Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 1. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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nuU jeit fkfc tato theuer zu machen; aut«, jüdisch« Bücher zu solchen Fest- «schenken find also ein Bedürfnist. WoMemerkt, nur für die Rinder. Die Rücksicht auf die Rinder wird den Inhalt solch eine« Buchebestimme« müssen, ihr« Bedürfniff« werden allein darin zu berücksichtigen sein. Emil Lehmann hat Heuer ,um ersten Male seinen Gedanken zur That werden lassen und entschlossen und thatkrSftig ein Buch: ״Zu Lha nuta" aus den Büchermarkt gebracht. Der tiersuch verdient alder erste ganz besondere Berücksichtigung und eingehende Betrachtung. Es ist ja nicht genug daran, eine verdienstlich« Anregung gegeben zu haben, und der Werth eine- Gedankens gicbt uns nur ein verstärktes Recht, die Bedeutung der Ausführung zu prüsen. handelt es sich doch darum, ob in dieser Weise der Gedanke iu Zukunst werde ausgeführt werden können, oder ob eine andere Weise der Ausführung erforderlich sei. Schon die Bezeichnung: Jüdisches Haus- und Volksbuch muß nach dem Vorausgeschickten au,fallen. Wo bleiben die Kinder? Sollen diejenigen, die allein dem Unternehmen ein Zicchi zu bestehen geben, auf dem Titel kein« Erwähnung finden? Weder das jüdische Haus, noch das jüdische Volk braucht rin Buch zu Chanuka. Wollen unsere Dichter und Schriststeller uns beschenken, so sind sie jederzeit willkommen. So äußerlich diese Bemerkung scheint, so trifft sie doch in den Kern der Sache. Ein Buch sür die Rinder, bei dem die Rinder oergeffen wurden, das trifft zu, nomen et nmen. Das ganze Buch liest sich wie eine Bestätigung zu Li,sein Urtheil. Dieser Grundfehler der Anlage ist die Wurzel der zwei Hauptsünden, die dem Buch« zum Vorwurf gemacht werden können, sowohl derjenigen, die das Innere, den Charakter des Ganzen trifft, wie auch der, die äußerlich mehr noch durch daS was n i ch t da ist, also weggelaffen wurde, als durch dasjenige, was da ist und uns darin gcbotm wird, zur Erscheinung kommt. Ein Buch, das für die jüdische Jugend bestimmt ist, muß sich aus den allen Standpunkten gemeinsamen Boden des Judenthumstellen. Bon dem Buche, das ein denkender Vater und Erzieher seinem Rinde in die Sand giebt, hat er ein Recht die Gesinnung zu fordern, die er selber hegt, kann er doch nur daihm bieten wollen, was er selber sür wahr erkannt hat und heilig hält. Mit dem Zweifel wird die Ruhe deS kindlich.m GemüthcS nur verscheucht, Kampf und prüfende Wahl zwisch n gegnerischen Lehren eignen sich nicht sür dm jugendlichen Geist. Wenn «S nun ein Verstoß gegen alle Regeln vcmünstiger Erziehung und, gelinde gesagt, eine Geschmacklosigkeit genannt werden muß, Fragen vor die Jugmd zu bringm, die die Wissenschaft und das reise Alter beschäftigm, wie es in unserem Buche geschieht, so muß es vollends Entrüstung Hervorrufen, um nicht härtere Ausdrücke zu gebrauchen, wenn man Sojen begegnet wie der folgend«: ״W.r mindestens habm daS l!»esühl und das Bedürsniß, daß cs ganz anderer Mittel, als der allwochmtäglichen Anlegung von Gebetriemen, als der Sabbatlampe und des häufigen Spnagogenbesuches bedarf, um in unsrm Kindem die Gluth der Begeisterung sür jüdisches Wesen anzufachen und rege zu erhalten" (S. 189). Wozu soll das schmückende Beiwort: ״Die geschmacklose Haggada" (S. 6)? Was soll man dazu sagen, wmn dein Lobe des V»rsöhnungstages eine Beschränkung angehängt wird, wie die folgende: ״Wmn nicht Fastenquai und endloser Gottesdimst diesen Edelstein unserer Religion in eine allzu erforderliche Fassung versetzt hätte" (S. 6)? Mit dem Borwurf der Retzerciecherei ist man heutzutage sehr leicht zur Hand doch kann er keine Antwort sein aus die begründeten Einwürfe, die hier erhoben werdm. Auf dem Titelbilde des Buches strahlt einladend die Menorah, ein Wappen, das manchen Frommgläubigen bestimmen könnte, ungeprüft dieses Buch seinen Kinoem in die Hand zu geben. Wmn dieser aber nachträglich auf Aeußerungen, wie die erwähnten, im Munde sein.r Rinder stieße, die ihn auf dies Buch als deren Quelle verwiesen, könnte er nicht dm Vorwurf der Erschleichung und frevmtlichcn Täuschung wider dieses Buch erheben? Das wäre freilich ein trauriger Lohn für des Herausgebers rühmliche Absicht, aber der redlichste Wille kann durch Ungeschicklichkcit in der Ausführung aus einem dankensiverthen Verdienste zu einer bedauernswürdigen Verirrung werden. Der Zweifel ist kühl, die Verneinung leer, warm und voll ist allein die. Ueberz >ugu»g. Und aus großem in sich ruhigem Geiste muß ein religiöses Buch sür die Iugend geschrieben fein. W.e will man in einen! Atheinzug die Lichtersreuve des Chanuka als alt und überwunden darstellen, durchaus aus dem Zusaininenhang mit Makkabi'S Siegen reißen und daneben Begeisterung sür das Fest und die Menorah fordem? Der Verstand allein ist unfruchtbar und kann nicht- Erwärmendes schaffen, wer die Dinge nicht auS warmer Seele anzufaffcn versteht und von dm Farbm der Darstellung nur das Grau der Theorie zu seiner Verfügung hat, der mag lieber von der Schriftstellerei sür die Jugmd fernbleibcn. DaS gilt säst von allen Beiträgm in diesem Buche, soweit sie p r o s a i s ch sind. Gesungenen Auskläri cht, wie Gutzkow sagt, trifft man darin selten oder gar nicht, wenn cs sich auch der Herausgeber nicht hat nehmen taffen, dem neunten Ab durch den Hinweis aus das deutsche Vaterland seine Größe zu nehmen und den Messias durch die Erfindung eines deutschen Kanaan auszuhalten. Daruin kann man aber durch di« meisten der gebotenen Gedichte mit Freude uno ungemischtem Dankgefühl für den Herausgeber lesen, der in ihrer Auswähl sowohl wie in seinen eigmen Beiträgen Geschmack und Begabung an den Tag gelegt hat. Lehmann allein hat auch in seiner Prosa einen warmen, zum Herzen sprechenden Ton getroffm, um so unliebsamer stört daher gerade in seinm Aussätzen die Auftlärerei. Man hat in neuerer Zert angefangen, den Theatervorhang in manchen Städtm mit Annoncen zu behängen, die gemeine Wirklichkeit also dis an das Allerheiligste der Kunst vorzudrängm, verständige Direktionen haben den Unfug natürlich ferngehalten. Ist es nicht gmau dasselbe Beginnm, wenn man da, wo «.eS Pälteitre.bm rin Ende haben sollte, vor dem Herzm der «mder al« Werder für di« Reform austritt? Dies« unzeitige Belehrerei hat auch einen f» frostigen Ton in da» Ganze hineingebracht, daß seltm ein Rind, von einem Erwachsenm zu geschwei en, eüber sich bringm wird, einen dieser profaischm Aufsätze zu End« zu lesen. Ein Rind fragt ja nicht, ob der Herr, der ihm etwa» erzählt, ein Gelehrter sei, das glaubt es gcm, wmn es überhaupt daran dmkt. Wozu also diese Gelehrsamkeit am unrechtm Orte! Die Brüder Grimm warm doch auch sehr gelehrte Männer, aber sie habm niemals dm Kleinen den Geschmack an chrm Märchm durch einen Hinweis auf ihr« geiehrtm Bücher verleidet. Um zu glauben, daß wir noch Gebetstücke aus der Zeit der großen Bersaimnlung habm, braucht man doch wahrhaftig nicht erst den ״Synagogenkultus" des Hcrm vr. Rothschild in Alzey nachzuschlagm. Wer'S nicht glaubt, zahlt zwei Groschen, — heißt es drastischer einmal bei dm gelehrtm Gebrüdem Grimm. — Auch der zweite Hauptfehler des Buches ist au» der Vernachlässigung seiner eigmllichm Aufgabe bcrvorgcgangm. Schon eine flüchtige «niicht des Buches läßt dm Mangel an jeder größeren poetischen Erzählung in die Augm springen. Ein Buch für die Juzenv ohne Erzählungen oder, was noch schlimmer ist, mit vemünftigen Betrachtungm an Stelle derselben, ist ein verfehltes Untemehmcn. Was kann der Jugend und, wie wir einmal beschaffen sind, selbst den grohm Kinoem di« Freude an der götllichm Täuschung der Dichtkunst erseacn? Größere Erzählungen — noch haben wir einen Kompert uno die nicht geringe Zahl seiner glücklichen Nachahmer und Nachfolger — hätte» auch jene Kurzathmizteft gleichsam beseitigt, die in dem Buch« jetzt so störmd wirft, die bei jedem größeren Gedichte absctzen und Halt machen n»uß, von Elndmck uns zu Eindmck jagt. Jme gewundme Einihcllung des Inhalts, die manchem schon in der Ankündigung sehr unangenehm aufgefallen ist, hätte auch dadurch vermiedm werdm lönnm, hat sie doch nur darin ihren Gmnd, daß der Herausgeber bemüht war, das Zusammenhangslose, Einzelne unter größere Gruppen zu vereinigm, was freilich nicht ohne Zwang hingehen konnte. So ist die Einheit nur eine künstlich hergeft llte. Es habm sich zwar nicht die besten uns rer jüdischen Schriftsiellcr mit so viel Beiträgen eingefunden, als eigentlich ihrem Range nach von ihnm wäre zu erwartm gewesen, aber auch hsir zeigt cs sich von Neuem, wie viel Kräfte im Judenthum verborgen blühen. Für den poetischen Thell wird jeder Ehrlichbcnlmde dem Herausgeber den herzlichsten Dank wissen, da er einzelne Gaben darin zu bringen »erstanden hat, die von köstlichem Werthe sind. Vor allm anderen verdienen die Gesichte Löwmsteins in Oberdorf genannt zu werden, aber auch in den übrigen, besonders in denen des Herausgebers, wird der Leser manches Werthvolle und Dankmswerthe antreffen. Auch die Ausstattung des Buches verdient ungetheilt Dank und Anerkennung. Bei einem Unternehmen, das eine Zukunft hat und verdimt, ist die rückhaltslose Amherung aller Bedenlm wider die Art seiner Ausführung am rechten Orte, bedarf es doch nur einer Abänderung eben dieser Art, um eS Allen recht zu machen. Der Dank für einen verdienstvollen Gedankm besteht nicht darin, daß man gegen die Art, wie er zu That wird, die Augen verschließt, nur durch Prüfung und »genes Urtheil gewinnt er an Bestandkraft und an Lcbmsfähigkeit. So ist es auch bei unserem Buche, das von einer sehr edlen Absicht in die Welt gese.t ward. Aber der gute Wille thut es ebm nicht allein. D. K. Ara««, Di־. M. die Söhne des HerodeS. Eine biographische Skizze, zugleich ein Beitrag zur neutestamentlichen Zeitgeschichte. (Sonderabdruck aus der ״Monatsschrift sür Geschichte und Wissenschaft des Judenthums"). BreSiau. Stillsch. 1873. IV, 87. 8°. Diese ״biographische Skizz ", wie der Verfass» sie nennt, verhält sich eigentlich ergänzend und abschließend zu seiner Jnaugural-Differtation ״cie Herodis, qui dicit.ur, Magni filiis patrem in imperio secutis.“ Die Bedeutung dieser Abhandlung ivurzclt darin, daß sie in der That einen sehr schätzbarm Beitrag zur neutestamentlichen Zeitgeschichte liefert. Ist auch die pontive Ausbeute, welche aus den Aussührungm des Verfassers resultirt, nicht gerade eine reichhaltige zu nennen: so trägt doch die ganze Schrift in der Aufeinanderfolge der Biographie«« des Archelaus, Antipas und Philippus den Stempel exacter Methode und gründlicher Forschung an sich. Die principiell sehr wichtige und hoch interessante Frage, ob die Berichte des Josephus, welche mit aller Ausführlichkeit die größtentheils sehr unerquicklichen Details aus dem Leben der Kinder des Herodes wiedergebm und auch (Antiquit. XVIII, 5. 2) die Hinrichtung des Täufers mthaltm, im Vereine mit dm Angaben der Evangelien mit aller Bestimmtheit ein Jahr für das Auftreten desselben stxirm laffen, wird vom Verfasser mit Recht dahin erleb gt, daß nach gewiffmhafter Prüfung der vorliegenden Quellen ein bestimmtes Epochejahr für das Auftreten des Täufers nicht nachgewiescn werden könne. Dogmatisch völlig unbesang.n, besonnen und gewissenhaft prüfend, das sehr heterogene, weitschichtige, historische Material mit Sicherheit beherrschend ori.ntirt der Verfasser den Leser mit großer Leichtigkeit trotz aller Wirren und Confusione», die gerade bei dieser Parthie der jüdischm und neustetamcntlichcn Geschichte dm Blick zu trübm geeignet sind. Da» Lavirm und Schwanln, weiches in den Urthcilen der evangelischen Bermittclungstheologm sich oft genug verräth, die unberechtigten, nicht seltm einander geradezu aushebenven Ängabm Keim'» werdm vom Versaffer mit vielem Geschicke erfolgreich bekämpft. Grätz' Angabm werdm von ihm gelegentlich, w» ersterer ohne Gmnd Behauptungen geltend macht, berichtigt. ^Ueberhaupt aber gereicht es der ganzm eschrifi unsireuig zum Vorzüge, daß sie nicht