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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 2. (1874) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 2. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 DaS verborgene Feuer. Von Aabbincr 2. Oppenheim. Der höchst märchenhaft und mysteriös klingende Bericht des Baron Kempelen über das ״verborgene, geheimnißvolle Feuer" (vgl. 9fr. 1 des Literaiurbl.), den derselbe angeblich von einem Konstantinopler Rabbiner erhalten kaben will, scheint nichts anderes als eine bloße weiter ausgesponnene Sage vom ״heiligen Feuer" zu sein, das Nehemias, nach der Erzählung des 2. B. Maccab. 1, 18—36 und 2, 1 — 15), gefunden hat, wie Sie dies, Hr. Redacteur, in der Annicrk. richtig bemerken. Dem Verfasser des 2. B. der Maccab. baben wohl zwei verschicdene Sagen voir den! gefundenen heiligen Feuer Vorgelegen; nur ist in der Relation im zweiten Kapitel, wo Jeremias, der im ersten Kapitel gar nicht erwähnt wird, die Hauptrolle spielt, etwas ausgefallen, denn das eigentliche Wunder, wie nänilich beim zweiten Tempel das Feuer, analog den angeführten Beispielen von Moses und Salomo, Vers 10—13, auf ungewöhnliche Weise hcrbeigeholt wurde, wird stillschweigend übergangen. Allein der Rabbiner aus Konstantinopel dürste schwerlich das Buch der Maccabäcr gar gekannt haben, sondern benutzte wohl den Pseudojoscphus, Josippon, Ab. 3, der die Erzählung von der Äusftndrlng des heiligen Feuers mit vielen Veränderungen und Zuthaten ausgeschmückt darstellte. Daselbst heißt cS, daß Esra und Nehemias, nachdem sie zum Opfer und zur Einweihung des Altars alles bereitet hatten, in Verlegenheit geriethen, weil sie kein profanes, ״fremdes Feuer" ."אש זח gebrauchen wollten, wie sic die Opfer aus dem Altar verbrennen sollten, und sie beteten zu Gott, daß er ihre Sinne erleuchten und ihnen rathen möge, was zu thun sei: תן לנו עצה ועזרה וכי Da trat nun ein alter Priester auf und zeigte in der Tempclmaucr eine verschlossene Grube, tvo Jercmias das heilige Feuer verborgen und als man sie öffnete, fand man ein wie Oel und .Honig verdichtetes Wasser, das man aus den Altar schüttete und die Opferßücke entzündeten sich plötzlich, so daß auf eimifal der Altar und der Teinvel von Feuer umgeben war und die Priester mußten das Heiligthum verlassen. Rach und nach verminderte sich der Unifang des Feuers und blieb blos auf den! Altar zurück, wo cs vonr!Opferholz stets erhalten wurde. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der angebliche Rabbiner an die Sage des Josippon seine Legende von dem Esch tamun (verborgenen Feuer), das noch iininer als Geheimniß bei den Kabbalisten bewahrt werden soll, knüpfte. Sonderbar ist aber die ungrammatische Bezeichnung Esch tamun, אש טמון, denn da אש ein Femininum ist, so müßte cs heißen: Esch tcmuna אש טמונה■ Doch läßt sich dieser Irrt . NM auf Rechnung des des Hebräischen unkundigen Baron Kempelen stellen, der den Rabbiner mißverstanden oder das Wort unrichtig gegeben haben mag. In der Mischna (Beza 4, 7: אין מיוציאין אש מן המיט) wird auch eines aus Wasser zu erzeugenden Feuers erwähnt, wobei Maiiuuni gegen die Erklärung von Raschi, an ״Reph- 1ha",*) was Aruch s. v. mit ״Petroleum" wiedergibt, denkt. Fm Talmud (Joina 21, I!) wird darüber discutirt, ob beim zweiten Tempel das heilige Feuer vorhanden war oder ob dasselbe auch zu den fünf Gegenständen gehörte, die im 2. Tempel fehlten. Vergl. hierüber Meor Enaim K. 50 und 51; Sedor Hadoroth I Schlagw.: כנין בית שני. — Fm Talmud findet sich von der Sage der Auffindung des heiligen Feuers keine Spur, obschon derselbe über diese» Gegenstand öfters handelt. Vielleicht ist das Joma 21 b gebrauchte dunkle Bild vom heiligen Feuer רבוצה כארי רבוצה בכלב diesem Sagenkreis entnommen. Ebenso dürste in Lcbachiin 02 a die Stelle ג׳ נביאים העידו על המזבח על מקום המזכה וב' zu emcndiren sein: על אש המזבח. על מקום המזבח d. h. ein Prophet bezeugte, wo das *) lieber das dunkle ״Nephlar" im 2. B. d. Marcab. 1, 36. vgl. Wl1:.׳r'o Realwöiterb 3. v. heilige Feuer des Altars verborgen war. Im Jallüt 2 §1080 ist die Lesart:')על המזבח .ועל מקום המקדש- Nascht und Maimuni stimmen aber mit unfern Editionen überein. **) Nach dem Talmud Lchekalim 6, 1 u. Jcruschalmi daselbst hätte übrigens, wie wir hier noch bemerken wollen, der Kßmg JosiqD die Bundeslade verborgen und nicht Jeremias. Cin Wort über ״Pachad Jizchak." - Zu den bis jetzt noch nicht genügend erklärten Worten der heil. Schrifk gehört auch das Wort פחד in der Zusaminensetzung mir dem zweiten Stammvater an den zwei Stellen der Geneiis Kap. 3l, Vers 42 und 53. Wir übergehen die verschiedenen Hypothesen zur Erklärung dieses Ausdrucks von Raschi ab, der ihn bekanntlich als eine Umschreibung des Gottesnamens (אלה׳ יצחק) nimmt, ״weil Gott seinen Namen nicht mit einem Lebenden in Verbindung bringt", bis zu den neuern Coinmenkatoren, die das Wort für den Namen eines ״Götzen" Hallen und erwiedern auch nichts auf die allerneueste Meinung, die darails eine Gottheit ähnlich der , furchtbaren" indischen (Sivva) macht. Es schein! aber auch hier nicht nölhig, in die Weile zu schweifen, weil das Richtige nahe liegt. Die einfachste Erkiärurg ergiebt sich allerdings schon aus dem Worte selbst, welches wohl auch oit richtig, aber nicht durch die biblische Erzählung gehörig molivirl, übersetzt worden ist; nur ein lieferer Einblick in das Leben dessen, dem das Won פחד als Charaeteristicum beigesügt wird, kann uns dasselbe begründen und verständlich machen. Jeder, der auch nur oberflächlich die Genesis gelesen, legt sich die Frage vor, was den» eigentlich so hervorragend Verdienstliches von Isaak berichtet werde, daß sein Name unter den ersten ausgezeichncren Patriarchen glänzt und dem israelitischen Volke gleich den übrigen patriarchalischen Vorbildern unauslöschlich eingeprägt blieb. Wir suchen im Lebensgange Jsaat's vergebens nach Tha ten und Handlungrn, welche von seltener GeisteSstärke, männlicher Thalkraft oder begeisterndem GlanbenSeiser zeugten, rvie etwa der energische überzengungsseste \ Glaubenseiser seines V iterS, oder dessen Uneigeunützigkeit, Friedfertigkeit und Gastfreundschaft und wie etwa ferner Jakob'S unerschütterliches Gollvertrauen mitten in seinen vielfachen Sorgen, Kämpfen und Leiden, sein beharrliches Ringen mit dem Schicksale, ivelches sich für ihn so oft düster gestaltete. Als die einzige hervorienchteuve Glaubensthal Jsaat's wäre seine bereitwillige Hingebung zur Opferung (Akedah) zu nennen, wenn nicht auch hier seiir Aniheil daran nur ein passiver gewesen wäre, welcher in der Darstellung der h. Schrift gegen den thäligen Antheil seines Vaters so sehr in den Hintergrund tritt, daß einige Eommentaloren deshalb diese Begebenheit in eilt sehr jugendliches, kaum zurechnuugsfähiges Alter des Isaak setzen. (Jbn Esra 1 B. Ä. 22, 4 und שנות ח״ט ibid) Isaak soll aber auch gar nichts als lhalkräftiger Glaubensheld, als energischer Vorsechler der durch eigene Intuition gewonnenen Ueverzeugung aufgefaßt werden — wie überhaupt nicht alle drei Patriarchen durch dieselben rühmlichen Eigenschaften und Gesiilnungen sich unsterblich machten, sondern jeder durch eine eigene hervorragende Seile seiues Wesens als Musterbild zur Nachahmung und zilul Sporn für die Nachwelt dastehl, was aber an diesem Orte ') Aus der Abbreviatur מקל האש >st wahrscheinlich מקדש geworben. (Aeo.) **) Doch muß man zugcbcn. daß hier viele Lorruptelen vorhanben sind. «So z. B. ist die Stelle ibid. offenbar ein Fehler, was nirgends b i s h e r b - IN e r k t wurde, nämlich: אפרו של יצחק ראו שמונח שט. was doch ausdrücklich gegen daS Zeugniß der Bidet ist. wo «S heißt (I B Dl. 49, 31) daß Jsak in der Höht« Machpela begraben wurde. Wie so kam dann die Asche JsakS aus Morija? Allein die richtige Lesart hat Pirke di % Elieser. wo «S heißt: אפרו של אילו של ׳יצחק »die Asche des von Abraham geopferten Widdert" (1 B. M. 22, 13), die an der Stelle des Altars ausbewahrt wurde.

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