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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 6. (1874) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 6. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 drückt, ist hier zu 34 Strophen verarbeitet. Ebenso ist Salomos Traum und Urtheil zu einem 12 Seiten umsassenden Gedichte ausgesponnen. DaS ist eben der Charakter der Stilübung. Dagegen ist die poetisch« Bearbeitung von Siinson dem Löwentödter iehr schön, denn der zweite Theil enthält einen Gedanken. — Was die Sprach« anbetrisst, so ist sie gewandt und rein, doch, wie das fast bei allen derartigen Werken der Fall ist, nicht ganz frei von solchen Wendungen und Ausdrücken, welche den deutschen Ursprung erkennen lassen. So z. B. die mehrfach vorkommcnde Phrase לקח חבל Antheil nehmen. זרוע בזרוע Arm in SJtm u. dergl. — Sehr zu bedauern ist die zahllose Meng« von Druckfehlcrn, von denen, besonders in der Punctatio», buchstäblich keine Zeile frei ist. Der Vers, bittet dies durch die Entfernung vom Druckorte zu entschuldigen, da jedoch der Druck eines solchen Merkchens nicht, wie etwa der einer Zeitung, schleunig vollführt werden muß, so hätte man wohl eine Correktur verlangen können. Das 5 Seiten füllende Fehlerverzeichniß enthält meist Verbesserungen, welche der Vers, nachträglich an seinen Gedichten vorgcnommen hat. Di« eigentlichen Druckfehler stören nicht sehr, mitunter aber weiß man doch nicht, was des Verfassers, was des Setzers Schuld ist. — Wir haben bis hierher meistens getadelt, — Kritik ist eben kein Lobgedicht — ivir erkennen nichtsdestoweniger schließlich gern an, daß des Rühmenswerthen weit mehr vorhanden ist, als des zu Bemängelnden und lassen Hrn. Dornzweig den Ruhm eines guten Dichters in hebr. Sprache ungeschmälert. t. 9) Sachs, Dr.. Ssm. D?6 br.'.ven Mannes Lsb uttb Preis! Allegorisches Drama in 3 Acten von Mos. Chaj. Luzzatlo. Deulsch unv dem Oeiginal so ähnlich als möglich bearbeite!, mit Anmerkungen und Inhaltsangabe einer jeden Scene versehen, nebst einer Biographie des Vers. und einem Biumenstläuüchen als Anhang. Berlin 1874. Wir können hier weder über Luzzatto noch über sein mit Recht gefeiertes Gedicht sprechen, wir haben es nur mit der Uedersetzung zu thun. Cs ls» ein nicht leichtes Unternehmen, die gedankenvolle uuv mitunter ziemlich dunkle hebräische Dichtung deutsch wiedcrzugeben. Wir glauben, daß Hr. Dr. Sachs das Richtige getroffen hat, wenn er ein Mittelding zwischen Uedersetzung »nd freier Reproduktion wählte. Uebcr ein mehr oder weniger zu rechten, d. h. zu bemängeln, daß hier eine Zeile ganz wohl wörtlicher, dort eine mehr nur dem Sinne nach hätte übersetzt werden sollen oder können, iväre nutzlos. Cs kommt offenbar darauf an, dem Leser die geistvolle Dichtung in ansprechender Form zugänglich zu inachen, und dies ist ohne Zweifel erreicht. Wir wissen wohl, daß der Kreis derjenige«, die an allegorischer Dichtung Wohlgefallen finden mögen, kein allzugroßer sein wird, es ist nicht das Genre, welches heutzutage en vogus ist; wie Wenige kennen jetzt noch die vor 2—3 Menschenaltern so gefeierten didaktischen Dichtungen deutscher und englischer Poeten! — Aber es ist dennoch und gerade darum dankenswerth, daß S. sich an diese Arbeit gemacht hat, und cs wird jedem, der mitunter einmal etwas Anderes lesen mag, als Novellen, Zeitungsartikel, populäre Medicin und Raturkunst oder Börsenbericht, ein wahres Vergnüg.« bereiten, wenn er das kauin 30 Leiten füllende Drama durchlieft. Daß es nicht uttisangreicher ist, ist ein bedeutender Vorzug, zeugt von des Verfassers richtiger Einsicht, cs ermüdet nicht. — Der Uebcrsctzcr hat die allegorischen Personennamen lateinisch wiedcrgegebcn: Vulgus, Gloria, Fraus, Liultitia, Intelleclus u. s. w. Es Hütten wohl deutsche Bezeichnungen gewählt werden können, doch komuit cs darauf mit so weniger an, als in den angenressenen kurzen Erläuterungen die hebr. Worte, resp. Namen, des Sriginals angeführt und erklärt sind. Die Sprache der Uedersetzung ist correkt; nur an einigen Stellen stößt man auf harte oder nicht tadellose Ausdrücke, ivelche ivohl zu oer,neiden geivescn wären, da weder strenges Metrum noch Reim eine Fessel bilden. Z. B.: ״Zu kehren Weisheits Rath in Thorheits Zucht," — ״jedes Ohr grausend schweigt" u. dgl. in. Daß durch ׳Antaus des Werkchens (beim Verfasser, Berlin, Universitälsstr. 5) auch ein Mitzwah geschieht, ist schon früher in der ״Wochenschrist" erivähnt. t. 10) Neustadl, Dr. N-, Prediger in Breslau. Wie erziehen wir unsere Kinder ¥ Eine exegetisch-pädagogische Studie. Franksurt a. M. 1874. I. Kaussmann. Zur richtigen Würdigung dieser Schrift muß ein Zwiefaches vorausgeschickt iverden, einnial, baß sie aus ״Vorträgen" (homiletischen) entstanden, und sodann, daß sie an den bekannten Spruch Hillel's in den Pirke Aboth II, >!. anlnüpkt, aus ivelche!» eine Menge beherzigenswerther pädagogischer Lehren entwickelt iverden. Durch den crsteren Umstand ist das öftere Wievenholen der allgeuteinen > ׳esichlspunkte, das Hincinziehen mancher nicht stricte zum Thema gehöriger agadischer Deutungen entschuldigt, durch das Festhalten an en'.cin gegebenen unv ivohlgcglicderken Texte konnte bei den cinzcliien Abhandlungen — es sind deren sechs — nicht immer die logische Reihenfolge beobachtet werden, sonst hätte z. B. die Abhandlung ״über den Zweck der Erziehung" nicht die vorletzte sein können. Der Vers, knüpst die ebengenanntc Abhandlung an den Spruch: ׳ולא כל המרבה בסחורה מחכים den « s. 31 also überseR, ״daß alle diejenigen, die nur irdischen Beschästigungen nachgehen, nicht klug werden können." Wenn wir auch den pädagogischen Lehren, die der Verf. daraus folgert, im Ganzen zustimmen — er hätte auch noch die Mahnung an die Eltern hieran knüpfcn können, die Binder nicht zu früh der Religionsschule zu entziehen und dem geschäftlichen Berufe zu übergebe« — so ist doch obige Uedersetzung nicht genau; dem Wortlaut und der Wortstellung nach muß der Spruch vielmehr übersetzt werden: ״nicht Jeder, der fich viel mit Geschäften befaßt, wird*) weise" oder (nach Kämpf im ״Sichath Jizchak") ״handelt klug." Vers, hätte alsdann nicht nöthig gehabt in einer Note unter Hinweis auf ״R. Abraham, den Grünzcughändler" eine einzige (?) Ausnahme zu constatiren. Auch der Erklärung der Synonymen אלים * גבר ׳ אלוש , איש in der 6. Abhandlung S. 37, können wir in Bezug auf גבר nicht beipflichten, das nach dem Berf. ״des Menschen Macht und Hilflosigkeit darstellen will." Im Gegcntheil, cs hat fast immer den Beibegriff der ״Stärke," der ja auch in der Wurzel liegt. Richter 5, 30, Irrem. 41,16 wird es geradezu als ״Held, Krieger" gebraucht. Auch die voin Vers, in Note 108 angeführten Belegstellen sind «her Gegenbeweise. So Threni 3, 39: ״Was beklagt sich der lebende Mensch, da er doch Herr über seine Sünden sein kann!" (oder: ergänze was beklagt sich) ״der (starke) Mann über seine Sünden?" Hiob 14, 10: ״Selbst der (starke) Mensch wird schwach und stirbt;" ähnlich auch Ps. 89, 48. — S- 41 ist der Schluß des Verses aus den Spr. Sal. 30, 13 neu aber nicht gut; das ,מר des Vordersatzes ist im Nachsatz vor שאו)' zu ergänzen. Doch diese Ausstellungen treffen nur den exegetischen Theil dieser Studie, der pädagogische ist durchweg gut. Der Verfasser gibt seiner Begeisterung für die Pflege des Hebräischen, für den Unterricht in der Thora, Mischna und Talmud auf jeder Seite in warmempfunvenen Worten Ausdruck, und wir wünschten, daß, sei es auch nur ein Theil seiner Mahnwortc, von jüd. Eltern nnd Lehrern beherzigt würden.**) r. Predigten. 1) Ster«, I. Gotlesflamme, religiöse Reden über Festtage und Wochenabschnitte. Zweiter Band. Leipzig, Oscar Leiner. 1874. 2) Klüger, K. Zwei Predigten, gehalten in der Synagoge auf Nalewki. Warschau, Altenberg und Robitschek. 1873. 3) Ara«k, Dr., Rabbiner in Linz. Zwei patriotische Reden, zum Bermählungsfeste der Erzherzogin Gisela, und zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph. Linz, 1873. Selbstverlag. 4) N«ger, Dr. I. I., Rabbiner in Jglau. Das Fürstenideal. Festrede zur synag. Vorfeier der Vermählung der Erzherzogin Gisela, (gehalten am letzten Tage des Peßachsestes 5633.) 5) — — Die Merkmale der gottberufenen Herrschermacht. Festpredigt zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph. Jglau, Carl Lehmann. 1873. 6) Landsvttg, Dr. W., Rabbiner in Pafewalk. Der erneute Dank. Predigt, gehalten am Erinnerungstage der Schlacht bei Sedan. Pafewalk, August Schnurr. 1873. 1) Der Verf. der erstgenannten Predigtsaminlung hat in diesem zweiten Bande unstreitig Rückschritte gemacht. Was in der ersten Sammlung nur hier und da als Fehler vom Sachverständigen wahrgenommcn wurde, ist hier zur Manier ausgeartet, die diese Predigten gänzlich ungenießbar machen. Da ist ein Gährcn und Brausen, ein wirres Durcheinander von Anführungen aus der heidnischen Mythologie, und nwderner Dichtervcrse, ein Bekriteln und Beschimpfen jüdischer Lehren und Satzungen, eine tolle Kritik und Hypothesensucht, ein Häufen von gelehrt klingenden Fremdwörtern und banalm Phrasm, daß dieses Gebräu alle!» Anderen ähnlicher sieht als einer jüdischen Predigt. Wie feierlichernst oft auch der Anfang, es währt nicht lange, so verliert der Verf.' die Ruhe und die edle Sprachwsise, er vergißt, daß er sich auf der Kanzel, auf einer jüd. Kanzel befindet. Da wird mitten in dem erhübenen Ton einer Festpredigt mit lateinischen Brocken um sich geworfen, wie ״inunduo vult deäpi, ergo deripiatur, die Welt will gefoppt sein, so werde sie's denn;" oder ״guot capita tot seiisus“ oder ״memento fnori‘‘ 11, dgl. Die Predigten —sit venia verbo — strotze» von ringestreuten, oft recht lanzathmigen Liederversen aus Mirza»Schafsy, Heine, Shakspeare, Homer, Byron, Ovid, Horaz, EuripideS und Sophokles, ein Spruch des Letzteren wird sogar als Ueberschrist einer Predigt (Nr. 6) genommen. Schiller uns Göthe fehlen fast in keiner Predigt. Oft brgeqnet man sehr ins Detail gehende» Ausführungen über heidnische Re- *) Vielleicht ist das Hiphil (nach Ps. 19. 8) richtiger zu übersetzen: ״macht weise," d. h. kann ein dcrufstreuer Lehrer sein. Der Zusammenhang mit dem kur; vora..gehenden Spruch: ״Der jähzornige kann nicht unterrichten" soivie Sie ganze Gradation in jener Mischna empfiehlt diese Aussasfung. **) Wir möchten den Verf. ersuche», bei Anführung von Eitaten nicht so verschwenderisch mit dem epitheto» ornaiis ״vortrefflich, erhaben" nmzugcyen. Was soll man gar erst zu der Note 80 S- 20 sagen : ״Wie wahr sind die Worte des Gottesmannes (!!!)... Elia Guttmacher." Soll diese Glorificirung vielleicht gar eine «mschrcibung lür ״Rebben" sein? Das fehlte noch! In der ״Einleitung" sind die Worte ״in den trüben Tagen des Heils" im Munde des Verfassers sehr auffallend, vielleicht nur ein lapsiis calami, wofür wir auch das ״Pirschah" in der Note 110 S. 38 für ״Paraschah" holten wollen. r.

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