka verbreitet habe, so haben wir, die wir ״zu Gerichte saßen und den Namen Gottes für uns ange- ״rufen hatten, den oft genannten Johann Pita der Treu- ״losigkeit an der katholischen, apostolischen Religion schuldig ״befunden uitb haben ihn allen weltlichen und geistlichen ״Strafen, vermög der Bulle Caena §. I der heiligen cano- ״Nischen Bestimmungen gegen solche vom Glauben Abgefal- ״lene, Abtrünnige, Sectirer und Ketzer, sowie gegen die ״Verbreiter von Unglauben und Ketzereien, die gegeben und ״veröffentlicht worden sind, insbesondere aber und nament- ״lich den oft genannten Pita, überhaupt alle Andere, welche ״diesem neuen, perverse« Dogma anhängig sind, der Ex- ״communicatio major unterworfen, und erklären, daß ״Andere, welche dieser Secte verdächtig sind, so lange bis ״der Prozeß canonisch entschiedeil sein wird, für excommu- ״nicirt zu halten seien. — ״Weil aber die heilige Kirche eine wohlwollende Mut- ״ter, welche auch die widerspenstigen Söhne, wenn sie zu- ״rückkehren, ihre Fehler Ansehen und wahrhaft bereuen, in ״ihren Schooß wieder gütig und wohlwollend aufnimmt; ״so soll der oftgenannte Johann Pita, wenn er seinen Irr- ״thum einsieht und Zeichen von wahrer Reue und Buß^ ״zeigen würde, in die Gemeinschaft der heiligen Mutterkirche ״aufgenommen und den Genuß der Sacramente wieder rück- ״gegeben werden. ״Dieser Weise sprechen wir das Urtheil bestimmt aus, ״das wir schriftlich niedergelegt haben, es lesen und ver- ,,öffentlichen ließen in der bischöflichen Curie zu Königgrätz ״am 3. December 1748." Mir großer Blühe zwar wurde Johann Pita von den Llissionarii-j den Tag vor der Hinrichtung zur Reue gebracht; den folgenden Tag aber in einer Haut aus der Stadt auf den Richtplatz geschleift und auf dem Scheiterhaufen noch lebend verbrannt. Ein Bild, aus welchem Joh. Pita mit einen! Judenbarte abgcbildet ist, und auf welchem er in der einen Hand den Rosenkranz und in der andern ein Buch hält, soll Zeugniß seiner Neue und Buße geben. Dieses Bild wurde in der Rathhauskanzlei zu Neubydzow ausdewahrt, und führt folgende Inschrift in cechischer Sprache: ״Joh. Pita, ein Schneider, 45 Jahre alt, aus den! Dorfe Chudenitz, Unterthan der königl. Leibgedingsstadt Neubydzow, der über seine Nadel klug sein wollte, hatte sich durch Lesen der Schrift so verwirrt, daß er mit Juden Gemeinschaft hielt, selbst in jüdischen Jrrthum verfiel und noch andere dazu verleitete. Dieser Ursache halber wurde er verurtheilt, in einer Haut aus der Stadt geichleist und verbrannt zu werden. Vor seinem Tode hat er seinen Jrrthum beweint und ׳Buße gethan, und starb vermög Urtheils aller Anwesenden zum Beispiel den 18. December 1748." Die Anhänger des Joh. Pita wurden ebenfalls meist mit dem Tode bestraft.

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