Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 4. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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mische und fremd« «aaen. «gänzen wollten, bilderen sie aewiffennaßen rin« Ergänzung zur griechisch.-« Bibelübersetzung. «on der sie a-ich nachweislich adhängen. Dadurch, sonne als ültrster Versuch, di« israelitisch« Geschichte wissmschaftlich zu behandeln, ist jener alrxandrinisch-jüdische S schichtsschreibring auch in den erhaltenen Bruchstücken der Aufmerksamkeit werth und der gründlichen Untersuchung würdig, welch« ihnen Hr. Dr. Freuden!hal in den vorlirgenden ,Studien" zu Theil werde« läßt. Diese Untersuchung fand von vorn« herein die Schwierigkeit vor, daß di« frag ichen Frag, mente durch die Hände zweier Lompilaioren gegangen sind und so erst die schriftstellerische Art dieser Beiden — es sin» d«r heidnische Polyhistör Alexander und der christliche Historiker Eusebius, der letztere hat di« Fragmente aus dem verlorenen Werke des erster«» geschöpft — in Betracht gezogen werden muß, um di« Integrität und Echtheit der Bruchstücke zu deurrheilen. Dies thut der Herr Berf. in den zwei ersten Aoschnitten (3. 1—35) und gelangt durch selbständige Erwägung der Herrschenoen einander widersprechenden Ansichten zu e»ne>» für die Authenticität der fraglichen Stück« im Ganzen günstigen Resultat. Dabei wird Umfang und Eharakter der Schrift Alexanders ״über dir Juden" in klares Licht gesetzt. Der nun folgend« Abschnitt bespricht den ältesten der hellenistischen Geschichtsschreiber, den Lhronographen Demetrius sS. SS—83). Was ihn auszeichnet, ist weder origineller Gedankengang, noch glänzender Styl, vielmehr eine von den übrigen Hellmisten abstechende Nüchternheit un» Einfachheit. ״Nirgmds läßt Demetrius sich auf eine ausführliche Schilderunz der Ereignisse «in; nirgends wird «ine Lharakterlstlk der Perjonm mtworsm oder ein« breite Erzählung von Red-numstandm gegeben. In grobm Zügen stellt er da» dürre Gerippe der Thaijachen hin, und ' nur in seltenen kleinen Abschweifungen sucht er zu erklären oder zu rechtfertigen, was von biblischen Erzählungen der Aushellung oder der Bertheidigung zu bedürfen schien " ״Wahrheitsliebe, Fernyalten fremder Sagen uud Einfachheit der Darstellung srno nicht zu »nrerschätzeno« Vorzüge. ... Sr hat aber auch jeuie eurzige Quell«, dir B»b«l, genau studirt und weiß selbst ihre leisesten Winke geschickt und sicher für seine Zweck« zu verwerthen," Der Entsteyungsz it der Septuaginta, welch« Demetrius bmutzt hat, stand er nicht zu fern. Durch «ine besonders gelungene und einleuchtende Conjectur beweist Hr. Dr. Fr., daß der Chronograph im Jahre der Thronbesteigung Prolomäu»' des Dritten (246) schrieb. ״Als Hrimath des Demetrius kann nur rin Land angesehen werdm, dessen jüdische Sprache und Lultur sich schon im drittm Jahrhundert in griechische Sprach« und Kultur so tief hineingelehr hart«, daß rin Bidelgtäubiger uud nationalgesinnter Mann wie Demetrius griechisch schrieb, nach Art griechischer Gelehrten forscht« und die griechische Uebersetzung der Bibel mit völligem Ausschluß d«S hebräischen Textes benutzte." D«« unverkennbar« Verwandtschaft der Exegese des Demetrius mit den Deutungen der Palästinenser führt nun den Vers, zur genaueren Ecörrerung der Frage, ob wirklich nach dein Vorgang« Frantel's an dem Grundsatz« festzuhalten ist, ״daß überall, wo hellenistisch« und palästinenjisch - babylonische Lehre sich berühren, dies« als originell, jene als cuilehnt anzusehen seien." In dieser für die Geschichte des Midrasch überhaupt wichtigen Erörterung (S. 65—77) suchte nun Herr llr. Fr. zu dcweize», daß der ״hellenistische Midrasch" auf di« Schristauslegung Palästina'» nachhaltmdm Einfluß geübt hat. Der Beweis wird zunächst durch eine Reihe von agadijchen Aussprüchen geführt, i» denen nicht nur griechische, sondern jpecifisch hellenistische Anschauung zu Tage treten soll. Jndeflm wi« überraschend auch manche dieser Analogien sind, üderzeugende BeweiSkrast können sie nicht beanspruchen. Es sind nieist Ausspräche von Raddinen des dritten Jahrhunderts, und bei diesen läßt sich viel eyer an unutitlelbarm Einfluß griechischer ״Philosophen" od,r christlicher Gnostiker denkm, als an den der längst er!ojchenen jüdisch-alexandrtnijchrn Schule oder deren Schriften, von denen im Talmud oder Midrasch nie etwas erwähnt wird. In welchem Umfange aber jener unmittelbare griechische Einfluß auf dl« Sprache, Denkweise und Anschauung der palästinensischen Agaoijten Start gefunden hat, ist bekannt; während im 2. uno 3 Jahryunoerl, der Blüthezeit des Midrasch, kein Nachweislicher Zttsammenhang zivljchrn Alexanorien und Palästina bestaub. Viel bedeutender ijt die Thatsache, daß die dem Midrasch eigen« Rethooe, Schwierigkeiten aujzuwerfen und zu lösen, bei den Heller..sten — als Erde der Sophist«» — schon frühe auflritt, und daß auch schon bei Demetrius jene Form der ״Fragen und Lösungen" sich vorsinoe», welche Herr vr. Fr. von jüdischen Hellenisten aus palästinensischen Boden oerpstanzt woroen zu sein scheint. Duser Thatsache, welche hier zum ersten Male betont und zu weilerer Folgerung benutzt wird, kann ihre Bedeutsamkeit für die Geschichte des Midrasch nicht abg.sproch.n werom. Ihre Tragweite w.rd vielt.icht durch emr V.ruiuthur.g verstärkt, welche auszusprech.n uns hier gestatt.r sei. — Pillei, der groge Lehrer, welcher zum ersten Male den traditionellen Lehrstost der pal. Schulen systematisch ordnete, welcher die ersten — skben — logischen Regeln (מדות) für die halachische Schristauslegung aujftellte, dessen Schüler R. Jochanan dm Salkai in der Literatur als der er>te beveut.nde Agadist erscheint, Hillel hatte zu Lehrern Schemaja und Adtalion, welche (wie Grätz, Geschichte Bd. IIL, S. 539 nachweist) auS Alexandrien nach Jerusalem kamen. Durfte nun in ihrer Lehrart nicht der Einfluß ihrer LanveSgmojsen sich geltmd geinacht haben? Und >!» dreL dr: o׳sU, wall liegt »ähre, ul» anzunehmen, daß Hillel, »er sich selbst ihren treuesten Schüler nannte, sowohl die Anwmdung dialcktischer Normen sür die Halacha als auch die Methode der ״Fragm und Löfnngm" für agadische Stoff« von chnm annahm und sie in fsinrr fortan maßgebenden Schule zur Geltung brachte. Dadurch gewinnt auch di« mehrfach bezmgte Manier des R. Jochanan b. Sakkai, sein« Schüler gegebene Fragen lösm zu lassen, eine bedeulfame Grundlage. Doch es ist hier nicht am Orte, in diesm Gegenstand, welcher besonderer Besprechung werth ist, tiefer einzugehen. — Der letzte Abschn tt des vottiegmdm Heftes (ein zweitewird di« übrig n Fragmmt« behandeln, sowie größer« Anmerkungen bringm) beschäftigte sich mit den von Alexander unter dem Nam.n Eupoiemo« citirtm Stückm. Ein Th ll derselben wird als pftudepiaraphisch «achgewiesm un» als einem Samaritaner gehörig, der ei« Bach über die ״heilige" Stadt Sichem schrieb. Mit noch andern Fragmente«, auf welch« der Verfasser hinweist, wären diese Reste einer famariumischen Becheiligung an der hellenistischen Literatur. Soviel genüge, um den Inhalt der vorliegenden Schrift zu skizziren: niehr hervorzuheden verbietet der Raum dies. Bl. und di« Erwartung, daß, wer Interest« für di. ft Gegenstände hat. sich den Genuß eigener Lectüre nicht versagen wird. Ein« Füll« von gelungenen Eonjeeturen uno Verbesserungen sowie von ttestenden Bemerkungen machen dies« Leetllre zu einer in hohem Maße anregenden und delehrmden. Daß dft Darstellung sich durch geschmackvoll« Sprach« und sicher fortschreitende krttische Methode auszeichnet, braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden! vr. W. B. Noch einmal ״Zu Ehanuka." (Schluß.) Der Mangel einer Erzählung ist mehrseitig empfunden worden.׳ Allein dafür bin ich nicht verantworllich, sondern die jüdischen Schriftstcller, denen meine Aufforderung ün Januar mit galt, und denen ich »in Juli Circulare ins Paus sanote. Ich habe die Freude gehabt, von Leopold Kompert für den nächsten Jahrgang «ine Zusage zu erhallen uno hatte das lebhaft« Bedauern, die einzige und zwar treffliche novellist-sche Einsendung des Vorjahres zurücklegen zu müssen, well sie fast den ganzen Raum des Buche« in Anspruch genommen hätte. Sie wir» demnächst in dem vom jüdischen Literaturverein herausgegebenen Eyetus erschein-». Bei dieser Gelegenheit kann ich mir inoeh die Bemerkung nicht versagen, daß an eine jüdische Nooelle, die der Ausnahme im Eha- »ukabuch werth äre, weit strengere Anforderungen zu stelle» sind, als an die gewöhnliche Feuilleton-Erzählung. Rov.llcu, die den glücklicherweise aus dem Leben verbannt n Jargon, die widerwLrtigr Mausch.lei reprovuriren, erschein-« mir ebenso verwerflich als solche, die nur durch jüoische Namen und Fest« an das Judenthum erinnern. Eine jüdisch.׳ Er ählung, die sür Juden lesensiverth sein soll, muß jüdische Euiturgcsch.chte enthalten. Un» hierin stehcn Rompert, Rebenfieln und Bertho!« Auerbach (Dichter und Kaufmann) als leuchtende Borblloer da. Der Verfass.! der demnächst ersch inenden obgedachten Erzählung aus dem jüdischen Leben in Breslau recht sich ihn.« würdig an. Der abfällige Beurcheüer des Lhanukabuch.s hatte die Freundlichkeit, in einer Privatzuschrist mir ״die Novellenperlc: DaS Judenmädchen von Tanger" aus den jüdischen Familienpapier, n von W. Herzberg zuiu Abdruck zu empfehlen. Ich antwortete ihm sofort, daß mir das Buch unbekannr sei, uno daß ich grunosä lich ohne G.n.hmigung des Autors ober H-rauSgebrrs oder Verlegers nichts au.nehme, Laß ch chm aber sür Ler? Mittelung der Einsendung dankbar j.in würde. ' Daraus blieb ich ohne Erwiderung.') Ueberhaupt weiß ich nichts von allzugroßer Bethelligung des beitragenden Publikums zu rühmen. Mit anerkennensw.rther Ausnahme der Herren vr. Rothschild, Leopold Dann, Dr. Löw, Dr. Rahm.r, Dr. Fab an Feilch.nselo, Leopold Mandl, Ktingensteiu, (der mir di« Achawo) Dr. Zirnoorf (»er mir sein« Gedichte und Slein's Freitagab.nd zur Verfügung stellte) und einig.r Wenigen, deren Beiträge ich dankend ablehn, n mußte, cheilS weil sie mit dem Judenthume nichts gemein hatten, th.ils weil sie zu localer Art, thells weil sie zu u,»sanglich waren — bin ich zwar sehr m Eorrespondenz erhalten, aber wenig unt.rsrützt worben. Ln guten R ithschiagen hat mir'S nicht gefehlt. Dem Ein.« mißfiel der Ausschluß kleiner Kinder, dem Andern die lleberweisung des Reinertrags an den Gemeinvrbund. Der woüte ein RebaclionSeomite, jener vorwiezenoe Berückzichcigung der Poesie, Andere mahnten vor allzufrühem Erscheinen ab. Ich aber dachte: ״frisch gewagt ist halb gewonnen" und liep mich durch das Alle» ,acht dcirr-n. Das Publikum mag entscheiben, ob das Ehanuka-Buch in dieser Form lebensfähig sei. Wo nicht — dann mögen uno werben Andere daS besser mach.«, was ich nach Kräjt.n versucht habe. Denn das ist erreicht: Die Idee eine Ehanukaliteratur ist verwirklicht und w.rd Hoffentlich fort uno fort Ausdruck finven. Ob durch mich — der nur nothgedrungen, weil Andere, Berus.nere, schwieg.» uno meinen Auftuf igno- *) Da der Punkt zur Sprache gebracht wird, muß ich erklären, daß ich bei der Einpfehlung nicht steh.n geblieben bm, daß ad.r die Bcwilligvng Hcrzbergs zum Abdruck der Novelle zu einer Zeit einlicf, wo ״Zu Ehanula" bereits gedruckt werden mußte. In der Antwort des Herr« Lehmann hieß es übrigens, daß er sich principiell nicht an die Autoren wenoe, ein Prineip, oa» durch se.ne ooigen Angaben beoeutenb durchlöchert erscheint. D. K. (Die ״Wochenschrift" wird diese Novelle »»ächstenS alS ״Feuilleton" bsingen. R>)