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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 1. (1874) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 1. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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stimmt auch vollkommen mit der Schilderung überein, welche Baron Kempelen von jenem Exeniplare giebt, das er beim Rabbiner in Konstanlinopel gesehen. Beide haben Form und Farbe gemeinsam, beide verengen sich in der Mitte in einer an Gläsern des Abendlandes ungewöhnlichen Form, um oben und unten sich namhaft zu erweitern. Wie wir am Eingänge gesehen, war die Gruftkirche ursprüngiich die Synagoge der in München wohnenden Juden, und eS gehört nicht zu den Unmöglichkeiten, daß der Rabbiner, weicher der Gemeinde zur Zeit des Brandes Vorstand, mit der Aufbewahrung des Etsch tumun betraut war, daß er sein Geheimniß einer zu diesem Zwecke eigens in einem Pfeiler der Synagoge oder seines damit zusammenhängenden Wohnhauses anverlraute und bei dem Ueberfalle in der Synagoge verhindert wurde, den Schatz zu retten. Möglicherweise war auch einer seiner Vorfahren Wächter des Etsch tamun und wurde durch irgend ein Unglück außer Stande gesetzt, seinem Nachfolger die verborgene Nische zu zeigen- Als dann die Maurer daran gingen, den Pfeiler abzubrechen, genügte die dadurch hervorgebrachte Erschütterung desselben zur Entfernung der Asche von dem über das Wasser emporragenden Theile des Phosphor-Stäbchens, um jenes Leuchten und Brennen hervorzurusen, von dem die Maurer erzählen, sowie jene Erwärmung des Glases und Dochtes, welche P. Hoert bezeugte. Daß die Gläser, in denen der Etsch tamun verwahrt wurde, nicht alle von Anbeginn an so reich ansgestattet maren, als das von Baron Kempelen in Konstantinopel gesehene Exemplar, dürste aus der Thal suche erhellen, daß der Goldschmuck des letztereit nach der darauf befindlichen hebräischen Inschrift erst dem Jahre 5292 jüdischer Zeitrechnung, somit einer viel späteren Zeit als der ursprünglichen Herstellung des Etsch tamun angehört. In unseren Tagen haben Geheimnisse wie das den Rabbinern anverirante bezüglich des Etsch tamun viel von ihrer Bedeutung verloren, uild wenn schon in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein Rabbiner in Konstantinopel keinen Anstand nahm, einen Gelehrten, der zudem katholischer Priester war, in dasselbe einzuweihen, so dürsten für jene Rabbiner, welche jetzt vielleicht noch Hüter des eigenthümlichen Geheimnisses sind, »och weniger Bedenken bestehen, davon zu sprechen, um so weniger, als sie damit der Wissenschaft nach verschiedenen Richtungen hin Vorschub leisten würden. Das GlaS dürfte sich noch in der Dresdener Kunstkammcr finden,*) vielleicht auch der Nest seines früheren Inhaltes. Das geheimnißvolle Glas hatte nach der Abbildung in deS Fürsten San Severo Buch eine Höhe von 18 Centim. 4 Millim., an seiner Oeffnung einen Durchmesser von 5 Centim. 9 Millim., verjüngte sich in der halben Höhe auf 1 Centim. und gewairn nahe seiner Basis wieder eine» Durch- Messer von 8 Centim., woraus es sich am Boden auf 7 Cm. 3 Millim. einzog. In der Höhe von 11 Centim. 5 Millim. über dem Boden begannen 10 wnlstenartige, nach nuten sich verflachende, gleichweit von einander abstehende Erhöhungen dekorativer Natur, welche wie die Züge eines Geschützes in leichter Spirale verlaufen. Nachbemerkung der Redaktion: Ueber das hier besprochene merkwürdige E8ch tamun (ואש טמון ist uns außer der Stelle im 2. Buche der Maccabäer Kap. 1 V. 19 u. ff. (,,denn da unsere Väter nach Persien geführt wurden, nahmen die damaligen frommen Priester heimlich vom Feuer des AltarS und verbargen es in der Höhlung einer wafferleeren Grube, wo sie eS verwahrten, so daß der Ort allen unbekannt blieb, ». s. 10") keine Stelle in jüdischen Werken bekannt, die darüber näheren Aufschluß gäbe. Sollten nicht in kabbalistischen Schriften Andeutungen darüber sich vorfinden? Wir ersuchen die Redaktion des im Orient vielgelesenen ״Hamagid" den obigen Artikel (auSzüglich) im gen. Blatte wiederzugeben; _ *) Darüber dürft« der Herr Oberrabbiner Dr. Landau dastkbst uni »uikmst -eben könne,», Red. vielleicht weiß irgend einer der gelehrten Lesrr NSHere»-darüber zu berichten, wir räumen gern da- ״Literalurbtatl* für nähere Mittheilungen über diesen ״merkwürdigen Fund* ein. Literaturbericht. Rrcruslove«. Z« Khauuüa. Jüdisches Haus- und Volksbuch. Unter Mitwirkung von Freunden herausgegeben von Emil Lehmann. Leipzig. Johann Friedrich Hartknoch 1874. Bon einem Fremden borgen, wenn der eigen: Beutel voll ist, gilt im bürgerlichen Leben für eine Charakterlosigkeit. Weit schmählicher und gefährlicher aber ist bei geistigen Dingen diese Schwäche, nachdem Frem den zu greifen, mit Vorliebe da zu entlehnen, wo entweder aus der eigenen Kraft dasselbe zu erreichen oder im eigenen Vcrmöaen dasselbe de reit» anzutreffen wäre. Die besten Männer des deutschen Volkes haben von jeher darüber Klage geführt, daß man auS freinvem Sprachgut da» entlehne, waS sehr gut mit dem eigenen Wortschätze auSgcdrückt werden könnte, oder in demselben bereit» eine glückliche Bezeichnung gefunden hat, ja sie haben aus dieser Thatsach: sehr harte Schlüsse aus die Eigenart der Deutschen ziehen zu können geglaubt. Noch sind die meisten Be- Ziehungen, die man gemeiniglich für bedeutend hält, uin «ine Anzahl Einzelner zu einem Volk zu mach.n, unerforscht und geheimnißvoll, eines aber ist sicher, daß die Sprache da» festeste Band der Zusammengehörigkeit um ein Volk schlingt. Erweist sich nun diese Sprache als unvermögend, dem Geiste Ausdruck zu schafstn, so stellt sie dem Volke, das sie spricht, ein trauriges Armuthszeugniß damit au». Wa» die Worte dem Gedanken, da» sind die Ccremonien und Gebräuche dem Geiste einer Religion, sie sind die Sprache ihres Geiste». Wen» nun die Bekenner einer Religion Leremonien einer anderen entlehnen, so ist e» die empfindlichstc Schinähung und Heradletzung, die sie der eigenen damit bereiten. Der Vergleich hinkt leider nur wenig. Wie e» nicht immer da» Bedürfniß, sondern oft und in den nreisten Fällen die Gedankenlosigkeit und di« NachahmungSsucht ist. wa» die Einschleppung .on Fremdwörtern in den eigenm Sprachsatz Hervorrust, so ist es nicht die Sehnsucht nach dem passenderen Ausdruck für irgend eine Vorstellung oder ein Gefühl, sondern die Hohlheit und der Unverstand, durch die fremde Religion»- brauche anstatt der eigenrn erwählt werden. Nicht etwa, weil die Ecinnerung an Juda Makkabi kraftlos geworden oder die Menora ausgehört hat ein geeigneter Ausdruck für die SiegeSsreuve zu sein, haben Viele im heutigen Israel dem Weihnachtsbaum Eingang verschafft in ihre Häuser, tiefere Gründe hat dieser Unfug überhaupt nicht. Daß es aber ein Unfug, eine empörend« Unsitte ist, der hiermit Verbreitung geschafft wird, und nicht blos eine gleichgültig«, harmlose Gewohnheit, in der süßliche Seelen sogar etwa» Bezaubernde», Rührendes erblicken möchten, wird bei einiger Betrachtung der Sachlage unzweifelhaft gewiß. Da» Christenthum hat dafür gesorgt, da» uralte Symbol de» Weihnacht»- bäum» und der Lichter so sehr zu seine», eigenen zu machen, daß man X unmöglich diese annehmen kann, ohne zu ihm sich zu bekennen. Und dennoch kann man kühn behaupten, daß selbst di« Verhärtetsten unter jenen Juden, die in ihrer Familie den Christbaum ausstellen, der Annähme selbst nur der Grundlehren de» Chrisienthums entschiedenen Widerstand entgegensetzen würden. So erweist sich die Befolgung dieser Lereinonie al» eine Gedankenlosigkeit der niedrigsten, zugleich aber bedenklichsten Art. Denn in den Herzen jener Kleinen, die da» deweinenswerthe Loo» trifft, mit unverstandenen Bräuchen gesültert zu werden und al» höchste Ccremonie die Ausprägung desjenigen «Seifte» zu feiern, der ihnen ihrer Abstammung und ihrem Glauben nach zmvider sein sollte, wird von zarter Kindheit an die Ueberzeugungslosigkeil und Charakterschwäche hervorgerusen, die Halbheit uns die Hohlheit geweckt und genährt. Die Gotteshäuser Deutschlands wiederhallen alljährlich von dem Eiser wider diesen Unfug und iminer wieder von Neuem sehen dte Prcdiger sich veranlaßt, dagegen zu donnern. Aber die Unvernunft ist mit Gründen nicht zu bekämpfen, ebensowenig wie man der Gedankenlosigkeit mit Gedanken beikoinmen kann. Eine Gewohnheit, wenn sie erst alt und eingewurzelt und, wa» noch schlimmer, in wette Kreise gedrungen ist, kann nicht auf vernünftigem Wege, durch bloße Gründe weggeschajst werden, Gift ist nur durch Gegengift zu beseitig-״, der schlechten Gewohnheit muh eine Macht von gleichem Range entgegentreten, eine andere, die gut« Gewohnheit. C» ist darum als ei» äußerst verdienstlicher und glücklicher Gedanke des unermüdlich regsamen Dresdener Rechtsanwalt», Einil Lehmann, z» bezeichnen, alljährlich zur Weihnachtszeit, d. i. ״zu Chanuka" der jüdischen Jugend ein Buch zu bescheeren, da» auf jüdischem Gebiete da» leisten soll, was die Fluth der Weiynachtsliteratur auf christlichen, von jeher leistet und wa» bisher leider für die Juden wohl oder übel mitauSreichen inußte, Gewohnheiten lasten sich nun einmal nicht aus der Welt hinwegraisonnircn, st« sind da und leben vom allerhartnäckigstcn Aechtstilel, dem Recht der Thatsachen. Jüdisch: Kinder, es ist nun einmal so, möchten wie ihre christlichen Gespielen auch etwa» um die Weihnachtszeit geschenkt bekommen, die Bücher der allgemeinen Literatur, die zu diesem Zwecke erscheinen, eignen sich für uns nicht, weil jüdische Kinder nicht mit dem geistig genährt werden sollen, wa» wir von ihnen fern halten wollen. Die weise Erziehung muß also darauf bedacht fern, den Ktnderli die Cha-

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