Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 5. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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seinen Artikel: sur la cansalitl) Hier wollen wir unfern Autor um «ine kleine Pause bitten. Der Satz der Identität A ist A und kann nicht zugleich Nicht-A sein, hat als analytischer Grundsatz mit dem Sein de- A nichts zu thun, und darum will es uns nicht einleuchten, wie die Lausalität, die doch die Existenz der Dinge betrifft und demnach ein synthetisches Urtheil bedingt, aus einem analytischen Grunvsatz deducirt werdm könne. Doch setzen wir uns über diese metaphysische Grille hinweg, und achten wir genau aus die Deduction selbst. Alles, was entstand«,,, muffe eine Ursache haben, weil es ein Widerspruch wäre, wenn, was einm Moment vorher Nichts gewesen, aus einem Male etwas geworden wäre. Ein Widerspruch? A kann nicht Nicht-A sein, weil es ein Widerspruch ist, A und zugleich Nicht»A zu sein, daß aber, was jetzt A ist, vorhin Nicht-A gewesen, das können wir durchaus nicht als Widerspruch betrachten Wir sind allerdings gezwunger, zu jeder Wirkung eine Ursache hinzuzudenken, aber nicht ein Widerspruch, sondern die Causalität als die Denkform unseres Verstandes nöthigt uns hierzu. — Wir können hier mit dem besten Willen aus alle Erläuterungen nicht näher eingehen, dürfen uns aber die Bemerkung nicht versagen, daß die Einwllrfe unseres Autors gegen Kant ganz unbegründet sind. Kant selbst sagt in der Thesis zur 4. Antinomie, daß man wohl aus dem kosmologischen Argument auf eine nothwendige erst« Ursache schließen könne, diese Ursache muffe jedoch, wenn man keinen Sprung in ein anderes Gebiet machen will, zur Sinenwelt gehören. Gott als das vollkommenste, übernatürliche Wesen kann demnach aus dem kosmologischen Argument — ohne Zugabe des ontologischen — nicht bewiesen werden. — Müssen wir nun auch den Versuch unseres Autors, die religiösen Wahrheiten theoretisch zu beweisen, als mißlungen betrachten, so können wir doch nicht umhin, seine Schrift als eine anregende und intereffante zu bezeichnen und auss Wärmste zu empfehlen. —rz. Kempf, Khr. I. Geschichte der hebräischen Sprache als lebender Sprache. Nebst einem Anhänge über die hebr. Schrist und einer Schristtafel. Mainz, Kirchheim 1873. 29 Seiten 4° Der Zeitraum, während dessen die hebr. Sprache dem Verfasser als lebmde gilt, reicht bis an die letzten Ausläufer der biblischen Literatur. Da jedoch die jüngsten biblischen Schriften von den ältesten sich in sprachsicher Hinsicht nur sehr wenig unterscheiden und innerhalb der biblischen Literatur überhaupt säst nur in Styl, rhetorischer Handhabung und höchstens lexikalischer Fülle Unterschiede anzutreffen sind, eigentliche sprachliebe Entwickelungsspuren nur selten aujstoßen, so ist es kein Wunder, daß der Vers, der vorliegendm recht fleißig gearbeiteten Programmschrist sein Thema überschreitet und vielmehr eine Geschichte der biblischen Literatur in ziemlich gedrängter Darstellung bietet. Und zwar giebt er die Resultate der sog. apologetischen Richtung in der biblischen Einleitungs- Wiffenschast, so daß z. B. Jona als einer der ältesten Propheten figurirt, Hohelied und Koheleth als wirkliche Werke Salomo's, und vom babylonischen Jesajas kein Wort gesagt wird. So muß denn auch das Bild, welches der Vers, vom Entwickelungsgange des hebr. Schrislthums entwirft, «in nicht immer den wissenschaftlichen Ergebnissen der Jetztzeit entsprechendes sein. Auch versucht es der Veri. nicht, durch selbstständige Specialuntersuchung diesem in seinen Hauptumrissen längst feststehenden Bilde einige tiefer gehende Züge und Striche hinzuzusügen. — Mehr zum Thema gehörig und wenigstens die obschwebenden Ansichten übersichtltch zusammensassend ist der erste Abschnitt (S. 2—9) ״von den semitischen Sprache» überhaupt, von dem Baterlande, dem Namen, dem Alter, dem Reichthum und der Bildnngssähigkeit der hebr. Sprache. Gleichen Vorzug wohnt auch den» 4 Seiten langen ״Anhang" bei, ivelcher im Verein mit der nur den im Buchhandel erschienenen Exeinplaren beigegebenen ״Schristtafel" auch dem weniger Kundigen einen Begriff von der allmäligen Entstehung unserer hebräischen Quadratschrist zu geben vermag. — Di« Darstellung des Vers, zeichnet sich durch Einfachheit und Klarheit, sowie das Vermeiden unnöthiger Abschweifungen aus. W. B. Der Judenhaß von I. W—m—r. (Wien, Gebrüder Winter 1873) Es giebt Dinge, die tausendmal gesagt sind imd denüvch zum tausendundersten Male gesagt werden dürfen. Daß der Judenhaß blind ist und aller Begründung entbehrt, ist eine bekannte Thatsache, und doch ist es sogar verdienstlich, von Zeit zu Zeit sie wieder einmal auszusprechen. Ein Anderes wäre freilich eine wissenschaftliche Geschichte des Juden»׳ Haffes, di« bisher noch nicht geleistet wurde, aber ohne Zweifel einmal geleistet werden wird, sie wäre neben ihrer wiffenschastlichen Bedeutung eine dankenswerthe That. Denn wie aller Wahn und Aberglauben kann auch der immer noch üppig sortwuchernde Judenhaß nur dann siegreich bekämpft werden, wenn man seine Wurzeln bloßleqt und den Nachweis führt, daß sehr wohl ein Vorurtheil durch die Jahrhunderte gehen und wie der rollende Schneeball immer mehr anwachsen kann, ohne daß ״etwas daran ist", eine thatsächliche Unterlage und Berechtigung sich dafür finden ließe. Das vorliegende Schristchen kann nur den Werth eines Flugblattes beanspruchen, das in seinem Kreise vielleicht durch di« gewandte Wiederholung des längst Bekannten manchen Nutzen stiften kann. Gegen die Wühlereien und Hetzereim der Schwarzen in Wim mag ihm einige Bedeutung eingeräumt werdm. Die Sprache ist leichtverständlich und wirksam. Damit sind aber auch seine Verdienste erschöpft. v. K. Bibliographische Notizen. Zu dem Aufsatze des Hrn. Rabbiner D Oppenheim ״über synagogale Musik im Mittelalter" in Nr. 3 des Literaturblattes macht uns Hr. M. Roest in Amsterdam einige ergänzende und berichtigende briesliche Mittheilungen, von dmm ivir die nachfolgendm auszüglich hier wiedergeben. 1) Was die hebr. Compositionm des Salomo de' Rossi anlangt, so hat derselbe seine ״Schirim“ für 8 Stimmm (Canto, Alto, Tenors, Basso, Quinto, Se81o, Settimo, Ottavo) componirt, und jede Stimm« mit Bezeichnung d-rselben auf dem Titel besonders edirt. (Vgl. Steinschneider's Catal. bibl. Bodlej., nach welchem Zedner sämmtliche Stimmen aus der Pariser Bibliothek gesehen.) Hiernach löst sich der scheinbare Widerspruch zwischen der Angabe Wolff's, der ״Basso" gelesen, und des Hrn. Schwab in Paris, der ״Sesto“ liest, von selbst; auch unsere Vecinuthung Betreffs Sesto erweist sich hierdurch als hinfällig. Die Eomposition für ״Quinto“ befindet sich im Brit. Museum, ״Alto“ auf der Wiener Bibliothek (wie uns Hr. S. I. Halberstamm schreibt); über dieses letztere Exemplar hat Jellinek im Ben Chananja IV. 1861, S. 236 ausführlich referirt. 2) Ueber das von Hrn. O. erwähnte Simchath Flekesch pars II. ist Wolf IV. Nr. 2256 und Steinschneider Cat. Bodl. p. 821 zu vergleichen. Das Exemplar der Rosenthal'schen Sammlung ist im Besitz des Herrn Roest in Amsterdam. 3) Vom Werk« הון עשיר des Raph. Im. Chaj. Recchi (Amsterd. 1131) enthalten einige Exemplare auf den zwei letzten Blättern zwei Hymnen von R., und die musikalische Eomposition von Abraham Laceres zu einer derselben. 4) Unter den neueren Werken über synagogale Musik verdient daS von E. Aguilar: The ancieut melodies of the üturgy ok the spanisch and Portuguese Jews etc. by D. A. de Sola. London, 1857 in 8. anerkennende Erwähnung. Büeher-Auctflon• 7. Serie. — Octav. 135) שבילי אמונה v. Aelr Aldabi. Lemberg 1801. 136) מלות ההגיון mit Mendelssohns Comment., Uebersetzung u. Super- * commentar v. Neuman, nebst Additameuta von Ja. Satnow. Wien 1822. 137) a)בינה לעתים 0« מלחמות ה׳ c) צוף נובלות v• ®(jahim b. Abraham. London 1794. 138) ם, מהרי" ל Offenbach 1720. 139) מנדול עןן vün j*®. Emden. Altona 1748. 140) בחינות ע“לם Jedaja ha-Pnini, m. deutsch. Hebers., Biur und Biur ha—Miloth. Fürth 1821. 373) Im Verlage des Unterzeichneten eichten und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen: DaS Buch der Sagen und Legenden jüdischer Vorzeit. Nach den Quellen bearb. nebst Anmerkung, u. Erläuterungen von Abraham tl. Tendlau. Dritte vermehrte Auflage. Preis eleg. brochirt 1 Thlr. 5 Sgr. I. ftouffmann in Frankfurt a/R. 141) 142) Offerten mit עקרי אמונה v• Friedenthal. יוסף ואסנת v■ Ödskind Raschkow. לישרים תהלה v• Chajim Luzzatto. ם‘ כליל החשבון v• David Frisenhausen. Berlin 1796. Angabe des Minimal- und Maximainreises sind zu richten an die Exped. der Iar. Woehemehrlft _ in Magdeburg.__ Verantwortlicher Redakteur: I>r. M. Rahmer. Druck u. Verlag von »rleskaste« der Redaction. H. L. in Vf. Sie sehen, für die ״Predigt-Recensionen wieder kein Raum. — Auch die Besprechung der uns zugesandten ״Schul- Programme" muhte für die nächst« Nr. bleiben. L. Scharnke in Barby.