Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 3 (1874)
- Issue
- Nr. 1. (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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WW MmtuMtt f Z,r Kktkxchlxng eltr -»»m- I thR« « -u»en »etrrfieu»«, U- I »rrarischen Erschnnungn» «uf I im (Stbittt »tr Philssophie,Ge- | schichte,Ethnographie,Theologie, I Prientali«, Exegese, Homiletik, I Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. M. Nähme» in Magdeburg. Bücher »er rinschligigen Lite- I rolur, «eiche »er Re», »e« ״Hü». I LiteroturktoU" in Mog»,»,rg I (»»er »er ^-»raet. Wochenschr.- I ln Stettin);ugesondt «erben, I finden in diese« Motte ein- I gehende Besprechung. I Nr. 1 «richnnt 1—2mat «umaUich. Preis pro Jahrgang 1 Thlr. Für di« Abonnenten der ״Israelitischen Wochen, schrift" gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 3. Jahrgang. Ci« geheimnißvoller Kund. Von Carl Albert Regnet. (Schluß.) Einer Tages habe ihn der Rabbiner bei der Hand genommen und ihm bemerkt, er wolle ihm nun eine der größten Seltenheiten zeigen. Dann habe er in seinem ArbeitSzimmer einen Wandschrank geöffnet, der so trefflich angebracht gewesen, daß man ihn unmöglich habe bemerken können, und aus demselben einen gläsernen Kelch genonimen, der oben die Gestalt einer halben Orange gehabt und auf einem reichgearbeiteten goldenen Fuß gestanden sei. Das Gefäß sei bis zum Rand mit Waffer gefüllt und in der Mitte ein senkrecht befestigte- Stäbchen zu sehen gewesen, dar ganz unter Waffer gestanden und im Dunkeln einen schwachen Schein verbreitet habe. Dann habe der Rabbiner den Deckel abgenommen und ein paar Tropfen von dem Waffer auSgegoffen. Im selben Augenblicke habe aber das Stäbchen, deffen oberes Ende um etwa ein paar Finger breit aus dem Waffer emporgeragt, Funken zu sprühen und zu leuchten angefangen. Nachdem aber stch am Stäbchen Asche angesetzt, hätten diese Erscheinungen zwar aufgehört, sich aber sofort wiederholt, als der Rabbiner daS GlaS leicht angestoßen und dadurch die Asche habe abfallen lasten. Danach habe der Rabbiner die Fensterläden wieder geöff- *»et, die er vorher geschloffen gehabt und das Waffer bis zum oberen Rande des Stäbchens nachgefüllt und dann das Ganze wieder iir sein Versteck zurück gebracht. Baron Kempelen erklärte nun, wie er weiter erzählt, dem Rabbiner, daß das Stäbchen seiner Ansicht nach PhoSphor sei, der aus Urin hergestellt worden, wenn auch in anderer Weise als in der damals üblichen, und der Rabbiner habe auch zugegeben, daß er «uf der rechten Spur sei. Der im Glase befindliche Phosphor, Etsch tamun genannt, entzünde sich aber auch ohne Erwärmung und Druck oder Stoß, weil er nicht blos aus Urin, sondern auch aus menschlichen Excrementen hergestellt sei. Was den Etsch tamun, d. h. das ״verborgene Feuer" betreffe, so dürfe sich der Baron nicht wundern, daffelbe so sorgfältig aufbewahrt zu sehen, sei es doch seit zweihundert Fahren von ein״m Rabbiner Namens ״Levi von Jerusalem" von Hand zu Hand der sich einander folgenden Rabbiner Konstantinopels auf ihn gekommen. Das verborgene Feuer repräsentire für die Juden das Bild ihrer Hoffnung auf den Messias. Ihre Vorfahren seien im Besitze des heiligen Feuers gewesen, nachmals aber sei es zu Vertust gegangen, später aber infolge göttlicher Inspiration wieder hergestellt worden. Die Auserwählten, die der Herr inspirirt, hätten nur zwölf Exemplare davon hergestellt. Nun wollte Baron Kempelen auch wiffen, wohin die übrigen elf gekommen wären, und da erzählte ihm der Rabbiner, nach den Traditionen, die zugleich mit dem Etsch tamun auf ihn gekommen, habe eineder Exemplare ei» be» rühmter Rabbiner, Namens Jsaac Abrabanel, beseffen und es mit all' seiner Habe verloren, als er aus Lissabon verjagt worden. Von dem Schicksal der weiteren zehn wußte er nicht- und meinte nur, sie seien über die ganze Welt zerstreut worden und befänden sich immer in der Hand der bei ihrem Volke angesehensten Rabbiner. Aber auch damit war Baron Kempelen noch nicht zufrieden gestellt; er inquirirte den Rabbiner weiter, ob durch den Verlust des in der Hand Jsaac Adrabanel'S befindlich gewesenen Feuerder Absicht der Juden, die zwölf Exemplare davon vertheilt hätten, kein Eintrag geschehen, und dann, ob die ganze jüdische Nation vom Etsch tamun Krnntntß habe. Auch hier blieb der Rabbiner die Antwort nicht schuldig. Was die erste Frage beträfe, so sei an dem Verluste des vom Rabbiner Jsaac Abrabanel verwahrten Etsch tamun nichts gelegen, denn die AuSerwählten hätten bri der Herstellung des Feuerdaffelbe nur deshalb in ebenso viele Theilt als Stämme getheilt, damit eS so leichter bis zur Ankunft des Messias erhalten werde, auf deffen heißersehntrßWteb», nen es anspiele Daß alle zwölf Exemplare bis dahin ^or» Händen sein müßten, sei nie in ihrer Absicht gelegen. Was die zweite Frage des Baron anlangt, so habe er über die Existenz des ihm zur Verwahrung anvertrauten Etsch tamun noch keinen Angehörigen seines Volkegesprochen, denn es handle sich ja um «in verborgenes, um ein ge׳ Heimes Feuer. Uebrigens knüpfe sich daran die sonderbarste und extravaganteste Tradition. Nach dieser dürften nämlich jene Rabbiner, ,welche den Etsch tamun zur Zeit der Ankunfl des Messias in Verwahr hätten, denselben dem MrssiaS überreichen und dafür seiner Anerkennitng sicher sein, und dann würden mit diesem Feuer alle Feinde des MessiaS verbrannt werden, wie der Psalmist vorhergesagt: ״Und er wird dem Messias das Feuer dargereicht werden und seine Feinde verzehren." Daraus erkläre sich auch die Sorgfalt, mit welcher der Etsch tamun verborgen gehalten und verwahrt werde. Soniit wären wir der Beantwortung der Frage um den Ursprung jenes in der Grustkirche zu München gefundenen geheimnißoollen Glases näher gerückt. Denn was hindert uns, anzunehmen, daß wir in diesem Glase eines jener Geräthe vor uns haben, in denen der Etsch tamun verwahrt wurde? Die von San Severo nach einem ihm aus Dresden zugesendeten hölzernen Modell mitgetheilte Abbildung des in München gefundenen Glases weist in der äußeren Erscheinung deffelben nicht blos entschieden aus den Orient hin, sondern