Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 2. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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nicht des Weitern auseinandergesetzt werden soll —; Isaaks Stärke und Bedeutsamkeit für Israel liegt in seinem unbedingten Gehorsam gegen den väterlichen Willen, in seiner Pietät gegen Die ihm überlieferten Lehren. Wenn man die betreffenden biblischen Erzählungen genauer inS Auge faßt, so erscheint er in dem passiven Gehorsam bei der Opferung, ohne Widerspruch und Murren gegen das Ansinnen seines Vaters, wie nicht minder in der Zufriedenheit mit dem Wunsche des Vaters bezüglich der Wahl seiner Frau aus der Ferne, wie in dem Bestreben, diese Sitte, wie jede väterliche Sitte und Lehre, in seinem Hause fortzupflanzen, als ein würdiger, für die Intentionen des Vaters Verständniß bekundender Sohn, und deshalb ein Vorbild der frommen Hingebung, ein Typus gewiffenhaftcr Erhaltung und Wabruug der väterlicheu Religion*) Ohne diesen weiterwirkenden Sohn hätte die eifrige Thätigkeit Abrahams, seine Ueberzeugung zu verbreiten, keine nachhaltige Wirkung gehabt. Wie Abraham vorzugsweise durch die Thal (נעשה) wirkte, so Jiaak durch pietätSvollcn Gehorsam!׳(נשמע welchen beiden Momenten das Volk Israel teure Priesterweihe am Sinai verdankt. Im letztern nainentlich, im unerschütterlichen Festhalten an den Sillen und Lehren der Vorfahren, wurzelt seine unbesiegbare Kraft, sein Trost ir der Zeiten Ungunst und die Widerstandsfähigkeit gegen Noth und Tod. In dieser ״Ehrfurcht", in der ״heiligen Scheu" gegen das überlieferte Göttliche und Erhabene war Isaak das strahlende Vorbi.d פחד יצחק nicht nur seinem Sohne Jakob (Genesis a a. O-), sondern er soll es auch allen Söhnen Zakob's aus dem ganzen Erdenrunde sein- Um einem etwaigen Mitzvcrstündniß vorzubeugen, fügen wir noch die Bemerkung hinzu, daß hiermit nicht gesagt sein soll, die heil. Schrift stelle ein Muster der gedankenlosen Blindgläubigteit auf. dies wäre eine zu weit gehende Folgerung- Doch ist eS Thatsache: Die meisten Menschen desitzen nicht die Kraft und sollen auch nicht den Beruf für sich iil Anspruch nehmen, bahnbrechend, resormatorisch, schaffend zu wirken; es ist dann auch für Vas große Ganze gleich verdienstvoll, die Grenzen der eigenen Kraft bescheiocn anzuerkennen und das bestehende Gute festzuhalteu und zu fördern. Sieben Abraham ist deshalb das Vorbild Isaak'» nolhwendig, ganz so wie dem נעשה das נשמע ais Ergänzung zur Seile gestellt ist. C ö t h e n. I)r. M. D e s i a u e r. Literaturbericht. Necensioneo. Keilvut, J.. Ueber die ursprüngliche und richtige Eintheikung des Dekalogs. Altona 1873. Ueder die Eintheilung der zehn Gebote ist besonders in der letzten Zeit schon viel so geschrieben worden, daß cs säst bedenklich erscheint, einen so oft behandelten Stoff von Neuem wieder in einer besonderen Schrift zu bearbeiten. Doch wenn wir das und vorliegende Werkchcn mit Aufvierksamkeit durchlesen, werben wir den Vorwurf nicht bestätigen tonnen, daß der Verfasser nur alte, schon längst erwähnte Dinge wiederholt und die bisher üocr dieses Thema vorhandene Literatur nur unnütz vermehrt habe, wir werden metmehr neu« und wichtige Gesichtspunkte erfahren, die für die ursprüngliche Eintheilung des DckalogS von nicht geringer Bedeutung sein dürften und bisher noch wenig berücksichtigt wurde»- Bisher sind nämlich fast alle Untersuchungen über diesen Gegenstand nur von christlichen Theologen und Exegelen unternommen worden, so daß eine confcssionellc Beeinflussung beinahe unuingänglich war. Herr Heubut hat es nun unternoinmcn, die Eintheilung der zehn Gebote, wie sie die christliche Kirche alS endgültig festgesetzt hat, wissenschaftlich zu widerlegen und die von den Juden ausgestellte Zählung zu begründen und zu motiviren. Es würde hier zu weit führen, auch nur in Kurzem auseinanderzusetzen, durch iveiche Mittel, sei es durch Umstellung einiger Lätze, sei eS durch Auslastung einiger Wörter, die verschiedene» Eintheilungen *) Daß die Bibel diesen Typus an Isaak besonders hervorhebt, ersieht man auch aus Genes. 26, 18. ״Und Isaak grub die Brunnen, die in den Tagen seines Vaters Abraham gegraben worden, uno nannte -sic nach,d en Namen, die sein Vater ihnen beigelegt hatte." (Red.) des Dekalogs entstanden sind, von denen auch beute noch 7, kiniheilunge!» in den verschiedenen Exegcten ihre Vertreter finden. So kennt z. B. die resormirte Kirche nur ein Begehrnngsverbot und stützt sich dabei besonders auf die Autorität des Phüo und Josephus, von denen der erste« besonders in seiner Schrift ״de deralogo“ ausführlich darüber spricht. Der Verfasser widerlegt diese Ansicht i» echt wissenschaftlicher und überzeugender Weise, und gerade dieses dürste wohl der interessanteste Theit der Abhandlung sein. Der zweite Theil beschäftigt sich nur mit den Beweisen für die richtige Eintheilung der zehn Ostbote, wie sie im Talmud und in unsrer Bibel noch heute ausgestellt ist. Natürlich sucht der Vers, zuerst den Haupteinwand zu widerlegen, als ob nach unsrer Zählung das erste Gebot nur eine Aussage enthielte und kein wirkliches G c b o t. Der Dekaiog ist aber keine Zusammenstellung von zehn Gese -en, sondern enthält nur zehn Aeußerungen des göttlichen Willens. Diese Ansicht wird durch die Bezeichnung des Dekalogs in der Bibel und bei den alten Versionen bestätigt. Immer werden sie d e ״zehn Worte" oder ״Ausspräche" und nie die ״zehn Gebote oder Gesetze" genannt. Noch viel« Beweise bringt der Vers, zur Bestätigung seiner Annahme, gegen welch« man wohl nichts von Bedeutung einwcnoen kann. Herr H. hat sein Tbcma mit Gründlichkeit durchgeführt, und die Schrist desselben verdient auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden. K. W. Bücherschau. (Fortsetzung,) T. An das zule st erwähnte (französische) Lunch inüpsen wir di« Besprechung eines umfassenderen KaünderwerkeS: 4) Simon De. Max. Hundertundzwanzigjähriger Doppel-Kalender der jüv. und chrisri. Zeitrechnung von 5 -4i—5660 1781—1800 zur leichten Umwandlung des einen ׳Datums in das andere. Berlin, Wolf Pciser. 1876. (9 Tabellen Ouer-O-uart. 10 Sgr.) Tabellen zu dem i», Titel angegebenen Zwecke sind ein Bedürsniß, und es sind daher solche für eine längere oder kürzere Reih« von Jahren ziemlich viele erschienen. Die S mon'schen umsassen einen für das Bedürsnch des Lai n genügenden Zeitraum — obgleich wir die Jahre von 1700 -80 doch noch mit ansgenommen zu sehen gewünscht hätten. Für den Laien, der nur dann und wann ein Datum nachkchlagcn will, sind aber die vorliegenden Tabellen immer noch nicht bequem genug. Sie geben ohne sonderliche Mühe nur die Umwandlung christl. Daten in jübische, die unigckchrtc Operation erfordert ein genaues Durchlesen der Gebrauchsanweisung; wir zweifeln, daß Zedermann sich damit zurechtfinden und namentlich keine Fehler in der Rechnung machen wird! Wer dagegen mit Datenbestiminung öfter zu thun hat, nach aufmerksamer Durchsicht der Gevrauchsbestimmungen diese leicht handhaben lernt und mit den allgemeinen Regeln der beiden Kaicnver ohnebin bekannt ist, der wird doch lieber die Tabellen von Jahn, die nur 5 Groschen mehr als die Simon'schen kosten, und einen Zeitraum von 1700 Jahren <358 bis 2050) umsassen, anschassen. Für den Laien müßten die Tabellen durchaus in d11|)lo gegeben werden, einmal mit Voranstellung der christlichen, du« anveremal mit denen der jüd. Jahre und Monate. Die Tabellen 7 und 8 der hier besprochenen könnten dann wegbtciben, ebenso die obere Zehr selbstoergündliche) Halste der Tab. 9, und so würden Doppeltaseln für 120 oder 140 Jahre immer nur ein » geringea Umfang haben. Zu der OjlcrtabeUe iTad. 4) würden wir die Daten für das Peßachsest daneben scye», und noch bester auch die für Roschhaschna;;. B. Ost. ׳OL ה״ה 1875. 28 M. 20 A. 20 8. was ja nur sehr wenig Raum wegnehmcn würde. — Da indessen das, nach unsrer Meinung, Bessere die Anerkennung des Guten, solange jenes nicht vorhanden ist, keineswegs ausschließt, so nehmen wir keinen Anstand, die Simon'schen Tabellen zu empsehlcn; denn die erwähnten Jahnschen sind für den Laien unbrauchbar, die Kurnik'schen und andere umsasstnvere zu theucr, und alle, die wir sonst kennen, umspannen einen zu kurzen Leitraum, ui» irgendwie zu genügen, und sind auch wohl säniintlich nur als Zugaben und Anhänge zu verschiedenen Büchern erschienen. Im Anschluß an die französischen Bücher (Nr. 1—3) erwähnen wir die Schrift eines geborenen Franzosen (Elsässers): 5j Nordmann (ili., Rabb. in Hegenheim) Klänge vom Jordan. Hebräische Lagen und Lebensbilder aus Talmud und Midrasch gesammelt. Mit einem Anhang v n Fantasie- und o'>elegcnheits Gedichten. Basel 1872. Wir haben nicht umsonst die Nationalität deS : ers. angegeben. *) Er schreib: und spricht vielleicht das Französische init inehr stylistischer Eorrestheit a>s das Deutsche. Wir brauchen nicht an die Formvollendung des Lachs'schen ״Stimme» vom Jordan und Euphrat", an di« uns doch schon der Titel erinnern muß, zu denken, um den Abstand zu empfinden. Auch die unlängst liier besprochenen lendlau'jchen ״Sagen und Legenden" sind ver Form nach weit vorzüglicher, als die Nordmann'schen. Wir wollen nicht auf kleinlich schulmeisternde Kritik sprachlicher Schwächen der Lammtung eingehen, es genügt ein paar Strophen oder Zeilen ab- *) Derselbe ist ein Oheim des zu früh verschiedenen Vers, ver Urte« das*. de 1» litte«, helir., welche ivir im Jayrg. 1872 Nr. 20 d. Bl. besprochen haben.